Dagmar Manzel (Foto: Janine Guldener)

Philharmonie »Late Night«

Online-Festival: Die Goldenen Zwanziger

»Late Night«: Ein Abend im Moka Efti«

Für einen Abend verwandelt sich die Philharmonie in das legendäre Kaffeehaus Moka Efti, wenn Mitglieder der Berliner Philharmoniker Tanzmusik der 1920er-Jahre spielen. Es erklingen Foxtrotts und Shimmys, Tangos, Märsche und Blues-Balladen. Kurt Weill ist mit drei Werken vertreten, darunter die Kleine Dreigroschenmusik. Stefan Wolpes Suite from the Twenties lässt die Jazz-Begeisterung der Zeit nachempfinden, während Mátyás Seibers Two Jazzolettes sprichwörtlich über die eigenen Füße zu fallen scheinen: überdreht, atemlos und wunderbar unkonventionell. Zwischen den einzelnen Werken liest Dagmar Manzel autobiografische Texte von Trude Hesterberg, Lotte Lenya und Josephine Baker.

Dagmar Manzel Sprecherin

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Michael Hasel Dirigent

»Ein Abend im Moka Efti«

Autobiografische Texte von Trude Hesterberg, Lotte Lenya und Josephine Baker

Kurt Weill

Berlin im Licht

Kurt Weill

Kleine Dreigroschenmusik

Kurt Weill

Suite panaméenne

Stefan Wolpe

Suite from the Twenties

Mátyás Seiber

Two Jazzolettes

Termine und Karten

Sa, 27. Feb 2021, 22.00 Uhr

Philharmonie

Live in der Digital Concert Hallzur Übertragung

Programm

Das Moka Efti im heutigen Berlin-Mitte war als Kombination von Kaffeehaus und Tanzlokal in den 1920er-Jahren so erfolgreich, dass der Unternehmensgründer und Geschäftsmann Giovanni Eftimiades im Bezirk Tiergarten eine Dependance eröffnete. Beide Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört; der Mythos der Institution aber lebt weiter, wie dieser Abend im Rahmen des Online-Festivals »Die Goldenen Zwanziger« zeigt. Mitglieder der Berliner Philharmoniker musizieren unter Leitung von Michael Hasel, der dem Orchester sonst als Flötist angehört.

Die drei Komponisten des Programms hatten nicht nur gemeinsam, dass sie als jüdische Künstler vom Nationalsozialismus ins Exil vertrieben wurden, sondern auch, dass sich in ihren Werken das Interesse an der musikalischen Avantgarde mit einer Aufgeschlossenheit gegenüber der zeitgenössischen Unterhaltungs- und Tanzmusik verband. Folgerichtig mischte Stefan Wolpe in den Stücken der Suite from the Twenties auf beeindruckende Weise Jazz und Atonalität, während Mátyás Seiber in seinen Two Jazzolettes die Begegnung von Blues und Swing mit Zwölfton-Reihen inszenierte.

An diesem Abend findet der Kurt Weill gewidmete Schwerpunkt des Festivals seinen Abschluss. Beschränkt sich die Kleine Dreigroschenmusik auf Blasinstrumente, so kommt in der Suite panaméenneauch ein kleines Streicherensemble zum Einsatz. In letzterem Werk, das auf Weills im französischen Exil entstandenen Bühnenwerk Marie galante basiert, rahmen ein Tango, ein Marsch und ein Foxtrott die instrumentale Version des berühmten Lieds Youkali ein. Den authentischen Berliner Tonfall garantiert in diesem Konzert Dagmar Manzel, die zu den bekanntesten Film-,Theater und Fernsehschauspielerinnen der Stadt gehört und in verschiedenen Produktionen der Komischen Oper große Erfolge feierte.

Biografie

Dagmar Manzel studierte an der Staatlichen Schauspielschule »Ernst Busch« in ihrer Heimatstadt Berlin. Von 1980 bis 1983 gehörte sie dem Staatsschauspiel Dresden an, danach wechselte sie zum Ensemble des Deutschen Theaters Berlin. Seit 2001 arbeitet sie frei am Deutschen Theater und anderen großen Häusern; in den 1980er-Jahren kamen vermehrt Engagements für Film und Fernsehen hinzu. So wirkte Dagmar Manzel u. a. in Helmut Dietls Schtonk, unter Jo Baiers Regie in Der Laden sowie in der Serie Klemperer – Ein Leben in Deutschland (Deutscher Fernsehpreis 2000) mit. Für ihre Gestaltung der Hauptrolle in Kai Wessels Fernsehfilm Leben wäre schön (2003) erhielt sie den Adolf-Grimme-Preis und den Bayerischen Filmpreis; 2012 wurde sie für Die Unsichtbare mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Neben Theater Film und Fernsehen gilt Dagmar Manzels Liebe auch der Musik: Am Deutschen Theater Berlin und am Berliner Ensemble spielte sie die Titelrolle in den Offenbach-Operetten Die Großherzogin von Gerolstein und La Périchole; an der Komischen Oper Berlin war sie z. B. in Anatevka, in Kiss me, Kate und im Weißen Rößl zu erleben. Dagmar Manzel gastierte seit 2001 mehrfach in der Reihe Philharmonischer Salon; 2009 und 2011 war sie dort an Programmen zum Berlin der 1920er-Jahre beteiligt.

Michael Hasel begann seine musikalische Laufbahn mit Klavier- und Orgelspiel sowie einer Ausbildung zum Kirchenmusiker. Zudem erhielt er Flötenunterricht. Nach dem Abitur studierte er an der Musikhochschule Freiburg Klavier und Dirigieren sowie Flöte in der Meisterklasse von Aurèle Nicolet. Sein erstes Engagement führte ihn 1982 als Solo-Piccolist zum Radio-Sinfonieorchester Frankfurt, zwei Jahre später wurde er Flötist bei den Berliner Philharmonikern. Michael Hasel gehörte für viele Jahre dem Festspielorchester Bayreuth als Soloflötist an und ist Gründungsmitglied des Philharmonischen Bläserquintetts Berlin. Außerdem ist er im In- und Ausland als Lehrer tätig und unterrichtet auch an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker.
Als Dirigent hat Michael Hasel mit renommierten Ensembles und Orchestern in Europa, Südamerika und Japan gearbeitet, beispielsweise mit dem Ensemble Modern, der Birmingham Contemporary Music Group, dem Scharoun Ensemble, der Jungen Deutschen Philharmonie, dem Gustav Mahler Orchester und dem Orquesta Simón Bolívar.

Dagmar Manzel (Foto: Janine Guldener)

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