Auf den ersten Blick mag es erscheinen, als ob in nächster Zeit drei Dirigenten ihr philharmonisches Debüt geben: Antoni Wit, Reinhard Goebel und Karl-Heinz Steffens. Doch der Schein trügt. Der Pole Antoni Wit, seit 2002 Chef des Orchesters der Warschauer Philharmonie, ist ein »alter«, wenngleich selten auftretender Bekannter der Berliner Philharmoniker. Die Bekanntschaft reicht zurück in das Jahr 1971, als der damals 27-Jährige den zweiten Preis des Internationalen Herbert-von Karajan-Wettbewerbs gewann und von dem Maestro als Assistent zu den Salzburger Osterfestspielen mitgenommen wurde. 1975 brachte ihn Witold Lutosławski als Co-Dirigent für die Aufführung seiner Drei Gedichte für zwanzigstimmigen Chor und Orchester mit nach Berlin, fünf Jahre später stand Wit erstmals allein am Pult der Philharmoniker, die Presse bewunderte seine sparsame, gleichwohl suggestive Gestik, mit der er Karol Szymanowskis Zweite Symphonie dirigierte. Zuletzt war er 1988 Gast des Orchesters. Antoni Wit gilt als Spezialist für die Aufführung von Werken polnischer Komponisten, speziell der seines Lehrers Krzysztof Penderecki. So versteht es sich fast von selbst, dass die Philharmoniker ihn in dieser Saison für die Leitung von dessen Lukas-Passion, einem Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts, engagiert haben. Welcome back!

Meister der historischen Aufführungspraxis

Reinhard Goebel, einer der Doyens der Alten-Musik-Szene, hebt hingegen erstmals den Taktstock vor den Berlinern – auch wenn er schon längst zur philharmonischen Familie gehört: Drei Mal hat er bereits mit den Stipendiaten der Orchester-Akademie ein barockes Programm erarbeitet und aufgeführt. Er, der 33 Jahre als Geiger und Dirigent die von ihm gegründete Musica Antiqua Köln leitete, ist bekannt dafür, mit seinen provozierenden Interpretationen neue Sichtweisen auf scheinbar Altbekanntes zu eröffnen und Werke längst vergessener Komponisten der Barockzeit zu neuem Leben zu erwecken. 2006 löste Goebel sein Ensemble auf, um fortan sein Wissen um die historische Aufführungspraxis an »normale« Symphonieorchester weiterzugeben. Für seinen Einstand bei den Berliner Philharmonikern präsentiert er ein Programm, das mit Kompositionen von Jean-Féry Rebel, Christian Cannabich, Johann Christian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart den musikalischen Weg vom Barock zur Wiener Klassik aufzeigt.

Von der Klarinette zum Taktstock

Auch Karl-Heinz Steffens gibt als Dirigent sein Debüt bei den Philharmonikern, doch mit dem Orchester ist er bereits bestens vertraut. War er doch sechs Jahre lang dessen Solo-Klarinettist, ehe er entschied sein Instrument gegen den Taktstock einzutauschen. Erste dirigentische Meriten verdiente er sich als Generalmusikdirektor der Staatskapelle Halle. Mittlerweile hat Steffens, derzeit Chefdirigent der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, höchst erfolgreich bei internationalen Spitzenorchestern debütiert, u. a. bei der Staatskapelle Berlin, dem Orchester der Mailänder Scala, den Rundfunk-Sinfonieorchestern in Berlin (RSB), Frankfurt (HR), Köln (WDR) und Leipzig (MDR) sowie bei den Münchner Philharmonikern. Mit seinen ehemaligen Kollegen bereitet er ein spannungsreiches Programm vor: Ludwig van Beethovens dritte Leonoren-Ouvertüre sowie Franz-Schuberts Rosamunde-Ouvertüre und dessen Symphonie Nr. 3. Diesen Werken stellt er Bernd Alois Zimmermanns Symphonie in einem Satz und die Kantate Canto di speranza für Violoncello und kleines Orchester gegenüber. Den Solopart spielt Ludwig Quandt, Erster Solo-Cellist der Berliner Philharmoniker.