Strawinsky hoch drei

Late-Night-Konzert mit Oksana Lyniv

Die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv steht am 25. September bei unserem Late Night-Konzert zum ersten Mal mit Musikern der Berliner Philharmoniker auf der Bühne. Auf dem Programm: drei Werke von Igor Strawinsky, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wir haben mit ihr über intensive Lehrjahre, listige Füchse und russische Folklore gesprochen.

Wie sind Sie zum Dirigieren gekommen?

Ich wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren, meine Mutter ist Pianistin, mein Vater und Großvater sind beide Chorleiter. So waren Proben und Konzerte für mich schon früh etwas ganz Natürliches. Ich habe mich dann für ein Dirigierstudium an der Hochschule entschieden. Leider waren meine Eltern von der Idee nicht begeistert, denn wir stammen aus Brody, einer Kleinstadt in der Ukraine. Sie wünschten sich für ihre Tochter lieber eine sichere Zukunft und in den 1990er-Jahren waren dort die Perspektiven für junge Musiker – Frauen ganz besonders – sehr schlecht.

Sie hatten aber Erfolg und wurden schließlich an der Bayerischen Staatsoper Assistentin von Kirill Petrenko. Was haben Sie von ihm gelernt?

Diese vier Jahre waren für mich sehr intensiv. Ich habe gelernt, wie er an unterschiedlichste Komponisten, Werke und Stilrichtungen herangeht. Wir haben gleichzeitig an Wagners Ring gearbeitet, an den Soldaten von Bernd Alois Zimmermann und an Neuproduktionen, zum Beispiel an Werken von Mozart und italienischen Opern. Dass er ganz genau weiß, an welchen Details er feilen muss, damit der besondere Klang eines Komponisten und seiner Epoche entsteht, war für mich war das Interessanteste.

Late-Night-Konzert am 25. September

Mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker, auf dem Programm: Werke von Igor Strawinsky

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Im Late Night-Konzert am 25. September dirigieren Sie drei Werke von Strawinsky. Was fasziniert Sie so an ihm?

Strawinsky ist einer der wichtigsten Komponisten, nicht nur für das 20. Jahrhundert, sondern für die Musikgeschichte überhaupt. Seine Werke sind sehr komplex. Er hat oft die Stilrichtungen geändert, war immer auf der Suche nach einem neuen Klang und einer neuen Musiksprache. Es ist ihm gelungen, sein Publikum immer wieder mit neuen kreativen und revolutionären Ideen in der Musik und der Kunst zu fesseln. Diese Komplexität spiegelt auch das Programm der Late Night wider: Wir spielen Dumbarton Oaks, sein Oktett für Blasinstrumente und Renard, also drei sehr unterschiedliche kammermusikalische Werke.

Im Video: Oksana Lyniv spricht über ihre Faszination für Igor Strawinksy

Wie unterscheiden sich die Stücke?

Dumbarton Oaks ist ein typisch neoklassizistisches Werk für Kammerorchester. Das Oktett ist eine Suite für acht Blasinstrumente, in der jeder Satz einen ganz eigenen Charakter hat und die einzelnen Sätze im Kontrast zueinanderstehen. Und Renard ist etwas ganz Besonderes: eine ganz kurze Oper, die das in der Ukraine und in Russland sehr populäre Märchen vom listigen Fuchs erzählt. Dieser will den Hahn fressen, aber der hat wiederum sehr schlaue Freunde, die ihn beschützen. Man merkt in jedem Takt, wie wichtig Igor Strawinsky die Verbindung zu seiner Heimat war. Er hat in seinem Leben sehr viel Zeit  im Ausland verbracht und hielt dennoch die Verbindung zu seinen russischen  Wurzeln durch Volkslieder, Folklore und Märchen aufrecht. Das spürt man ganz besonders in diesem Werk.

Es gibt bei Renard auch noch ein paar weitere Besonderheiten …

Das Tolle am Late Night-Format ist, das wir neben den 16 Instrumentalisten und vier Sängern auch noch die Regisseurin Nina Kupczyk sowie den Zauberer und Pantomime Freddie Rutz dabei haben werden. Wir können in diesem Konzert kreativ sein: Die beiden untermalen den Text und die Musik deshalb mit verschiedenen Aktionen, die wir jetzt aber natürlich noch nicht verraten.


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