Eine außerordentliche Künstlerpersönlichkeit

Stanley Dodds über unsere Artist in Residence Patricia Kopatchinskaja

Patricia Kopatchinskaja
(Foto: Stefan Hoederath)

Was muss ein Künstler oder eine Künstlerin mitbringen, um Artist in Residence der Berliner Philharmoniker zu werden? Aktuell trägt Geigerin Patricia Kopatchinskaja diesen Titel. Anlässlich ihres nächsten Konzerts am 12. Dezember haben wir mit Geiger und Medienvorstand Stanley Dodds gesprochen, der in diesem Konzert ein Werk von Márton Illés dirigiert. Von ihm haben wir erfahren, was das Faszinierende an Patricia Kopatchinskaja ist.

Warum haben sich die Berliner Philharmoniker für Patricia Kopatchinskaja als Artist in Residence entschieden?

Wir haben 2019 mit ihr als Solistin Schönbergs Violinkonzert gespielt – ein Erlebnis. Daraus ergab sich der Wunsch, eine so schillernde Künstlerpersönlichkeit bei uns als Artist in Residence zu gewinnen. Dieses Jahr stand sie mit Hartmanns Concerto funebre auf unserer Bühne. Wenn sie sich – wie bei Schönberg – Repertoire widmet, mit dem viele vermeintlich nichts anfangen können, ist sie einfach überzeugend und mitreißend. Sie hat eine besondere Herangehensweise, mit einer Mischung aus Fantasie und tiefer künstlerischer Demut. Ihr Gestaltungswille, der ganz im Zeichen der Musik steht, ist geradezu greifbar. Sie ist wirklich eine außerordentliche Künstlerpersönlichkeit.

Das Konzert am 12. Dezember ist Teil der diesjährigen Residency. Wie kommt es zu dieser Zusammenarbeit?

Dass der oder die Artist in Residence mit der Karajan-Akademie ein Konzert gibt, hat Tradition. Es ist schön, wenn die Teilnehmenden die Gelegenheit bekommen, mit diesen Künstlern direkt zusammenzuarbeiten. Patricia Kopatchinskaja leitet von der Geige aus regelmäßig Streichorchester. Das macht sie auch in diesem Konzert. Das Werk von Márton Illés, Vont-tér, das sie aufs Programm gesetzt hat, ist allerdings zu komplex, um es ohne Dirigent zu spielen. Deshalb übernehme ich diesen Part.

Wie wird die Residency inhaltlich weitergehen?

Im Januar gibt es eine intensive Phase mit Patricia Kopatchinskaja mit einer Late Night und einem Kammermusik-Abend. Beide haben ein außergewöhnliches Programm. Patricia setzt sich für zeitgenössische Musik ein und ist eine Verfechterin neuer Werke und der Avantgarde. Sie hat eine offene Einstellung dazu, was Musik ist, über die Geige hinaus. Das Instrument ist zwar ihr Medium, aber nicht das einzige. Sie ist auch Komponistin, ihr Zugang zum schöpferischen Prozess ist so ausgeprägt wie selten bei Instrumentalsolisten. Sie hat eine Kreativität, die sie auch in ihr Geigenspiel einbringt.

Was fasziniert Sie persönlich an Patricia Kopatchinskaja?

Sie ist sehr extrovertiert. Aber sie tut alles im Dienste der Musik, nicht zur Selbstprofilierung. Ihre Interessen sind unglaublich weitreichend, und sie initiiert Sachen, auf die die wenigsten kommen würden. Der Wirbel um sie, hat man das Gefühl, interessiert sie überhaupt nicht. Es ist die Kunst, die sie bewegt. Ich bin bei allen ihren Projekten dabei. Man hat selten die Gelegenheit, auf solch exotische musikalische Reisen zu gehen. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Weiterlesen