Jean Rondeau (Foto: Parlophone Records Limited, Clement Vayssieres)

Kammermusik

Barock-Festival

Jean Rondeau spielt Bachs »Goldberg-Variationen«

Der französische Pianist und Cembalist Jean Rondeau hat sich durch seine frische Musizierweise an die Weltspitze gespielt – nicht nur in der Alten Musik, sondern auch im Jazz. Beim Barock-Festival interpretiert er die Goldberg-Variationen, die Bach für den Cembalisten Johann Gottlieb Goldberg komponierte – angeblich, damit dieser seinen Dienstherren während schlafloser Nächte unterhalten konnte. »Der ganze Bach ist in den Goldberg-Variationen enthalten, die ganze Musik«, so Jean Rondeau, »und ich werde mein Leben damit verbringen, an diesem Werk zu arbeiten.«

Jean Rondeau Cembalo

Johann Sebastian Bach

Goldberg-Variationen BWV 988

Termine und Karten

Programm

In der Nacht sind alle Katzen grau? Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen wurden geschrieben, um das Gegenteil zu beweisen. Der Auftrag kam von einem Grafen Kaiserling, der unter Schlaflosigkeit litt und bei Bach einige Klavierstücke »sanften und munteren Charakters« bestellte, um seine grauen Nächte aufzuhellen.

Bach war kein Freund von Variationen. Sie waren ihm zu langweilig – denn in jedem barocken Variationszyklus wird das Thema, es mag so schön sein wie es will, erst in Achteln, dann Sechzehnteln, dann Zweiundreißigsteln durchexerziert. Der junge Bach hat das ein einige Male an Choralmelodien wie »Sei gegrüßet, Jesu gütig« erprobt und dabei durchaus den Ausdruck zu steigern gewusst. Danach hat ihn das Genre fast vierzig Jahre lang nicht interessiert. Erst der Auftrag von Kaiserling forderte seine Gestaltungskraft neu heraus.

Die Aria, das Thema seiner Goldberg-Variationen, ist ein galant geschwungenes Gebilde über einem langsam seine Umlaufbahn ziehenden Bass. Und dieser Bass ist die eigentliche Gravitationskraft des Zyklus, die dreißig Monde oder genauer gesagt, dreißig Variationen anzieht. Jede sieht ein bisschen anders aus, und diese Unterschiede galt es zu organisieren: Da gibt es zum einen Charakterstücke mit einem Ausdrucksspektrum von Übermut bis Verzweiflung, zum anderen sollten die virtuosen Möglichkeiten des zweimanualigen Cembalos ausgeschöpft werden, zum dritten konstruierte Bach Kanons über dem Bass. Bachs Versenkung in die Basslinie und das, was er auf ihr baut, hat etwas von einer nächtlichen Meditation. Durch die hochdifferenzierte Anordnung der Stücke bewahren die Goldberg-Variationen zwar weitgehend das Prinzip der ständigen Beschleunigung, lenken aber die Aufmerksamkeit stets auf wechselnde Aspekte, vom sich verändernden Affekt auf das Virtuose, von dort auf die Konstruktion. Kaiserlings Nächte waren nun bunt und voller Sterne.


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Biografie

Er »widmet sich Bach nicht nur spielfreudig und hochvirtuos, sondern vor allem hochmusikalisch« (Süddeutsche Zeitung). Jean Rondeau, den Le Figaro bereits mit 24 als einen der »großen Cembalisten dieses Jahrhunderts« feierte, konnte schon während seiner Studienzeit auf eindrucksvolle Wettbewerbserfolge zurückblicken. Zehn Jahre lang ging er bei der französischen Cembalistin Blandine Verlet in die Lehre, bevor er ans Pariser Konservatorium wechselte, wo er neben einem Klavierstudium Unterricht in Generalbass, Orgel, Jazz, Improvisation sowie Chordirigieren nahm. Anschließend ging er an die Guildhall School of Music and Drama in London und studierte Komposition am Conservatoire à rayonnement régional de Paris sowie Musikwissenschaft an der Université Paris-Sorbonne. Jean Rondeau tritt als Solist, Kammermusiker und Gast führender Orchester und Ensembles regelmäßig in ganz Europa sowie in den Vereinigten Staaten auf. Er arbeitete wiederholt mit dem Barockorchester Les Ambassadeurs zusammen, ist Mitglied des Originalklang-Ensembles Nevermind und Mitbegründer des Jazz-Quartetts Note Forget. 2012 wurde es mit dem unter Jazz-Künstlern begehrten Preis Trophées du Sunside ausgezeichnet. Auch sein erstes Bach-Album Imagine von 2016 wurde von der Presse gefeiert: »So gelungen können Bach-Debüts ausfallen« (Rondo).

Jean Rondeau (Foto: Parlophone Records Limited, Clement Vayssieres)

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