Simon Roturier (Foto: Sebastian Hänel)

Kammermusik

Komponieren im Angesicht des Todes

So paradox es erscheinen mag: Der tschechische Komponist Viktor Ullmann, der wegen seiner jüdischen Herkunft von den Nazis nach Theresienstadt deportiert wurde, erfuhr in dem Lager einen ungeheuren Kreativitätsschub. Dort entstand auch sein expressives Drittes Streichquartett. Ullmann überlebte seine Internierung nicht, ebenso wie sein Landsmann Erwin Schulhoff. Dessen Fünf Stücke für Streichquartett sind kesse Tänze aus glücklichen Tagen. Ullmann und Schulhoff wuchsen in der österreich-habsburgischen Musiktradition auf, die von Franz Schubert mitgeprägt wurde. Von ihm hören wir das berühmte Streichquartett »Der Tod und das Mädchen«.

Werkeinführungen sowie weitere Artikel und Informationen rund um das Konzert.

Simon Roturier Violine

Angelo de Leo Violine

Micha Afkham Viola

Mikayel Hakhnazaryan Violoncello

Viktor Ullmann

Streichquartett Nr. 3 op. 46

Erwin Schulhoff

Fünf Stücke für Streichquartett

Franz Schubert

Streichquartett Nr. 14 d-Moll D 810 »Der Tod und das Mädchen«

Nachholtermin vom 22. März 2022

Termine und Karten

Biografien

Simon Roturier

Simon Roturier stammt aus Concarneau, einer kleinen, am Meer gelegenen Stadt in der Bretagne. Im Alter von sieben Jahren fing er mit dem Geigenspiel an, bereits als 14-Jähriger entschied er, die Musik zum Beruf zu machen. Er studierte zunächst am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique bei Boris Garlitsky und Itamar Golan, später bei Vladimir Nemtanu am Konservatorium von Lyon. Zudem besuchte er Meisterklassen von Ulf Hölscher, David Grimal und Ida Händel. Neben anderen Wettbewerben gewann er 2004 den Publikumspreis des David-Oistrach-Wettbewerbs. 2006 war er Mitglied des von Claudio Abbado geleiteten Gustav Mahler Jugendorchesters, und von 2007 bis 2009 Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Anschließend setzte er seine Ausbildung bei Antje Weithaas an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« und beim Artemis-Quartett an der Universität der Künste in Berlin fort. Simon Roturier ist Primarius des 2009 gegründeten Noga Quartet und seit 2011 Mitglied der Zweiten Geigen der Berliner Philharmoniker.

Angelo de Leo

Angelo de Leo fand zu seinem Instrument über den älteren Bruder, der ebenfalls Geiger ist. Den ersten Unterricht erhielt der gebürtige Böblinger im Alter von sechs Jahren. Fünf Jahre später kam er bereits als Jungstudent an die Musikhochschule Stuttgart, wo ihn Christian Sikorski unterrichtete. Mehrere Jahre spielte er im Bregaglia-Quartett, anschließend war er Primarius des De-Leo-Quartetts, das er mit anderen Jungstudenten der Musikhochschule Stuttgart gründete. Ab 2011 studierte er in Lübeck bei Thomas Brandis; 2015 setzt er seine Ausbildung in Berlin bei Antje Weithaas und an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker fort. Der mehrfache Preisträger internationaler Wettbewerbe begann eine rege Konzerttätigkeit als Solist und Kammermusiker. Er trat unter anderem mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz sowie den Philharmonischen Orchestern in Freiburg und Lübeck auf. Seit 2018 ist er Mitglied der Zweiten Geigen der Berliner Philharmoniker.

Micha Afkham

Micha Afkham, in Freiburg im Breisgau geboren, erhielt mit fünf Jahren seinen ersten Geigenunterricht. Als 16-Jähriger wechselte er zur Bratsche, studierte zunächst bei Hatto Beyerle an der Musikhochschule Hannover und von 1999 an weiter bei Tabea Zimmermann an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin. Zahlreiche Meisterkurse bei Musikern wie Yuri Bashmet, Gidon Kremer, Wolfram Christ, Serge Collot und Herman Krebbers ergänzten seine künstlerische Ausbildung. Zudem war Micha Afkham Stipendiat der Villa Musica Mainz, des Richard Wagner Verbands Hannover und der Deutschen Stiftung Musikleben Hamburg. 2003 wurde er in die Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker und im Jahr darauf in die Bratschengruppe des Orchesters aufgenommen. Der mehrfache Preisträger internationaler Wettbewerbe konzertiert regelmäßig als Solist und Kammermusiker im In- und Ausland; er ist Mitglied des Scharoun Ensemble Berlin sowie des Berlin Piano Quartet. Zu Micha Afkhams Kammermusikpartnern zählen Isabelle Faust, Tabea Zimmermann, Leonidas Kavakos, Emmanuel Pahud, Boris Pergamenschikow, András Schiff, Gidon Kremer und das Beaux Arts Trio.

Mikayel Hakhnazaryan

Solist, Kammer- und Orchestermusiker – Mikayel Hakhnazaryan beeindruckt durch künstlerische Vielfalt. Die Musikwelt kennt den Cellisten in erster Linie als Mitglied des Kuss Quartetts, mit dem er weltweit konzertiert. Darüber hinaus ist er seit 2014 Solocellist des Münchener Kammerorchesters sowie Kammermusikpartner von Miklós Perényi, Mischa Maisky und Leif Ove Andsnes. Als Solist trat er u. a. mit dem Kammerorchester Tibor Varga und dem Armenian Philharmonic Orchestra auf. Mikayel Hakhnazaryan stammt aus einer armenischen  Musikerfamilie und studierte zunächst am Konservatorium seiner Heimat. Anschließend ging er in die Schweiz, wo er seine Ausbildung an der Musikakademie Tibor Varga in Sion bei  Marcio Carneiro und an der Musik-Akademie Basel bei Ivan Monighetti fortsetzte. Besonders inspirierend empfindet der Musiker die langjährige Arbeit und Freundschaft mit dem Cellisten Steven Isserlis. Mikayel Hakhnazaryan, der auch regelmäßig aushilfsweise in den Orchesterkonzerten sowie bei verschiedenen Kammermusikformationen der Berliner Philharmoniker mitwirkt, spielt ein Instrument von Andrea Castagneri aus dem Jahre 1735.

Simon Roturier (Foto: Sebastian Hänel)

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