Yefim Bronfman (Foto: Dario Acosta)

Daniel Barenboim und Yefim Bronfman mit Brahms Klavierkonzert Nr. 1

Ein Brahms-Abend mit zwei langjährigen Freunden der Berliner Philharmoniker: dem Pianisten Yefim Bronfman und dem Dirigenten Daniel Barenboim, der für Mikko Franck einspringt. »Bei Brahms denke ich an Naturlandschaften, Berge, grüne Täler und schöne Panoramen, an diese unglaubliche Erhabenheit«, meint Bronfman, der das Erste Klavierkonzert des Komponisten interpretiert. Außerdem erklingt dessen Erste Symphonie, mit der sich Brahms endgültig aus dem übermächtigen Schatten seines Vorbilds Beethoven befreite.

Berliner Philharmoniker

Daniel Barenboim Dirigent (anstelle von Mikko Franck)

Yefim Bronfman Klavier

Johannes Brahms

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op. 15

Yefim Bronfman Klavier

Johannes Brahms

Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68

Termine und Karten

Do, 22. Apr 2021, 20.00 Uhr

Philharmonie

Fr, 23. Apr 2021, 20.00 Uhr

Philharmonie

Programm

Ein reines Brahms-Programm präsentieren in diesem Konzert die Berliner Philharmoniker, Dirigent Daniel Barenboim und Pianist Yefim Bronfman. Neben der Ersten Symphonie ist dabei mit dem Klavierkonzert in d-Moll das erste Orchesterwerk zu hören, das der Komponist der Öffentlichkeit vorlegte.

Die Entstehung beider Stücke zeigt, wie beschwerlich und umwegig sich der Prozess gestaltete, in dem Johannes Brahms’ die großen musikalischen Formen eroberte.

Als Hypothek für den jungen Komponisten erwies sich nicht nur das als unerreichbar wahrgenommene Vorbild Beethoven, sondern auch ein Artikel von 1953, in dem Robert Schumann dem 20-jährigen Brahms eine große Zukunft gerade als Schöpfer großdimensionierter Orchester- und Chorwerke vorausgesagt hatte. Während er an seiner Ersten Symphonie 14 Jahre lang arbeitete, wechselte das zunächst als Sonate für zwei Klaviere, dann als Symphonie geplante Klavierkonzert mehrfach die Gattungen. Im Konzert folgt auf einen leidenschaftlich-aufgewühlten ersten Satz ein Adagio von hymnischer Anmutung, das Brahms selbst als ein »sanftes Porträt« der Freundin Clara Schumann bezeichnete und ein mitreißendes Final-Rondo. Yefim Bronfman tritt bei den Berliner Philharmonikern in die Fußstapfen des Komponisten, der den Solopart des d-Moll-Konzerts im Januar 1884 persönlich übernommen hatte.


Die wie Beethovens Fünfte in c-Moll stehende Erste Symphonie »empfiehlt« sich in Brahms eigenen Worten zwar »nicht durch Liebenswürdigkeit« und ist von einer eher tragischen Stimmung grundiert, die sich erst mit dem berühmten Hornsolo des Finales lichtet; die erfolgreiche Uraufführung in Karlsruhe stellte dennoch unter Beweis, dass Brahms sich auch in der instrumentalen Königsgattung der Symphonie zu einem würdigen Erben Beethovens entwickelt hatte.

Biografie

Daniel Barenboim, 1942 in Buenos Aires geboren, erhielt frühzeitig von seinen Eltern Klavierunterricht und gab das erste öffentliche Konzert im Alter von sieben Jahren. 1952, in dem Jahr, als die Familie nach Israel übersiedelte, gab der Zehnjährige sein Solistendebüt als Pianist in Wien und Rom. Anschließend war er in Paris (1955), London (1956), New York (1957) sowie im Rahmen weltweiter Tourneen zu erleben. Seit seinem Dirigierdebüt 1967 in London steht Daniel Barenboim am Pult aller führenden Orchester in Europa und den USA. Er war Chefdirigent des Orchestre de Paris (1975–1989) und Musikdirektor des Chicago Symphony Orchestra (1991– 2006). Seit 1992 ist Daniel Barenboim Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden, deren Staatskapelle ihn im Herbst 2000 zum Chefdirigenten auf Lebenszeit wählte. Von 2011 bis 2014 war er zudem Musikdirektor des Teatro alla Scala in Mailand. Hinzu kommen weltweite Gastauftritte an führenden Opernhäusern und bei bedeutenden Festivals. Die Berliner Philharmoniker und Daniel Barenboim verbindet seit mehr als fünf Jahrzehnten eine intensive künstlerische Partnerschaft. Als Pianist gab er bei ihnen Mitte Juni 1964 sein Debüt, fünf Jahre später folgte sein Einstand als Dirigent des Orchesters.

1999 rief Daniel Barenboim gemeinsam mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra ins Leben, das jeden Sommer junge Musiker aus Israel, Palästina und den arabischen Ländern zusammenführt, um durch die Erfahrungen des gemeinsamen Musizierens den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen des Nahen Ostens zu fördern. Die Barenboim-Said-Akademie in Berlin, an der seit 2015 talentierte junge Musiker ein Musikstudium gekoppelt mit humanistischer Grundbildung absolvieren, ist eine weitere Initiative Daniel Barenboims.

Daniel Barenboim ist Träger zahlreicher hoher Preise und Auszeichnungen. Er erhielt u. a. das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland, den Ernst von Siemens Musikpreis, die Ehrendoktorwürde der Universität Oxford sowie die Ernennungen zum Kommandeur der französischen Ehrenlegion und zum »Knight Commander of the Most Excellent Order of the British Empire« durch Königin Elizabeth II.

Yefim Bronfman, 1958 in Taschkent (Usbekistan) geboren, emigrierte als 15-Jähriger mit seiner Familie nach Israel; 1989 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Zu seinen Lehrern zählten Arie Vardi in Israel und Rudolf Firkušný, Leon Fleisher sowie Rudolf Serkin in den USA. Seine weltweite Karriere startete Yefim Bronfman 1975 in Montreal unter der Leitung von Zubin Mehta; drei Jahre später folgten erste Konzerte mit dem New York Philharmonic Orchestra. Seither hat Yefim Bronfman als Gast der internationalen Spitzenorchester mit vielen bedeutenden Dirigenten zusammengearbeitet. Den Träger des renommierten Avery-Fisher-Preises (1991) und der Ehrendoktorwürde der Manhattan School of Music (2015) verbinden kammermusikalische Partnerschaften mit Martha Argerich, Anne-Sophie Mutter, Magdalena Kožená, Emmanuel Pahud und Pinchas Zukerman. Bei den Berliner Philharmonikern hat Yefim Bronfman seit seinem Debüt 1983 wiederholt als Konzertsolist, Kammermusiker und mit Soloprogrammen gastiert. Zuletzt brachte er mit den Philharmonikern im Mai 2019 Beethovens Zweites Klavierkonzert zur Aufführung; Dirigent war Herbert Blomstedt.

Yefim Bronfman (Foto: Dario Acosta)