1978 gab es beim Internationalen Jugendorchester-Wettbewerb eine kleine Sensation: Ein japanisches Jugendorchester erspielte sich mit Strawinskys Sacre du printemps nicht nur den Sieg, sondern auch die uneingeschränkte Bewunderung Herbert von Karajans. Das Sensationelle daran war, dass ein aus Amateuren bestehendes Orchester sich gegen junge Berufsmusiker durchgesetzt hatte. Das Waseda Symphony Orchestra, das Studentenorchester der renommierten Waseda-Universität in Tokio, ist zwar ein Klangkörper von musikalischen Laien, es bildet jedoch für viele junge Japaner einen Anreiz, sich an dem Elite-Institut einzuschreiben. Von den 56 000 Studenten der Hochschule, musizieren etwa 300 im Symphony Orchestra. Das ist – verglichen mit Berufsorchestern – eine recht hohe Anzahl an Mitgliedern. Gleichwohl ist es nicht einfach, aufgenommen zu werden. Jeder Musiker muss sich durch ein Probespiel qualifizieren. Hat er diese Hürde geschafft, dann erwartet ihn eine hochprofessionelle Arbeitsweise: Drei Proben die Woche sind die Regel.

Voller Musikbegeisterung

Seit dem spektakulären Wettbewerbsgewinn 1978 gibt es eine enge Beziehung zwischen dem Waseda Symphony Orchestra und den Berlin Philharmonikern. Auch heute noch gehört für die Musiker der Berliner Philharmoniker auf jeder Japanreise ein Abstecher an die Waseda-Uni einfach dazu. Dort treten sie nicht nur in diversen Kammermusikformationen auf, sondern unterrichten die jungen Instrumentalisten des Studentenorchesters. Die alle drei Jahre stattfindenden Europa-Tourneen des Symphony Orchestra sind ebenfalls ein Ergebnis der freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Waseda-Universität und den Berliner Philharmonikern. Bei der Programmgestaltung setzen die japanischen Musiker und ihr langjähriger Dirigent Masahiko Tanaka auf höchst anspruchsvolle Werke der Orchesterliteratur, bevorzugt auf die von Richard Strauss. Auch auf seiner diesjährigen Tournee spielt das Waseda Orchester zwei Tondichtungen des Komponisten: Also sprach Zarathustra und Don Juan, außerdem Salomes Tanz aus der Oper Salome. Und noch eine weitere Komposition darf bei den Auftritten des Waseda Orchesters nicht fehlen: Maki Ishiis Mono-Prism für japanische Trommeln und Orchester. Um dieses Stück adäquat aufführen zu können, haben sich einige Musiker in der alten Kunst des traditionellen Taiko-Trommelspiels ausbilden lassen. Sie beherrschen diese Schlaginstrumente so virtuos, dass Mono-Prism inzwischen das Paradestück, sozusagen das musikalische Signet des Ensembles geworden ist. Übrigens: Das Konzert des Orchesters am 8. März 2015 in der Berliner Philharmonie wird kostenfrei in der Digital Concert Hall übertragen.