31. August bis 18. September

Monteverdi und mehr

Vom 31. August bis 18. September 2017 startet das Berliner Konzertleben mit dem Musikfest Berlin in die neue Spielzeit, veranstaltet von den Berliner Festspielen in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker. An 19 Tagen werden in der Philharmonie, in deren Kammermusiksaal, in der Akademie der Künste am Pariser Platz, im Konzerthaus Berlin, im Pierre Boulez Saal und der St. Hedwigs-Kathedrale 27 Veranstaltungen mit über 80 Werken von rund 40 Komponisten präsentiert, aufgeführt von 20 Instrumental-und Vokalensembles und zahlreichen Solisten des internationalen Musiklebens und der Musikstadt Berlin.

Geburtsstunde der Oper

Kein Komponist steht so sehr für den Epochenumbruch von der Renaissance zum Barock wie Claudio Monteverdi, der vor 450 Jahren in Cremona geboren wurde und den seine Zeitgenossen auch das »oracolo della musica « nannten. Seine Favola d’Orfeo gilt als Geburtsstunde der Oper, als eine Art »Urknall« der bis heute sich fortschreibenden Operngeschichte. Von den zahlreichen Opern, die Monteverdi schrieb, sind nur drei der Nachwelt erhalten geblieben: neben dem Orfeo, die in den letzten Lebensjahren Monteverdis entstanden Opern Il ritorno d’Ulisse in patria und L’incoronazione di Poppea.

Von der Schäferidylle zur politischen Intrige

Im Jubiläumsjahr 2017 nun begibt sich Sir John Eliot Gardiner zusammen mit zahlreichen Solisten, dem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists auf eine große Europa- und Amerikatournee, in der sie die drei Monteverdi-Opern in einer halbszenischen Neuproduktion präsentieren und die in Deutschland nur beim Musikfest Berlin zu erleben ist: »Wir spielen die drei Opern als Zyklus«, schreibt John Eliot Gardiner, »weil wir das Publikum auf eine Reise mitnehmen möchten – von der Schäferidylle zum höfischstädtischen Leben, vom Mythos zur politischen Historie, von der Unschuld zur Korruption, von einem Mann, mit dem die Götter ihr Spiel treiben, über einen Helden, der sich nicht von seinen menschlichen Leidenschaften befreien kann, bis zum Doppelporträt eines wahnsinnigen Liebespaars, dessen Ehrgeiz und Lust völlig außer Kontrolle geraten ist.« Den drei Opern am Beginn des Festivals in der Philharmonie korrespondiert die Aufführung von Monteverdis berühmter Marienvesper im neuen Pierre Boulez Saal zum Ende hin. Die dem gegenreformatorischen Papst Paul V. zugeeignete Sakralkomposition ist das wohl wirkungsmächtigste Beispiel der Verbindung des überkommenen polyfonen Kirchenmusikstils mit der revolutionären Musiksprache der theatralen Opernbühne.

Barock, Romantik, Avantgarde

Zugeordnet ist diesem festlichen Monteverdi-Rahmen je eine Bruckner-Symphonie, mit der Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin das Musikfest Berlin eröffnen und die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Marek Janowski das Finale gestalten. Dazwischen verläuft ein vielfach geflochtener Zeitstrahl von Kompositionen der Zeit Monteverdis und Johann Sebastian Bachs, der Musik von Salvatore Sciarrino und Nicolò Paganini, von Rebecca Saunders und Harrison Birtwistle, von Wolfgang Amadeus Mozart und Wolfgang Rihm, von Luigi Nono, Isang Yun und vielen anderen mehr. Neben den in Berlin ansässigen Orchestern, dem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists gastieren beim Musikfest Berlin das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam mit Daniele Gatti, erstmals Teodor Currentzis’ MusicAeterna Chor und Orchester aus Perm sowie die Filarmonica della Scala aus Mailand unter der Leitung von Riccardo Chailly.

Sir John Eliot Gardiner
(Foto: Sim Canetty Clark)
Daniel Barenboim
(Foto: Peter Adamik)
Isabelle Faust
(Foto: Felix Broede)
Vladimir Jurowski
(Foto: Sheila Rock)
Ensemble Musikfabrik
(Foto: Klaus Rudolph)
Minguet Quartett
(Foto: Frank Rossbach)

Website des Musikfest Berlin 2017