Lea Desandre und Thomas Dunford (Foto: Julien Benhamou)

Kammermusik

Barock-Festival

Lea Desandre, Thomas Dunford und das Ensemble Jupiter

Er gilt als ein »Eric Clapton der Laute«: Thomas Dunford ist 32 Jahre jung, gehört aber schon zu den Großen der Alten Musik. Der gebürtige Pariser ging bei so bedeutenden Künstlern wie William Christie, Philippe Herreweghe und Jordi Savall in die Lehre. Um deren Erbe fortzuführen, rief er 2018 das Ensemble Jupiter ins Leben, dem auch die junge Mezzosopranistin Lea Desandre angehört. Im Rahmen unseres Barock-Wochenendes führen uns die engagierten Newcomer durch das große Spektrum der europäischen Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.

Ensemble Jupiter

Thomas Dunford Laute

Lea Desandre Mezzosopran

Werke von Francesco Provenzale, Giovanni Buonaventura Viviani, François-André Philidor, André-Cardinal Destouches, François Couperin, Marin Marais, Antonio Vivaldi, Giuseppe de Bottis, Georg Caspar Schürmann u. a.

Termine und Karten

So, 27. Feb 2022, 16.00 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Wie klingen Amazonen? Im 19. Jahrhundert hätten Komponisten auf eine Palette an Klangfarben zurückgegriffen, die das Fremde problemlos, wenn auch vielleicht etwas klischeehaft dargestellt hätte. Im italienischen und französischen Barock kannte man derlei Klangmalereien erst in Ansätzen. Was beispielsweise Marin Marais, Gambist und Hofkomponist am Hof Ludwigs XIV. im Stück L’Ameriquaine aus seiner Suite d’un goût étranger notiert, klingt weder amerikanisch noch sonst irgendwie fremdländisch.

Aber zurück zu den Amazonen: Bis heute ist nicht geklärt, ob es die wehrhaften Frauen, von denen Homer, Herodot und andere erzählen, wirklich gegeben hat. Vor abschließender Beantwortung dieser Frage ist weitere Forschung erforderlich. Forschungsarbeit war ebenfalls Fall nötig, um die Amazonen-Opern zutage zu fördern, aus denen heute Nachmittag Arien und Instrumentalstücke erklingen. Die Amazonen wie auch generell starke Frauen auf der Opernbühne des Barock sind komplexe Figuren, deren Charaktere sich aus bis heute als typisch weiblich und als typisch männlich geltenden Eigenschaften zusammensetzen. Ihre geschlechterspezifische Uneindeutigkeit ist der treibende Faktor für zahlreiche Opernhandlungen und bietet eine unerschöpfliche Quelle dramatischer und musikalischer Inspiration für große lyrischen Szenen, Lamenti, Kriegs- und Wutlieder, zarte Melodien und Instrumentalstücke.

Gerade deswegen findet man in André Cardinal Destouches Oper eine Frauenfigur wie Marthésie, die erste Königin der Amazonen, die in der Schlussszene bei »Quel coup« vor einem Abgrund steht, dort ihren erschlagenen Geliebten sieht und zu ihm hinab in die Schatten steigt – mit mehr Haltung als Orpheus. Giuseppe de Bottis stellt eine andere Amazonenkönigin, Mitilene, in seiner gleichnamigen Oper als eine Frau vor, die von Liebesbanden frei sein will und dennoch unter ihrer unglücklichen Liebe leidet. Die Amazonen, damals wie heute – aktueller denn je.


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Biografie

Historisch informierte Aufführungspraxis 2.0: Das Ensemble Jupiter wurde 2018 vom französischen Lautenisten Thomas Dunford gegründet, der sich mit seiner Spontaneität und Improvisationsfreude einen Namen in der Szene gemacht hat. »Die Alte Musik hat dank Pionieren wie William Christie, Philippe Herreweghe oder Jordi Savall, mit denen ich das Glück hatte, zusammenzuarbeiten, eine große Zeit der Wiederentdeckung erlebt«, so Dunford. »Als Generation, die damit aufgewachsen ist, liegt es nun in unserer Verantwortung, diese Musik in lebendiger Tradition zu bewahren, sie moderner zu machen und zu zeigen, wie zugänglich und berührend sie sein kann.« Im Jupiter Ensemble versammelt Dunford ein Kollektiv junger Musikerinnen und Musiker, das sich frei und undogmatisch dem jeweiligen Repertoire widmet – voller Enthusiasmus, Leidenschaft und Emotion. Dabei gelingt es den Mitgliedern der Formation mit flexibler Technik und lebendiger Verzierungskunst, ein neues Licht auf die Alte Musik zu werfen. Der Lautenist, der mit 21 Jahren sein Studium am Pariser Konservatorium abgeschlossen hat und heute mit Größen der Originalklang-Szene ebenso zusammenarbeitet wie mit zeitgenössischen Komponisten und Jazzmusikern, lernte als Neunjähriger die Laute kennen: »Das Schöne ist, dass die Finger direkten Kontakt zum Instrument haben, anders als beim Cembalo. Als Kind erlebt man diesen Zauber spielerisch, und der hat mich nicht mehr losgelassen.«


Lea Desandre lässt sich nicht in musikalische Schubladen stecken. Denn die französisch-italienische Mezzosopranistin, die jedem Ton eine Farbe geben will, die »unabhängig von der Lage immer gleich voll und warm bleibt«, wählt sich als freie Sängerin ihr Repertoire selbst aus. Ein Tipp, den sie als junge Gesangsstudentin mit 16 Jahren von Joyce DiDonato erhielt: »Ich muss mich nicht auf ein bestimmtes Rollenfach festlegen wie in Festverträgen, denn ich bin freischaffend. Ich suche nach den für mich richtigen Anforderungen und Partien, deren Dimensionen mich berühren.« Lea Desandre verfügt über die nötige Virtuosität für Rossini-Partien oder musikalische Farcen wie Cimarosas L’impresario in angustie, die sie bereits am Pariser Konservatorium gesungen hat. Zugleich widmet sie sich dem Barockrepertoire und ist regelmäßiger Gast an den großen internationalen Häusern – fast folgerichtig erhielt sie mit 20 Jahren einen der begehrten Plätze in William Christies Talentschmiede Le Jardin des Voix. Desandre absolvierte eine zwölfjährige Ballettausbildung, studierte Gesang in Paris und Venedig und wurde 2017 bei den Victoires de la Musique Classique als »sängerische Entdeckung« ausgezeichnet. Ein Jahr darauf gab sie in Offenbachs La Périchole ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen, wo sie 2020 – nach Orphée aux enfers und MonteverdisL’incoronazione di Poppea – in der umjubelten Produktion von Mozarts Così fan tutte im Großen Festspielhaus gefeiert wurde.

Lea Desandre und Thomas Dunford (Foto: Julien Benhamou)

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