Bruno Delepelaire

Wenn ich nicht
Musiker wäre …

(Foto: Espen Eichhöfer / OSTKREUZ)

In dieser Rubrik stellen wir Berliner Philharmoniker und ihre außermusikalischen Leidenschaften vor. Heute: Cellist Bruno Delepelaire, der sich alternativ zu seiner musikalischen Laufbahn auch ein Berufsleben unter Mauerseglern und Kranichen hätte vorstellen können.

»Ich habe vermutlich sämtliche Tierdokus auf YouTube gesehen«, sagt Bruno Delepelaire lächelnd, als er das Berliner Naturkundemuseum betritt. Für den Ersten Solocellisten der Berliner Philharmoniker ist der kaiserliche Prachtbau ein besonderer Ort, der ihn ganz persönlich an seinen Beginn in Berlin erinnert. Als er noch Stipendiat der Karajan- Akademie war, hat er direkt gegenüber gewohnt. Wenn er morgens das Haus verließ, um zur Philharmonie zu fahren, fiel sein Blick auf das imposante Gebäude.

Bruno Delepelaires große Leidenschaft gilt der Ornithologie – der Wissenschaft von den Vögeln. Angefangen hat alles mit einer Ausgabe von »Hulotte«: so heißt ein in Frankreich populäres Wissenschaftsjournal für Kinder und Jugendliche. Dieses Heft hat sein Interesse für die bunte und reiche Welt der Vögel geweckt, das bis heute ungebrochen ist. Er lese immer noch gern Bücher über Vogelkunde, das Beste sei jedoch, die Vögel in der freien Natur zu beobachten.

Wann immer es Bruno Delepelaires Zeit zulässt, fährt er raus aufs Land. Kürzlich war er in Linum bei Fehrbellin, das ein Mekka für Vogelliebhaber ist. Bis zu 20 Storchenpaare nisten jedes Jahr in dem kleinen Dorf, hinzu kommen zehntausende Kraniche und Gänse, die sich im Herbst auf den Feldern und sumpfigen Wiesen rund um Linum zum Weiterflug in Richtung Süden sammeln. Doch auch in einer Großstadt wie Berlin lassen sich zahllose Vögel studieren, zumal Berlin ohnehin einen größeren Artenreichtum als etwa Paris aufweist. Das hängt mit der geografischen Lage zusammen, denn Berlin liegt auf Flugrouten, die die Vögel vom Norden in den Süden benutzen. Darüber hinaus sind die zahlreichen Wälder, Parks und Seen auf Berlins Stadtgebiet für Vögel ein natürlicher Lebensraum. Im Winter hat Bruno Delepelaire im Park von Schloss Charlottenburg sogar Eisvögel entdeckt.

(Foto: Espen Eichhöfer / OSTKREUZ)

»Durch die Vogelbeobachtung lernt man seine Umwelt viel besser kennen«, erklärt der 31-Jährige. »Man findet Besonderheiten, die einem sonst vermutlich nie aufgefallen wären.« In den zurückliegen den 20 Jahren musste Bruno Delepelaire allerdings einen Rückgang der Populationen feststellen. »Als Kind konnte ich vor meinem Fenster in Paris hunderte Mauersegler beobachten «, weiß er zu berichten, »heute sind es leider viel weniger.« Der Klimawandel ist allgegenwärtig.

Ob er einen Lieblingsvogel hat? »Einen …?«, erwidert Bruno Delepelaire schmunzelnd. Er habe viele Lieblingsvögel. Doch wenn er sich auf drei festlegen müsse, wären das der Eisvogel, der Mauersegler und der Bartkauz.

Dass Bruno Delepelaire Cellist wurde, verdankt er seiner Großmutter, einer begeisterten Amateurcellistin. 2012 kam er als Erasmus- Stipendiat nach Berlin, um seine Ausbildung bei Jens-Peter Maintz an der Universität der Künste sowie bei Ludwig Quandt an der Karajan-Akademie fortzusetzen. Seit 2013 ist er schließlich Erster Solocellist der Berliner Philharmoniker.

Wenn er nicht Musiker geworden wäre, erklärt Bruno Delepelaire, während er das Museum verlässt, wäre die Ornithologie vielleicht eine berufliche Alternative gewesen. Doch es kam bekanntlich anders. Vielleicht ein Verlust für die Vogelwelt – auf alle Fälle ein Gewinn für die Berliner Philharmoniker und ihr Publikum.

 

Oliver Hilmes

Aus der aktuellen Ausgabe von Phil – Das Magazin der Berliner Philharmoniker.