Giacomo Casanova im Kurzporträt

Mehr als nur ein Frauenheld

Giacomo Casanova, Gemälde von Francesco Narici, 1760

Im ersten Philharmonischen Salon der Saison 2021/22 liest Rufus Beck aus den Memoiren von Giacomo Casanova. Ein Name der untrennbar mit Liebesabenteuern verbunden ist. Kennen Sie auch dessen andere Seiten?

Giacomo Casanova – bei diesem Namen denken wir vor allem an den legendären Frauenhelden des 18. Jahrhunderts, der die Damen, egal ob von hohem oder niederem Stand, reihenweise verführte. »Da ich mich für das andere Geschlecht geboren fühlte«, schreibt er in seinen Memoiren, »habe ich es stets geliebt und habe alles darangesetzt, seine Liebe zu gewinnen.« Casanovas Maxime lautete: Das Leben mit allen Sinnen genießen. Die Liebe war allerdings nur ein Aspekt seines abenteuerlichen Daseins.

1725 als Sohn einer Schauspielerin in Venedig geboren, kam Casanova als Neunjähriger zur Erziehung nach Padua in das Haus des Dr. Antonio Maria Gozzi. Er zeichnete sich durch große Intelligenz aus, und bereits mit 17 Jahren schloss er sein Jurastudium mit dem Doktortitel ab. Auf Wunsch seiner Großmutter schlug er eine kirchliche Laufbahn ein, doch diese Tätigkeit gab er sehr bald wieder auf. In den folgenden Jahren verdingte er sich als Hauslehrer, Sekretär, Spion, Direktor der französischen National-Lotterie und Theaterimpresario.

Spektakulär war 1756 seine Flucht aus den venezianischen Bleikammern, wo er wegen angeblicher Gotteslästerung einsaß. Nach dieser Flucht reiste er durch ganz Europa – als willkommener Gast in den adligen und königlichen Salons des Kontinents. Er verkehrte an den Höfen Friedrichs des Großen, Josephs II. sowie Katharinas der Großen und kannte die großen Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter Voltaire, Madame de Pompadour, den Dichter Lorenzo da Ponte, den Archäologen Johann Joachim Winckelmann und den Hochstapler Cagliostro. Seinen gesellschaftlichen Aufstieg verdankte er nicht zuletzt seinem Talent, ein geistvoller, charmanter und amüsanter Gesprächspartner zu sein. Er wusste sich bestens auf sein Gegenüber einzustellen, bei den Frauen ebenso wie bei den Männern.

1785, im Alter von 60 Jahren, beendete Casanova sein ruheloses Umherziehen und trat als Bibliothekar auf Schloss Dux in Nordböhmen in den Dienst des Grafen Joseph Karl von Waldstein. Dort schrieb er seine Memoiren, in denen er nicht nur von seinen erotischen Erlebnissen erzählt, sondern auch Einblicke in die aristokratischen und bürgerlichen Lebenswelten seiner Zeit gibt. Als Casanova 1798 stirbt, hinterlässt er in seinen Aufzeichnungen ein spannendes und detailreiches Bild der Gesellschaft im 18. Jahrhundert.

Philharmonischer Salon: Auf den Spuren Giacomo Casanovas

Literatur und Musik erwarten Sie in unserer Reihe des Philharmonischen Salons. Rufus Beck liest diesmal aus den spannenden Memoiren Giacomo Casanovas, während das Concerto Melante mit Kompositionen aus jener Zeit den musikalischen Rahmen für diesen Nachmittag bilden.