(Foto: Library of Congress)

Musikfest Berlin

Ensemble Musikfabrik

Peter Eötvös Leitung

Ulrich Löffler Klavier

Mayumi Miyata Shō

Helen Bledsoe Flöte

Dirk Rothbrust Schlagzeug

Ryoko Aoki Nō-Darstellerin

Gastspiel: Köln

Helmut Lachenmann

Marche fatale für Klavier

Ulrich Löffler Klavier

Helmut Lachenmann

Berliner Kirschblüten für Klavier

Ulrich Löffler Klavier

Toshio Hosokawa

Birds Fragments III für Shō und Flöte

Mayumi Miyata Shō, Helen Bledsoe Flöte

Toshio Hosokawa

Fragments II für Shō und Perkussion

Mayumi Miyata Shō, Dirk Rothbrust Schlagzeug

Peter Eötvös

Secret Kiss für Erzählerin und Ensemble Deutsche Erstaufführung

Ensemble Musikfabrik, Peter Eötvös Leitung, Ryoko Aoki Nō-Darstellerin

Peter Eötvös

Sonata per sei für drei Klaviere und drei Schlagzeuger

Ensemble Musikfabrik, Peter Eötvös Leitung, Ulrich Löffler Klavier, Dirk Rothbrust Schlagzeug

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin

Termine und Karten

So, 08. Sep 2019, 17:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 16:10 Uhr

Online Verkauf

Veranstalter/Kartenverkauf

Berliner Festspiele

Schaperstraße 24
10719 Berlin

Tel: +49 (30) 254 89 100

Fax: +49 (30) 254 89 230

Per E-Mail kontaktieren

Website besuchen

Programm

Man hätte sie gern in Schubladen, die Kreativen. Dann wüsste man, wohin man greifen muss, wenn man dies oder das zur Geisterhebung sucht. Oder man könnte sie einfach drin lassen. Aber sie wollen nicht. Schrieb Helmut Lachenmann vor kurzem doch diese Marche fatale in der Heldenleben-Tonart Es-Dur, und c-Moll-Variationen über ein japanisches Kirschblütenlied. Die Marschmelodie sei von irgendwoher gekommen. Die Luft der Geschichte ist voll von solchen Sachen. Man kann mit ihnen umgehen, wenn man kann.

Die Moderne sei der Pflug, mit dem man die Tradition umgräbt. Vielleicht ist es auch umgekehrt. Lachenmanns Lehrer Luigi Nono forderte: Das Ohr aufwecken! Weil dann andere Sinne und der Verstand mit aufwachen. Die Emanzipation vom Diktat des Visuellen ist Toshio Hosokawas Anliegen. Birds Fragments sind inspiriert durch (nahezu) blinde Schülerinnen und Schüler in Japan, die Vögel nur vom Hören, Ertasten oder Hörensagen kannten und sie nun aus Ton modellierten. So versuchte der Komponist, die Suggestion eines Vogels aus Tönen zu schaffen und dafür Erfahrungen zu reaktivieren, »die in der Moderne oft zu kurz kamen: den Sinn für die Materialität, das Haptische, die Tiefe und natürliche Räumlichkeit der Musik.« Hauptinstrument: die Shō, die wundervolle Mundorgel, die Lachenmann einst auch in seiner Oper einsetzte.

Auf eine japanische Tradition kommt Peter Eötvös mit Secret Kiss zurück. Das Stück ist für Ryoko Aoki geschrieben. Sie studierte das, was wir klassische Musik nennen, und die Kunst des Nō-Theaters. Diese war einst Männern vorbehalten. Ryoko Aoki änderte das. Als Text wählte Eötvös Auszüge aus Alessandro Bariccos Roman Seide, einer sehr speziellen Liebesgeschichte; Gedanken und Sprache fänden darin, so Eötvös, zu Wellenbewegungen von Zeit und Zeitmaßen, die eine Verschmelzung von Nō mit Ideen europäischer Provenienz ermöglichten. Die Sonata a sei, zwölf Jahre älter, ist ganz anders. Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug steht im Hintergrund, aber auch das Wissen um dessen Odysseen. Ein Keyboard kommt dazu und mit ihm Sounds, die gewiss nicht im Inneren der Moderne zu Hause waren. Schwester U kann erfrischend provozierend wirken, wenn man mit ihr kann.

(Foto: Library of Congress)