Marc Minkowski (Foto: Georges Gobet)

Berliner Philharmoniker

Marc Minkowski Dirigent

Joseph Haydn

Symphonie Nr. 59 A-Dur »Feuer-Symphonie«

Ludwig van Beethoven

Die Geschöpfe des Prometheus, Ballettmusik op. 43

Termine und Karten

Do, 15. Okt 2020, 20.00 Uhr

Philharmonie

Fr, 16. Okt 2020, 20.00 Uhr

Philharmonie

Sa, 17. Okt 2020, 19.00 Uhr

Philharmonie

Live in der Digital Concert Hallzur Übertragung

Programm

Gott, Rebell, Feuerbringer – Prometheus ist eine der wichtigsten Figuren der griechischen Mythologie, Lichtgestalt der Aufklärung und Sinnbild ihrer Unmöglichkeit zugleich. Viele Künstler fühlten sich aufgefordert, seine Geschichte zu interpretieren. Beethoven verarbeitete Prometheus’ Eintreten für den Menschen durch den Feuerraub zu einem heroisch-allegorischen Ballett. Thematisch passend erklingt einleitend Joseph Haydns sogenannte »Feuer-Symphonie«, die sich durch einen leidenschaftlichen, dramatischen Charakter auszeichnet.

Über die Musik

Feuerwerke

Die Anstellung als Kapellmeister des Fürsten Nikolaus I. Esterházy bedeutete für Joseph Haydn nicht nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch künstlerische Isolation. Der Hofstaat residierte in den Sommermonaten zunächst im österreichischen Eisenstadt und nach 1766 auch regelmäßig im ungarischen, etwa hundert Kilometer von Wien entfernten Fertőd. Hier hatte sich der Fürst ein im Familienbesitz befindliches Jagdschlösschen zu einem prachtvollen Rokokobau erweitern lassen. »Ich war von der Welt abgesondert«, erinnerte sich Haydn später, doch gerade dieser Umstand bot ihm die Möglichkeit für kompositorische Experimente, denn »niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen, und so musste ich original werden.«

Haydn hatte Glück, der Fürst und das kleine höfische Publikum begeisterten sich für seinen kreativen Mut, der besonders in seinen zahlreichen Symphonien hörbar wird. In der um 1768 komponierten Symphonie Nr. 59 spielt Haydn mit extremen dynamischen Kontrasten, und als Überraschungseffekt lässt er kurz vor Schluss des grazilen Andantes plötzlich die Hörner fortissimo ins Geschehen hineinschmettern. Zum Auftakt der Symphonie erklingt ein energisches Sprungmotiv, eine originelle Initialzündung, die den furiosen Kopfsatz anheizt – kein Wunder, dass ein Zeitgenosse Haydns das Werk »Feuersymphonie« taufte.

Im Windschatten des Erfolgs von Haydns 1798 in Wien uraufgeführter Schöpfung komponierte Ludwig van Beethoven die thematisch verwandte Ballettmusik zu Die Geschöpfe des Prometheus. Im Zentrum steht hier der Titan Prometheus – wörtlich der »Vorausdenkende« –, der den Göttern das Feuer stiehlt, um mit seiner Hilfe den Menschen Leben und Zivilisation zu schenken. Der antike Mythos hätte von kaum größerer Aktualität sein können, denn wohl jeden erinnerte der rebellische Prometheus seinerzeit an Napoleon Bonaparte. Beethoven ging es nicht anders, was man auch daran sieht, dass er zwei Jahre später das Thema des Ballett-Finales in seine (zunächst) dem bewunderten französischen Heeresführer gewidmete »Eroica« übernahm.

Das von Salvatore Viganò choreografierte Handlungsballett – ein innovatives Genre, das dem eher pantomimisch-statischen Ballett alten Stils in Wien Konkurrenz machte – rückte jedoch nicht Prometheus in den Fokus, sondern, dem Titel gemäß, dessen Geschöpfe. Aus Ton geformt, erweckt der Götterfunke die beiden ersten Menschen zum Leben. Empfindung und Vernunft können sie jedoch nur durch die Künste erlernen, was letztlich Apollo, Bacchus und die Musen zu den eigentlichen Helden macht. Wer jedoch damals einen fröhlichen Musenreigen zu dezenter Klangkulisse erwartete, kannte den Komponisten schlecht. Wie schon in seiner Ersten Symphonie ließ Beethoven die Ouvertüre selbstbewusst eigenwillig mit einem spannungsgeladenen, nach Auflösung strebenden Akkord beginnen. »Alles ist für ein Divertissement, was denn doch das Ballett eigentlich sein soll, zu groß angelegt«, mäkelte denn auch ein Kritiker nach der Uraufführung. Doch für Beethoven war die humanistische Erziehung durch die (Ton-)Kunst zweifelsfrei eine sehr ernste Angelegenheit – und eben keine leichte Muse.

Susanne Ziese

Biografie

Marc Minkowski bezeichnet sich gern als Chamäleon – als einen, der im Barockrepertoire zu Hause ist, aber ebenso in der Wiener Klassik und der Romantik. »Ich halte nichts von diesen strengen Repertoiregrenzen. Für mich ist es mehr eine Frage der Geisteshaltung als des Klangs«, meinte er in einem Interview. Der Franzose gehört zu den Dirigenten, die zunächst mit eigenem Ensemble als Spezialisten für historisch informierte Aufführungspraxis Aufsehen erregten, um später mit Werken des gängigen Konzert- und Opernrepertoires auch höchst erfolgreich am Pult internationaler Symphonie- und Opernorchester zu stehen. Als Vorbilder nennt Marc Minkowski, der seine Musikerlaufbahn als Fagottist startete, Neville Marriner und Nikolaus Harnoncourt. Im Alter von 19 Jahren gründete er das Ensemble Les Musiciens du Louvre, das durch seinen energetischen, rhythmisch mitreißenden Musizierstil weltweit Anerkennung fand. Neugierig und experimentierfreudig ist Marc Minkowski stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Er war von 2013 bis 2017 künstlerischer Leiter der Salzburger Mozartwoche, 2016 übernahm er das Amt des Intendanten der Opéra National de Bordeaux. Bei den Berliner Philharmonikern debütierte er 2003 mit einem französischen Programm. 2018 wurde er eingeladen, seine Erfahrung und sein Wissen in einem Konzert mit Werken von Schubert, Haydn und Mozart an die Stipendiaten der Karajan-Akademie weiterzugeben.

Marc Minkowski (Foto: Georges Gobet)

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