Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker (Foto: Peter Adamik)

Kammermusik

Happy Birthday! 50 Jahre 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker

1972 engagierte der ORF die Cellogruppe der Berliner Philharmoniker für eine Rundfunkaufnahme von Julius Klengels Hymnus für 12 Celli. Das war die Geburtsstunde eines Ensembles, das heute Kultstatus genießt. Mit ihrem facettenreichen Klang und einem Repertoire, das von der Klassik zur Avantgarde, vom Jazz bis zum Tango reicht, begeistern die 12 Cellisten seit 50 Jahren ihr Publikum in aller Welt. Ihren runden Geburtstag feiern sie mit einem Konzert, in dem sie ihre schönsten Werke und Arrangements vorstellen.

Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker

50 Jahre die 12 Cellisten − Best of

Julius Klengel

Hymnus G-Dur op. 57

Boris Blacher

Rumba philharmonica

Anonymus

Kōjō no Tsuki, Japanisches Volkslied (Bearbeitung von Shigeaki Saegusa)

John Williams

Catch Me If You Can (Bearbeitung von David Riniker)

Nino Rota

La strada (Bearbeitung von Wilhelm Kaiser-Lindemann)

George Gershwin

Oh, Kay!. Clap Yo' Hands (Bearbeitung von Michael Zigutkin)

George Shearing

Lullaby of Birdland (Bearbeitung von Wilhelm Kaiser-Lindemann)

Juan Tizol/Duke Ellington

Caravan (Bearbeitung von Wilhelm Kaiser-Lindemann)

Brett Dean

Twelve Angry Men

Hubert Giraud

Sous le ciel de Paris (Bearbeitung von Wilhelm Kaiser-Lindemann)

Horacio Salgán

A Don Agustin Bardi (Bearbeitung von David Riniker)

Wilhelm Kaiser-Lindemann

The 12 in Bossa Nova

Astor Piazzolla

Fuga y Misterio aus der Operita María de Buenos Aires (Arrangement von José Carli)

John Lennon/Paul McCartney

Yesterday (Arrangement für 12 Violoncelli von Werner Müller)

Termine und Karten

Programm

Biografie

Ludwig Quandt ist als langjähriger Erster Solocellist der Berliner Philharmoniker der künstlerische Kopf der 12 Cellisten. In dieser Rolle versteht er sich vor allem als Moderator zwischen den Veranstaltern einerseits und den Musikerinnen und Musikern andererseits. »Die größte Herausforderung ist allerdings die oftmals fehlende Probenzeit und die manchmal noch kurzfristig wechselnde Besetzung.« Darüber hinaus teilt er sich mit Bruno Delepelaire die Positionen 1 und 2 im Ensemble sowie die Probenleitung und führt gelegentlich als Moderator durch die Konzerte. Als Ludwig Quandt, der in einer Musikerfamilie aufwuchs und schon als Kind ein Faible für tiefe Töne hatte, 1991 Mitglied der philharmonischen Cellogruppe wurde, spürte er sofort: »Die 12 Cellisten sind so etwas wie eine große Familie: individuell und trotzdem mit einem Familiensinn, den unser gemeinsamer Stammbaum – das Cello – uns mitgegeben hat.« Und diesen Familiensinn habe sich das Ensemble, so Ludwig Quandt, bis heute bewahrt.

Bruno Delepelaire ist der jüngste der 12 Cellisten, gleichwohl führt er – gemeinsam mit Ludwig Quandt – die Cellogruppe der Berliner Philharmoniker seit 2013 als Erster Solocellist an. Die Liebe zu seinem Instrument verdankt er seiner Großmutter, einer begeisterten Amateurcellistin. Ihr wollte der damals Fünfjährige nacheifern und entdeckte dabei sein großes musikalisches Talent. Nach Studien am Pariser Conservatoire bei Philippe Muller und bei Jens-Peter Maintz an der Universität der Künste Berlin kam er an die Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Als deren Stipendiat spielte er auch erstmals bei den 12 Cellisten mit: »Mich beeindruckte die Einheit und die Ausdruckskraft dieses Ensembles«, erinnert er sich. Er liebt die stilistische Vielfalt des Repertoires und genießt die gemeinsamen Auftritte, die die Gruppe, so Bruno Delepelaire, menschlich und musikalisch zusammenbringt.

Sein erstes Konzert mit den Zwölfen gab Dietmar Schwalke noch vor seinem offiziellen Beginn bei den Berliner Philharmonikern – als Einspringer für einen erkrankten Cellisten. »Für mich war das ein toller Start: Ich konnte sozusagen schon mal testen, wie sich eine Mitgliedschaft anfühlt.« Der Schüler von Arthur Troester, Wolfgang Boettcher und Pierre Fournier wurde als 12-Jähriger durch einen Cello spielenden Freund angeregt, das Instrument zu lernen. Nachdem er in nur vier Monaten den Freund spieltechnisch eingeholt hatte, war der Berufsweg vorgezeichnet. Dieser führte nach dem Studium zunächst zum Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, ehe Dietmar Schwalke 1994 zu den Berliner Philharmonikern und somit auch zu den 12 Cellisten kam. Das Ensemble hätte sich – so der Musiker – enorm weiterentwickelt, die Arrangements seien immer raffinierter und herausfordernder geworden, auch sei das Klangbild inzwischen sehr viel breiter gefächert.

Als gebürtiger Berliner träumte Nikolaus Römisch schon als Kind davon, bei den Berliner Philharmonikern zu spielen. Der Traum erfüllte sich für ihn im Jahr 2000. Die zweigleisige Arbeit als Orchester- und Kammermusikgruppe empfand er von Anfang an hilfreich. »So habe ich sehr schnell die gesamte Bandbreite der Spielmöglichkeiten kennengelernt. Das hat mir den Prozess des Einfügens in das bestehende Kollektiv deutlich erleichtert.« Der Schüler von Reinhild Oelmüller, Dietmar Schwalke, Wolfgang Boettcher und Ivan Monighetti, der als Fünfjähriger das Cello für sich entdeckte, sammelte erste Orchestererfahrung in verschiedenen Jugendorchestern sowie im Orchester der Deutschen Oper Berlin, ehe er ein Berliner Philharmoniker wurde. Was seiner Meinung nach den großen Erfolg der 12 Cellisten ausmacht? »Die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Unterhaltung verbunden mit unserer – nach 50 Jahren immer noch – exotischen Erscheinung.«

Als Christoph Igelbrink 1989 bei den Berliner Philharmonikern anfing, war Herbert von Karajan noch Chefdirigent des Orchesters. Dessen Maxime lautete: »Es gibt keine schlechte Musik, nur schlechte Interpretationen.« Dieser Satz könne, so Christoph Igelbrink, auch für die Arbeit der 12 Cellisten gelten. Viele Werke, die anfangs zu »leichtgewichtig« schienen, wurden durch intensive Auseinandersetzung zu Highlights des Repertoires. »Davon habe ich auch persönlich sehr profitiert.« Christoph Igelbrink, der bereits Klavier spielte, begann als Elfjähriger Cello zu lernen, um das Hausmusikquartett seiner Familie zu vervollständigen. Die Freude am Spiel in diversen Jugendorchestern bestärkte seinen Wunsch, Cellist zu werden. Bei den 12 Cellisten konnte er gelegentlich auch sein pianistisches Talent einsetzen: Anlässlich eines Auftritts vor dem japanischen Kaiserpaar begleitete er seine Kollegen beim Vortrag von Saint-Saënsʼ Schwan auf dem Klavier – ein für ihn unvergessliches Erlebnis.

Musiker und Manager – Olaf Maninger vereint zwei Begabungen. Nachdem er 1995 zu den Philharmonikern kam, konnte er beide an führender Stelle einbringen: als Solocellist sowie als Medienvorstand, Mitglied des Stiftungsvorstands und als Initiator der Digital Concert Hall, deren Geschäftsführer er seit 2008 ist. In Recklinghausen geboren, studierte Olaf Maninger zunächst bei János Starker und Maria Kliegel in Essen, später bei Armin Fromm, António Menèses und Boris Pergamenschikow sowie beim Amadeus Quartett. Seine Laufbahn als Orchestermusiker begann er 1994 als Solocellist beim Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks, bis er wenige Monate später zu den Berliner Philharmonikern wechselte.

Martin Menking kam 1996 als Nachfolger von Rudolf Weinsheimer in die philharmonische Cellogruppe. Von ihm übernahm er bei den 12 Cellisten nicht nur Platz 7, sondern auch die organisatorischen Aufgaben. Die größte Herausforderung bei dieser Aufgabe sei – so Martin Menking – für die Proben und die Konzerte zwölf Cellistinnen und Cellisten zusammenzubekommen. »Bislang hat es immer geklappt.« Martin Menking lernte Cello, weil dieses Instrument im familiären Streichquartett noch fehlte. Der Schüler von Heinrich Schiff und David Geringas begann seine Laufbahn 1994 als stellvertretender Solocellist des NDR-Sinfonieorchesters Hamburg, ehe er zwei Jahre später zu den Berliner Philharmonikern wechselte. Durch das Ensemble sei die Cellogruppe nach Martin Menkings Worten sehr zusammengewachsen. »Diese Homogenität zeichnet auch den Klang der Gruppe aus.«

»Ich bin durch dieses Ensemble mit elf Kolleginnen und Kollegen am selben Instrument sehr geprägt worden«, meint Knut Weber, Cellist und Orchestervorstand der Berliner Philharmoniker. »Durch die individuelle Art jedes einzelnen Mitglieds konnte ich unglaublich viel sehen und lernen – cellistisch und musikalisch.« Der gebürtige Klagenfurter wollte als Fünfjähriger nur ein Instrument lernen, bei dem man während des Spielens nicht stehen muss. Da schien ihm das Cello geradezu ideal. Er studierte bei Miloš Mlejnik, Claus Kanngiesser und Wolfgang Boettcher, war Stipendiat und Solocellist des Gustav Mahler Jugendorchesters sowie Gründungsmitglied des Mahler Chamber Orchestra, ehe er 1998 ein Berliner Philharmoniker wurde. Zu seinen schönsten Erlebnissen zählt er das Konzert zur Veröffentlichung der CD South American Getaway in Buenos Aires, zu dem viele ehemalige Kollegen von Astor Piazzolla kamen. »Ich habe selten eine so große Aufregung bei vielen meiner sonst stressresistenten Kollegen gesehen.«

Rachel Helleur-Simcock hörte als Kind eine Aufnahme der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker und entschied: »Das will ich auch machen!« Im Alter von sechs Jahren erhielt sie den ersten Cellounterricht. Nach ihrer Ausbildung unter anderem an der Royal Academy of Music in London, der Berliner Hochschule für Musik »Hanns Eisler« und der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker sowie zwei Jahren in der Position der Solocellistin der Deutschen Oper Berlin war es dann soweit: Sie saß in ihrer ersten Probe mit den 12 Cellisten. »Ich war sehr nervös«, erinnert sie sich, »bis ich erleichtert feststellte, dass die Atmosphäre bei den Proben tatsächlich sehr entspannt ist.« In diesem Ensemble habe sie – so die Musikerin – ihre solistische Seite entwickeln können. Gänsehautmomente bescherten ihr die Auftritte vor dem japanischen Kaiserpaar und ein Konzert auf dem Markusplatz in Venedig: »Das war der schönste Blick von einer Bühne, an den ich mich erinnern kann.«

Stephan Koncz kann sich noch gut daran erinnern, wie ihn als Jugendlicher die unglaublich virtuos gespielte Filmmusik der 12 Cellisten begeisterte: »Was vor 50 Jahren so unerhört begann, hat nach und nach auch die junge Cellogeneration in Erstaunen versetzt und als Inspiration für viele Celloensembles gedient.« Der Spross einer österreichisch-ungarischen Musikerfamilie begann als Achtjähriger sein Studium in Wien. 2006 wurde er Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Nach einem Abstecher zum Wiener Staatsopernorchester kam Stephan Koncz mit Beginn der Spielzeit 2010/11 in die Cellogruppe der Berliner Philharmoniker. Was ihn an den 12 Cellisten so fasziniert? »Abhängig vom Repertoire kann dieses Ensemble alle Facetten der Musik zeigen: sämiges Cantabile, kratzige Tango-Rhythmen, Big-Band-Groove, chorisches Spiel in allen Lagen und Bass-Gegrunze.«

David Riniker engagiert sich in zweifacher Hinsicht für die 12 Cellisten: als Musiker und als Arrangeur. Von ihm stammen viele der raffinierten Bearbeitungen. Er weiß, wie er die Instrumente sowie das technische und musikalische Können seiner Kolleginnen und Kollegen wirkungsvoll zur Geltung bringen kann. »Der Tonumfang des Violoncellos ist sehr groß. Das ergibt viel Spielraum und bietet unzählige Möglichkeiten«, meint er. »Wir können daher wie ein Kammerorchester spielen.« David Riniker, ein Schüler von Paul Guéneux und António Menèses, liebt den vollen warmen Klang des Ensembles, der ihn bei seinen Arrangements immer wieder inspiriert. »Mehrere Celli zusammen klingen immer wunderbar. Dieses Instrument kommt der menschlichen Stimme nahe. So klingen auch komplexe Chorsätze wie Verdis Ave Maria aus Quattro pezzi sacri oder Figure humaine von Francis Poulenc mit diesem Ensemble wunderbar.«

Solène Kermarrec, seit 2006 Mitglied der Berliner Philharmoniker, war die erste Frau der Cellogruppe und somit auch der 12 Cellisten. Sehr schnell stellte sie fest: »Jeden Tag neben solchen Kollegen zu sitzen ist eine anspruchsvolle Sache, das hält wach, fit und inspiriert.« Die gebürtige Französin, Schülerin von Jean-Marie Gamard, Miklos Perényi und Wolfgang Boettcher, erzählt, durch Beobachtung viel von den Kollegen gelernt zu haben. Immer wieder berührt sie die große Begeisterung, mit der das Ensemble von seinem Publikum in China, Taiwan, Japan und Russland gefeiert wird. Ein Highlight für sie sind auch die Auftritte in der Philharmonie Berlin. Als beglückend empfindet Solène Kermarrec es immer wieder, »wenn ich plötzlich im Konzert wahrnehme, wie gut diese Gruppe funktioniert, trotz manchmal schwieriger Proben. Am Abend ziehen wir alle am selben Strang!«

Die Begeisterung für das Cellospiel wurde Martin Löhr schon in die Wiege gelegt – durch die Mutter, die auch Cellistin war. Zudem liebte er schon immer die tieferen Töne. So lag es für ihn nahe, das Cello zu seinem Instrument zu machen. Er studierte an der Musikhochschule seiner Heimatstadt Hamburg bei Wolfgang Mehlhorn, an der New Yorker Juilliard School bei Zara Nelsova sowie an der Berliner Hochschule der Künste bei Wolfgang Boettcher. Seit 1996 ist er Solocellist der Berliner Philharmoniker und Mitglied der 12 Cellisten. Aber nicht nur das: Als leidenschaftlicher Kammermusiker spielt Martin Löhr seit fast drei Jahrzehnten im Trio Jean Paul, mit dem er erste Preise bei den internationalen Kammermusikwettbewerben in Osaka und Melbourne errang.

Ehemalige Mitglieder

Peter Steiner 1948–1994

Eberhard Finke 1950–1985 (Erster Solocellist)

Heinrich Majowski 1950–1989

Gerhard Woschny 1951–1985

Ottomar Borwitzky 1956–1993 (Erster Solocellist)

Rudolf Weinsheimer 1956–1996

Wolfgang Boettcher 1958–1976 (ab 1963 Solocellist)

Christoph Kapler 1961–1998

Alexander Wedow 1962–1999

Klaus Häussler 1963–1995

Jörg Baumann 1966–1995 (ab 1976 Solocellist)

Götz Teutsch 1970–2006 (ab 1976 Solocellist)

Jan Diesselhorst 1977–2009

Georg Faust 1985–2011 (Erster Solocellist)

Richard Duven 1986–2021

Die Jahreszahlen und Solopositionen beziehen sich auf die Mitgliedschaft bei den Berliner Philharmonikern.

Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker (Foto: Peter Adamik)

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