Daniel Barenboim und die Berliner Philharmoniker verbindet seit 50 Jahren eine enge künstlerische Freundschaft: Am 12. Juni 1964 trat der damals 21-jährige Pianist als Solist von Béla Bartóks Klavierkonzert Nr. 1 erstmals mit dem Orchester auf. In der Presse wurde dieses Ereignis eher beiläufig erwähnt, denn die Rezensenten widmeten Pierre Boulez, der an diesem Abend als Dirigent eines eigenen Werks debütierte, die größere Aufmerksamkeit. Gleichwohl attestierten sie Daniel Barenboim eine große technische Meisterschaft. »Ob er mehr als ein guter Techniker ist, müsste er erst noch an anderer Musik kundtun«, meinte ein Kritiker. Dazu bot sich bald Gelegenheit. Nur wenige Monate später wirkte Barenboim unter Stabführung von Zubin Mehta als Interpret von Wilhelm Furtwänglers Symphonischen Konzert für Klavier und Orchesters mit, das anlässlich des 10. Todestages des Dirigenten und Komponisten aufgeführt wurde. Die Intensität seines Spiels, der tiefempfundene Ausdruck begeisterte Publikum und Presse gleichermaßen. Barenboim fühlt sich Furtwängler, den er von klein auf bewunderte, bis heute besonders verbunden. Dieser hatte ihn bereits zehn Jahre zuvor gehört und den hochtalentierten Knaben zu einem Auftritt nach Berlin eingeladen. Doch Barenboims Vater lehnte ab – mit der Begründung, dass eine jüdische Familie nur neun Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht nach Deutschland kommen könne.

Eine Doppelbegabung: Pianist und Dirigent

Von Anfang an begeisterte Daniel Barenboim die Art, wie die Berliner Philharmoniker musizieren: »Diese unglaubliche Wärme in den Streichern, mit einem Vibrieren, wie ich es noch nie gehört hatte,« erzählt er in einem Interview der Zeitschrift 128 – das Magazin der Berliner Philharmoniker. »Sie hatten noch nicht diese solistische Charakteristik, die sie heute durch ihre großen Solisten-Persönlichkeiten haben.« Daniel Barenboim überzeugte nicht nur als Pianist, sondern auch als Dirigent. 1969 stand er erstmals am Pult der Berliner Philharmoniker und dirigierte Joseph Haydns Symphonie Nr. 95 c-Moll, Robert Schumanns Vierte Symphonie und Ludwig van Beethovens Viertes Klavierkonzert mit Sir Clifford Curzon als Solist. Ein Ereignis, das Aufsehen erregte und deutlich machte, welch großes musikalisches Potenzial in ihm steckte. Aber nicht nur das: Ab 1976 konnte das philharmonische Publikum Daniel Barenboim auch immer wieder in Personalunion als Dirigent und Solist erleben. Der damals 33-Jährige interpretierte Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll und Anton Bruckners Vierte Symphonie. Er sei kein Taktschläger, sondern nach großem Vorbild ein mit suggestiver Zeichengebung frei nachschaffender dynamischer Gestalter, hieß es in einer Rezension.

Emotionale Konzertereignisse

Als Pianist präsentierte er sich in den philharmonischen Programmen vor allem mit den Konzerten von Mozart, Beethoven und Brahms. Als Dirigent setzte er Werke von Johann Sebastian Bach bis Pierre Boulez auf das Programm. Gleichwohl liegt sein Schwerpunkt auf dem klassischen und romantischen Repertoire: Beethoven, Schubert, Schumann, Strauss und immer wieder Bruckner. Auch für den Engländer Edgar Elgar hat Barenboim eine Vorliebe. Erst unlängst dirigierte er beim Europakonzert dessen Symphonische Studie Falstaff. Zwei hochemotionale Ereignisse ragen aus der langen fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Daniel Barenboim und den Berliner Philharmonikern heraus: das von ihm geleitete Sonderkonzert, das am 12. November 1989 nach dem Fall der Mauer für DDR-Bürger kurzfristig veranstaltet wurde. Und 1990 die erste Israel-Tournee des Orchesters, bei der er die Philharmoniker als Dirigent begleitete. Daniel Barenboim, seit 1992 Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden und seit 2011 Musikdirektor des Teatro alla Scala in Mailand, und die Berliner Philharmoniker feiern ihre 50-jährige Freundschaft mit einem Sonderkonzert am 18. Juni. Daniel Barenboim spielt den Solopart von Johannes Brahms’ Erstem Klavierkonzert. Die Leitung hat Sir Simon Rattle. Die seit langem ausverkaufte Veranstaltung wird live in der Digital Concert Hall oder in einem Kino in Ihrer Nähe übertragen.