Collegium 1704 (Foto: Petra Hajska)

Kammermusik

Barock-Festival

Bach und Pisendel mit Collegium 1704

Die Musik Johann Sebastian Bachs bildet einen wichtigen Schwerpunkt im Repertoire von Collegium 1704. Kein Wunder, gründete sich doch das Prager Barockorchester unter der Leitung des Cembalisten und Dirigenten Václav Luks anlässlich des Projektes »Bach – Praha – 2005«. Außerdem widmet sich das Ensemble mit großer Leidenschaft der Musik Dresdens, das im Barock zu den führenden Musikstädten gehörte. Dort wirkte Johann Georg Pisendel, Komponist und einer der berühmtesten Geiger seiner Zeit. Mit Werken von Bach und Pisendel bestreitet das Collegium 1704 seinen Auftritt bei unserem Barock-Festival.

Collegium 1704

Václav Luks Dirigent

Hana Blažíková Sopran

Helena Zemanová Konzertmeisterin

Ivan Iliev Konzertmeister

Julie Braná Traversflöte

Katharina Andres Oboe

Hans-Martin Rux Barocktrompete

Johann Sebastian Bach

Konzert für Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo c-Moll (Rekonstruktion nach BWV 1060)

Johann Sebastian Bach

»Non sa che sia dolore«, Kantate BWV 209

Johann Georg Pisendel

Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo g-Moll

Johann Sebastian Bach

»Jauchzet Gott in allen Landen«, Kantate BWV 51

Termine und Karten

Fr, 04. Mär 2022, 20.00 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Nur zweieinhalb Jahre trennen Johann Sebastian Bach und Johann Georg Pisendel voneinander. Der eine ist als einer der bedeutendsten Barockkomponisten in die Musikgeschichte eingegangen. Der andere, zu seiner Zeit einer der führenden deutschen Violinvirtuosen, ist heute weitgehend unbekannt. Dabei prägte er als Konzertmeister der berühmten Dresdner Hofkapelle das dortige Musikgeschehen über Jahrzehnte. Die damalige Position des Konzertmeisters entspricht heute der eines Chefdirigenten. Mit Anfang Zwanzig lernten sich die beiden Komponisten in Weimar kennen. Eine Freundschaft wie zwischen Pisendel und Georg Philipp Telemann entwickelte sich daraus nicht, Pisendel schätze Bach jedoch zeitlebens sehr hoch.

Pisendels Kompositionen für die Violine sind naturgemäß von seiner Tätigkeit als Geiger geprägt. So auch sein Violinkonzert in g-Moll, das sich durch vielfältige virtuose Verzierungen im Solopart und eine große Spielfreude in den schnellen Sätzen auszeichnet.

Fast alle Cembalokonzerte von Bach sind Arrangements, die er aus seinen Geigen- und Oboenkonzerten gemacht hat. Das heute zu hörende Doppelkonzert für Oboe und Violine hingegen ist lediglich in einer Bearbeitung Bachs für zwei Cembali erhalten geblieben, hat somit den umgekehrten Weg genommen und ist heute als Rekonstruktion zu hören. In der weltlichen Kantate »Non sa che sia dolore« übernimmt die Flöte nicht nur in der einleitenden Sinfonia eine große Rolle, sondern wird in der ersten Arie »Parti pur e con dolore« obligat zum Sopran geführt. In der Kirchenkantate »Jauchzet Gott in allen Landen« stellt Bach seiner Kompositionskunst ganz in den Dienst des Gotteslobs. Sopran und Trompete verbreiten jauchzende Pracht, während die polyphonen Konstruktionen des Chorals und des fugierten Alleluja eine Kunstfertigkeit demonstrieren, die dem Adressaten der Kantate angemessen sind.

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Biografie

Václav Luks ist eine der führenden Persönlichkeiten im Bereich der historischen Aufführungspraxis. Als Naturhornist tourte er mit diversen Alte-Musik-Ensembles durch ganz Europa, die USA, Mexiko und Japan: »Diese Erfahrung, viele Dirigenten bei der Probenarbeit und bei den Konzerten beobachten zu können, war eine gute Schule. Aber die Ambition, selbst Dirigent zu werden, hatte ich am Anfang nicht.« Doch es kam anders, 2005 gründete er das Barockorchester Collegium 1704 und das Vokalensemble Collegium Vocale 1704. Diese fühlen sich besonders dem Schaffen des böhmischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka verpflichtet, der im Jahr 1704 mit einer spektakulären Aufführung seines Schulschauspiels Via Laureata die Bühne der europäischen Musikszene betrat. Das Collegium 1704 entwickelte sich rasch zu einem der weltweit führenden Ensembles für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Es arbeitet regelmäßig mit dem Musikfestival Prager Frühling zusammen und erhält zahlreiche Einladungen in die europäischen Zentren und zu den führenden Festivals der Alten Musik. Jan Dismas Zelenkas Missa votiva wurde 2007 bei den Festivals von Sablé und La Chaise-Dieu ein durchschlagender Erfolg – die CD-Produktion rangierte gleich nach Erscheinen unter den Top 10 der französischen Klassikcharts. Weitere hochgelobte Aufnahmen des Ensembles umfassen Josef Myslivečeks Violinkonzerte, die Ersteinspielung von Zelenkas Missa Divi Xaverii sowie Rameaus Les Boréades.


Natürlich, hell und mühelos: Hana Blažíková hat eine sehr genaue Vorstellung »von einem perfekten Klang«, dem sie »so nahe wie möglich« kommen möchte. Dass ihre schlanke, brillant durch alle Register geführte Stimme bestens zur Alten Musik passt, zeigte sich erst nach ihrer klassischen Gesangsausbildung am Prager Konservatorium: »Als ich mein Studium abgeschlossen hatte, habe ich einen Dirigenten kennengelernt, der mich einlud, in seinem Originalklang-Ensemble mitzusingen, und damals fing ich eigentlich erst an, mich richtig mit der Barockmusik vertraut zu machen. Da merkte ich sehr schnell, dass […] sich meine Stimme dafür hervorragend eignet und so fühlte ich mich gleich zu Hause darin.« Heute genießt die tschechische Sopranistin höchstes Ansehen als Spezialistin der Musik aus Mittelalter, Renaissance und Barockzeitalter. Ihr Repertoire? »In erster Linie Bach.« Hana Blažíková gastiert bei vielen Orchestern von internationalem Rang, die von Dirigenten wie Philippe Herreweghe, Ton Koopman und Masaaki Suzuki geleitet werden. Auch im Opernbereich ist sie eine gefragte Solistin, bevorzugt für Aufführungen in historischer Aufführungspraxis. Die Sängerin ist auf mehr als dreißig CD-Einspielungen präsent, unter anderem auf Aufnahmen der mit internationalem Kritikerlob bedachten Bach-Kantaten-Reihe des Bach Collegiums Japan.

Collegium 1704 (Foto: Petra Hajska)