Er ist noch keine 40 Jahre alt und zählt wohl mit zu den meistgespielten Komponisten seiner Generation: Jörg Widmann, Jahrgang 1973, ist zur Zeit auf den deutschen Konzertpodien und Opernbühnen fast omnipräsent. Den Sommer über waren seine Werke auf verschiedenen Festivals zur hören, Ende Oktober bringt das Nationaltheater München seine neueste Oper Babylon heraus, zu der der Philosoph Peter Sloterdijk das Libretto schrieb, die Alte Oper Frankfurt widmete ihm zu Beginn dieser Spielzeit im Rahmen ihres »Auftakt«-Festivals ein Komponistenporträt sowie ein Symposium – und auch die Berliner Philharmoniker starteten mit einem Widmann-Schwerpunkt in die neue Konzertsaison: Im September spielten sie die europäische Erstaufführung von Flûte en suite mit Emmanuel Pahud als Solisten. Die Berliner Zeitung bescheinigte Widmann, er könne ein großes Publikum gleichermaßen in seine fernen Träume verstricken, wie in den Zustand heiterer Erhebung versetzen.

Jörg Widmann, der in Unterhaching, einer Gemeinde bei München, aufwuchs, komponiert seit seinem elften Lebensjahr. Nach ersten Studien bei Kai Westermann setzte er seine Ausbildung bei Wilfried Hiller, Hans Werner Henze, Heiner Goebbels und Wolfgang Rihm fort. Das Komponieren ist jedoch nicht seine einzige Profession. Außerdem feiert der Künstler, ehemaliger Schüler von Gerd Starke und Charles Neidlich, als Klarinettist große Erfolge. Natürlich hat er auch eine Reihe von Werken für sein Instrument geschrieben, doch das ist nicht sein vordringlichstes Anliegen. »Wir Klarinettisten sind ja mit der wunderbarsten Literatur bedacht worden, die man sich vorstellen kann – gerade von Mozart, Brahms und Schubert«, gestand er jüngst in einem Interview. Seine Doppelbegabung spiegelt sich auch in seiner Lehrtätigkeit wieder: Jörg Widmann ist an der Freiburger Musikhochschule Professor für Klarinette (seit 2001) und Komposition (seit 2009).

 

In den Programmen der philharmonischen Konzerten taucht der Name von Jörg Widmann erstmals 2005 auf: Damals spielte das Scharoun Ensemble sein Oktett für Klarinette, Horn, Fagott und Streichquintett. Bereits im folgenden Jahr erhielt Widmann als Preisträger des Claudio-Abbado-Kompositionspreises den Auftrag, ein Werk für die Orchester-Akademie zu komponieren: das Quintett für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier, das im Februar 2007 uraufgeführt wurde. Im Mai 2009 erklang im Rahmen der Abbado-Gala Widmanns Teiresias für sechs Kontrabässe. In dieser Saison gibt es auch symphonische Werke des Komponisten zu hören: Nach Flûte en suite präsentieren die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Andris Nelsons am 24., 25. und 26. Oktober 2012 Widmanns Violinkonzert aus dem Jahr 2007. Solist ist der Geiger Christian Tetzlaff. Nur wenige Tage später, am 4. November, interpretiert das Signum Quartett ein weiteres Kammermusikwerk des Komponisten: das Choralquartett, das 2003 als eine Art künstlerische »Antwort« auf Joseph Haydns Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuz entstand.

Zu den Konzerten:
24., 25. und 26. Oktober
4. November