Andris Nelsons (Foto: Marco Borggreve)

Andris Nelsons dirigiert Strawinskys »Le Sacre du printemps«

Sie denken, die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts sei kompliziert? Andris Nelsons, Chefdirigent des Leipziger Gewandhausorchesters und des Boston Symphony Orchestra, zeigt in diesem Programm das Gegenteil. Zwar hat Strawinskys Ballett Le Sacre du printemps die Musikwelt von Grund auf umgekrempelt, seine elementare Wucht teilt sich jedoch spontan mit, sobald man sich auf diese von archaischen Riten inspirierte Tonsprache eingelassen hat. Eine Entdeckung ist das Trompetenkonzert von Mieczysław Weinberg: ein Werk von blitzender Virtuosität und doppelbödiger Ironie. Solist ist der aus Schweden stammende Håkan Hardenberger. Eröffnet wird der Abend mit einer Hommage des estnischen Komponisten Jüri Reinvere an Maria Anna, die musikalisch hochbegabte Schwester Mozarts.

Berliner Philharmoniker

Andris Nelsons Dirigent

Håkan Hardenberger Trompete

Jüri Reinvere

Maria Anna, wach, im Nebenzimmer, Notturno für großes Orchester

Mieczysław Weinberg

Konzert für Trompete und Orchester op. 94

Håkan Hardenberger Trompete

Igor Strawinsky

Le Sacre du printemps (revidierte Fassung von 1947)

Termine und Karten

Programm

Biografie

Ein ausgeschlagener Zahn bei einem Taekwondo-Kampf, so Andris Nelsons in einem Interview für die Digital Concert Hall, habe seine Entscheidung begünstigt, die Dirigentenlaufbahn einzuschlagen. Der damals 18-Jährigen hatte gerade als Trompeter an der Nationaloper in Riga angefangen – eine Position, in der man auf feste Zähne angewiesen ist. Nicht zuletzt wegen dieses Vorfalls orientierte Andris Nelsons sich um. Nach einem Dirigierstudium bei Alexander Titov in St. Petersburg, Meisterkursen bei Neeme Järvi und Jorma Panula sowie der Begegnung mit Mariss Jansons, der zu seinem wichtigsten Mentor wurde, startete der Spross einer lettischen Musikerfamilie eine bemerkenswerte Karriere, die ihn zunächst in Chefpositionen an der Lettischen Nationaloper und beim City of Birmingham Symphony Orchestra führte. Heute leitet Andris Nelsons mit dem Boston Symphony Orchestra und dem Leipziger Gewandhausorchester zwei der weltweit prominentesten Klangkörper.

Auch die Berliner Philharmoniker dirigiert er seit seinem Debüt im Oktober 2010 regelmäßig, wobei er durch stilistische Vielseitigkeit beeindruckt. Egal ob Wiener Klassik, Romantik, Moderne oder Zeitgenössisches – Andris Nelsons vermittelt über sein Dirigieren starke Emotionen. Dabei sieht er seine eigene Rolle recht pragmatisch: »Mein ganzes Dirigentenleben besteht darin, die Stellen zu finden, an denen Energie, technische Hilfe oder Unterstützung gebraucht wird, damit das Orchester das bestmögliche musikalische Ergebnis erzielt.«

Die Entscheidung, eine Solistenkarriere einzuschlagen, fiel 1981 auf dem Podium der Philharmonie Berlin: Der Trompeter Håkan Hardenberger, Student der Pariser Musikhochschule und Schüler von Pierre Thibaud, hatte zuvor den 3. Preis beim ARD-Musikwettbewerb gewonnen und war vom Radiosender RIAS zu einer Aufführung von Haydns Trompetenkonzert nach Berlin eingeladen worden. »Ich spürte die Begeisterung des Publikums«, erinnert sich der gebürtige Schwede, »und ich wusste: Das ist es!« Mit seinem strahlenden, gleichzeitig weichen und modulationsfähigen Ton, seiner technischen Brillanz und seinem mühelos wirkenden Spiel etablierte sich Håkan Hardenberger in der Weltspitze. Er habe das Glück gehabt – so der Musiker –, dass schon sein erster Lehrer die Begabung des gerade Achtjährigen erkannt und ihn dementsprechend gefördert habe.

Heute konzertiert Håkan Hardenberger mit internationalen Orchestern und Dirigenten. Eine besondere Freundschaft verbindet ihn mit Andris Nelsons, unter dessen Leitung er 2015 mit HK Grubers Konzert Aerial sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gab. In diesem für ihn geschriebenen Stück führte er auf beeindruckende Weise vor, welche unendlichen Effekte man seinem Instrument entlocken kann. Nach wie vor begeistert es den Trompeter, in der Philharmonie Berlin aufzutreten: »Die Akustik hier ist super – egal, ob ich laut oder leise spiele!«

Andris Nelsons (Foto: Marco Borggreve)

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