Daniel Garcia Trio (Foto: Uli Fild)

Kammermusik

Jazz at Berlin Philharmonic

Vor 55 Jahren ließ Joachim Ernst Berendt gewissermaßen den Flamenco-Jazz erfinden, mit einem Konzert beim Berliner Jazz Fest und der dazugehörigen Plattenaufnahme vom Pedro Iturralde Quintet mit dem unvergessenen Paco De Lucía. Inzwischen hat sich, auch dank einiger »spanischer« Meilensteine von Stars wie Miles Davis oder Chick Corea, ein eigenes Subgenre entwickelt. Dessen herausragendster junger Interpret, der Pianist Daniel García, erinnert am Ursprungsort an dieses historische Ereignis: gemeinsam mit seinem Trio sowie mit dem grandiosen Flamenco-Gitarristen Gerardo Núñez und dem Tenorsaxofonisten Ariel Brínguez.

Daniel García Trio:

Daniel García Klavier, Rhodes und Synthesizer

Reinier Elizarde Bass

Michael Olivera Schlagzeug

Ariel Brínguez Tenorsaxofon

Gerardo Núñez Flamencogitarre

Carmen Cortéz Flamencotänzerin

Flamenco-Jazz

Kuratiert von Siggi Loch

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Programm

Biografie

1961 im andalusischen Jerez de la Frontera geboren, gehört der Gitarrist Gerardo Núñez heute zu den herausragenden Vertretern des Flamenco Nuevo, jener modernen Richtung des Flamenco, die sich – wie beim von Astor Piazzolla begründeten Tango Nuevo – von ihren traditionellen Fesseln befreit und sich anderen Stilen und insbesondere dem Jazz geöffnet hat. Núñez’ erster Lehrer war Rafael del Águila, der große Gitarren-Didaktiker, aus dessen Schule alle namhaften Flamenco-Gitarristen von Jerez kommen. Schon im Alter von 14 Jahren begleitete Núñez wichtige Cantaores und Bailaores wie Tío Gregorio El Borrico, Terremoto de Jerez, La Paquera oder Mario Maya, später, als inzwischen anerkannter Gitarrenvirtuose, machte er seine ersten Plattenaufnahmen mit El Turronero, Pansequito und El Indio Gitano.

Den internationalen Durchbruch brachte Núñez das Album Flamencos en Nueva York 1989. Es folgten weitere Aufnahmen, unter denen vor allem das Album Jucal herausragt, über das die amerikanische Zeitung San Diego Union-Tribune schrieb: »Voller Feuer und Leidenschaft. Wie der brillante Paco de Lucía bezieht Núñez Jazz-Elemente in den Flamenco ein und bleibt doch der Seele seiner Musik immer nahe.« Tatsächlich ist der Flamenco die musikalische und emotionale Heimat, von der aus Núñez die Musik zu ergründen versucht. Davon zeugen die unterschiedlichsten Kooperationen, vom Gitarrenquartett mit Erico Raba, Alex de Grassi und Briam Gare bis zu Projekten mit dem Startenor Plácido Domingo, dem spanischen Popsänger Julio Iglesias, dem Schweizer Crossover-Harfenisten Andreas Vollenweider und der Rock-Formation Mecano. Ein weiteres Beispiel seiner musikalischen Offenheit ist Núñez’ europäisches Quartett mit dem Trompeter Enrico Rava, dem Akkordeonvirtuosen Richard Galliano und dem Kontrabassisten Eberhard Weber.

Am heutigen Abend wird Carmen Cortés, Flamenco-Tänzerinnen-Star und Frau von Gerardo Núñez, als Special Guest auftreten. Ihr stilübergreifendes und für das Theater offene Verständnis des Flamenco-Tanzes hat sie bislang in 27 Produktionen mit den wichtigsten Regisseuren Spaniens unter Beweis gestellt.

Erstmals und gleich in einer zentralen Rolle bei Jazz at Berlin Philharmonic wird der Pianist Daniel García zu erleben sein, den Deutschlands renommierteste Jazz-Zeitschrift Jazzthing unlängst »eine der aufregendsten Stimmen der aktuellen spanischen Jazzgeneration« nannte. Der in Madrid lebende García stammt aus Salamanca und ist tief in der langen, bis Francisco de Salinas im 16. Jahrhundert zurückreichenden Musiktradition seiner Heimatstadt verwurzelt. Seine fulminante Technik verdankt er der klassischen Ausbildung am Konservatorium von Castilla y León in Salamanca. Als Absolvent des Berklee College of Music in Boston, der Kaderschmiede des amerikanischen Jazz, wo er vom Grammy-dekorierten panamaischen Pianisten Danilo Pérez unterrichtet wurde, verknüpft er sein spanisch-europäisches Erbe indes auf ganz eigene Weise mit dem Vokabular des modernen amerikanischen Jazz.

2011 gewann García in Berklee die Auszeichnung für die beste Jazz-Performance und spielte anschließend mit Jazz-Größen wie Arturo Sandoval, Greg Osby oder Perico Sambeat. Zurück in Spanien gründete der heute 38-Jährige ein Trio mit zwei gleichaltrigen Musikern, dem Bassisten Reinier Elizarde »el Negrón« und dem Schlagzeuger Michael Olivera. Vier Alben hat García seit 2015 mit diesem Trio veröffentlicht, zuletzt die hoch gelobten Travesuras und Vía de la Plata, auf denen neben Garcías Eigenkompositionen auch Interpretationen von Federico Mompou, Manuel de Falla, und Paco de Lucía zu hören sind.

Am heutigen Abend trifft das Daniel García Trio nicht nur auf Gerardo Núñez, sondern auch auf einen weiteren Kubaner, den seit 2009 ebenfalls in Madrid lebenden Saxofonisten Ariel Brínguez. Unter den Musikern gibt es viele Querverbindungen. Brínguez spielte gemeinsam mit Elizarde bereits bei Chucho Valdés und David Murray sowie in Orlando Valles Gruppierungen Maraca und Irakere, zwei der bekanntesten Orchester Kubas. In Oliveras Septett ist Brínguez seit 2016 Mitglied, zudem war er an früheren Aufnahmen von Daniel García beteiligt. Mit seinen eigenen, seit 2007 erschienenen Alben wie Raíces en Colores, Nostalgia Cubana oder Experience unterstreicht Ariel Brínguez immer wieder seine herausragende Rolle als Vermittler zwischen Latin Music, Jazz und spanischer Musik.

Daniel Garcia Trio (Foto: Uli Fild)

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