Ein ebenso charmanter wie beschwingter Auftakt in den Silvesterabend: Wenn die Geigerin Anne-Sophie Mutter Stargast des Silvesterkonzerts der Berliner Philharmoniker ist, dann erscheint diese ohnehin festliche Veranstaltung unter der Leitung von Sir Simon Rattle noch ein wenig glamouröser. Vor allem, wenn das Programm mit Werke von Emmanuel Chabrier, Jules Massenet, Francis Poulencs und Maurice Ravel bestritten wird, einer Musik, so prickelnd und belebend wie Champagner und passend zu den Bravourstücken, die Anne-Sophie Mutter vorträgt: Camille Saint-Saëns’ Introduction et Rondo capriccioso sowie Maurice Ravels Tzigane, eine hochvirtuose Rhapsodie für Violine und Orchester, die die halsbrecherischen Stücke von Niccolò Paganini zum Vorbild hat. Und das Schönste: Man braucht keine Konzertkarte, um mit dabei zu sein. Das Konzert wird live in der Digital Concert Hall, auf arte (zeitversetzt) und im Kulturradio des rbb sowie in einem Kino ganz in Ihrer Nähe übertragen.

Spektakulärer Anfang

Anne-Sophie Mutter wurde von Herbert von Karajan für die Berliner Philharmoniker entdeckt: 1977 trat sie erstmals im Rahmen der Salzburger Pfingstfestspiele mit dem Orchester auf – im Alter von nur 13 Jahren. »In Dankbarkeit für mein erstes Konzert mit den Berliner Philharmonikern unter Herrn von Karajan«, schrieb die 13-Jährige anschließend auf eine Grußkarte. Die Schrift wirkt noch sehr kindlich, nicht jedoch ihre Interpretation von Wolfgang Amadeus Mozarts G-Dur-Violinkonzert. »Sie spielte es hinreißend, und vor allem: sie spielte es ganz und gar nicht wunderkindlich. Ihre Technik ist voll ausgereift«, schwärmte der Rezensent der Welt. Ihre mädchenhafte Frische bezauberte, ihre Technik überzeugte, gleichwohl fragten sich die Kritiker, ob aus dem Wunderkind eine ernsthafte Künstlerin werden würde.

Künstlerische Übereinstimmung

Schon kurze Zeit später war diese Frage beantwortet: Von 1980 bis 1983 präsentierte sie die großen Violinkonzerte: Beethoven, Bruch, Mendelssohn, Brahms – meist, aber nicht ausschließlich mit ihrem Mentor Karajan. Und der stürmische Beifall des Publikums wie auch das Urteil der Presse ließ keinen Zweifel: Die Geigerin war in dieser Zeit zu einer Künstlerin von Rang herangereift. Nach jenen philharmonischen Anfangsjahren folgte eine längere Pause. Erst 2003 kehrte sie gemeinsam mit dem Dirigenten André Previn zu den Berliner Philharmonikern zurück. Ein besonderes Highlight in der Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern war 2008 das Geburtstagskonzert zum 100. Geburtstag Herbert von Karajans, das Seiji Ozawa dirigierte. Nicht von ungefähr interpretierte die Geigerin das Violinkonzert von Beethoven, das Werk, das sie am häufigsten mit Karajan aufgeführt hat. Bei ihrem letzten Auftritt im Februar 2013 spielte die Geigerin unter Leitung von Manfred Honeck Antonín Dvořáks Violinkonzert und seine Romanze für Violine und Orchester. Der Live-Mitschnitt dieses Konzerts kam auf CD heraus und war nach 30 Jahren wieder die erste gemeinsame Veröffentlichung von Anne-Sophie Mutter und den Berliner Philharmonikern.