Jakub Hrůša (Foto: Pavel Heijnz)

Jakub Hrůša dirigiert Bruckners Vierte und eine Uraufführung

Warum Anton Bruckner seine Vierte Symphonie »Romantische « nannte, teilt sich beim Hören schnell mit. Es gibt hier eine besondere Sehnsucht und Naturnähe – etwa im Hornruf zu Beginn, im melancholischen Singen der Streicher, in kraftvollen Jagdklängen. Nun ist das Werk mit Jakub Hrůša zu erleben, Chefdirigent der Bamberger Symphoniker. Hinzu kommt die Uraufführung von Keyframes for a Hippogriff von Olga Neuwirth, einer der prominentesten Komponistinnen der Gegenwart. Nach ihren Worten handelt das Werk vom Bestreben, »in einer Welt voller Verzweiflung und Schmerz eine freie Seele zu bleiben«.

Berliner Philharmoniker

Jakub Hrůša Dirigent

Andrew Watts Countertenor

Tölzer Knabenchor

Olga Neuwirth

Keyframes for a Hippogriff − Musical Calligrams in memoriam Hester Diamond, Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker gemeinsam mit dem New York Philharmonic und dem Königlichen Philharmonischen Orchester Stockholm Uraufführung

Andrew Watts Countertenor, Tölzer Knabenchor

Anton Bruckner

Symphonie Nr. 4 Es-Dur »Romantische« (2. Fassung von 1878/1880)

Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele/Musikfest Berlin

Termine und Karten

Biografie

Jakub Hrůša gilt als Spezialist für die Musik seiner tschechischen Heimat. Als solcher trat er seit seinem Debüt 2018 auch bei den Berliner Philharmonikern in Erscheinung: Seine ebenso tiefgründigen wie ausdrucksstarken Interpretationen der Werke von Dvořák, Janáček, Martinů und Kabeláč begeisterten und berührten. Dabei nehme – wie der Dirigent einmal bemerkte – die tschechische Musik nur ein Drittel seines Repertoires ein. Im heutigen Konzert lernen wir Jakub Hrůša nun von einer anderen Seite kennen – als Dirigent der Uraufführung von Olga Neuwirths Keyframes for a Hippogriff sowie von Anton Bruckners Vierter Symphonie. 1981 in Brünn geboren und an der Prager Akademie der musischen Künste ausgebildet, startete Jakub Hrůša seine berufliche Laufbahn als Künstlerischer Leiter der PKF – Prague Philharmonia, ehe er 2016 Chefdirigent der Bamberger Symphoniker wurde. Darüber hinaus ist der Schüler von Jiří Bělohlávek neben seinen zahlreichen internationalen Verpflichtungen auch Erster Gastdirigent des Philharmonia Orchestra London, der Tschechischen Philharmonie und der L’Accademia Nazionale di Santa Cecilia. Dass Jakub Hrůša zu den führenden Dirigenten seiner Generation zählt, liegt nicht zuletzt an seiner Begabung, sich vollkommen auf die Identität eines Orchesters einzulassen. Darüber hinaus – so Hrůša – müsse ein Dirigent im Konzert bereit sein, »seine Instinkte, sein Bauchgefühl und sein Herz« zu nutzen.

Bei einem Countertenor denkt der Musikliebhaber in erster Linie an einen Interpreten von Alter Musik. Nicht so bei Andrew Watts.Sein Mitwirken an mehr als 40 Uraufführungen lässt erkennen, wie sehr ihn die zeitgenössische Musik interessiert. Im Laufe seiner fast 30-jährigen Karriere arbeitete u. a. mit Sir Harrison Birtwhistle, Sir Richard Rodney Bennett, Olga Neuwirth, Lisa Lim und Unsuk Chin zusammen. Die Begegnung und den Austausch mit den Komponistinnen und Komponisten unserer Zeit empfinde er – so der Künstler in einem Interview – als sehr inspirierend: »Ich kann ihre Gedanken zu dem Werk hören und fragen, ob meine Interpretation den Ideen hinter dem Geschriebenen nahe kommt.« Der Sohn eines Fußballers und einer Restaurantbetreiberin studierte zunächst Klarinette und Klavier an der Londoner Royal Academy of Music. Dort meinte ein Lehrer, er würde besser singen als Klarinette spielen und solle sich deshalb darauf konzentrieren. Ein guter Rat, denn mit seinem strahlenden, hellen, scheinbar mühelos geführten Countertenor sang sich der Brite, der mit diesem Gastspiel bei den Berliner Philharmonikern debütiert, in seinem Stimmfach an die Weltspitze. Andrew Watts’ künstlerische Tätigkeit ist ein idealer Mix aus barocker und zeitgenössischer Musik, aus Opern- und Konzertauftritten sowie Liederabenden.

Unter den international berühmten Knabenchören zählen die »Tölzer« mit zu den jüngsten Ensembles ihrer Art. 1956 gingen sie auf Initiative des damals 19-Jährigen Gerhard Schmidt-Gaden aus einer sangesfreudigen Pfadfindergruppe hervor und starteten gleich eine beispielslose Erfolgsgeschichte. Bereits im Gründungsjahr entstanden die ersten Aufnahmen beim Bayerischen Rundfunk, die den Chor schnell bekannt werden ließen. Bald arbeitete er mit führenden Persönlichkeiten des Musiklebens zusammen: z. B. Carl Orff, Herbert von Karajan, Leonard Bernstein, Claudio Abbado oder Nikolaus Harnoncourt. Mit den Berliner Philharmonikern trat das Ensemble erstmals 1968 bei der deutschen Erstaufführung von Pendereckis Lukas-Passion auf. Zum Chor, den seit dieser Spielzeit Michael Hofstetter künstlerisch leitet, gehören rund 200 Jungen, die in fünf Ausbildungsstufen eine umfassende musikalische und stimmliche Schulung erhalten – mit dem Ziel, dass jeder Chorsänger auch solistische Aufgaben übernehmen kann. Bei vielen Mitgliedern wurde hier der Grundstein für eine spätere professionelle Musikerlaufbahn gelegt. Wegen seiner klaren, strahlenden und intonationssicheren Stimmen stellt der Chor seit 1964 für viele Aufführungen von Mozarts Zauberflöte die Sänger für die Partien der drei Knaben. Das Repertoire mit Musik vom Mittelalter bis heute umfasst A-Cappella-Gesänge, symphonische Chorwerke sowie Opern und zeigt die Vielseitigkeit des Tölzer Knabenchors.

Jakub Hrůša (Foto: Pavel Heijnz)

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Programmheft 11./12.09.21

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