Jack Quartet (Foto: Beowulf Sheehan)

Kammermusik

Patricia Kopatchinskaja und das Jack Quartet

Patricia Kopatchinskaja und das Jack Quartet verbindet die große Leidenschaft für eine zeitgenössische Musik, die neugierig macht, die überrascht und unbekannte Klangwelten eröffnet. In diesem gemeinsamen Konzert sind Werke zu hören, die die unendlichen Möglichkeiten von Streichermusik erforschen: originell, energiegeladen und stimmungsvoll. Patricia Kopatchinskaja ist dabei nicht nur als Sologeigerin zu erleben, sondern in Galina Ustwolskajas Dies Irae auch als Perkussionistin. Mitglieder der Berliner Philharmoniker erweitern das Instrumentarium des Abends um zusätzliche Farben.

Jack Quartet

Patricia Kopatchinskaja Violine

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Michael Wendeberg Klavier

Horatiu Radulescu

Streichquartett Nr. 5 »Before the Universe Was Born«

Jack Quartet , Christopher Otto Violine, Austin Wulliman Violine, John Pickford Richards Viola, Jay Campbell Violoncello

Márton Illés

Én-kör III für Violine und Violoncello

Patricia Kopatchinskaja Violine, Jay Campbell Violoncello

Michael Hersch

A Forest of Attics für Ensemble (revidierte Fassung)

Patricia Kopatchinskaja Violine, Mitglieder der Berliner Philharmoniker , Michael Wendeberg Klavier

Tigran Mansuryan

Konzert für Violine und Streicher Nr. 2 »Vier Ernste Gesänge«

Patricia Kopatchinskaja Violine, Jack Quartet , Christopher Otto Violine, Austin Wulliman Violine, John Pickford Richards Viola, Jay Campbell Violoncello, Mitglieder der Berliner Philharmoniker

John Dowland

Lachrimae, or Seaven Teares: Lachrimae antiquae

Patricia Kopatchinskaja Violine, Jack Quartet , Christopher Otto Violine, Austin Wulliman Violine, John Pickford Richards Viola, Jay Campbell Violoncello

Galina Ustwolskaja

Komposition Nr. 2 »Dies irae« für acht Kontrabässe, Holzwürfel und Klavier

Mitglieder der Berliner Philharmoniker , Michael Wendeberg Klavier, Patricia Kopatchinskaja Würfel

George Enescu

Streichoktett C-Dur op. 7

Georg Friedrich Haas

Streichquartett Nr. 9

Jack Quartet , Christopher Otto Violine, Austin Wulliman Violine, John Pickford Richards Viola, Jay Campbell Violoncello

Termine und Karten

Programm

Biografie

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja begeistert ihr Publikum dank ihrer unbändigen Spielfreude, ihrem mitreißenden Temperament und ihrer technischen Brillanz selbst im Falle von schwierigsten und sperrigsten Werken. Die Musikerin sorgte in den letzten Jahren bei den Berliner Philharmonikern mit den herausfordernden Violinkonzerten von Peter Eötvös, György Ligeti und Arnold Schönberg für Aufsehen. Für sie erlaubt zeitgenössische Musik einen Blick in die Zukunft: »Es ist doch evident, dass nur in den neuesten Werken die aktuelle Entwicklung stattfindet und die Zukunft beginnt, dieser entscheidende Schritt ins Unbekannte. Das ist doch das Allerfaszinierendste. Daneben wird die Beschäftigung mit dem längst Bekannten fast banal.« Keine Angst vor Unbekanntem also! Das bewies Patricia Kopatchinskaja bereits als 13-Jährige, als sie zusammen mit ihrer Familie ihre Heimat Moldawien verließ und nach Wien emigrierte. »Die erste Station war ein Flüchtlingslager«, erinnert sie sich. »Aber das war für mich kein traumatisches Erlebnis, sondern wie ein Ticket in eine neue Welt.« In Wien begann sie mit 17 Jahren ihr Studium an der Musikuniversität und lernte dabei auch Kirill Petrenko kennen, mit dem sie seither eine Freundschaft verbindet. Von Wien wechselte sie an die Hochschule der Künste nach Bern, wo sie ihre Ausbildung bei Igor Ozim abschloss. Anschließend startete sie ihre internationale Karriere, die in vieler Hinsicht besonders ist. Denn sie ist nicht nur Solistin, sondern auch Komponistin sowie Dirigentin und außerdem – wie sie betont – »ein menschliches Wesen, Mitglied einer Familie und Bürger dieser Welt. Das darf einem nicht gleichgültig sein. Und erst danach ist man irgendetwas Berufliches.« Diese Perspektive bestimmt auch ihre künstlerische Arbeit, so macht sie beispielsweise mit dem Mahler Chamber Orchestra in ihrem Projekt Les Adieux auf das Artensterben aufmerksam. Seit ihrem Debüt bei den Berliner Philharmonikern im September 2014 mit Peter Eötvösʼ Violinkonzert DoReMi hat sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Orchester entwickelt. »Dieses Orchester hat eine Qualität, die ihresgleichen sucht, sowohl im Gesamten als auch bei jedem einzelnen Mitglied. Es ist ein hohes Privileg mit ihnen spielen zu dürfen«, meint Patricia Kopatchinskaja. In dieser Saison ist sie Artist in Residence bei den Berliner Philharmonikern und kann sämtliche Facetten ihrer künstlerischen Persönlichkeit zeigen. Unter der Leitung von Kirill Petrenko trat sie bereits mit dem Concerto funebre von Karl Amadeus Hartmann auf. Im heutigen Konzert, das einen programmatischen Bogen vom Barock zur zeitgenössischen Musik spannt, präsentiert sie sich sowohl als Geigerin als auch als Dirigentin. Bei allem, was sie auf dem Konzertpodium macht, geht es ihr vor allem um Eines: Ihr Publikum zu elektrisieren. »Ich möchte mit meinem Publikum Dinge erleben. Ich möchte Wege gehen, die ich selbst noch nicht gegangen bin. Und ich hoffe, dass so viele wie möglich mitkommen.«

Mit seiner »explosiven Virtuosität« (Boston Globe) und seinen »geradezu körperlich packenden Interpretationen« (New York Times) begeistert das Jack Quartet sein Publikum rund um den Globus, als »das Quartett für zeitgenössische Musik« (Washington Post). Die Musiker – vom Klassikmagazin Musical America als Ensemble des Jahres ausgezeichnet – sind ein perfekt eingespieltes Dreamteam, das scheinbar mühelos die anspruchsvollsten zeitgenössischen Partituren zum Klingen bringt. Kennengelernt haben sich die vier US-Amerikaner während ihres Studiums an der Eastman School of Music in Rochester, um anschließend beim Arditti und Kronos Quartet sowie bei Mitgliedern des Ensembles intercontemporain in die Lehre zu gehen. Ihre Mission? Mit Uraufführungen und Auftragswerken die traditionsreiche Gattung des Streichquartetts mit neuem Leben zu füllen – gegebenenfalls auch um eine elektronische Dimension erweitert. Das Jack Quartet steht mit den Schöpfern der Werke, die es aufführt, in engem Kontakt, um alle technischen, musikalischen und emotionalen Aspekte ihrer jeweiligen Tonsprache kennenzulernen. Das vom Ensemble initiierte Jack Studio ermöglicht es Komponistinnen und Komponisten, neue Werke zu entwickeln, sie aufzuführen, aufzunehmen und sich von Mentoren beraten zu lassen.

In seiner Arbeit als Pianist und Dirigent verbindet Michael Wendeberg wie selbstverständlich das klassische Repertoire von Johann Sebastian Bach bis Arnold Schönberg mit neuer und neuester Musik. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, durch diese Konfrontation die traditionellen Hör- und Spielgewohnheiten in der Alten wie in der Neuen Musik zu durchbrechen und zu verändern. »Packend die Lesart von Michael Wendeberg, der Punktierungen schärfte, Steigerungen wirkungsvoll aufbaute und zugleich Raum für Ruhe und Einkehr ließ.« So charakterisierte die Mitteldeutsche Zeitung die Musizierweise des Pianisten. Michael Wendeberg, Schüler von Markus Stange, Bernd Glemser und Benedetto Lupo, war zwischen 2000 und 2005 Mitglied des Ensemble Intercontemporain und arbeitete intensiv mit Pierre Boulez zusammen. Dies mündete in eine Gesamtaufnahme von Boulez’ Klavierwerk, die kürzlich erschienen ist. Michael Wendeberg ist Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe und trat als Solist mit namhaften Orchestern unter Dirigenten wie Jonathan Nott, Marek Janowski und Daniel Barenboim auf.

Jack Quartet (Foto: Beowulf Sheehan)

Patricia Kopatchinskaja (Foto: Stefan Höderath)

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Patricia Kopatchinskaja im Porträt