Daniel Barenboim (Foto: Peter Adamik)

Daniel Barenboim dirigiert Verdis Requiem

Hans von Bülow, erster Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, war tief ergriffen: »Selbst in einer ziemlich dürftigen Wiedergabe«, so schrieb er Giuseppe Verdi 1893, habe ihn dessen Requiem »bis zu Tränen bewegt«. Bülow formulierte auch die bis heute verbreitete Charakterisierung als »Oper im Kirchengewande«. Und tatsächlich gibt es hier eine emotionale Unmittelbarkeit, die für liturgische Musik ganz ungewöhnlich ist – etwa im Dies Irae, das sich als erschütternder Weltuntergang präsentiert. Geleitet wird diese Aufführung von Daniel Barenboim, Ehrendirigent der Berliner Philharmoniker.

Berliner Philharmoniker

Daniel Barenboim Dirigent

Susanne Bernhard Sopran(anstelle von Elena Stikhina)

Marina Prudenskaja Mezzosopran(anstelle von Anita Rachvelishvili)

Michael Spyres Tenor(anstelle von Fabio Sartori)

Tareq Nazmi Bass(anstelle von René Pape)

Rundfunkchor Berlin

Giuseppe Verdi

Messa da Requiem

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Programm

Biografie

Im Alter von elf Jahren erlebte Daniel Barenboim, wie Edwin Fischer vom Klavier aus dirigierte. Sofort war ihm klar: »Genau das möchte ich auch machen!« So kam es, dass der junge Meisterpianist, der bereits im Alter von acht Jahren in seiner Geburtsstadt Buenos Aires vor die Öffentlichkeit getreten war, zusätzlich die Dirigentenlaufbahn einschlug – als jüngstes Mitglied in der Dirigierklasse von Igor Markevitch. 1967 debütierte Daniel Barenboim als Dirigent und übernahm in den Folgejahren leitende Positionen beim Orchestre de Paris, beim Chicago Symphony Orchestra und an der Mailänder Scala, bevor er 1992 künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden wurde. Gemeinsam mit dem palästinensisch-amerikanischen Literaturwissenschaftler Edward Said gründete er das West-Eastern Divan Orchestra, das wie kein anderes Ensemble für Toleranz und Völkerverständigung steht. 2015 rief er zudem die Berliner Barenboim-Said Akademie ins Leben, in der herausragende junge Musikerinnen und Musiker aus dem Nahen Osten gefördert werden. Mit den Berliner Philharmonikern, die ihn 1992 zu ihrem Ehrenmitglied und 2019 zu ihrem Ehrendirigenten ernannten, verbindet Barenboim seit seinem Solisten-Debüt 1964 und seinem Dirigenten-Einstand 1969 eine jahrzehntelange künstlerische Partnerschaft: »Die Berliner Philharmoniker waren für mich schon als Kind ein Modell, wie ein Orchester klingen könnte und sollte. Ihr unverwechselbarer Klang hat mich schon damals umgehauen.«

»Ein Wettbewerb«, sagt Elena Stikhina, »ist eine komplizierte Sache, da du nicht weißt, was dich erwartet. Das ist eine Lotterie, bei der man viel Glück braucht. Da zählt alles: Das Repertoire, die Stimme, die gute Vorbereitung«. Preise hat die junge russische Sopranistin schon viele gewonnen – etwa am Anfang ihrer Karriere bei dem von Plácido Domingo initiierten Operalia-Wettbewerb 2016, der bereits für Sonya Yoncheva und Rolando Villazón Sprungbrett zur internationalen Karriere war. Ihr Studium absolvierte Elena Stikhina am Staatlichen Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium, bevor sie nach ersten Auftritten an der Neuen Primorsky-Bühne in Wladiwostok Gastsolistin am Mariinsky-Theater in Sankt Petersburg wurde. Mit leuchtender Stimme und nicht enden wollendem Legato hat sie sich nach ihren gefeierten Debüts an der Pariser Opéra, der Metropolitan Opera in New York und bei den Salzburger Festspielen an die Spitze ihres Fachs gesungen – unter anderem als Salome, Tosca, Mimì (La Bohème), Leonora (La forza del destino), Senta (Der fliegende Holländer), Renata (Der feurige Engel) und Tatjana (Eugen Onegin) sowie in den großen Belcanto-Partien: »Belcanto ist der klassische Stil, typisch für Verdi, wofür man langen Atem braucht«, so die Sängerin. An den Staatsopern in München und Berlin, an der Semperoper in Dresden und am Festspielhaus Baden-Baden gastiert Elena Stikhina ebenso regelmäßig wie in den Konzerten international führender Symphonieorchester.

Anita Rachvelishvili, der New York Times zufolge » der beste Verdi-Mezzosopran dieser Tage auf unserem Planeten«, wurde am Opernstudio der Mailänder Scala von keinem Geringeren als Daniel Barenboim entdeckt. Mit ihrem spektakulären Rollendebüt als Carmen bei der weltweit übertragenen Mailänder Saison-Eröffnung 2009 gelang ihr unter seiner Leitung ein Sensationserfolg, der die junge Georgierin über Nacht zu einer der gefragtesten Sängerinnen ihres Fachs werden ließ. Umgehend folgten Debüts an der New Yorker Metropolitan Opera, an der Bayerischen und Berliner Staatsoper, der Dresdner Semperoper, der San Francisco Opera, der Lyric Opera of Chicago, am Teatro Regio in Turin und an der Arena di Verona, bei denen Anita Rachvelishvili von Publikum und Presse als Ereignis gefeiert wurde: »Ihr Mezzo ist ein Orkan«, so die Süddeutsche Zeitung. 2019 gab die Sängerin in Francesco Cileas Primadonnen-OperAdriana Lecouvreur ihren Einstand bei den Salzburger Festspielen, wo sie sich »stimmlich auf Augenhöhe mit Anna Netrebko« bewegte (Salzburger Nachrichten). Anita Rachvelishvili studierte Klavier und Gesang am Staatlichen Vano-Sarajishvili-Konservatorium in ihrer Geburtsstadt Tiflis, bevor sie Mitglied im Ensemble des dortigen Opernhauses wurde. Heute triumphiert sie mit ihrem dunklen, dramatischen Mezzosopran an den führenden Opernhäusern und feiert auch auf den internationalen Konzertpodien große Erfolge.

Er begeisterte mit seiner Stimme den großen Tenor Carlo Bergonzi und studierte unter anderem beim legendären Franco Corelli: Fabio Sartori, der im italienischen Treviso geboren wurde und nach seiner Ausbildung 1996 als Rodolfo (La Bohème) am Teatro La Fenice in Venedig debütierte. Als wunderbar strahlkräftiger, stimmlich exakt disponierter Tenor übernahm er bereits in der nächsten Saison unter der Leitung von Riccardo Muti die Partie des Macduff (Macbeth) bei der Saisoneröffnung der Mailänder Scala. In derselben Spielzeit sang er ebenfalls in Mailand unter Mutis Leitung in Verdis Messa da Requiem und eröffnete die Spielzeiten der Opernhäuser von Venedig und Bologna. Großen Erfolge hatte der Sänger während des Verdi-Jubiläumsjahrs 2013, als er in Produktionen des Zweiakters Oberto conte di San Bonifacio an der Scala mitwirkte, bei Aufführungen von Aida in der Arena di Verona sowie von Don Carlo in Zürich und Mailand. Seitdem gastiert Fabio Sartori an den weltweit führenden Opernhäusern, wobei zu seinem Repertoire Partien wie Radamès (Aida), Jacopo Foscari (I due Foscari), Cavaradossi (Tosca), Riccardo (Oberto), Foresto (Attila), Herzog von Mantua (Rigoletto), Pollione (Norma) und Canio (Pagliacci) gehören. Auch im Konzertbereich ist Fabio Sartori mit seinem natürlich strömenden Melos international gefragt, wobei er mit renommierten Dirigenten wie Riccardo Muti, Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Daniele Gatti, Zubin Mehta und Gianandrea Noseda gearbeitet hat.


René Pape hat eine »der schönsten Bassstimmen der Welt (Gramophone). Er wird als »Black Diamond Bass« (New York Times) an der New Yorker Met ebenso gefeiert wie in London, Wien oder in Berlin. Seine musikalische Ausbildung erhielt er im Dresdner Kreuzchor sowie an der dortigen Musikhochschule Carl Maria von Weber, bevor mit dem Fall der Mauer seine internationale Opernkarriere begann – als jüngster Sarastro aller Zeiten bei den Salzburger Festspielen 1991. Drei Jahre später engagierte ihn Wolfgang Wagner nach Bayreuth, wo der heute gefeierte Wagner-Sänger als Fasolt (Das Rheingold) seinen Einstand gab. René Pape ist langjähriges Ensemblemitglied der Berliner Staatsoper Unter den Linden, wo er in den großen Bass-Partien wie Méphistophélès (Faust), Philipp II. (Don Carlo), Rocco (Fidelio), Gurnemanz (Parsifal), König Heinrich (Lohengrin) und König Marke (Tristan und Isolde) ebenso wie in Neuinszenierungen von Le nozze di Figaro, Eugen Onegin und Don Giovanni zu erleben war. 2006 erweiterte der Sänger sein Repertoire um die Titelpartie von Mussorgskys Boris Godunow, mit der er großen Erfolg hatte: »Pape hat gleichsam mit seiner charismatischen Stimme, mit ihrem dunklen und durchdringenden Ton, den für die Rolle perfekten Klang« (New York Times). Auch auf dem Konzertpodium begeistert der Sänger – mit kraftvoller Tiefe und zarten Höhen, die »die Sanftheit eines Baritons« haben (Los Angeles Times).

Daniel Barenboim (Foto: Peter Adamik)

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