Ausstellung: Leo Borchard – Dirigent, Kosmopolit, Widerständler

24.05.2015

70 Jahre nach der Kapitulation und dem Zusammenbruch des Dritten Reichs erinnert eine Ausstellung an Leo Borchard, den ersten Nachkriegsdirigenten der Berliner Philharmoniker. Dokumentiert werden Borchards Leben, die Entwicklung seiner Karriere sowie seine Arbeit in der Widerstandsgruppe Onkel Emil. Die Weiße Rose Stiftung e. V. in München hat ergänzend ihre Ausstellung Onkel Emil und die Weiße Rose zur Verfügung gestellt.

Lew Ljewitsch (Leo) Borchard wurde am 30. März 1899 in Moskau geboren. 1920 kam er zum Studium nach Berlin und wurde Schüler von Hermann Scherchen, einem der wichtigsten Dirigenten der Zeit. Er begann seine Karriere als Chorleiter sowie als Korrepetitor an die Städtische Oper und Assistent von Otto Klemperer an der Staatsoper Unter den Linden. Doch doch mehr als die Oper interessierte ihn das symphonische Repertoire. Er leitete verschiedene Rundfunkorchester, ehe er am 3. Januar 1933 bei den Berliner Philharmonikern mit Werken von Haydn, Beethoven und Brahms debütierte.

Die aufstrebende Karriere Borchards stagnierte Mitte der 1930er Jahre wegen vermeintlicher »politische Unzuverlässigkeit«. Leo Borchard lebte künstlerisch weitestgehend zurückgezogen. Zugleich wurde er Mitglied der Widerstandsgruppe Onkel Emil. Nach Kriegsende nahmen die Berliner Philharmoniker offenbar früh Kontakt mit Leo Borchard auf. Er war der Mann der Stunde. Am 26. Mai 1945 fand das erste Nachkriegskonzert der Berliner Philharmoniker unter Borchards Leitung im Titania-Palast in Berlin-Steglitz statt. Nur wenige Monate später, am 23. August 1945, wurde er irrtümlich von einem amerikanischen Soldaten erschossen.

Die Ausstellung dauert vom 24. Mai bis 28. Juni und ist von Montag bis Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 14 Uhr sowie zu den Konzerten zu besichtigen.

Leo Borchard
(Foto: (Foto: Archiv Berliner Philharmoniker))