Jung und Klassik

Kirill Petrenkos Familienkonzerte

Ein Thema stand für Kirill Petrenko ganz oben auf der Liste, als er sein Amt als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker antrat: Konzerte für Familien und junges Publikum – und das, weil er überzeugt ist, dass die Begeisterung für Musik am ehesten und am nachhaltigsten zwischen Eltern und Kindern und zwischen jungen Leuten untereinander geweckt werden kann. Dafür möchte er mit den Berliner Philharmonikern außergewöhnliche Werke spielen und persönlich über die Stücke, die Komponisten und das Musikmachen sprechen.

Als die für Januar und Februar 2021 geplanten Familienkonzerte nicht stattfinden konnten, schlug Kirill Petrenko kurzerhand ein neues Format für und mit jungen Erwachsenen vor. In Proben- und Konzertausschnitten, Gesprächen mit Special Guests (wie dem Schauspieler Ulrich Matthes) und Videointerviews mit Jugendlichen öffnen sich auf besonders persönliche Weise Türen in die Welt von Peter Tschaikowsky und Kurt Weill.

Das Format mit dem Titel Close-up zeigt auch, wie eng Leben und Zeitgeschichte im Hinblick auf die Komposition miteinander in Beziehung stehen und sich gegenseitig beeinflussen. Es soll in Zukunft die Familienkonzerte weiterhin ergänzen.

»Close-up«: Kurt Weills Berliner Symphonie

Um Freude an Musik zu haben, sind Neugier und offene Ohren das Wichtigste. Noch spannender wird es, wenn man ein bisschen mehr darüber weiß, wie Musik entsteht: wie sie komponiert wird und wie man sie spielt. Dafür möchte Kirill Petrenko in den Familienkonzerten nicht nur Ausschnitte aus den Werken vorführen, sondern beispielsweise auch mit Mitgliedern des Orchesters deren Instrumente präsentieren. Und er will zeigen, von welchen Künsten die Komponisten inspiriert waren oder wie andere Kunstgattungen auf die Werke reagiert haben.

Vor allem soll viel Musik erklingen: Zum Beispiel Strawinskys Märchen-Ballett Der Feuervogel – eine musikalische Einladung in den Garten des gefährlichen Zauberers Kastschej, der 13 Prinzessinnen gefangen hält. Klanggewaltig und farbenreich wird hier zu Beginn der Saison die Verbindung von Musik und Tanz in jeder Faser und jedem Rhythmus spürbar.

Im Januar 2022 entführt die Oper Jolanthe das junge Publikum in einen ganz anderen paradiesischen Garten: Verzaubert von der Liebe wird die blinde Titelheldin sehend, und Tschaikowskys leidenschaftliche Melodien lassen Klein und Groß an dieser Wandlung der Geschichte teilhaben.

Kirill Petrenko hofft, mit dieser neuen Konzertreihe und weiteren Filmprojekten schon in jungen Menschen mit authentischen Einblicken und seinem Enthusiasmus die Freude an der klassischen Musik zu wecken und gemeinsam zu entdecken, was sie erzählen kann über den Menschen und das Leben.

Malte Krasting

Aus der aktuellen Ausgabe von Phil – Das Magazin der Berliner Philharmoniker.