Als Donald Runnicles 2003 zu seinen ersten Konzerten mit den Berliner Philharmonikern kam, musste er um die halbe Welt reisen. Damals war er Music Director des Opernhauses von San Francisco. Heute residiert er als Generalmusikdirektor der Deutschen Oper sozusagen in der Nachbarschaft der Philharmonie. Überblickt man den musikalischen Werdegang des gebürtigen Schotten, so bildet das Musiktheater den Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit: Er begann seine Laufbahn als Korrepetitor in Mannheim, nach einem Intermezzo als Generalmusikdirektor in Freiburg kam er 1992 an die San Francisco Opera und 2009 an die  Deutsche Oper Berlin. Zudem ist er gegenwärtig auch Chefdirigent des BBC Scottish Symphony Orchestra. Neben diesen festen Verpflichtungen gastiert er regelmäßig an führenden Opernhäusern und bei so renommierten Symphonieorchestern wie den Wiener und den Münchner Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Israel Philharmonic Orchestra, der Staatskapelle Dresden oder dem Amsterdamer Concertgebouw-Orchester. Seine Aufgabe als Dirigent sieht er – wie er einmal in einem Interview verriet – darin »dem Orchester das Gefühl von Vertrauen zu vermitteln. Ein Vertrauen, das nicht nur das Orchester dem Dirigenten gegenüber entwickelt, wenn er es gut führt, sondern auch eins, das der Dirigent dem Orchester schenkt, indem er ihm dieses Gefühl vermittelt, dass fast in jedem Takt irgendeine Instrumentengruppe frei ist. Auf solche Gesten kommt es an. Darauf, dass weniger mehr ist. Das ist mein Ideal.«

Spezialist für Requiem-Aufführungen

Das erste Werk, das Donald Runnicles gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern aufführte, war Benjamin Brittens War Requiem. Und es sollten im Laufe der Jahre noch weitere Requiem-Kompositionen folgen, die von Hector Berlioz und Johannes Brahms. Auch in dieser Saison dirigiert Runnicles eine Totenmesse: das Requiem von Maurice Duruflé, einem Zeitgenossen von Olivier Messiaen. Das Werk orientiert sich an dem berühmten Requiem von Gabriel Fauré und beschwört eine transzendente, mystische Atmosphäre. Seinen archaischen und gleichzeitig überirdischen Charakter erhält das Stück durch die gelungene Verbindung von gregorianischen Melodien und impressionistischer Klangfinesse. Mitwirkende sind die Sopranistin Martina Welschenbach, die Mezzosopranistin Kelley O'Connor und der Bassbariton Noel Bouley sowie der Rundfunkchor Berlin. Im ersten Teil des Konzerts erklingen Olivier Messiaens Hymne und als Eröffnung Claude Debussys Kantate La Damoiselle élue, ein Werk, das im Pianissimo beginnt. Solche Konzertanfänge sind eine Spezialität des Dirigenten: »Damit wird das Publikum ganz behutsam in eine Welt hineingeführt, und es ist ganz anders präpariert für den Genuss des Zuhörens. Es hört anders zu.«