Marek Janowski (Foto: Felix Broede)

Berliner Philharmoniker

Marek Janowski Dirigent

Noah Bendix-Balgley Violine

Max Bruch

Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 g-Moll op. 26

Noah Bendix-Balgley Violine

Johannes Brahms

Serenade Nr. 2 A-Dur für kleines Orchester op. 16

Termine und Karten

Do, 01. Okt 2020, 20.00 Uhr

Philharmonie

Fr, 02. Okt 2020, 20.00 Uhr

Philharmonie

Sa, 03. Okt 2020, 19.00 Uhr

Philharmonie

Live in der Digital Concert Hallzur Übertragung

Programm

Mit diesem Programm erinnern wir an Max Bruch, dessen Todestag sich 2020 zum 100. Mal jährt. Unser Erster Konzertmeister Noah Bendix-Balgley interpretiert als Solist mit Marek Janowski und den Berliner Philharmonikern Bruchs Erstes Violinkonzert, das mit seinem sehnsuchtsvollen Anfangssatz und dem zündenden Finale zum populärsten Werk des Komponisten wurde. Die zweite Konzerthälfte widmet sich Johannes Brahms, einem Zeitgenossen Bruchs. Dessen Serenade Nr. 2 zeichnet sich durch den für Brahms typischen dunklen, warmen Klang aus und gilt als Meilenstein auf dem Weg des Komponisten zur Symphonie.

Über die Musik

Wege zur Symphonie

Am 2. Oktober vor genau 100 Jahren starb Max Bruch in Berlin. Der gebürtige Kölner war zeitlebens nicht gerade für Bescheidenheit bekannt. Besonders wenn es darum ging, seinen konservativen Stil gegen Angriffe aus dem Lager der Progressiven zu verteidigen, konnte er in vehemente Polemik verfallen. Auch wurmte es ihn, dass die Kritik ihn andauernd zu seinen Ungunsten mit dem fünf Jahre älteren Johannes Brahms verglich. »Treffe ich mit Brahms im Himmel zusammen«, schrieb Bruch einmal im Frust dem gemeinsamen Verleger Fritz Simrock, »so lasse ich mich in die Hölle versetzen!«

Mit der Reife eines knapp 70-Jährigen äußerte Bruch später hingegen freimütig in einem Interview: »Brahms war aus verschiedenen Gründen ein weit größerer Komponist als ich. [...] In 50 Jahren wird sein Glanz als der des überragendsten Komponisten aller Zeiten hell erstrahlen, während man sich meiner hauptsächlich nur wegen meines g-Moll-Violinkonzerts erinnern wird.« Diese Erkenntnis war fraglos bitter für Bruch, umso mehr als dies ein Jugendwerk war, das alle nachfolgenden Kompositionen in den Schatten stellte.

Bruch war Mitte zwanzig, als er unter engagierter Mithilfe des mit ihm und Brahms befreundeten Geigers Joseph Joachim sein erstes großes Instrumentalwerk schuf, nachdem er sich mit Chorwerken bereits einen Namen gemacht hatte. Das hörbar in der Nachfolge Mendelssohns stehende Konzert, dessen lyrisch singender Tonfall sich mit schwereloser Virtuosität und einem damals populären ungarischen Tonfall im Finale paart, wurde nach seiner umjubelten Uraufführung 1868 schnell zum Publikumsliebling. Doch der Segen des Erfolgs wandelte sich für Bruch zum Fluch, eben weil das Publikum nur noch dieses eine Werk von ihm hören wollte. Dabei hatte das Konzert ihm endlich so viel »Mut zur Instrumentalmusik gemacht«, dass er noch im Jahr der Uraufführung seine Erste Symphonie schrieb. Bruch widmete sie ebenso selbstbewusst wie anerkennend Brahms.

Johannes Brahms wiederum brauchte ungleich länger, um sich seinen Weg zur Symphonie zu bahnen. Der Versuch, eine Sonate für zwei Klaviere in ein großformatiges Orchesterwerk umzuarbeiten, mündete in das Erste Klavierkonzert, dessen Leipziger Uraufführung 1859 zu einem traumatischen Fiasko für den 25-Jährigen geriet. Parallel zu diesem Projekt arbeitete Brahms zwischen 1857 und 1859 an zwei Orchesterserenaden. Während die erste hörbar nach dem Studium haydnscher Symphonien entstand, ließ sich Brahms bei der Komposition der zweiten von den Bläserserenaden Mozarts inspirieren – Joachim hatte ihm zur Vorbereitung die Partituren geschickt.

In der A-Dur-Serenade verstärkte Brahms das tiefe Register der Bläser durch Bratschen, Celli und Kontrabässe und verlieh dem Werk so ein besonders warmes Klangbild. Von kaum einem seiner Werke schwärmte der für seine Ironie berüchtigte Komponist so offenherzig wie von seiner »zärtlichen« Serenade: »Mit solcher Lust habe ich selten Noten geschrieben, die Töne drangen so liebevoll und weich in mich, dass ich durch und durch heiter ward.« Für lange Zeit sollte dies das letzte Orchesterwerk von Johannes Brahms bleiben. Zwar empfand Joseph Joachim die Serenade als »sehr symphonieverkündend«, die Musikwelt jedoch sollte noch 16 Jahre auf Brahmsʼ Erste warten.

Susanne Ziese

Biografie

Den Namen Marek Janowski verbindet das Berliner Publikum vor allem mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dessen musikalisches Erscheinungsbild Janowski als Chefdirigent von 2002 bis 2016 entscheidend prägte. Weniger im allgemeinen Bewusstsein verankert ist hingegen seine Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern, bei denen der in Warschau geborene und in Wuppertal aufgewachsene Dirigent 1976 im Alter von 37 Jahren debütierte. Marek Janowski, damals Chefdirigent der Dortmunder Philharmoniker, stand am Anfang seiner Karriere, die ihn u. a. als Chef zum Orchestre Philharmonique de Radio France (1984–2000), zur Dresdner Philharmonie (2001–2003 und wieder seit 2019) und zum Orchestre de la Suisse Romande (2005–2012) führen sollte. Vor allem als Interpret des spätromantischen Repertoires hat Janowski sich einen Namen gemacht. Auch als Operndirigent war er international erfolgreich und galt als einer der herausragenden Interpreten Richard Wagners. In den 1990er-Jahren entschied er sich, keine inszenierten Opernaufführungen mehr zu dirigieren, da er sich mit dem zeitgenössischen Musiktheater nicht mehr anfreunden konnte. Einzige Ausnahme: 2016 und 2017 leitete er Wagners Ring des Nibelungen bei den Bayreuther Festspielen. 2017 kehrte Marek Janowski nach mehr als 20-jähriger Pause mit Verdis Requiem und Bruckners Vierter Symphonie zu den Berliner Philharmonikern zurück. Sein Credo beschrieb er einmal so: »Man muss sich bemühen, dem fundamentalen Sinn der kompositorischen Aussage eines Werks gerecht zu werden ­– nicht, Recht zu haben!«

Der Geiger Noah Bendix-Balgley verdankt seinen Beruf einem Kinderbuch. Weil er sich als Vierjähriger immer wieder voller Enthusiasmus Karla Kuskins The Philharmonic gets dressed ansah, dachten die Eltern, es würde ihm Spaß machen, Violine zu lernen. Sie sollten Recht behalten. »Die Geige erlaubt mir, meine Emotionen und Gedanken auszudrücken«, meint der aus North Carolina stammende Musiker. Als Neunjähriger spielte er bereits Yehudi Menuhin vor, später studierte er an der Indiana University und an der Münchner Musikhochschule bei Mauricio Fuks, Christoph Poppen und Ana Chumachenco. Er war Preisträgerer bedeutender Wettbewerbe, u. a. des Concours Reine Elisabeth in Brüssel und des Concours International Long-Thibaud in Paris. Seine Laufbahn als Orchestermusiker startete er 2011 als Konzertmeister des Pittsburgh Symphony Orchestra, 2014 wurde Noah Bendix-Balgley Erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Darüber hinaus ist er immer wieder solistisch und kammermusikalisch zu erleben. 2018 stand Noah Bendix-Balgley erstmals als Solist und Dirigent vor dem eigenen Orchester, auf dem Programm standen Mozarts Violinkonzert Nr. 5 und Saint-Saëns’ Introduction et Rondo capriccioso. Das Erste Violinkonzert von Max Bruch spielt er seit seinem 12. Lebensjahr: »Das Stück besitzt alles, was man sich von einem romantischen Konzert wünscht: lyrische Melodien, rezitativische Kadenzen, technische Brillanz für den Solisten, rhythmischen Drive und Dramatik.«

Marek Janowski (Foto: Felix Broede)

Noah Bendix-Balgley (Foto: Sebastian Hänel)

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Das Programmheft des Konzerts

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