Susanna Mälkki (Foto: Jiyang Chen)

Susanna Mälkki dirigiert »Herzog Blaubarts Burg«

Sie ist »ein Meisterstück, eine komprimierte Tragödie, ein musikalischer Vulkan, der 60 Minuten lang ausbricht und uns mit nur einem Wunsch zurücklässt: das Ganze noch einmal zu hören«. Soweit Zoltán Kodály über Béla Bartóks einzige Oper Herzog Blaubarts Burg. 1911 entstanden, stellt der Einakter ein brillant instrumentiertes symbolistisches Seelendrama dar, das tief in die Gefühlswelt des Fin de Siècle führt. »Was siehst du?«, fragt Blaubart seine Judith, die die sieben Türen der Vergangenheit des Herzogs öffnen will. Susanna Mälkki präsentiert diese musikalische Psychoanalyse, die erschaudern lässt.

Berliner Philharmoniker

Susanna Mälkki Dirigentin

Ildikó Komlósi Mezzosopran (Judith)

Johannes Martin Kränzle Bariton (Herzog Blaubart)

Kaija Saariaho

Vista (Deutsche Erstaufführung) Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker mit Helsinki Philharmonic Orchestra, Oslo Philharmonic und Los Angeles Philharmonic Association

Béla Bartók

Herzog Blaubarts Burg Sz 48 (konzertante Aufführung)

Ildikó Komlósi Mezzosopran (Judith), Johannes Martin Kränzle Bariton (Herzog Blaubart)

Termine und Karten

Dieses Konzert entfällt leider.

Do, 20. Mai 2021, 20.00 Uhr

Philharmonie

Dieses Konzert entfällt leider.

Fr, 21. Mai 2021, 20.00 Uhr

Philharmonie

Dieses Konzert findet ohne Publikum statt und wird live in der Digital Concert Hall übertragen.

Sa, 22. Mai 2021, 19.00 Uhr

Philharmonie

Live in der Digital Concert Hallzur Übertragung

Programm

Werke der finnischen Komponistin Kaija Saariaho stehen regelmäßig auf den Programmen der Berliner Philharmoniker. Nach Uraufführungen in den Jahren 2006 und 2009 präsentiert das Orchester in diesem Konzert die deutsche Erstaufführung des Orchesterstücks Vista. Die Leitung liegt in den Händen von Susanna Mälkki, die als eine der besten Kennerinnen von Saariahos Schaffen gilt und an der Metropolitan Opera in New York eine erfolgreiche Produktion von deren Oper L´amour de loin dirigierte.

In Klangfarbenfantasie und symbolistischer Musiksprache knüpft Saariaho an den französischen Impressionismus an, der auch Béla Bartók stark beeinflusste, als er seine einzige Oper Herzog Blaubarts Burg komponierte. Librettist Béla Balázs lässt in seiner Version des schaurigen Märchens offen, ob Herzog Blaubart seine früheren Ehefrauen tatsächlich ermordete, oder ob diese die Geheimnisse seiner Psyche symbolisieren. Als »Ballade des Innenlebens« bezeichnete Balázs seine Texvorlage. Hinter den sieben Türen, die der Titelheld auf Wunsch seiner Frau Judith öffnet, offenbaren sich von Blut befleckte Szenerien: Eine Folter- und eine Waffenkammer, aber auch die prächtigen Besitztümer des Herzogs und ein See der Tränen. Mit großartig suggestiven Mitteln und unübertrefflicher Instrumentation zeigt Bartóks Musik eine Reise, die von der Dunkelheit ins Licht und am Ende zurück in die dunkle Nacht führt: Trotz ihrer Liebe kann Judith Blaubart nicht von seinen Seelenqualen erlösen.

Biografie

Susanna Mälkki wurde zunächst als Cellistin ausgebildet; zwischen 1995 und 1998 war sie Solocellistin beim Göteborger Symphonieorchester. Ihr Dirigierstudium absolvierte sie an der Sibelius-Akademie in ihrer Heimatstadt Helsinki bei Jorma Panula, Eri Klas und Leif Segerstam; hinzu kamen Meisterkurse bei Esa-Pekka Salonen und erneut bei Jorma Panula. Von 2002 bis 2005 stand sie als künstlerische Leiterin und Chefdirigentin an der Spitze des Symphonieorchesters von Stavanger (Norwegen). Danach leitete sie bis 2013 das Ensemble intercontemporain in Paris, mit dem sie zahlreiche zeitgenössische Werke zur (Ur-)Aufführung brachte. Seit der Spielzeit 2016/17 ist Susanna Mälkki Chefdirigentin des Philharmonischen Orchesters Helsinki; als Erste Gastdirigentin betreut sie zudem auch das Los Angeles Philharmonic. Susanna Mälkki hat mit den bedeutendsten internationalen Klangkörpern zusammengearbeitet, u. a. mit den Philharmonischen Orchestern in San Francisco, Chicago, Philadelphia und New York, mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem London Philharmonic Orchestra und dem BBC Symphony Orchestra. Außerdem gastierte sie an renommierten Festivalorten und Opernhäusern (Metropolitan Opera New York, Opéra national de Paris, Teatro alla Scala, Staatsoper Hamburg). Bei den Berliner Philharmonikern gab Susanna Mälkki ihr Debüt Anfang März 2008 in einem Konzert mit Werken von Anton Webern und Igor Strawinsky. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Nordic Council Music Prize (2017); überdies ist die Künstlerin Mitglied der Royal Academy of Music in London sowie der Königlich Schwedischen Musikakademie.

Die Ungarin Ildikó Komlósi studierte Gesang an der Franz-Liszt-Hochschule Budapest und vervollkommnete ihr Stimme anschließend an der Guildhall School of Music in London. 1986 gewann sie den Internationalen Luciano-Pavarotti-Gesangswettbewerb, der ihr ermöglichte, an der Seite Pavarottis und unter Leitung von Lorin Maazel in Verdis Messa da Requiem zu debütierten. Dies war das Entree zu einer internationalen Opernkarriere, die sie an die großen, internationalen Opernhäuser führte: die Oper Frankfurt, die Mailänder Scala, die Metropolitan Opera New York, das Royal Opera House Covent Garden in London, die Deutsche Oper in Berlin, die Bayerische Staatsoper in München und die Semperoper in Dresden. Ihr Repertoire umfasst neben Mozart-Partien wie Cherubino, Sesto und Dorabella vor allem das italienische Fach, darunter die Jane Seymour in Gaetano Donizettis Anna Bolena, die Amneris in Giuseppe Verdis Aida, die Prinzessin Eboli in Don Carlos oder die Santuzza in Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana. Später kamen die Venus in Richard Wagners Tannhäuser und der Niklaus in Jacques Offenbachs Les Contes d’Hoffmann hinzu. Eine Rolle begleitet Mezzosopranistin, die 2016 mit dem ungarischen Kossuth-Preis ausgezeichnet wurde, nahezu seit Beginn ihrer Laufbahn: die Judith in Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg, mit der sie in diesem Konzert ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern gibt.

Johannes Martin Kränzle, in Augsburg geboren, studierte zunächst Violine und Musiktheaterregie, ehe er sich dem Gesang zuwandte und Schüler von Martin Gründler in Frankfurt wurde. Festengagements führten ihn an die Opernhäuser Dortmund, Hannover und Frankfurt. Darüber hinaus gastiert der Bariton regelmäßig an internationalen Bühnen, u. a. der Metropolitan Opera New York, der Mailänder Scala, dem Royal Opera House London, der Opéra national de Paris und der Bayerischen Staatsoper sowie bei den Salzburger und Bregenzer Festspielen. Sein Opernrepertoire umfasst 120 Partien und reicht von Georg Friedrich Händel über Gioachino Rossini, Giuseppe Verdi, Richard Strauss und Franz Lehár bis zu Hans Werner Henze und Wolfgang Rihm. Schwerpunkte bilden die Bühnenwerke von Wolfgang Amadeus Mozart und Richard Wagner sowie das slawische Repertoire. Zu seinen jüngsten Erfolgen zählen die Partie des Don Alfonso in Mozarts Così fan tutte bei den Salzburger Festspielen 2020. Johannes Martin Kränzle ist zudem nicht nur ein gefragter Konzert- und Liedersänger, sondern auch Komponist, dessen 2016 erschienener Zyklus Lieder um Liebe nach Liebesgedichten von Bertolt Brecht mehrfach aufgeführt wurde. Der Bariton, Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe, tritt als Blaubart in Béla Bartóks Operneinakter Herzog Blaubarts Burg zum ersten Mal bei den Berliner Philharmonikern auf.

Susanna Mälkki (Foto: Jiyang Chen)