Zwei herausragende Künstler geben in Mai ihr Debüt in den Orchesterkonzerten der Berliner Philharmoniker: die chinesische Pianistin Yuja Wang und der italienische Dirigent Gianandrea Noseda. Die 28-jährige Yuja Wang, die am Zentralen Musikkonservatorium ihrer Heimatstadt Peking, am Mount Royal College in Calgary sowie am Curtis Institute of Music in Philadelphia studiert hat, stellte sich bereits im Mai 2013 mit einem Solorecital erstmals im Rahmen der Konzerte der Stiftung Berliner Philharmoniker vor und beeindruckte mit ihrer starken Bühnenpräsenz, ihrer phänomenalen Virtuosität und »ihrem außerordentlichen Gespür für Farbnuancen« (Der Tagesspiegel). Ihre Programmauswahl mit Kompositionen von Skrjabin, Ravel, Liebermann und Rachmaninow machte deutlich: Die anspruchvollsten Werke der Klavierliteratur meistert sie mit Leichtigkeit. Bei ihrem Orchesterdebüt interpretiert sie unter Leitung von Paavo Järvi Sergej Prokofjews Zweites Klavierkonzert, ein Stück, das sie gerade mit den Münchner Philharmonikern aufgeführt hat. Die Presse bescheinigte ihr, sie habe bei diesem Konzert »ein Händchen dafür, die speziellen Farben einzelner musikalischer Teile zu erkennen und deren Stil grell, aber treffend zu gestalten«.

Italiener russischer Schule

Für Gianandrea Noseda dürfte das Jahr 2015 zu einem Meilenstein seiner Karriere werden. Nicht nur, dass ihn die Zeitschrift Musical America zum »Conductor of the Year« ausrief, ihm stehen gleich zwei wichtige Debüts bevor: bei den Berliner Philharmonikern und bei den Salzburger Festspielen, wo er die Aufführungen von Verdis Il Trovatore leitet. Noseda, derzeit Chef des Teatro Regio Turin, Erster Gastdirigent des Israel Philharmonic Orchestra und Künstlerischer Leiter des Stresa-Festivals, holte sich nach seinem Studium am Mailänder Konservatorium den letzten dirigentischen Schliff bei Valery Gergiev am Mariinsky-Theater in St. Petersburg, dessen Erster Gastdirigent er von 1997 bis 2007 war. Sein Ideal ist es, als Dirigent das Beste aus drei großen musikalischen Traditionen zu vereinen: die Fülle und Präzision der Deutschen, den dunklen Klang und die Fabulierkunst der Russen sowie den Esprit und die Kantabilität der Italiener. Und genau diese Einstellung spiegelt auch das Programm seines Debütkonzerts wider, das mit Goffredo Petrassis Partita für Orchester, Richard Strauss’ Vier letzten Lieder und Peter Tschaikowskys Vierter Symphonie italienische, deutsche und russische Klangwelten präsentiert. Solistin der Strauss-Lieder ist Angela Denoke.