Sie singt an der Metropolitan Opera in New York, am Londoner Royal Opera House Covent Garden, am Teatro alla Scala in Mailand sowie an den Staatsopern in München und Wien: Die aus Kansas stammende Mezzosopranistin Joyce DiDonato, Absolventin der Academy of Vocal Arts in Philadelphia und Grammy-Preisträgerin, hat nach Anfängen in San Francisco, Houston und Santa Fe in den vergangenen Jahren international Karriere gemacht. Sie gilt als ideale Interpretin der Opernpartien von Händel, Mozart, Rossini und Strauss. Ihr großes Kapital: eine warme, nuancenreiche und biegsame Stimme, die virtuose Koloraturen genauso berückend meistert wie innige, lyrische Phrasen.

Eine reine Seele

Ideal also, um die an ihrer reinen Liebe zu Faust scheiternden Marguerite in Hector Berlioz’ La Damnation de Faust zu interpretieren. Bei den diesjährigen Osterfestspielen in Baden-Baden debütierte die Sängerin mit dieser Partie bei den Berliner Philharmoniker. »Joyce DiDonato ist mit strahlenden Schwelltönen eine äußerst intensive Margeruite«, hieß es anschließend im Badischen Tagblatt. Gemeinsam mit ihren männlichen Sängerkollegen, dem Tenor Charles Castronovo als Faust und dem Bass Ludovic Tézier als Méphistophélès, ist die Mezzosopranistin am 10. und 11. April nun in der Berliner Philharmonie mit Berlioz’ Werk zu erleben, das eine ganz eigene und sehr französische Adaption von Goethes Schauspiel ist, halb Oper, halb Chorsymphonie, stets die leidenschaftlichen, emotionalen Aspekte der Figuren betonend. Über die Zusammenarbeit mit dem Orchester schwärmte die Künstlerin in der Baden-Badener Live-Lounge: »Das was mir bei den Proben den Atem raubte, war dieses unglaubliche Pianissimo. Wenn das Orchester plötzlich ganz leise wird, ist es so, als ob sich der Himmel öffnet.«

Erfolge in Berlin

Den Berlinern ist Joyce DiDonato, die nicht nur über eine betörende Stimme, sondern auch über ein mitreißendes komödiantisches Talent und unwiderstehlichen Charme verfügt, längst keine Unbekannte mehr. Im Oktober 2012 debütierte sie an der Deutschen Oper Berlin als Rosina in Katharina Thalbachs Inszenierung von Rossinis Il barbiere di Seviglia. Außerdem glänzte sie dort in einer konzertanten Aufführung von Donizettis Maria Stuarda und bei der Aids-Gala. Im Rahmen der Konzerte der Stiftung Berliner Philharmoniker gastierte die Sängerin im Juni 2013 mit einem Liederabend im Kammermusiksaal in der Philharmonie. Venezianische Reise lautete das Motto dieses Konzerts. An diesem Abend erwies sie sich nicht nur als begnadete Liedinterpretin, sondern outete sich auch als Fußballfan. Denn zeitgleich kämpfte die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft um das Weiterkommen. Jedes Mal wenn sie auf die Bühne kam, informierte sie das Publikum über den aktuellen Spielstand, ehe sie mit ihrem Vortrag begann.