Patricia Kopatchinskaja (Foto: Stefan Hoederath)

»Les Adieux«: Patricia Kopatchinskaja und das Mahler Chamber Orchestra

Im Mittelpunkt von Patricia Kopatchinskajas Auftritt mit dem Mahler Chamber Orchestra steht Beethovens »Pastorale«, eine Hommage an die Schönheit der Natur. Doch diese Natur – so die Geigerin – ist bedroht. »Die unerbittlich fortschreitende Umweltproblematik bedrückt mich. In diesem Projekt mit dem Titel Les Adieux möchte ich auf das galoppierende Artensterben aufmerksam machen – als Reaktion einer Musikerin auf das Zeitgeschehen.« In dem Programm des szenischen Konzerts geht es also um Abschied und um die bohrende Frage: Schaffen wir uns selbst ab?

Werkeinführungen sowie weitere Artikel und Informationen rund um das Konzert.

Mahler Chamber Orchestra

Patricia Kopatchinskaja Konzept, Violine und musikalische Leitung

Lani Tran-Duc Visuelle Gestaltung

Tabea Rothfuchs Video

Ruth Stofer Video

Markus Güdel Lichtdesign und technische Leitung

Katharina Pelosi Sounddesign

Les Adieux, ein szenisches Konzert

Ludwig van Beethoven

Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale«: 1. Satz

Ludwig van Beethoven

Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale«: 2. Satz

Ludwig van Beethoven

Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale«: 3. Satz

Ludwig van Beethoven

Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale«: 4. Satz

Ludwig van Beethoven

Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 »Eroica«: 2. Satz Marcia funebre. Adagio assai

sowie Werke von Robert Schumann und Dmitri Schostakowitsch

Im Anschluss an das Konzert findet ein Künstlergespräch im Foyer des Kammermusiksaals mit Patricia Kopatchinskaja und dem Mahler Chamber Orchestra statt.

Termine und Karten

Biografien

Patricia Kopatchinskaja

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja begeistert ihr Publikum dank ihrer unbändigen Spielfreude, ihrem mitreißenden Temperament und ihrer technischen Brillanz selbst im Falle von schwierigsten und sperrigsten Werken. Die Musikerin sorgte in den letzten Jahren bei den Berliner Philharmonikern mit den herausfordernden Violinkonzerten von Peter Eötvös, György Ligeti und Arnold Schönberg für Aufsehen. Für sie erlaubt zeitgenössische Musik einen Blick in die Zukunft: »Es ist doch evident, dass nur in den neuesten Werken die aktuelle Entwicklung stattfindet und die Zukunft beginnt, dieser entscheidende Schritt ins Unbekannte. Das ist doch das Allerfaszinierendste. Daneben wird die Beschäftigung mit dem längst Bekannten fast banal.« Keine Angst vor Unbekanntem also! Das bewies Patricia Kopatchinskaja bereits als 13-Jährige, als sie zusammen mit ihrer Familie ihre Heimat Moldawien verließ und nach Wien emigrierte. »Die erste Station war ein Flüchtlingslager«, erinnert sie sich. »Aber das war für mich kein traumatisches Erlebnis, sondern wie ein Ticket in eine neue Welt.« Sie studierte in Wien, wo sie Kirill Petrenko kennenlernte, mit dem sie seither eine Freundschaft verbindet, sowie in Bern bei Igor Ozim. Anschließend startete sie ihre internationale Karriere, die in vieler Hinsicht besonders ist. Denn sie ist nicht nur Solistin, sondern auch Komponistin, Dirigentin und außerdem – wie sie betont – »ein menschliches Wesen, Mitglied einer Familie und Bürgerin dieser Welt. Das darf einem nicht gleichgültig sein.« Diese Perspektive bestimmt auch ihre künstlerische Arbeit: In ihrem Projekt Dies irae macht sie auf den Klimawandel, in Les Adieux auf das Artensterben aufmerksam. In Bye-Bye Beethoven setzt sie sich kritisch mit dem heutigen Musikbetrieb auseinander und gibt in Time & Eternity – wie sie es formuliert – den »Tränen gequälter Seelen« eine Stimme. Seit ihrem Debüt bei den Berliner Philharmonikern im September 2014 mit Peter Eötvös’ Violinkonzert DoReMi hat sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Orchester entwickelt. »Dieses Orchester hat eine Qualität, die ihresgleichen sucht, sowohl im Gesamten als auch bei jedem einzelnen Mitglied. Es ist ein hohes Privileg, mit ihnen spielen zu dürfen«, meint Patricia Kopatchinskaja. In dieser Saison ist sie Artist in Residence bei den Berliner Philharmonikern und kann sämtliche Facetten ihrer künstlerischen Persönlichkeit zeigen: Unter der Leitung von Kirill Petrenko trat sie mit dem Concerto funebre von Karl Amadeus Hartmann auf und präsentierte sich in Kammermusikkonzerten mit der Karajan-Akademie und dem Jack Quartet sowie in einer Late Night sowohl als Geigerin als auch als Dirigentin. Bei allem, was sie auf dem Konzertpodium macht, geht es ihr vor allem um Eines: Ihr Publikum zu elektrisieren. »Ich möchte mit meinem Publikum Dinge erleben. Ich möchte Wege gehen, die ich selbst noch nicht gegangen bin. Und ich hoffe, dass so viele wie möglich mitkommen.«

Mahler Chamber Orchestra

Dank seines nuancenreichen, durchsichtigen und kraftvollen Klangs gehört das Mahler Chamber Orchestra zu den besten Kammermusikformationen der Welt. Sein Klangverständnis geht auf den Dirigenten Claudio Abbado zurück, der das Ensemble in seinen Anfangsjahren maßgeblich formte und begleitete. Das Mahler Chamber Orchestra wurde 1997 von ehemaligen Mitgliedern des Gustav Mahler Jugendorchesters gegründet, dessen Chefdirigent Abbado damals war. Das inspirierende Musiziererlebnis, das die jungen Musikerinnen und Musiker unter seiner Leitung erfahren hatten, wollten sie fortan auch in ihrem neugegründeten Klangkörper verwirklichen – als freies und selbstbestimmtes Orchester. Die Mitglieder empfinden sich als »nomadisches Kollektiv «, das regelmäßig zu Projekten und Tourneen zusammenkommt. Sie verbindet eine langjährige künstlerische Partnerschaft mit Daniel Harding, der heute Ehrendirigent des Orchesters ist. Weitere Partner sind der Geiger Pekka Kuusisto sowie die Pianist*innen Mitsuko Uchida und Leif Ove Andsnes. Pflegte das Mahler Chamber Orchestra anfangs vor allem das klassisch-romantische Repertoire, so kam im Laufe der Zeit auch zeitgenössische Musik hinzu. Für den speziellen Klang des Orchesters komponierte beispielsweise George Benjamin 2012 die Oper Written on Skin, die 2018 in der Philharmonie Berlin aufgeführt wurde. Seither ist das Mahler Chamber Orchestra regelmäßiger Gast in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker.

Patricia Kopatchinskaja (Foto: Stefan Hoederath)

Hinweise zu Ihrem Besuch

Mehr lesen