Emmanuelle Haïm (Foto: Marianne Rosenstiehl)

Kammermusik

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Emmanuelle Haïm Cembalo, Orgel und Leitung

Thomas Dunford Laute

Henry Purcell

Sonata of three Parts g-Moll Z 790

Biagio Marini

Sonata sopra »La Monica«

Alessandro Stradella

Sinfonia Nr. 22 für Violine und Basso continuo d-Moll

Antonio Caldara

Triosonate B-Dur op. 2 Nr. 2

Marin Marais

Suite Nr. 2 g-Moll

Georg Friedrich Händel

Triosonate h-Moll HWV 386b

Jean-Marie Leclair

Deuxième Récréation de musique d'une exécution facile g-Moll op. 8

Termine und Karten

Verkaufshinweise

Programm

»Ich bin von Musik besessen – und relativ stur. Wenn ich etwas unbedingt will, muss ich es irgendwann auch haben.« Zielstrebig hat Emmanuelle Haïm ihren Kindheitswunsch, Dirigentin zu werden, verfolgt, obwohl sie zunächst Klavier, Orgel und Cembalo studiert hat, mit »Fächern wie Komposition, Harmonielehre, Kontrapunkt, Musikgeschichte und Improvisation« (Haïm). Als musikalische Assistentin von William Christie rückte schließlich die Ensembleleitung in den Fokus: »Ich habe einfach begriffen, dass es nun Zeit war, erwachsen zu werden und das zu tun, was ich schon als Kind tun wollte.«

Was folgte, war ein Traumstart, da Emmanuelle Haïm bei Sir Simon Rattle assistierte, den sie bei den Salzburger Festspielen 1999 kennenlernte: »Ich habe Cembalo gespielt und die Klavierproben begleitet. […] Er war ein so unglaublicher Dirigent, der so viel aus den Leuten dort herausgeholt hat – mit seiner enorm charismatischen Art. Seine Autorität hatte überhaupt nichts Brutales. Das gefiel mir sehr. Außerdem ist er auf eine erfrischend neue Weise an die Alte Musik herangegangen. […] Danach war mir klar: Genauso muss ich es auch machen.« Heute gilt Emmanuelle Haïm als eine der interessantesten Künstlerpersönlichkeiten der Alte-Musikszene – nicht umsonst wird sie in Großbritannien »The Ms Dynamite of French Baroque« genannt.

Gemeinsam mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker widmet sie sich Werken von Henry Purcell, Marin Marais und Georg Friedrich Händel. Ebenfalls an diesem Abend vertreten: Werke von Jean-Marie Leclair, den die Zeitgenossen als »Corelli Frankreichs« verehrten und durch den in seiner Heimat die virtuose Geigenkunst Eingang in die kompositorische Praxis fand.

Über die Musik

Für Könige, Ordensfrauen und höhere Töchter

Eine Europäische Union barocker Triosonatenkunst

Im heutigen Konzert lädt Emmanuelle Haïm das Publikum zu einer Rundreise durch die Metropolen des Barock ein, von London über Brüssel und Paris bis hinunter nach Venedig und Rom. Die erste Hälfte des Programms ist dem späten 17. Jahrhundert gewidmet, die zweite Hälfte dem 18. Jahrhundert. Obwohl vor allem mit der Gattung der Triosonate an diesem Abend die Kammermusik im Vordergrund steht, offenbaren die beiden französischen Trios unmissverständlich die Nähe zur Bühne.

London anno 1683

Noch regierte im Königspalast von St. James König Karl II., der Herrscher aus dem Hause Stuart, der die Monarchie in England wiederhergestellt hatte. Zu seinen Schützlingen gehörte der junge Henry Purcell, Organist der Chapel Royal. Der widmete dem König im Juni 1683 gleich ein ganzes Dutzend Trios mit dem Titel Sonatas of Three Parts: »Ich hätte nicht das Vertrauen gehabt, die folgenden Kompositionen Eurer Majestät zu Füßen zu legen, wenn sie nicht das unmittelbare Ergebnis der Königlichen Gnade und Güte wären, die mich zu dem gemacht haben, was ich bin.« Im Vorwort an den Leser verriet Purcell, was er mit diesen Sonaten bezweckte: »Anstelle eines Wortschwalls über die Schönheit und den Zauber der Musik, die sich letzten Endes durch eine geübte Hand und eine engelsgleiche Singstimme am besten selbst empfehlen, werde ich nur einige wenige Dinge über das folgende Buch und seinen Autor sagen: Was den Autor betrifft, so hat er wirklichkeitsgetreu eine genaue Nachahmung der berühmtesten italienischen Meister angestrebt, hauptsächlich, um den Ernst und die Schwere jener Art von Musik unter seinen Landsleuten in Mode zu bringen. Denn es ist höchste Zeit, dass deren musikalische Laune sich vom Leichtsinn und den Bänkelliedern unserer [französischen] Nachbarn abwendet [...] Der Autor schämt sich nicht, seine Unkenntnis der italienischen Sprache zuzugeben, doch glaubt er, berechtigterweise sich rühmen zu dürfen, der italienischen Töne mächtig zu sein, die er den englischen Künstlern anempfehlen möchte.« Mit seinen zwölf Triosonaten von 1683 ist ihm dies glänzend gelungen. Gleich die erste Sonate in g-Moll ist mit der ganzen »seriousness and gravity« des italienischen Stils ausgestattet.

Brüssel anno 1626

Wer immer in den 1620er-Jahren nach Brüssel kam und der Statthalterin der Spanischen Niederlande seine Aufwartung machte, dürfte vor Ehrfurcht erstarrt sein: Isabella Clara Eugenia von Spanien, die Lieblingstochter König Philipps II., trug seit dem Tod ihres Mannes Albert von Österreich die Ordenstracht der Klarissinnen. So hat sie Peter Paul Rubens gemalt, mit einem klugen Gesicht und durchdringendem Blick, Diplomatin von Kopf bis Fuß. Schon ihr berühmter Vater zog sie zu Regierungsgeschäften heran. Er dürfte ihr auch die Liebe zur Musik eingepflanzt haben, die sie mit dem Ordensgelübde nicht ablegte. Als nämlich der italienische Geiger Biagio Marini 1624 in Brüssel eintraf, gelang es ihm, »den erlauchten Ohren« der hohen Dame ein solches Vergnügen zu bereiten, dass »Ihro Durchlaucht nicht zögerten, mich mit Geschenken und Ehre zu überhäufen«. Daran erinnerte Marini die Widmungsträgerin im Vorwort zu seiner umfangreichen Sammlung Opus 8, die er im Juli 1626 in Venedig erscheinen ließ – rechtzeitig zum 60. Geburtstag der Habsburgerin. Marini übertrieb keineswegs, wenn er in seiner Vorrede Brüssel als eine Stadt bezeichnete, »die sogar die Athener beneiden würden«. Denn nach dreieinhalb Jahrzehnten Krieg zwischen den Spaniern und den Flamen war mit Isabellas Einzug 1598 der Friede eingekehrt. Marinis wunderbare Sonaten feierten die Blüte der Barockkunst im belgischen Athen – als klingendes Gegenstück zur Malerei von Rubens. Dies kann man in der Sonata sopra La Monica auf das Schönste hören. Den ehrwürdigen Ostinato-Bass jenes Namens aus der Renaissance verwandeln die beiden Geigen in ein funkensprühendes Duett von barocker Eloquenz und tänzerischer Grazie. Man hört, dass der Geigenvirtuose aus Brescia seine Kunst unter Claudio Monteverdi an San Marco in Venedig vervollkommnete. Die Widmung seines Opus 8 unterzeichnete er allerdings in Neuburg an der Donau, wo ihn ein Wittelsbacher 1623 als Kapellmeister engagiert hatte.

Rom anno 1675 und Venedig 1699

Alessandro Stradella, der Opernkomponist aus der alten Etruskerstadt Nepi in Latium, gehörte zweifellos zu den »most fam’d Italian Masters«, deren Streichermusik Purcell in seinen Sonaten von 1683 nachahmte. Im Heiligen Jahr 1675, einem für das römische Musikleben besonders üppigen, war Stradella mit Oratorien und Serenaden hervorgetreten, deren Streichorchester nach dem neuen Prinzip des Concerto grosso gegliedert war. Auch seine kammermusikalischen Werke wie die Sinfonia 22 für Violine und Basso continuo erfreuten sich in der Ewigen Stadt größter Beliebtheit – Virtuosenmusik nach dem neuesten römischen Geschmack.

Wie Rom lag auch Venedig auf der italienischen Reiseroute jedes Kavaliers aus dem Norden. Die Herrscher des Hauses Hohenzollern gehörten ebenso dazu wie ihre Verwandten aus Hannover, die bald schon als Könige über England regieren sollten. In die Lagunenstadt kamen sie hauptsächlich, um Opern zu hören, aber auch, um die neuesten Instrumentalvirtuosen der Serenissima zu inspizieren – für eventuelle Engagements in der eigenen Hofkapelle. Den jungen Cellisten Antonio Caldara ließ man sich entgehen: Nach einigen Jahren an der Cappella di San Marco wurde er von den Gonzaga für Mantua abgeworben. 1709 ging er zum Marchese Ruspoli nach Rom und 1716 an den Wiener Kaiserhof als Vizekapellmeister. Am Anfang dieser erstaunlichen Karriere standen zwei Bände mit frühen Triosonaten, die er in Venedig herausbrachte – die perfekte Visitenkarte eines jungen italienischen Musikers um 1700.

Paris anno 1692

Marie-Anne Roland, die Tochter des Generalsteuerpächters von Frankreich, durfte sich geschmeichelt fühlen, als sie zu Weihnachten 1692 die folgenden Zeilen des Komponisten Marin Marais las: »Mademoiselle, Keiner verkennt die Qualitäten, die Ihr besitzt; jeder weiß, welche Empfindsamkeit für die Musik Euch eigen ist, welche Leichtigkeit im Singen und Spielen der verschiedensten Instrumente, welch klarer Verstand im Beurteilen von Werken des Geistes, welche Feinheit des Gehörs und welche Grazie und Noblesse in den schönsten Bewegungen des Tanzes; mit einem Wort, Mademoiselle: Der Hof und die Stadt nennen Euren Namen nur mit Bewunderung. Was man hingegen nicht weiß, ist, dass Ihr am meisten zu dem Guten beigetragen habt, welches man in diesem Buch finden kann. Euer Vergnügen beim Anhören der meisten Stücke, die hier vorliegen, wurden mir zum Ansporn meiner Arbeit.«

Marais, der gefeierte Hofgambist des Sonnenkönigs, widmete ihr, der jungen, schönen Hofdame mit den zierlichen Tanzschritten, unter dem Titel Pièces en trio eine Sammlung von Suiten für zwei Instrumente und Basso continuo. Ob die beiden Oberstimmen von Traversflöten, Blockflöten, Violinen oder Gamben ausgeführt werden, überließ Marais den Interpreten. Entscheidend waren die Leichtigkeit und Anmut der eingängigen Tanzsätze, die diese Suiten im Kern ausmachen. »Der Komponist hatte keine andere Absicht, als seinen Zuhörern zu gefallen, indem er ihnen zahlreiche kurze und gefällige Stücke offerierte.« So haben es Sylvette Milliot und Jérôme de La Gorce in ihrer Marais-Biografie von 1991 auf den Punkt gebracht.

Aus den 13 Sätzen der Suite Nr. 2 g-Moll hat Emmanuelle Haïm sechs ausgewählt. Ein pathetisches Prélude macht den Anfang. Es ist wie eine französische Ouvertüre aufgebaut: aus einer langsamen Einleitung in punktierten Rhythmen und einem schnellen zweiten Teil im Dreiertakt. Danach regiert die Grazie der Tänze, erst in zwei klassischen Suitensätzen, Sarabande und Gigue, dann in einer der sogenannten Galanterien, einer Gavotte. Jedes dieser kurzen Stücke passt genau auf eine Druckseite der betreffenden Stimme, sogar die folgende Plainte, eine pathetische Klage im Stil der Oper. Nur die abschließende Passacaille füllt ganze sechs Seiten der Stimmenhefte. Mit ihrer ständigen Abfolge wiederholter Viertakt-Gruppen und der Steigerung bis hin zu rasanten Läufen imaginiert sie perfekt jenen großen Gruppentanz, der in einem höfischen Ballett oder einer Oper die Krönung des Abends bilden würde. Auch die anderen Sätze in Marais’ g-Moll-Suite wirken wie ein Auszug aus einem höfischen Ballett, übertragen auf die kleinen Dimensionen von Kammermusik. Damit traf Marais genau die Vorlieben der Mademoiselle Roland, von der das Journal de Paris noch 1720 zu berichten wusste: »Sie war so bekannt für ihre Reize und ihren unnachahmlichen Tanz, dass selbst der verstorbene König sie zusammen mit seiner Tochter tanzen sehen wollte. Im Ballett Le Triomphe de l’Amour bezauberte sie den ganzen Hof.«

London anno 1715

Wenn Georg Friedrich Händel mit dem genialen Geiger Francesco Geminiani am englischen Königshof auftrat, waren alle Zuhörer gleichermaßen erstaunt über seine vollgriffige Cembalobegleitung wie über das kantable Violinspiel des Italieners aus Lucca in der Toskana. Erweiterte ein Oboist des Londoner Opernorchesters die Besetzung zum Trio, gab man vermutlich auch eine händelsche Triosonate zum Besten, eines jener Werke, die weit mehr als ein Jahrzehnt später erst in London gedruckt werden sollten. Die Sonate Nr. 1 dieses sogenannten Opus 2 wurde zwar in h-Moll für Traversflöte, Violine und Continuo veröffentlicht, sie geht aber wohl auf eine c-Moll-Sonate mit Oboe statt Flöte zurück. In dieser Form könnte sie schon vor 1718 entstanden sein, beruht ihr dritter Satz doch auf einer Arie aus Händels erstem römischem Oratorium von 1707 (Il trionfo del Tempo e del Disinganno). Auch das einleitende Andante mit der seufzenden Melodie über dem absteigenden Bass und die beiden kunstvoll kontrapunktischen Allegro-Sätze passen am besten in die Zeit von Händels ersten Londoner Jahren.

Paris anno 1737

Den Namen Jean-Marie Leclair konnte man im alpinen Norditalien früher lesen als auf Notendrucken der französischen Hauptstadt. »Die Ballette wurden entworfen von Monsieur Jean Marie L’Eclair aus Lyon.« So heißt es auf Italienisch in diversen Opernlibretti des königlichen Theaters zu Turin in den 1720er-Jahren. Die italienische Vorliebe für Zwischenaktballette in der Opera seria verschaffte dem Tänzer Leclair ein jahrelanges Engagement an einer der großen Bühnen Italiens sowie die Chance, sich vom primo ballerino zum Choreografen hochzuarbeiten. Da Ballettmusik in Italien nie die Angelegenheit des Opernkomponisten war, bot sich Leclair zugleich die Gelegenheit, mit den Tanzeinlagen seine Fähigkeiten im Tonsatz zu erproben. Seine geniale Erfindungsgabe für Tanzrhythmen und eingängige Melodien, wie er sie später in Paris an den Tag legen sollte, hatte hier ihre Wurzeln. Auch als Violinvirtuose verdankte Leclair der Hauptstadt des Königreichs Sardinien die entscheidenden Anregungen, denn in Turin wurde der berühmte Corelli-Schüler Giambattista Somis sein Lehrer.

Als Leclair 1728 endlich den Sprung nach Paris wagte, war er mit allem ausgestattet, was die Franzosen unter dem jungen Ludwig XV. besonders liebten: Musik im italienischen Stil und virtuoses Violinspiel. 1733 nahm ihn der König in den Kreis der ordinaires de la musique du roi auf. 1737 ließ der so Avancierte seine Deuxième Récréation de Musique drucken, seine »zweite musikalische Unterhaltung«. Vorsorglich fügte er dem Titel hinzu: »d’une exécution facile« (von leichter Ausführung). Denn die Schwierigkeiten seiner Solosonaten für Violine waren gefürchtet, die Récréation aber sollte auch für Laien ausführbar sein, freilich nur für solche mit »gutem Geschmack, Finesse im Spiel und Präzision im Takt«. Diese Mindestanforderungen formulierte Leclair im ganz kurzen Vorwort. Dass er sein Opus 8 als »petit ouvrage« (kleines Werk) bezeichnete, war blanke Untertreibung. Es handelt sich um eine der längsten und anspruchsvollsten Triosuiten des französischen Barock – Krönung jener Tradition, die von Marais’ Pièces en trio bis zu Couperins Les Nations reicht.

Die Suite beginnt mit einer französischen Ouvertüre in pathetischem g-Moll, deren scharf punktierte Rhythmen ausgeschrieben sind. Der Mittelteil ist eine rasend schnelle Fuge im tänzerischen Rhythmus. Etwas knapper sind die folgenden Stücke gehalten, eine Sarabande und ein schönes Menuett-Paar in B-Dur und g-Moll. Eine liebliche Badinage, eine »Spielerei« in G-Dur, bereitet den Höhepunkt der Suite vor, die mehr als 260 Takte lange Chaconne. Leclairs Vorbilder waren die großen Orchester-Chaconnes von Lully und Rameau. Der Hauptteil beginnt mit einem leidenschaftlichen g-Moll-Thema und steigert sich allmählich bis zu Achteltriolen. Die Sechzehntel-Kaskaden bleiben dem langen G-Dur-Mittelteil vorbehalten. Wenn nach fast 200 Takten das Mollthema wiederkehrt, kommt es zu einem ähnlich bewegenden Schlussteil wie in Bachs Chaconne aus der d-Moll-Partita BWV 1004. Nach so viel Pathos hat der ehemalige Balletttänzer Leclair den schnellsten und vitalsten Tanz des französischen Barock in gleich zwei Varianten an den Schluss seiner Suite gestellt: den Tambourin. Während der Bass den Trommelschlag der volkstümlichen Einhandtrommel nachahmt (Tambourin de Béarne), imitieren die Geigen die simplen Melodien der ebenfalls mit nur einer Hand zu spielenden Flöten, die man in der Volksmusik dazu blies.

Karl Böhmer

Biografie

Emmanuelle Haïm studierte Klavier bei Yvonne Lefébure, Orgel bei André Isoir sowie Cembalo bei Kenneth Gilbert und Christophe Rousset am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique. Sie avancierte schnell zu einer der führenden Continuo-Spielerinnen für das barocke Opern- und Konzert-Repertoire; Natalie Dessay, Ian Bostridge, Philippe Jaroussky wie auch andere Sängerinnen und Sänger begleitete sie bei deren Solo-Auftritten. Zunächst auch Assistentin der Dirigenten William Christie, Marc Minkowski und Sir Simon Rattle, gründete Emmanuelle Haïm im Jahr 2000 das Barockensemble Le Concert d’Astrée, mit dem sie bereits zweimal in der Reihe Originalklang im Kammermusiksaal gastierte (November 2008 sowie März 2016) und Ende November 2019 erneut zu Gast sein wird. Als Dirigentin brachte Emmanuelle Haïm mehrere Opern des 17. und 18. Jahrhunderts mit der Glyndebourne Touring Opera und beim Glyndebourne Festival zur Aufführung. Regelmäßig leitet sie darüber hinaus u. a. das City of Birmingham Symphony Orchestra, das Scottish Chamber Orchestra, das hr-Sinfonieorchester Frankfurt und das Los Angeles Philharmonic. 2018 gab sie ihr Debüt beim Leipziger Gewandhausorchester und beim New York Philharmonic, Mitte Mai 2019 am Opernhaus Zürich in einer Neuproduktion von Rameaus Hippolyte et Aricie. Am Pult der Berliner Philharmoniker stand Emmanuelle Haïm erstmals im März 2008 mit Händels Cäcilien-Ode HWV 76; zuletzt dirigierte sie das Orchester an den vergangenen drei Abenden in Konzerten mit Werken von Henry Purcell und Georg Friedrich Händel. Die Künstlerin ist Ehrenmitglied der britischen Royal Academy of Music; in Frankreich wurden ihr die Orden »Officier des Arts et des Lettres« und »Chevalier de la Légion d’honneur« verliehen.

Thomas Dunford wurde in Paris geboren und entdeckte mit neun Jahren die Laute für sich. Er studierte am Pariser Conservatoire, wo ihm ein Erster Preis mit Auszeichnung verliehen wurde, sowie an der Schola Cantorum in Basel. Meisterkurse bei Rolf Lislevand, Julian Bream und anderen rundeten seine Ausbildung ab. Von September 2003 bis Januar 2005 spielte er die Rolle des Lautenisten in Shakespeares Was ihr wollt an der Comédie-Française. Seither gab Thomas Dunford Recitals in der Londoner Wigmore Hall, im Kennedy Center Washington, im Palau de la Musica in Barcelona und bei vielen renommierten Festivals. Darüber gastiert er regelmäßig bei Ensembles wie Les Arts Florissants, Collegium Vocale Gent, Le Concert Spirituel, The English Concert und vielen anderen. Neben Alter Musik ist er auch in anderen Genres wie etwa dem Jazz aktiv und arbeitet kammermusikalisch mit Künstlern wie Paul Agnew, Nicola Benedetti, Christophe Coin, Isabelle Faust, Bobby McFerrin, Patricia Petibon und Anna Prohaska zusammen. In einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker ist er heute erstmals zu erleben.

Stephan Koncz stammt aus einer österreichisch-ungarischen Musikerfamilie und begann als Achtjähriger ein Violoncellostudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in seiner Heimatstadt Wien. Im Jahr 2000 wechselte er zu Róbert Nagy ans dortige Konservatorium und belegte von 2002 an auch die Fächer Komposition und Dirigieren an der Wiener Universität. Meisterkurse bei Daniel Barenboim, Steven Isserlis, Heinrich Schiff und Tamás Varga gaben weitere wichtige Impulse. 2006 wurde Stephan Koncz Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Der Preisträger mehrerer renommierter Wettbewerbe ist als Solist und Kammermusiker beispielsweise in Wien im Musikverein und im Konzerthaus sowie in der Berliner Philharmonie aufgetreten; künstlerische Partnerschaften verbinden ihn u. a. mit Julian Rachlin, Dmitri Sitkovetsky und Maxim Vengerov. Mit Beginn der Spielzeit 2010/2011 wurde Stephan Koncz, der zuvor zwei Jahre Mitglied im Wiener Staatsopernorchester war, in die Cellogruppe der Berliner Philharmoniker aufgenommen.

Romano Tommasini wuchs als Sohn italienischer Eltern in Luxemburg und Frankreich auf. Von seinem Vater, einem Berufsmusiker, an die Geige herangeführt, absolvierte er später ein Studium am Conservatoire national supérieur de musique et de danse in Paris, das er 1985 mit zwei Ersten Preisen in den Fächern Violine und Kammermusik abschloss. Im Jahr darauf wurde er im Orchestre Philharmonique de Nancy als Erster Konzertmeister engagiert. 1989 wechselte er in die Gruppe der Zweiten Violinen der Berliner Philharmoniker. Als leidenschaftlicher Kammermusiker spielt Romano Tommasini auch in mehreren Ensembles des Orchesters wie dem Philharmonischen Streichtrio, dem Philharmonischen Streichquintett und der Philharmonischen Camerata.

Ulrich Wolff lernte zunächst Geige, später kam der Kontrabass hinzu. Der gebürtige Wuppertaler studierte bei Rainer Zepperitz an der Hochschule der Künste Berlin und war von 1976 an Mitglied des Weltjugendorchesters. 1978 kam er als damals jüngstes Mitglied zu den Berliner Philharmonikern, unterbrach seine Tätigkeit bei ihnen jedoch in den Jahren 1981 bis 1985 für die Position des Solo-Kontrabassisten in dem seinerzeit von Sergiu Celibidache geleiteten Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. In den 1990er-Jahren gehörte er dem Bayreuther Festspielorchester an; außerdem wirkte er bei zahlreichen Konzertreisen und CD-Produktionen des Consortium Classicum mit. Seine Liebe zur Alten Musik pflegte Ulrich Wolff u. a. als Mitglied von Musica Antiqua Köln. Seit 2008 spielt er Viola da Gamba und Violone im Concerto Melante sowie bei den Berliner Barock Solisten. Als Dozent an den von Claudio Abbado gegründeten Gustav-Mahler-Akademien in Potenza und Bozen, am Hyogo Performing Arts Center in Japan sowie im Rahmen zahlreicher Meisterkurse engagiert sich Ulrich Wolff für den musikalischen Nachwuchs.

Dorian Xhoxhi wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren. Von seinem sechsten bis 16. Lebensjahr unterrichtete ihn sein Vater, der ihm die technischen Grundlagen auf der Violine vermittelte. Im Jahr 2000 verließ Dorian Xhoxhi seine albanische Heimat, um die Ausbildung in Deutschland fortzusetzen – zunächst an der Hochschule für Musik und Theater in München bei Ernő Sebestyén, anschließend an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin bei Stephan Picard und Antje Weithaas. Seine Laufbahn als Orchestermusiker begann der Stipendiat der Villa Musica Mainz, der mit Ersten Preisen beim Internationalen Königin Sophie Charlotte Wettbewerb und beim Internationalen Louise Henriette Wettbewerb ausgezeichnet wurde, 2003 beim Gustav Mahler Jugendorchester. Drei Jahre später wurde er nach einem Praktikum beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin dort festes Mitglied der Zweiten Geigen. Nach einem Abstecher zum Gewandhausorchester Leipzig, wo der Musiker von 2008 bis 2010 Erster Konzertmeister der Zweiten Violinen war, wurde Dorian Xhoxhi Mitglied der Berliner Philharmoniker.

Emmanuelle Haïm (Foto: Marianne Rosenstiehl)