Anna Prohaska (Foto: Marco Borggreve)

Kammermusik

Barock-Festival

Barocke Kantaten mit Anna Prohaska, Florian Boesch und Il pomo dʼoro

Kontemplation, Erbauung und Verherrlichung Gottes – die Kantate erfüllte während des Barock in der evangelischen Kirchenmusik wichtige Funktionen. Und sie gab den Komponisten jener Zeit, allen voran dem Leipziger Thomaskantor Johann Sebastian Bach, die Möglichkeit, menschliche Emotionen wie Trauer, Freude, Zweifel oder Verzückung mitreißend in Musik zu setzten. Die Sopranistin Anna Prohaska, der Bariton Florian Boesch und das Ensemble Il pomo d’oro zeigen in diesem Konzert mit Kantaten von Bach und Buxtehude die Vielfalt dieser Gattung.

Il pomo dʼoro

Francesco Corti Leitung und Cembalo

Anna Prohaska Sopran

Florian Boesch Bariton

Johann Sebastian Bach

»Ach Gott, wie manches Herzeleid«, Kantate BWV 58

Johann Sebastian Bach

»Liebster Jesu, mein Verlangen«, Kantate BWV 32

Dieterich Buxtehude

»Ich halte es dafür«, Kantate BuxWV 48

Johann Sebastian Bach

»Selig ist der Mann«, Kantate BWV 57

Termine und Karten

Fr, 25. Feb 2022, 20.00 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Der Tod ist in der barocken geistlichen Musik fast immer präsent, sogar zu Weihnachten. »Ich wünschte mir den Tod« heißt es beispielsweise in der Kantate »Selig ist der Mann« BWV 57, die zum 2. Weihnachtsfeiertag gesungen wird. Oder »Ich bin vergnügt in meinem Leiden« in der Kantate »Ach Gott, wie manches Herzeleid« BWV 58 zum Sonntag nach Neujahr oder »Liebster Jesu, mein Verlangen […], soll ich dich so bald verlieren?« in gleichnamiger Kantate BWV 32, die am 1. Sonntag nach Epiphanias traditionell aufgeführt wird. Die »Freude am Leiden« ist auf den im Protestantismus immanenten Gedanken der Nachfolge zurückzuführen: Nur wer leidet, ist Christus wahrhaft nah und kann erlöst werden.

Die Düsternis der Arie »Ich wünschte mir den Tod« scheint klanglich den emotional expressiven Schluss der Matthäuspassion vorwegzunehmen. Und die seufzende, steigende Chromatik der Eingangsarie von »Liebster Jesu, mein Verlangen« verleiht der Sehnsucht und Suche nach Jesus eine eindringliche Intensität. In solchen als Dialog-Kantaten bezeichneten Troststücken antwortet der Bass der vom Sopran vorgetragenen Verzweiflung – zuweilen sind die Stimmen sogar als »Seele« und »Jesus« bezeichnet. Im späteren Duett von Sopran und Bass hat Bach eine Formel für die Gleichzeitigkeit von Leid und Freud mit der unruhigen Chromatik des Basso continuos gefunden, über der sich die Oberstimmen in wohlklingendem C-Dur wiegen, um nicht in den Sog verwandter Moll-Tonarten zu geraten.

Auch in Dieterich Buxtehudes »Ich halte es dafür« geht es um die »himmlische Freude nach dieser Zeit Leide« und die Suche nach Jesus. Die Stimmen formen ein Ensemble, keinen Dialog, und durch den liedhaften, sprachnahen Ausdruck bekommt Buxtehudes Musik einen ganz innigen Ausdruck.


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Biografie

»Man könnte sich restlos verlieren im Klang ihres natürlich fließenden, lyrischen Soprans. Doch dessen Schönheit ist im besten Sinne nur ein Nebenaspekt von Prohaskas bezwingender Darstellung« (Hamburger Abendblatt). Anna Prohaska entstammt einer alteingesessenen Wiener Musikerfamilie und wuchs in Hietzing in jener Villa auf, in der Johann Strauss Die Fledermaus komponierte. Die Sängerin studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin und debütierte als 17-Jährige an der Komischen Oper Berlin. Mit 20 war sie erstmals an der Staatsoper Unter den Linden zu hören, der sie trotz ihrer internationalen Karriere als Ensemblemitglied verbunden bleibt. Die Sopranistin »mit glasklarer Diktion« (Der Standard) und »silbrig glitzernder, dabei immer menschlich berührender Koloraturartistik« (Salzburger Nachrichten) gastiert regelmäßig an den weltweit führenden Opern- und Konzerthäusern. Sie verfügt über ein außergewöhnlich breit gefächertes Repertoire, wobei ihr Werke der Barockzeit besonders liegen: »Mir gefällt diese Musik, weil sie mir als Sängerin viel Raum für Kreativität lässt. Ich kann Verzierungen frei gestalten und auch sonst eigene Interpretationen einfließen lassen. Barockmusik ist sehr emotional und hat eine besondere Dramatik, die ich mit meiner Stimme sehr gut ausschöpfen kann, ohne mich verbiegen zu müssen. So ein breites Repertoire finde ich nicht in jeder Epoche.«


Die Kritik feiert ihn für seine »wunderbar geführte, flexible, klangschöne Stimme« (Süddeutsche Zeitung) und für ein »Pianissimo, das saalfüllend wirkt und unter die Haut geht« (Die Presse). Der Bassbariton Florian Boesch, derzeit Artist in Residence in der Hamburger Elbphilharmonie, zählt zu den großen Liedinterpreten unserer Zeit – mit regelmäßigen Auftritten im Wiener Musikverein, in der Londoner Wigmore Hall, dem Amsterdamer Concertgebouw und der New Yorker Carnegie Hall. »Der Liederabend«, sagt er, »ist eine unbedingt moderne Form, weil er etwas tut, was nie nicht-modern sein kann: Er erlaubt, etwas Echtes, etwas zu bekennen.« Mit einem historisch wie stilistisch facettenreichen Konzertrepertoire ist der vielseitige Sänger regelmäßiger Gast international führender Orchester und als » Urgewalt, die auf der Bühne die Aufmerksamkeit auf sich zieht wie ein Schwarzes Loch« (Salzburger Nachrichten), an den großen Opernhäusern zu erleben – in Werken von Purcell bis Mozart und von Händel bis Berg. Florian Boesch, der aus einer Wiener Sängerfamilie stammt, unterrichtet heute Lied und Oratorium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst seiner Heimatstadt. Seine Einspielungen von Schubert-, Schumann- und Mahler-Liedern wurden vielfach von der internationalen Presse ausgezeichnet.

Aufsehenerregend, dynamisch und atemberaubend: Nicht zufällig hat sich Il pomo d’oro (Der goldene Apfel), eines »der brillantesten Ensembles auf der Alten-Musik-Bühne« (BBC Music Magazine), nach der gleichnamigen »Festa teatrale« des italienischen Barockkomponisten Antonio Cesti benannt. Das opulente Freiluftspektakel, bei dessen Aufführung 300 Pferde Ballett tanzten und 73.000 Feuerwerkskörper gezündet wurden, war für die Kaiserhochzeit Leopolds I. mit Margarita Teresa von Spanien im Jahr 1666 entstanden, erlebte seine Uraufführung aber erst zwei Jahre später zum 17. Geburtstag Margaritas. Mit 24 Bühnenbildern und rund acht Stunden Aufführungsdauer stellte das Theaterfest alles bisher Dagewesene in den Schatten. Ein Opern-Superlativ, an den die Mitglieder des 2012 gegründeten italienischen Originalklang-Ensembles in einer »mächtig Pulverdampf verbreitenden Gangart«, die ihrem »Ruf als das aktuell vielleicht aufregendste Barockteam« alle Ehre macht (Rondo), anknüpfen. Mit Temperament und hoher Spielkultur beeindruckt Il pomo d’oro weltweit mit Programmen wie In War and Peace oder My favorite things mit der amerikanischen Mezzosopranistin Joyce DiDonato. Die jüngsten Einspielungen der Formation wurden mit dem Opus Klassik, dem italienischen Abbiato del Disco sowie mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Anna Prohaska (Foto: Marco Borggreve)

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