Patricia Kopatchinskaja (Foto: Stefan Hoederath)

Philharmonie »Late Night«

Late Night

»Nonsense in Residence« mit Patricia Kopatchinskaja

Vom Sinn des Unsinns: In den Künsten gab es immer Formen, wo der Plan durch Zufall ersetzt war, das Fixierte durch Improvisation, das Bedeutungsschwangere durch das Paradoxe, das Ernste durch das Kindlich-spielerische, der Sinn durch Unsinn. Das konnte eine Gegenreaktion auf eine erstarr-te elitäre Hochkultur sein, z. B. in der Commedia dell‘Arte oder in der Figur des Pierrot. In Zeiten von kulturellem Umbruch und Orientierungslosigkeit wurden solche Tendenzen zu Keimzellen neuer Entwicklungen, man denke an Dadaismus und Surrealismus nach dem Ers-ten Weltkrieg oder an die Fluxusbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir widmen diesen Abend Kurt Schwitters‘ Ursonate, einem aus Zufall geborenen sinnfreien Lautgedicht aus der Dadazeit. Umrahmt wird dieses Schlüsselwerk von weiteren Werken aus der Dada- und Fluxusbewegung sowie einigen, teils nicht ganz so unsinnigen Werken von György Ligeti und Jean Françaix. Solcher Unsinn ist sicher vergnüglicher Selbstzweck, aber sein Sinn mag vor allem sein, unsere Sinne zu schärfen für die Wahrnehmung des Unsinns im trügerischen Sinn, wo immer dieser uns begegnen mag.

Patricia Kopatchinskaja Violine

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Nonsense in Residence

Werke von György Kurtág, John Cage, Jean Françaix, György Ligeti, Patricia Kopatchinskaja u. a.

Ursonate, Film nach Kurt Schwitters

Termine und Karten

Programm

Biografie

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja begeistert ihr Publikum dank ihrer unbändigen Spielfreude, ihrem mitreißenden Temperament und ihrer technischen Brillanz selbst im Falle von schwierigsten und sperrigsten Werken. Die Musikerin sorgte in den letzten Jahren bei den Berliner Philharmonikern mit den herausfordernden Violinkonzerten von Peter Eötvös, György Ligeti und Arnold Schönberg für Aufsehen. Für sie erlaubt zeitgenössische Musik einen Blick in die Zukunft: »Es ist doch evident, dass nur in den neuesten Werken die aktuelle Entwicklung stattfindet und die Zukunft beginnt, dieser entscheidende Schritt ins Unbekannte. Das ist doch das Allerfaszinierendste. Daneben wird die Beschäftigung mit dem längst Bekannten fast banal.« Keine Angst vor Unbekanntem also! Das bewies Patricia Kopatchinskaja bereits als 13-Jährige, als sie zusammen mit ihrer Familie ihre Heimat Moldawien verließ und nach Wien emigrierte. »Die erste Station war ein Flüchtlingslager«, erinnert sie sich. »Aber das war für mich kein traumatisches Erlebnis, sondern wie ein Ticket in eine neue Welt.« In Wien begann sie mit 17 Jahren ihr Studium an der Musikuniversität und lernte dabei auch Kirill Petrenko kennen, mit dem sie seither eine Freundschaft verbindet. Von Wien wechselte sie an die Hochschule der Künste nach Bern, wo sie ihre Ausbildung bei Igor Ozim abschloss. Anschließend startete sie ihre internationale Karriere, die in vieler Hinsicht besonders ist. Denn sie ist nicht nur Solistin, sondern auch Komponistin sowie Dirigentin und außerdem – wie sie betont – »ein menschliches Wesen, Mitglied einer Familie und Bürger dieser Welt. Das darf einem nicht gleichgültig sein. Und erst danach ist man irgendetwas Berufliches.« Diese Perspektive bestimmt auch ihre künstlerische Arbeit, so macht sie beispielsweise mit dem Mahler Chamber Orchestra in ihrem Projekt Les Adieux auf das Artensterben aufmerksam. Seit ihrem Debüt bei den Berliner Philharmonikern im September 2014 mit Peter Eötvösʼ Violinkonzert DoReMi hat sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Orchester entwickelt. »Dieses Orchester hat eine Qualität, die ihresgleichen sucht, sowohl im Gesamten als auch bei jedem einzelnen Mitglied. Es ist ein hohes Privileg mit ihnen spielen zu dürfen«, meint Patricia Kopatchinskaja. In dieser Saison ist sie Artist in Residence bei den Berliner Philharmonikern und kann sämtliche Facetten ihrer künstlerischen Persönlichkeit zeigen. Unter der Leitung von Kirill Petrenko trat sie bereits mit dem Concerto funebre von Karl Amadeus Hartmann auf. Im heutigen Konzert, das einen programmatischen Bogen vom Barock zur zeitgenössischen Musik spannt, präsentiert sie sich sowohl als Geigerin als auch als Dirigentin. Bei allem, was sie auf dem Konzertpodium macht, geht es ihr vor allem um Eines: Ihr Publikum zu elektrisieren. »Ich möchte mit meinem Publikum Dinge erleben. Ich möchte Wege gehen, die ich selbst noch nicht gegangen bin. Und ich hoffe, dass so viele wie möglich mitkommen.«

Patricia Kopatchinskaja (Foto: Stefan Hoederath)

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Für Nachtschwärmer und Neugierige

Artist in Residence

Patricia Kopatchinskaja im Porträt