Was klingt beglückender als eine Stradivari? Elf Stradivaris zusammen! Sie zum selben Zeitpunkt in den selben Konzertsaal zu bekommen, ist allerdings kein leichtes Unterfangen. Denn jene instrumentalen Kleinodien sind rar, über den ganzen Globus verteilt und finanziell nicht unaufwändig. Doch dank der Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin kommen Klassikfreunde immer wieder in den Genuss, ein gesamtes Ensemble mit Streichinstrumenten des wohl berühmtesten Geigenbauers zu hören.

Mit Leidenschaft und Experimentierlust
Antonio Stradivari lebte und arbeite in der zweiten Hälfte des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts in Cremona, dem damaligen Zentrum des italienischen Geigenbaus. Experimentierfreudig, handwerklich genial und voller Leidenschaft für sein Metier entwickelte der Schüler Nicolò Amatis Geigenmodelle, die an Klangschönheit alles bislang Dagewesene übertrafen. Noch heute sind seine Instrumente das Maß aller Dinge. Kein Geigenbauer kann sich dem großen Vorbild entziehen: Die Auswahl der Hölzer, Form und Wölbung des Resonanzkörpers, die Gestaltung der F-Löcher sowie die Kunst der Lackierung gelten nach wie vor als richtungsweisend. Stradivari führte ein höchst produktives Leben und verdiente ein Vermögen. Anfang des 19. Jahrhunderts avancierten seine Instrumente zu begehrten Sammlerobjekten, für die hohe Summen gezahlt wurden und werden. Ungefähr 650 Violinen, Bratschen und Violoncelli aus Stradivaris Werkstatt sind noch erhalten.

Musikalische Preziosen
Alle zwei Jahre leihen sich die Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin die Instrumente von verschiedenen Sammlern, der größte Teil kommt von der Schweizer Habisreutinger Stiftung. Für die Musiker gilt es dann, sich wieder auf die Besonderheiten der Stradivaris einzustellen: Sie mögen – so Bratscher Matthew Hunter – keinen direkten Druck, keine vertikalen Attacken. Am 24. Mai 2015 präsentiert sich das Ensemble im Kammermusiksaal mit einem Programm, das dem besonderen Klang der Instrumente Rechnung trägt. Der musikalische Bogen ist weit gespannt. So reicht das Programm des Abends von Thomas Tallis Lamentations of Jeremiah aus dem 16. Jahrhundert über ein Divertimento von Wolfgang Amadeus Mozart bis hin zu Peter Tschaikowskys Streicherserenade C-Dur. Ein besonderes klangliches Highlight ist das Steichsextett aus Richard Strauss’ Oper Capriccio, das auf dem Stradivari-Sextett der Habisreutinger Stiftung vorgetragen wird.