Lisa Batiashvili (Foto: Chris Singer)

Semyon Bychkov und Lisa Batiashvili mit Tschaikowskys Violinkonzert

Tschaikowskys Opus 35 gilt als Inbegriff eines romantischen Violinkonzerts – wegen seiner betörenden, innigen Melodien, seiner mitreißenden tänzerischen Rhythmik und seines hochvirtuosen Soloparts. Ideal für eine Geigerin wie Lisa Batiashvili, die dieses Stück – so der Guardian – intensiv, leuchtend und zu Herzen gehend zu interpretieren weiß. Semyon Bychkov, langjähriger Weggefährte der Berliner Philharmoniker, dirigiert außerdem Antonín Dvořáks Siebte Symphonie. Dieses Werk zeigt den für seinen heiteren, folkloristischen Ton berühmten Komponisten von einer anderen Seite: melancholisch, düster, kämpferisch.

Berliner Philharmoniker

Semyon Bychkov Dirigent

Lisa Batiashvili Violine

Peter Tschaikowsky

Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35

Lisa Batiashvili Violine

Antonín Dvořák

Symphonie Nr. 7 d-Moll op. 70

Termine und Karten

Dieses Konzert findet ohne Publikum statt und wird live in der Digital Concert Hall und zeitversetzt ab 20.04 Uhr von rbb kultur übertragen.

Do, 11. Mär 2021, 19.00 Uhr

Philharmonie

Live in der Digital Concert Hallzur Übertragung

Programm

In der Geschichte des Violinkonzerts waren die Jahre 1878 und 1879 von besonderer Bedeutung: In diesem Zeitraum komponierten Brahms, Dvořák und Tschaikowsky ihre einzigen Gattungsbeiträge. Joseph Joachim, der Brahms und Dvořák in technischen Fragen beriet, hatte beim vermutlich beliebtesten russischen Violinkonzert indirekt ebenfalls seine Hand im Spiel. Denn sowohl der ursprüngliche Widmungsträger Leopold Auer als auch der junge Geiger Josef Kotek, der Tschaikowsky mit seinem meisterlichen Spiel zur Komposition des Werks inspirierte, waren Schüler Joachims. Das Konzert stieß im deutschsprachigen Raum zunächst auf ablehnende Kritik, entwickelte sich aber bald zu einem internationalen Erfolg. Die zugleich hoch virtuosen und tief romantischen Ecksätze – das abschließende Rondo ist das Paradebeispiel eines effektvollen Konzertfinales – rahmen ein Andante von inniger Schlichtheit ein.

Peter Tschaikowsky und Antonín Dvořák verband nicht nur eine Künstlerfreundschaft, sondern auch ein eher kurioser rezeptionsgeschichtlicher Umstand: Aus dem symphonischen Schaffen beider Komponisten haben sich jeweils nur die letzten drei Symphonien im Konzertalltag durchgesetzt. Dvořáks Siebte Symphonie gilt nicht wenigen Kennern als gewichtigster Gattungsbeitrag des Komponisten. Der erste Satz, in dem eine eher düstere Grundstimmung das lyrische Seitenthema umso schöner leuchten lässt, widerlegt eindrucksvoll das Klischee von Dvořák als einem stets vergnügten Melodien-Lieferanten. Sein »Wahlspruch« laute: »Gott, Liebe und Vaterland«, schrieb der Komponist einmal; in der d-Moll- Symphonie kommt dieses Motto »im Gebet jenes tiefen Andante, im Eros der Gesangsthemen, im dramatischen Optimismus der Gesamtkonzeption« zum Ausdruck (Kurt Honolka).

Mit der Geigerin Lisa Batiashvili und dem Dirigenten Semyon Bychkov gastieren in diesem Konzert zwei Künstler, die den Berliner Philharmonikern seit vielen Jahren eng verbunden sind.

Biografie

Semyon Bychkov wurde 1952 in Leningrad geboren. Er studierte am dortigen Konservatorium bei Ilya Musin und gewann 1973 den Ersten Preis beim Rachmaninow-Dirigierwettbewerb. 1975 emigrierte er in die USA, seit Mitte der 80er Jahre lebt er in Europa. Bychkov ist Musikdirektor und Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie, mit der er in den vergangenen Jahren das »Tschaikowsky-Projekt« realisierte, eine Serie von Konzerten, Orchesterresidenzen (in Prag, Tokio, Wien und Paris) und Tonträgeraufnahmen. Mit einem breit gefächerten Repertoire dirigiert Semyon Bychkov darüber hinaus an allen großen Opern- und Konzerthäusern Europas und der USA. Von 1989 bis 1998 leitete er das Orchestre de Paris; zudem war er den St. Petersburger Philharmonikern von 1989 bis 1994 als Erster Gastdirigent verbunden. Von 1997 bis 2010 führte Semyon Bychkov als Chefdirigent das WDR Sinfonieorchester Köln; zwischen 1998 und 2003 war er zudem in gleicher Funktion an der Dresdner Semperoper tätig.
In der Oper wird Bychkov vor allem für seine Interpretationen der Werke von Strauss, Wagner und Verdi geschätzt; so dirigierte er u. a. Elektra und Parsifal an der Wiener Staatsoper sowie Die Frau ohne Schatten und Tannhäuser am Royal Opera House. Im Vereinigten Königreich gastiert er außerdem beim London Symphony Orchestra und tritt alljährlich bei den Proms mit dem BBC Symphony Orchestra auf. Seit er 1985 kurzfristig für Riccardo Muti ein Konzertprogramm bei den Berliner Philharmonikern übernahm, war er regelmäßig bei ihnen zu Gast, zuletzt im September 2018 mit Werken von Detlev Glanert, Max Bruch und Antonín Dvořák.

Lisa Batiashvili gewann bereits mit 16 Jahren den Zweiten Preis beim Sibelius-Wettbewerb in Helsinki. Nach ihrem Studium bei Mark Lubotsky (Hamburg) und Ana Chumachenco (München) begann sie eine steile internationale Karriere als Konzertsolistin sowie mit Violin-Recitals und Kammermusikauftritten. Sie gastiert bei Orchestern wie dem London Symphony Orchestra, den Wiener Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und der Staatskapelle Dresden und konzertiert bei den Festspielen in Edinburgh, Salzburg, Tanglewood und Verbier. In den vergangenen Spielzeiten war die georgisch-stämmige deutsche Geigerin Artist in Residence u. a. bei der Accademia Nazionale di Santa Cecilia (Rom), beim New York Philharmonic Orchestra, beim Tonhalle-Orchester Zürich und beim Royal Concertgebouw Orchestra.
Als künstlerische Leiterin der Audi Sommerkonzerte in Ingolstadt entwarf sie für 2020 ein Programm zur Feier des 30-jährigen Bestehens des Festivals sowie des Beethovenjahres; aufgrund der globalen Pandemie wurde stattdessen ein Programm mit gestreamten Konzerten präsentiert. Die vielfach ausgezeichnete Musikerin erhielt 2018 die Ehrendoktorwürde der Sibelius-Akademie in Helsinki. Lisa Batiashvili spielt eine Violine von Giuseppe Guarneri del Gesù aus dem Jahr 1739, eine großzügige Leihgabe eines privaten Sammlers in Deutschland. Bei den Berliner Philharmonikern war die Geigerin seit ihrem Debüt im Oktober 2004 wiederholt zu Gast, zuletzt im Januar 2019 unter der Leitung von Alan Gilbert als Solistin im Zweiten Violinkonzert von Sergej Prokofjew.

Lisa Batiashvili (Foto: Chris Singer)