Bereichernd

Debüts bei den Berliner Philharmonikern

(Foto: Heribert Schindler)

Nichts ist bereichernder als erste Begegnungen – das gilt im Alltag ebenso wie auf dem Konzertpodium, wenn eine Dirigentin oder ein Solist debütiert. Die Berliner Philharmoniker begrüßen in der Saison 2023/24 spannende neue Gäste, zu denen auch drei junge Komponist*innen gehören.

Die debütierenden Solistinnen und Solisten kommen aus Frankreich, Italien und den USA. Was sie verbindet? Sie alle stammen aus Musikerfamilien, die ihnen wichtige Impulse mit auf den Weg gaben. Das ließ sie schon früh künstlerisch wachsen. Der Pianist Alexandre Kantorow etwa gewann mit 22 Jahren den Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb – als erster Franzose überhaupt. Sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gibt er mit dem virtuosen, gefühlsstarken Zweiten Klavierkonzert von Franz Liszt. Seine italienische Kollegin Beatrice Rana gilt als eine herausragende Pianistin der jungen Generation, deren Spiel durch Sensibilität und Gestaltungskraft beeindruckt. Bei ihrem Debüt stellt sie das selten gehörte Klavierkonzert der 16-jährigen Clara Schumann vor, ein Werk voller Poesie und Originalität.

Antoine Tamestit begeistert auf der Bratsche mit seiner warmen, farbenreichen Tongebung. Im Bratschenkonzert von Jörg Widmann, das Tamestit gewidmet ist, kann der Schüler von Tabea Zimmermann sein Instrument noch von einer ganz anderen klanglichen Seite zeigen – perkussiv, grimmig, aufrüttelnd. Auch eine Vokalsolistin debütiert bei den Berliner Philharmonikern: die aus Arizona stammende Sopranistin Tamara Wilson, die sich durch einen voluminösen, ausdruckstarken Sopran auszeichnet. Damit ist sie bestens für ihr Gastspiel in Arnold Schönbergs Erwartung gerüstet, einer dramatischen Szene von geradezu grenzwertiger Expressivität.

Gäste aus Fernost und der Nachbarschaft

Gleichzeitig mit Tamara Wilson gibt die südkoreanische Dirigentin Eun Sun Kim ihren Einstand. Die ehemalige Assistentin von Kirill Petrenko wird vor allem an großen Opernhäusern von der New Yorker Met bis zur Mailänder Scala gefeiert und ist seit 2021 Chefin der San Francisco Opera. Fabio Luisi ist ebenfalls ein prominenter Operndirigent und zudem ein führender Interpret des spätromantischen Repertoires. Aus dieser Epoche bringt er Franz Schmidts raffiniert orchestrierte Zweite Symphonie mit. Evgeny Kissin interpretiert als Solist des Abends Mozarts Klavierkonzert Nr. 23.

Der Finne Hannu Lintu, ein Schüler des legendären Jorma Panula und Chefdirigent der Finnischen Nationaloper, kommt als musikalischer Botschafter seines Landes, wenn er unter anderem Jean Sibelius’ Siebte Symphonie und Kaija Saariahos Orchesterstück Ciel d’hiver interpretiert. Bei dem von der historischen Aufführungspraxis kommenden Dirigenten Riccardo Minasi dürfen Sie sich auf ein reines Mozart-Programm freuen, in dem etwa die berühmte, dunkelgetönte Symphonie Nr. 40 erklingt.

Eun-Sun Kim
(Foto: Nikolaj Lund)

Außerdem gibt es Besuch aus der Nachbarschaft: Robin Ticciati, Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, steht mit Gustav Mahlers Vierter Symphonie sowie Werken von Antonín Dvořák und Ondřej Adámek erstmals am Pult der Berliner Philharmoniker. Der Auftakt zu all diesen Dirigierdebüts bleibt unmittelbar nach dem Saisonstart Jörg Widmann vorbehalten, der zugleich als Composer in Residence und Klarinettist seinen Einstand beim Orchester gibt.

Hannu Lintu
(Foto: Veikko Kähkönen)

Neue Werke der jungen Generation

Nicht nur ausübende Musikerinnen und Musiker debütieren in dieser Saison. Auch drei junge Komponist*innen wurden von den Berliner Philharmonikern erstmals mit Aufträgen bedacht und eröffnen neue Klangwelten: Márton Illés, ein Schüler von Detlev Müller-Siemens und Wolfgang Rihm, erregte bereits als 16-Jähriger mit seiner Musik Aufsehen.

Sein Markenzeichen ist eine dichte, perspektivisch-räumliche Klangsprache, aber auch die Gestik und Rhythmik der Sprache und der Volksmusik seiner ungarischen Heimat sind für ihn essenziell. »Aber nicht alles ist ungarisch konnotiert«, sagt er, »meine musikalische Syntax etwa empfinde ich als sehr deutsch. Deshalb würde ich meine Kompositionen, ähnlich wie bei Béla Bartók, als Synthesen aus mehreren Kulturressourcen sehen.«

Der Slowene Vito Žuraj, ebenfalls ein Rihm-Schüler und Gewinner des Claudio-Abbado-Kompositionspreises 2017, schafft Kompositionen, die oft durch szenische Elemente und Raumklangkonzepte bestechen. Immer wieder entstehen dabei Vexierspiele, die raffiniert und verfremdend bekannte Werke aufgreifen. Das hat eine durchaus spielerische Seite, wie Vito Žuraj erklärt: »Kreativität bedeutet, der Architekt der eigenen Verspieltheit zu sein. Denn der Kern des Spielens ist die Erforschung grenzenloser Möglichkeiten.«

Auch die Serbin Milica Djordjević ist Trägerin des Claudio-Abbado-Kompositionspreises. Ihre Musik wirkt mitunter rau und wild, ganz bewusst verweigert sie sich dem Schönklang und bietet stattdessen eine Direktheit und eine Vitalität, die ins Mark treffen. So entfesselt Milica Djordjević in ihren Stücken Dramen voller Verve und hofft, dass sich diese Intensität auf die Musizierenden und das Publikum überträgt. »Wenn man etwas mit Leidenschaft schreibt«, so sagt sie, »dann erwartet man, dass es auch mit Leidenschaft gespielt und mit Leidenschaft gehört wird.«

Debüts 2023/24

Donnerstag,

18. Apr 2024,
20.00 Uhr

Großer Saal

Aboserie: E – Konzerte mit den Berliner Philharmonikern

Do. 18. Apr 2024, 20:00 Uhr
Großer Saal

Berliner Philharmoniker

Eun Sun Kim Dirigentin

Ausrine Stundyte Sopran (anstelle von Tamara Wilson)

Werke von Arnold Schönberg und Sergej Rachmaninow

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Freitag,

19. Apr 2024,
20.00 Uhr

Großer Saal

Aboserie: F – Konzerte mit den Berliner Philharmonikern

Fr. 19. Apr 2024, 20:00 Uhr
Großer Saal

Berliner Philharmoniker

Eun Sun Kim Dirigentin

Ausrine Stundyte Sopran (anstelle von Tamara Wilson)

Werke von Arnold Schönberg und Sergej Rachmaninow

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Samstag,

20. Apr 2024,
19.00 Uhr

Großer Saal

Aboserie: K – Konzerte mit den Berliner Philharmonikern

Sa. 20. Apr 2024, 19:00 Uhr
Großer Saal

Berliner Philharmoniker

Eun Sun Kim Dirigentin

Ausrine Stundyte Sopran (anstelle von Tamara Wilson)

Werke von Arnold Schönberg und Sergej Rachmaninow

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Samstag,

18. Mai 2024,
19.00 Uhr

Großer Saal

Aboserie: L – Konzerte mit den Berliner Philharmonikern

Sa. 18. Mai 2024, 19:00 Uhr
Großer Saal

Berliner Philharmoniker

François-Xavier Roth Dirigent

Werke von Vito Žuraj und Anton Bruckner

Mehr lesen Online sehen

Sonntag,

19. Mai 2024,
20.00 Uhr

Großer Saal

Aboserie: A – Konzerte mit den Berliner Philharmonikern

So. 19. Mai 2024, 20:00 Uhr
Großer Saal

Berliner Philharmoniker

François-Xavier Roth Dirigent

Werke von Vito Žuraj und Anton Bruckner

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Donnerstag,

23. Mai 2024,
20.00 Uhr

Großer Saal

Aboserie: F – Konzerte mit den Berliner Philharmonikern

Do. 23. Mai 2024, 20:00 Uhr
Großer Saal

Berliner Philharmoniker

Yannick Nézet-Séguin Dirigent

Beatrice Rana Klavier

Werke von Clara Schumann und Dmitri Schostakowitsch

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Freitag,

24. Mai 2024,
20.00 Uhr

Großer Saal

Aboserie: E – Konzerte mit den Berliner Philharmonikern

Fr. 24. Mai 2024, 20:00 Uhr
Großer Saal

Berliner Philharmoniker

Yannick Nézet-Séguin Dirigent

Beatrice Rana Klavier

Werke von Clara Schumann und Dmitri Schostakowitsch

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Samstag,

25. Mai 2024,
19.00 Uhr

Großer Saal

Aboserie: D – Konzerte mit den Berliner Philharmonikern

Sa. 25. Mai 2024, 19:00 Uhr
Großer Saal

Berliner Philharmoniker

Yannick Nézet-Séguin Dirigent

Beatrice Rana Klavier

Werke von Clara Schumann und Dmitri Schostakowitsch

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