Marie Jacquot (Foto: Werner Kmetitsch)

Karajan-Akademie

Online-Festival: Die Goldenen Zwanziger

Ein Film, der schockieren und aufrütteln sollte: Der Streifen Kuhle Wampe aus dem Jahr 1932 schildert das bittere Schicksal einer Arbeiterfamilie während der Weltwirtschaftskrise. Die Musik stammt von Hanns Eisler, der ein Best-of zu einer Konzertsuite zusammenfasste. Musik auf der Höhe der Zeit: motorisch, mitreißend, erschütternd. Kurt Weills Name verbindet man vor allem mit der Dreigroschenoper. Dabei konnte er viele verschiedene Genres bedienen, wie sein Violinkonzert und seine Zweite Symphonie zeigen. In letzterer treffen Trauermärsche à la Mahler auf pointierte Rhythmen in bester Dreigroschen-Manier.

Stipendiaten der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker

Marie Jacquot Dirigentin

Kolja Blacher Violine

Hanns Eisler

Suite für Orchester Nr. 3 op. 26 »Kuhle Wampe«

Kurt Weill

Konzert für Violine und Blasorchester op. 12

Kolja Blacher Violine

Kurt Weill

Symphonie Nr. 2

Termine und Karten

Dieses Konzert findet ohne Publikum statt und wird live in der Digital Concert Hall übertragen.

Di, 16. Feb 2021, 20.00 Uhr

Philharmonie

Live in der Digital Concert Hallzur Übertragung

Veranstalter/Kartenverkauf

Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker e.V.

Herbert-von-Karajan-Straße 1

Website besuchen

Programm

Kurt Weill waren Schaffenskrisen so gut wie unbekannt, und so beeindruckt sein vielgestaltiges Œuvre sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht. Die Werkliste mit rein instrumentalen Kompositionen blieb nur deshalb kurz, weil sich Weill in seiner späteren Berliner Zeit und dann auch im amerikanischen Exil fast ausschließlich auf das Musiktheater konzentrierte. Das Konzert für Violine und Blasorchester von 1925 und die teilweise bereits im Exil entstandene und unter der Leitung von Bruno Walter in Amsterdam uraufgeführte Zweite Symphonie stellen bereits die letzten Beiträge des Komponisten zur absoluten Musik dar. Beide Werke stehen auf diesem Programm mit der Dirigentin Marie Jacquot und den Stipendiaten der Karajan-Akademie. Als Solist ist Kolja Blacher zu erleben, der den Philharmonikern zwischen 1993 und 1999 als Erster Konzertmeister verbunden war. Als sich Ende der 1920er-Jahre die zuvor so enge und produktive Kooperation mit Kurt Weill zu lockern begann, trat Hanns Eisler nach und nach an die Stelle des wichtigsten musikalischen Mitarbeiters Berthold Brechts. Brecht war als Drehbuchautor an dem frühen, im proletarischen Milieu angesiedelten Tonfilm Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt? beteiligt, für den Eisler die Musik komponierte. Die Partitur verzichtet angesichts der im Film geschilderten Wirtschaftskrise auf jede Verzweiflung und Larmoyanz und unterstützt mit rhythmischer Energie die von Brecht beschworene politische Aufbruchstimmung. Die in diesem Konzert aufgeführte Dritte Suite zum Film endet mit einer instrumentalen Version des berühmten Solidaritätslieds.

Biografie

Die junge französische Dirigentin Marie Jacquot ist seit der Spielzeit 2019/20 Erste Kapellmeisterin an der Deutschen Oper am Rhein, wo sie neben Opernaufführungen – darunter Samson et Dalila, Hänsel und Gretel, Roméo et Juliette und La traviata – auch die Konzerte der Düsseldorfer Symphoniker und der Duisburger Philharmoniker leitet. Darüber hinaus gastierte sie in den vergangenen Jahren u. a. beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, beim Gürzenich-Orchester Köln, beim Symphonieorchester Malmö sowie beim Orchestre de Chambre de Lausanne. Eine engere Zusammenarbeit verbindet sie mit der Bayerischen Staatsoper: So leitete sie z. B. bei den Münchner Opernfestspielen 2018 die Uraufführung von Die Vorübergehenden von Nikolaus Brass. 2016 assistierte sie Kirill Petrenko bei der Uraufführung von South Pole von Miroslav Srnka. Von 2016 bis 2019 war Marie Jacquot Erste Kapellmeisterin und Stellvertreterin des Generalmusikdirektors am Mainfranken Theater Würzburg; dort dirigierte sie u. a. Neuproduktionen von Nabucco und Il barbiere di Siviglia.
Marie Jacquot studierte Posaune in Paris sowie Dirigieren in Wien und Weimar. Die Stipendiatin des Dirigentenforums des Deutschen Musikrates besuchte darüber hinaus zahlreiche Meisterkurse.

Kolja Blacher wuchs in Berlin auf und ging mit 15 Jahren an die New Yorker Juilliard School, um bei Dorothy DeLay zu studieren. Anschließend rundete er seine Ausbildung bei Sándor Végh in Salzburg ab. Von 1993 bis 1999 gehörte er als Erster Konzertmeister den Berliner Philharmonikern an, bevor er sich ganz für die solistische Laufbahn entschied. Sein programmatisches Spektrum umfasst sowohl Werke für Violine solo als auch die großen Konzerte des romantischen und klassischen Repertoires für sein Instrument, bis hin zu zeitgenössischen Stücken, etwa von Hans Werner Henze, Bernd Alois Zimmermann und Magnus Lindberg. Er konzertiert weltweit mit Spitzenorchestern wie den Philharmonikern in Oslo, München und London, dem Gewandhausorchester Leipzig und dem Orchestra di Santa Cecilia in Rom. Claudio Abbado, Alan Gilbert, Mariss Jansons, Vladimir Jurowski und Kirill Petrenko zählen zu den Dirigenten, mit denen Kolja Blacher zusammengearbeitet hat. In den letzten Jahren pflegte der Künstler zunehmend seine Leidenschaft für Konzerte, bei denen er das Orchester vom Pult des Konzertmeisters aus leitet (»play-lead«). In dieser Form musizierte er z. B. mit dem Stuttgarter Kammerorchester, dem Melbourne Symphony Orchestra, den Festival Strings Lucerne, der Camerata Bern, den Dresdner Philharmonikern und dem Orchester der Komischen Oper Berlin.
Als Professor für Violine unterrichtete Kolja Blacher viele Jahre an der Hamburger Musikhochschule; seit 2009 lehrt er an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin.

Marie Jacquot (Foto: Werner Kmetitsch)

Kolja Blacher (Foto: Bernd Buhmann)