Welche Lehrer und Mentoren hat dieser Mann gehabt! Zoltán Kodály, Bernd Alois Zimmermann, Karlheinz Stockhausen und Pierre Boulez. Sie alle haben sein musikalisches Denken und seinen künstlerischen Weg entscheidend geprägt. Heute ist Peter Eötvös, der aus Siebenbürgen stammt und im Januar seinen 70. Geburtstag feierte, einer der wichtigsten Komponisten unserer Zeit, dazu ein vielbeschäftigter Dirigent und ein langjähriger Weggefährte der Berliner Philharmoniker.

Auftakt mit Stockhausen

Die Zusammenarbeit begann relativ unspektakulär. 1972 führte das Orchester in der Konzertreihe Musik des 20. Jahrhunderts unter der Leitung von Karlheinz Stockhausen dessen Komposition Hymnen auf, ein Werk für elektronische und konkrete Klänge. Für die konkreten Klänge waren neben dem Pianisten Aloys Kontarsky und dem Schlagzeuger Christoph Caskel die Berliner Philharmoniker zuständig, für den elektronischen Sound sorgten Harald Bojé – und Peter Eötvös, damals Tontechniker am Elektronischen Studio des WDR in Köln und Mitglied des Stockhausen Ensembles. Die beiden bedienten – so die Beschreibung eines Konzertkritikers – »zwei geheimnisvolle Apparaturen, die Klänge, Geräusche und Sprechstimmen reproduzierten«.

Dirigenten-Debüt im Rahmen der Musik-Biennale

Danach sollte es 22 Jahre dauern, bis Peter Eötvös wieder mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker auf der Bühne stand: 1994 holte ihn das Scharoun Ensemble als Dirigenten für ein Konzert mit Werken von György Ligeti, Juan Manuel Chávez, Anton Webern, Ferruccio Busoni und Arnold Schönberg. Mittlerweile hatte sich Eötvös als musikalischer Leiter des von Pierre Boulez gegründeten Ensemble intercontemporain, als begnadeter Dirigent, als erfolgreicher Komponist von Theater- und Filmmusik sowie als Hochschullehrer profiliert. 1999 stand er dann zum ersten Mal am Pult der Berliner Philharmoniker und eröffnete mit ihnen die Berliner Musik-Biennale. Zum Programm gehörten neben Harrison Birtwistles Earth Dances zwei Uraufführungen: Hanspeter Kyburzs Klarinettenkonzert à travers und Wolfgang Rihms Drei späte Gedichte von Heiner Müller. Publikum und Presse beeindruckte die Souveränität, mit der Eötvös selbst die gewaltigsten Klangmassen zu organisieren wusste. Die Orchestermusiker hingegen bewundern seine Gabe, im größten musikalischen Getümmel noch die kleinsten Fehler wahrzunehmen. Auf diese Fähigkeit in einem Interview für die Digital Concert Hall angesprochen meinte er: »Ich höre sehr präzis!«

Genialer Kommunikator

In den folgenden Jahren wurde Eötvös ein regelmäßig wiederkehrender Gast der Berliner Philharmoniker – und ein Garant für ungewöhnliche Konzertprogramme. Man denke nur an die Konzerte im April 2009, in denen er Bach-Choräle in der Orchestrierung Arnold Schönbergs, Richard Wagners Siegfried-Idyll und Bernd Alois Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter aufführte. Eine eigene Komposition, sein Orchesterwerk Atlantis, dirigierte er im Rahmen der philharmonischen Konzerte erstmals 2003. Vor drei Jahren leitete Peter Eötvös die Uraufführung seines Cello Concerto Grosso mit Miklós Perényi als Solisten. Im Interview für die Digital Concert Hall gestand er, dass es besonders schwierig sei, ein eigenes Stück zu dirigieren. »Die Schwierigkeit besteht darin, bei allem das nicht so klingt, wie ich gedacht habe, ganz schnell zu entscheiden, ob es mein kompositorischer Fehler ist, oder ob es an der Art des Spielens liegt.« Anlässlich seine 70. Geburtstags ist Peter Eötvös wieder von den Berliner Philharmoniker eingeladen, ein eigenes Werk aufzuführen: sein Violinkonzert Nr. 2 DoReMi, bei dem Patricia Kopatchinskaja den Solopart interpretiert. Die Geigerin gibt bei dieser Gelegenheit ihr philharmonisches Debüt. Weitere Programmpunkte sind Wolfgang Rihms IN-SCHRIFT 2 und Johannes Brahms Klavierquartett Nr. 1 in der Orchesterfassung von Arnold Schönberg. Happy Birthday, Peter Eötvös!