Benjamin Appl (Foto: Uwe Arens)

Kammermusik

Barock-Festival

Willkommen bei den Bachs!

Bei den Berliner Barock Solisten treffen sich Mitglieder der Berliner Philharmoniker, um ihrer Leidenschaft für Alte Musik nachzugehen. Gemeinsam mit dem Bariton Benjamin Appl und dem philharmonischen Oboisten Christoph Hartmann präsentiert das Ensemble ein Programm, das man ohne weiteres »Willkommen bei den Bachs!« nennen kann: mit Musik von Johann Sebastian Bach und seinen zwei Söhnen Carl Philipp Emanuel und Johann Christoph Friedrich. Ein Programm, das zeigt, wie sich der musikalische Ausdruck damals zwischen den Generationen wandelte.

Berliner Barock Solisten

Bernhard Forck Violine und Leitung

Benjamin Appl Bariton

Carl Philipp Emanuel Bach

»Ich bin vergnügt mit meinem Stande«, Kantate Wq deest

Benjamin Appl Bariton

Carl Philipp Emanuel Bach

Symphonie für Streicher und Basso continuo Es-Dur Wq/H deest

Johann Christoph Friedrich Bach

Pygmalion, Kantate für Bass, Streicher und Basso continuo über einen Text von Karl Wilhelm Ramler

Benjamin Appl Bariton

Johann Christoph Friedrich Bach

Sinfonia für Streicher und Basso continuo d-Moll

Johann Sebastian Bach

»Ich habe genug«, Kantate für Bass, Oboe, Streicher und Basso continuo BWV 82

Benjamin Appl Bariton

Termine und Karten

Sa, 05. Mär 2022, 20.00 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Das Programm des heutigen Abends widmet sich der Musik der Bach-Familie. Von den insgesamt 20 Kindern des Thomaskantors Johann Sebastian Bach folgten vier Söhne der Berufswahl des Vaters und wurden selbst einflussreiche Komponisten. Ihr Handwerk hatten sie beim Vater gelernt, Spuren davon finden sich immer wieder in ihren Kompositionen. Mit der Zeit emanzipierten sie sich jedoch und gingen stilistisch eigene Wege. Mal mehr, mal weniger hört man aus ihren Werken den aus Italien nach Deutschland heraufdrängenden galanten Stil heraus. In diesem Konzert erklingen Kantanten und Instrumentalstücke der komponierenden Bach-Söhne mit Ausnahmen des Ältesten Wilhelm Friedemann und des Jüngsten Johann Christian, den ein Altersunterschied von 25 Jahren zu seinem Bruder trennte, neben denen ihres Vaters.

Das bekannteste Werk ist zweifellos Johann Sebastian Bachs Kantate »Ich habe genug«. Nicht nur ist die mittlere Arie »Schlummert ein, ihr matten Augen« eine der schönsten, die Bach überhaupt geschrieben hat. Auch die gefasste Müdigkeit der Eingangsarie und die finstere Ekstase des Schlusses sind von besonderer Prägnanz. Seine Kantate »Ich bin vergnügt mit meinem Stande« hat der zweitälteste Sohn Carl Philipp Emanuel Bach direkt nach seinem Auszug aus dem elterlichen Haus komponiert. Vermutlich stammt die von ungewohnten Ideen sprühende Sinfonie in Es-Dur ebenfalls aus seiner Feder. Für den 20 Jahre jüngeren Johann Christoph Friedrich war der Vater bereits ein Mann von gestern. Seine Kantate Pygmalion ist ein Meisterwerk der Empfindsamkeit. Der Inhalt: Pygmalion verliebt sich in die von ihm geschaffene Statue, die von Venus zum Leben erweckt wird. Seine Sinfonie in d-Moll hingegen stammt aus einer frühen Schaffensphase und weist noch Einflüsse der neapolitanischen Oper auf.

Jetzt kostenlos herunterladen: unser Programmheft mit Werkeinführungen und weiteren Artikeln und Informationen rund um das Barock-Festival.

Programmheft als PDF herunterladen

Biografie

Eine historisch-informierte Aufführungspraxis mit modernen Instrumenten – das war die Idee, als sich 1995 Musiker der Berliner Philharmoniker und führende Vertreter der Alte-Musik-Szene zu den Berliner Barock Solisten zusammenschlossen. Die Gründung war ein innovatives Projekt, denn damals wurde – wie sich der philharmonische Geiger Raimar Orlovsky erinnert – »die Alte Musik in unserem Orchester überhaupt nicht gepflegt«. Doch mit Rainer Kussmaul hatten die Berliner Philharmoniker einen Ersten Konzertmeister, der die Kollegen mit seiner Begeisterung für barocke Musik ansteckte. Bewusst entschieden sich die Mitglieder des Ensembles dazu, die Kompositionen des 17. und 18. Jahrhunderts auf modernen Instrumenten zu interpretieren. Dadurch entwickelten sie eine eigene, unverwechselbare Klangkultur, die inzwischen zum Markenzeichen geworden ist. Nachdem sich Rainer Kussmaul 2010 zurückgezogen hatte, legten die Berliner Barock Solisten die künstlerische Leitung bis 2017 in unterschiedliche Hände, unter anderem in die von Bernhard Forck, Daniel Hope oder Frank Peter Zimmermann. Seit 2018 leitet Reinhard Goebel das Ensemble. Die Zusammenarbeit mit diesem Dirigenten sei – so Raimar Orlovsky – eine »Chance, die Aufführungspraxis auf modernen Instrumenten fortzuentwickeln und für die Musikwelt nochmals neu zu definieren«.

Die Financial Times bezeichnete Benjamin Appl als »vielversprechendsten der aufstrebenden Liedsänger«. Der deutsche Bariton mit »einer fast unendlichen Bandbreite an Farben« (Süddeutsche Zeitung) sang als Kind bei den Regensburger Domspatzen. Er studierte an der Hochschule für Musik und Theater in München bei Edith Wiens, der er an die Juilliard School nach New York folgte. Anschließend ging er an die Londoner Guildhall School of Music and Drama zu Rudolf Piernay, der bereits Sänger wie Bryn Terfel, Michael Volle und Hanno Müller-Brachmann ausgebildet hatte. Schließlich wurde Benjamin Appl der letzte Schüler von Dietrich Fischer-Dieskau, der ihn wesentlich prägte: »Er war und ist eine Inspiration – jemand, der immer auf der Suche nach einem tieferen Verständnis der Musik und des Lebens war.« Benjamin Appl ist ein begnadeter Liedsänger, aber auch in Opern- und Oratorienrollen ist er Gast renommierter Orchester und Originalklangensembles. Die BBC kürte ihn zum New Generation Artist, die Wigmore Hall zum Emerging Talent und die Pariser Académie du disque lyrique verlieh ihm als bestem Liedinterpreten den Orphée d’Or Dietrich Fischer-Dieskau. Seit 2016 unterrichtet Appl als Professor of German Song an der Guildhall School of Music and Drama in London. Seine Diskografie enthält viele preisgekrönte Aufnahmen, unter anderem eine hoch gelobte Kantaten-Sammlung der Bach-Familie mit den Berliner Barock Solisten und Reinhard Goebel.

Benjamin Appl (Foto: Uwe Arens)

Hinweise zu Ihrem Konzertbesuch

Mehr lesen