Julia Lezhneva (Foto: WEil Matveev)

Kammermusik

Julia Lezhneva, Anne Sofie von Otter und die Berliner Barock Solisten

Hochvirtuos und emotional: Pergolesis Stabat Mater begeisterte bereits die Zeitgenossen des italienischen Barockkomponisten, weil das Werk dem Klagegesang Marias vor dem Kreuz eine bislang nie gekannte opernhafte Dramatik verlieh. In unserer Reihe Originalklang interpretieren die Sopranistin Julia Lezhneva und die Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter dieses Stück zusammen mit den Berliner Barock Solisten. Das aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker bestehende Ensemble garantiert historisch informierte Aufführungspraxis im philharmonischen Klanggewand. Weitere Programmpunkte des Konzerts sind brillante Opernarien von Händel und Vivaldi.

Berliner Barock Solisten:

Willi Zimmermann Violine und Leitung

Julia Lezhneva Sopran

Anne Sofie von Otter Mezzosopran

Giovanni Battista Pergolesi

Stabat Mater

Julia Lezhneva Sopran, Anne Sofie von Otter Mezzosopran

Antonio Vivaldi

Griselda RV 718: Arie »Agitata da due venti«

Apostolo Zeno, Carlo Goldoni, Julia Lezhneva Sopran

Antonio Vivaldi

Concerto h-Moll RV 580: 3. Satz Allegro

Antonio Vivaldi

Giustino RV 717: Arie »Vedrò con mio diletto«

Anne Sofie von Otter Mezzosopran

Georg Friedrich Händel

Allegro

Georg Friedrich Händel/Pietro Metastasio

Poro, Re dellʼIndie HWV 28: Duett »Caro amico amplesso«

N. N., Julia Lezhneva Sopran, Anne Sofie von Otter Mezzosopran

Georg Friedrich Händel/Ovid

Semele HWV 58: Rezitativ »Awake, Saturnia, from thy lethargy!« und Arie »Hence, Iris, hence away«

William Congreve, Anne Sofie von Otter Mezzosopran

Georg Friedrich Händel

Largo

Georg Friedrich Händel

Allegro

Georg Friedrich Händel

Solomon HWV 67: Duett »Welcome as the dawn of day«

Julia Lezhneva Sopran, Anne Sofie von Otter Mezzosopran

Pietro Antonio Locatelli

Lamento f-Moll für Streicher und Basso continuo

Antonio Vivaldi

Bajazet, Opernpasticcio RV 703: Arie »Sposa, son disprezzata«

Julia Lezhneva Sopran

Termine und Karten

Programm

Biografie

Eine historisch-informierte Aufführungspraxis im philharmonischen Sound – das war die Idee, als sich 1995 Musiker der Berliner Philharmoniker und führende Vertreter der Alte-Musik-Szene zu den Berliner Barock Solisten zusammenschlossen. Die Gründung galt als innovatives Projekt, denn damals wurde – wie sich der philharmonische Geiger Raimar Orlovsky erinnert – »die Alte Musik in unserem Orchester überhaupt nicht gepflegt.« Doch mit Rainer Kussmaul hatten die Berliner Philharmoniker einen Ersten Konzertmeister, der die Kollegen mit seiner Begeisterung für barocke Musik ansteckte. Bewusst entschieden sich die Mitglieder des Ensembles dazu, die Kompositionen des 17. und 18. Jahrhunderts auf modernen Instrumenten zu interpretieren. Dadurch entwickelten sie eine eigene, unverwechselbare Klangkultur, die inzwischen zum Markenzeichen geworden ist. Nachdem sich Rainer Kussmaul 2010 zurückgezogen hatte, legten die Berliner Barock Solisten die künstlerische Leitung bis 2017 in unterschiedliche Hände, u. a. in die von Bernhard Forck, Daniel Hope oder Frank Peter Zimmermann. Seit 2018 leitet Reinhard Goebel das Ensemble, mit dem die Berliner Barock Solisten im Jahr zuvor eine hochgelobte Einspielung von Bachs Brandenburgischen Konzerten herausgebracht hatten. Die Zusammenarbeit mit diesem Dirigenten sei – so Raimar Orlovsky – eine »Chance, die Aufführungspraxis auf modernen Instrumenten fortzuentwickeln und für die Musikwelt nochmals neu zu definieren.«

»Sie haben eine Opernsängerin zur Welt gebracht«, prophezeite der Arzt Julia Lezhnevas Mutter, weil ihre Neugeborene so laut schrie. In ihrer naturwissenschaftlich ausgerichteten Familie war die von der russischen Insel Sachalin stammende Julia Lezhneva mit ihrem musikalischen Talent eine Ausnahmeerscheinung. Gleichwohl förderten die Eltern die Begabung ihrer Tochter von Anfang an. Sie studierte Gesang am Moskauer Konservatorium, an der Cardiff International Academy of Voice sowie an der London Guildhall School of Music and Drama. Entscheidend für ihren Werdegang waren vor allem zwei Menschen: die Mezzosopranistin Elena Obraztsova, die ihre Mentorin wurde und sie darin bestärkte, Barockmusik zu singen, sowie Mark Minkowski, der die junge Sopranistin auf YouTube entdeckte und sie 2008 für seine Aufnahme von Bachs h-moll-Messe engagierte. »Das war mein erster professioneller Job in Europa«, erinnert sie sich. Heute gilt die Russin, die mittlerweile weltweit konzertiert, dank ihrer hellen, klaren und sehr beweglichen Stimmen als ideale Interpretin für virtuose Gesangspartien des Barock und der Wiener Klassik. Ein Glück, dass sich Julia Lezhneva, deren großes Vorbild Cecilia Bartoli ist, von Kindheit an für diese Musik begeistert. »Die Musik hat mich zu einem besseren Menschen gemacht«, meint Julia Lezhneva, die 2019 ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern gab. »Durch sie habe ich gelernt, die Natur und die Menschen mehr zu lieben.«

Schlank, strahlend, leicht – Anne Sofie von Otter verfügt über ein Stimmtimbre, das man im Mezzosopranfach eher selten findet. »Meine Stimme ist hoch platziert, und ich bin auch schon gefragt worden, ob ich ein fauler Sopran sei«, erzählt die Sängerin. Ihre besondere Stimmfarbe und ihr komödiantisches Talent machen die gebürtige Schwedin, die als Diplomatentochter in Stockholm, Bonn und London aufwuchs, zur idealen Interpretin der Hosenrollen von Mozart und Strauss. Aber nicht nur das. Das Repertoire von Anne Sofie von Otter umfasst Opernpartien von Monteverdi, Händel, Gluck, Berlioz, Bartók und Strawinsky, es reicht vom klassischen Kunstlied über Lieder von Bertolt Brecht und Kurt Weill bis hin zu Poptiteln. Sie startete ihre Karriere als Ensemblemitglied der Oper Basel. Nach Debüts an der New Yorker Metropolitan Opera und der Wiener Staatsoper sang sich Anne Sofie von Otter schnell an die Weltspitze ihres Stimmfachs. Bei den Berliner Philharmonikern, mit denen sie seit 1988 zusammenarbeitet, beeindruckte sie in den letzten Jahren vor allem als Mahler-Interpretin. Fragt man sie nach ihrem Erfolgsrezept für ihre lange, erfolgreiche Karriere in so vielen musikalischen Bereichen, so antwortet sie bescheidenen: »Ich hatte das Glück, im richtigen Moment zu beginnen. Die Laufbahnen einiger Kolleginnen gingen gerade zu Ende. Außerdem war ich immer darauf bedacht, ein möglichst umfassendes Repertoire für meine Stimme zu singen.«

Julia Lezhneva (Foto: WEil Matveev)

Anne Sofie von Otter (Foto: Mats Bäcker)