Hande Küden (Foto: privat)

Kammermusik

»Lost Generation«: Musik verfolgter Komponisten

Als der 26-jährige Pavel Haas sein übermütiges Streichquartett »Von den Affenbergen« schrieb, da ahnte er wohl nicht, welch grausames Schicksal ihn nach der Annexion seiner tschechischen Heimat durch das nationalsozialistische Regime erwartete: Verfolgung, Deportation und Tod in Auschwitz. Mitglieder der Berliner Philharmoniker stellen in diesem Konzert der Reihe Lost Generation das Jugendwerk des Komponisten vor – neben Werken von Ernst Toch und Hanns Eisler, die den Repressalien der Nazis durch Emigration entkommen konnten.

Hande Küden Violine

Allan Nilles Viola

Knut Weber Violoncello

Gunars Upatnieks Kontrabass

Mor Biron Fagott

Jelka Weber Flöte

Wenzel Fuchs Klarinette

Jan Schlichte Schlagzeug

Ernst Toch

Tanz-Suite op. 30

Pavel Haas

Streichquartett Nr. 2 op. 7 »Von den Affenbergen«

Hanns Eisler

Septett op. 92a

Termine und Karten

Biografie

Hande Küden Violine

Hande Küden wurde in Adana (Türkei) geboren und am staatlichen Konservatorium der Universität Çukurova bei Dania Kainova ausgebildet. 2012 kam sie nach Berlin zu Stephan Picard an die Hochschule für Musik »Hanns Eisler« und wechselte 2015 zu Tabea Zimmermann, bei der sie Violine und Bratsche studierte. Bei den nationalen Violinwettbewerben »Gülden Turali« und »Necdet Remzi Atak« wurde Hande Küden mit ersten Preisen ausgezeichnet. Weitere musikalische Impulse erhielt sie in Meisterkursen bei Dora Schwarzberg, Natalia Prischepenko, Tedi Papavrami, Salvatore Accardo, Haim Taub und Kolja Blacher. Ihre Ausbildung zur Orchestermusikerin komplettierte sie als Ferenc-Fricsay-Stipendiatin des Deutschen Symphonie Orchesters und als Akademistin der Karajan-Akademie. Bevor sie 2019 zu den Berliner Philharmonikern kam, war sie seit 2016 stellvertretende Konzertmeisterin im Deutschen Symphonie Orchester Berlin.

Kotowa Machida Violine

Kotowa Machida stammt aus Tokio und erhielt den ersten Geigenunterricht bereits im Alter von drei Jahren. Nach dem Studium in ihrer Heimatstadt kam sie als Stipendiatin des DAAD zu Edith Peinemann nach Frankfurt am Main. Sie absolvierte zahlreiche Meisterkurse, u. a. bei Rainer Kussmaul. Sie war vier Jahre lang Konzertmeisterin der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, bevor sie 1997 Mitglied der Ersten Geigen der Berliner Philharmoniker wurde. Daneben ist Kotowa Machida kammermusikalisch stark engagiert. Sie musiziert beispielsweise bei den Berliner Barock Solisten, im Venus Ensemble, dessen Gründerin sie ist, und in weiteren Formationen. Auch solistisch ist Kotowa Machida regelmäßig tätig, so z. B. mit dem Sendai Philharmonic Orchestra, dem Brandenburgischen Staatsorchester und dem Sinfonieorchester Berlin.

Allan Nilles Bratsche

Allan Nilleserhielt bereits mit drei Jahren Bratschenunterricht. Er studierte bei Heidi Castleman und Misha Amory an der New Yorker Juilliard School of Music, wo er 2011 seinen Bachelor of Music erhielt. Bereits während seiner Ausbildung trat der aus Illinois stammende Musiker mehrfach als Mitglied des Perlman Music Program mit dem Geiger Itzhak Perlman in Kammerkonzerten auf. Erste Orchestererfahrung sammelte Allan Nilles im Tanglewood Music Center und im New World Symphony Orchestra. 2012 wurde er Mitglied der Bratschengruppe des San Diego Symphony Orchestra. Um sich künstlerisch weiterzuentwickeln, nahm Allan Nilles 2013 an der Lucerne Festival Academy teil und wurde im Januar 2015 Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Nur einen Monat später gewann er das Probespiel für die Bratschenstelle des Orchesters, die er im Mai 2015 antrat.

Knut Weber Violoncello

Knut Weber, geboren in Klagenfurt (Österreich), absolvierte seine musikalische Ausbildung zunächst bei Miloš Mlejnik, dann beim Alban Berg Quartett und bei Claus Kanngiesser in Köln sowie bei Wolfgang Boettcher an der Hochschule der Künste Berlin (heute UdK). Wichtige Impulse verdankt er Heinrich Schiff, Siegfried Palm, und Bernard Greenhouse. Knut Weber war Stipendiat und Solocellist des Gustav Mahler Jugendorchesters sowie Gründungsmitglied des Mahler Chamber Orchestra, bevor er 1998 in die Cellogruppe der Berliner Philharmoniker aufgenommen wurde. Der leidenschaftliche Kammermusiker ist Mitglied der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, der Stradivari-Solisten und des Philharmonischen Klavierquartetts Berlin und tritt regelmäßig in Europa, Asien und den USA auf. Zudem arbeitet er als Dozent und Solist mit Jugendorchestern zusammen. Seit 2015 gehört Knut Weber dem Orchestervorstand an.

Gunars Upatnieks Kontrabass

Gunars Upatnieks stammt aus einer lettischen Musikerfamilie, interessierte sich jedoch als Kind mehr für Rudern und Basketball. Erst im Alter von 13 Jahren fand er zu seinem Instrument und studierte schließlich Kontrabass an den Musikakademien in Riga und Brünn, wo er Schüler von Miloslav Jelínek war. Von 2005 bis 2009 war er Solobassist im Lettischen Nationalen Symphonieorchester. Nach einer Zwischenstation als stellvertretender Solobassist im Bergen Filharmoniske Orkester wurde Gunars Upatnieks im September 2011 Mitglied der Berliner Philharmoniker. Der Preisträger zahlreicher Wettbewerbe arbeitete außerdem als Solist mit Klangkörpern wie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Nordic Symphony Orchestra unter Dirigenten wie Mariss Jansons, Neeme Järvi und Mstislaw Rostropowitsch zusammen.

Mor Biron Fagott

Mor Biron spielte bereits Violoncello und Bassblockflöte, bevor er sich für das Fagott entschied. Sein Studium begann er an der Akademie für Musik in Jerusalem bei Gad Lederman und Maurizio Paez und setzte es ab 2004 bei Klaus Thunemann und Volker Tessmann an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin fort. Orchestererfahrung sammelte er u. a. in der Jerusalem Camerata und im Gustav Mahler Jugendorchester sowie als Solofagottist des Orquesta del Palau de les Arts Reina Sofía in Valencia. Von 2004 bis 2006 war er Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker, bevor er im folgenden Jahr Mitglied des Orchesters wurde. Der begeisterte Kammermusiker verließ das Orchester im Sommer 2021, um als freischaffender Musiker in verschiedensten Formationen zu musizieren. Mor Biron unterrichtet an der Barenboim-Said Akademie und ist Mitglied im West-Eastern-Divan Orchestra, mit dem er auch solistisch konzertiert.

Jelka Weber Flöte

Jelka Weber erhielt mit acht Jahren den ersten Flötenunterricht und gewann bereits als Gymnasiastin mehrere Musikwettbewerbe. Sie studierte Flöte bei Hermann Klemeyer an der Musikhochschule München und war Stipendiatin der Yamaha Music Foundation of Europe sowie Substitutin im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Von 1994 an setzte Jelka Weber ihre Ausbildung bei Andreas Blau an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker fort. 1996 wurde sie als Mitglied des Orsolino Quintetts beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb in München ausgezeichnet und noch im selben Jahr von der Magdeburgischen Philharmonie als Soloflötistin engagiert. Im April 1997 wechselte sie zu den Berliner Philharmonikern. Jelka Weber ist auch solistisch und kammermusikalisch tätig: von 1999 bis 2006 gehörte sie dem Ensemble Berlin an, darüber hinaus gastiert sie regelmäßig beim Scharoun Ensemble Berlin. Seit 2008 unterrichtet sie selbst an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker.

Wenzel Fuchs Klarinette

Wenzel Fuchs stammt aus Innsbruck und begann seine Ausbildung am dortigen Konservatorium; später setzte er sein Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien fort. Bereits zu dieser Zeit spielte er als Substitut bei verschiedenen Wiener Orchestern, u. a. bei den Wiener Philharmonikern. Seine berufliche Laufbahn begann Wenzel Fuchs als Soloklarinettist an der Wiener Volksoper, anschließend wechselte er zum ORF-Sinfonieorchester. 1993 kam er als Soloklarinettist zu den Berliner Philharmonikern. Neben seiner Arbeit im Orchester ist er vielfältig solistisch und kammermusikalisch tätig, u. a. als Partner von Yefim Bronfman, Emmanuel Pahud, Mitsuko Uchida und David Geringas. Wenzel Fuchs ist Mitglied des Philharmonischen Bläserensembles, des Philharmonischen Oktetts und beim Kammerorchester Wien-Berlin. In den Jahren 2008 bis 2012 unterrichtete er als Professor an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin; seit Oktober 2015 hat er eine Professur am Mozarteum Salzburg. Außerdem ist er Gastprofessor an der Geidai-Universität in Tokio und Ehrenprofessor am Konservatorium in Schanghai. Wenzel Fuchs lehrt zudem an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker und gibt weltweit Meisterkurse.

Jan Schlichte Schlagzeug

Jan Schlichte fand über das Klavierspiel den Weg zum Schlagzeug. Er studierte in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main und später an der Musikhochschule in Trossingen. Dort wurde er von Franz Lang und Rainer Seegers, Pauker der Berliner Philharmoniker, unterrichtet, der neben Franz Schindlbeck auch sein Lehrer an der Karajan-Akademie war. Orchestererfahrung sammelte Jan Schlichte u. a. in der Jungen Deutschen Philharmonie und im Rundfunkorchester des Südwestfunks, bevor er im September 1998 zu den Berliner Philharmonikern kam. Sein besonderes Interesse an der zeitgenössischen Kammermusik für Klavier und Schlagzeug führte nach Konzerten auf verschiedenen Festivals zur Gründung des Ensembles KlangArt Berlin, das sich 2021 in Nukleus umbenannte. Außerdem musiziert Jan Schlichte im Kammerensemble für Neue Musik Berlin.

Hande Küden (Foto: privat)

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