Emmanuelle Haïm (Foto: Marianne Rosenstiehl)

Kammermusik

Emmanuelle Haïm und Le Concert d'Astrée

Wenn Emmanuelle Haïm die Bühne betritt, überträgt sich ihre grenzenlose Begeisterung für Alte Musik sofort auf das Publikum. Kein Wunder, dass die französische Dirigentin mit »ihrem« Instrumental- und Vokalensemble Le Concert d’Astrée einen Erfolg nach dem nächsten feiert. In diesem Konzert stellen Haïm und Le Concert d’Astrée geistliche Musik der Barockzeit vor: Motteten von Jean-Philippe Rameau und Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville sowie André Campras Messe de Requiem.

Le Concert d'Astrée Chor und Orchester

Emmanuelle Haïm Dirigentin

Marie Perbost Sopran

Samuel Boden Tenor

Zachary Wilder Tenor

Victor Sicard Bariton

Jean-Philippe Rameau

Motette »In convertendo Dominus«

Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville

Motette »In exitu Israel«

André Campra

Messe de Requiem

Termine und Karten

Programm

Wenn Emmanuelle Haïm die Bühne betritt, strahlt sie eine grenzenlose Begeisterung für ihre Sache aus, was sich spontan auf das Publikum überträgt. Kein Wunder, dass die französische Dirigentin mit »ihrem« feurig-flexiblen Instrumental- und Vokalensemble Le Concert d’Astrée einen Erfolg nach dem nächsten feiert. »Ich habe Le Concert d’Astrée mit Musikern gegründet, die eine ähnliche Auffassung alter Partituren haben: Wir suchen Texttreue, aber nicht dogmatisch und immer lebendig.«

Im Kammermusiksaal erweisen Emmanuelle Haïm und Le Concert d’Astrée Jean-Philippe Rameau ihre Reverenz, dessen geistliche Motette »In convertendo Dominus« auf dem Programm steht – ein siebensätziges Werk für Soli, Chor und Orchester, in dem die dramatischen Mittel bereits an die späteren Musiktheaterwerke des französischen Barockmeisters denken lassen. Es folgt mit Jean-Joseph Cassanéa de Mondonvilles Motette »In exitu Israel« das Werk eines Komponisten, dem Frankreich laut zeitgenössischen Berichten »im Kirchengesang ebenso viel zu verdanken hat wie Monsieur Rameau im Bereich des Theaters«. Das Werk von 1753 musste in den beiden folgenden Jahrzehnten acht Mal pro Konzertsaison aufgeführt werden – wohl nicht zuletzt aufgrund seiner eindrucksvollen musikalischen Darstellung entfesselter Naturgewalten im Mittelteil.

Zum Abschluss des Abends, an dem mit Marie Perbost (Sopran), Samuel Boden (Tenor), Zachary Wilder (Tenor) und Victor Sicard (Bariton) ein renommiertes Solistenensemble vertreten ist, steht André Campras bemerkenswert besetzte Messe de Requiem auf dem Programm, in dem vier Klanggruppen vorgesehen sind: ein fünfstimmiger »Grand Chœur«, ein zwei- bis dreistimmiger »Petit Chœur«, drei Vokalsolisten sowie eine als »Symphonie« bezeichnete Instrumentalgruppe.

Über die Musik

Detailverliebte Wortspielereien

Anmerkungen zu Werken von Rameau, Mondonville und Campra

»Die Motette ist eine reich verzierte Komposition, in der alles zum Einsatz kommt, was es an Feinheiten der musikalischen Satzkunst gibt. Sie ist zu 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 und noch mehr Stimmen gesetzt, oft mit Instrumenten, immer aber zumindest von einem Basso continuo begleitet. […] Weiter gefasst versteht man heute darunter alle Arten von Vertonungen eines lateinischen Textes gleich welchen Inhalts; […] es werden sogar ganze Psalmen in Motettenform geschrieben.«

Diese Definition in Sébastien de Brossards Dictionnaire de Musique von 1703 stammt aus einer Zeit, in der die (meist doppelchörigen) Grands Motetsund die kleiner (oder sogar solistisch) besetzten Petits Motets zu den wichtigsten Gattungen der französischen Kirchenmusik gehörten. Mit den Motetten des Spätmittelalters und der Renaissance haben diese Kompositionen nicht mehr viel gemein: Es sind ausgearbeitete und ausgedehnte, oft von groß besetzten Orchestern begleitete Kantaten mit Rezitativen, Arien und Chören – manchmal sogar mit orchestralen Vor- und Zwischenspielen –, die zumal im Umfeld des französischen Hofs und der Chapelle Royale eher repräsentative als liturgische Aufgaben erfüllten. Komponisten wie Nicolas Bernier, André Campra, Marc-Antoine Charpentier, Michel-Richard Delalande, Jean Gilles, Jean-Baptiste Lully, Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville, Henry du Mont oder Pierre Robert stehen für ein Repertoire, das sich mehr und mehr von der Kirche in den Konzertsaal verlagerte und seit 1725 regelmäßig auf den Programmen des berühmten Concert spirituel erschienen, der wichtigsten Pariser Konzertgesellschaft. Entsprechend kritisch ist denn auch die Definition der Motette, die Jean-Jacques Rousseau 1768 in seinem Dictionnaire de Musique gibt:

»Die Franzosen […] sind in diesem musikalischen Genre zu detailverliebt und spielen zu sehr mit den Worten, wie es ihnen schon der Abbé [Jean-Baptiste] Dubos vorgeworfen hat. […] Lateinische Kirchenmusik darf nicht die Aufgewühltheit menschlicher Leidenschaften widerspiegeln, sondern nur die Erhabenheit dessen, an den sie sich wendet, und die seelische Gleichmut derer, die sie vortragen. Wovon auch immer der Text handeln mag, jeder darüber hinaus gehende Ausdruck im Gesang ist unangemessen. Es muss einem schon – ich würde nicht sagen: an Frömmigkeit, aber doch an gutem Geschmack mangeln, wenn man diese Musik in der Kirche dem gregorianischen Gesang vorzieht.«

Jean-Philippe Rameau: »In convertendo Dominus«

Mit seinen sechs Sätzen und einer Aufführungsdauer von rund 25 Minuten ist Rameaus »In convertendo Dominus«(Psalm 126) ein typisches Beispiel einer Grand Motet. Die Abfolge Récit et Chœur (Gravement) – Duo (Majestueux et lent) – Air (Lent) – Récit et Chœur (Gracieux, un peu gai) – Trio (Animé) und Chœur (Sans lenteur) und die Besetzung des Orchesters mit zwei Flöten, zwei Oboen, Streichern und Basso continuo bieten reichlich Gelegenheit, all jene »Feinheiten der musikalischen Satzkunst« vorzuführen, die de Brossard in seinem Dictionnaire erwähnt. Vieles von dem, was Rameau 1722 – nachdem er endgültig nach Paris übergesiedelt war – in seinem fundamentalen Traîté de l’harmonie réduite à ses principes naturels [sic!] für die damalige Zeit und künftige Generationen festgelegt hat, ist in dieser Motette bereits umgesetzt. Raffinierte, für die französische Barockmusik so charakteristische Verzierungen umranken die komplexe Polyfonie der Stimmen, die Wechsel in Tempo und Harmonik erfüllen die Psalmverse mit Leben, und den Schlusschor rühmt sein Biograf Cuthbert Gidlestone als »das Bedeutendste, was Rameau an Kirchenmusik geschaffen hat«.

Wobei zu bedenken ist, dass das kirchenmusikalische Œuvre des 1683 in Dijon geborenen Jean-Philippe Rameau überhaupt nur vier Werke umfasst – allesamt Grands Motets, die während seiner frühen Jahre an der Église Notre-Dame in Dijon (1709 – 1712) oder in Lyon (1712 – 1715) entstanden sein dürften. Als siebtes von elf Kindern eines angesehenen Organisten hatte Rameau zuvor bereits Organistenstellen in Avignon, Clermont und Paris bekleidet, und sicher sind hier auch andere Motetten entstanden, die allerdings ebenso verloren scheinen wie seine mutmaßlichen Orgelwerke.

In den Pariser Jahren hat sich Rameau kaum mehr mit Kirchenmusik beschäftigt; als Kapellmeister des Generalsteuerpächters Alexandre le Riche de la Pouplinière schrieb er vor allem weltliche Kantaten und Instrumentalwerke, bevor er 1733 – als bereits 50-Jähriger – mit Hippolyte et Aricie das erste seiner rund drei Dutzend Bühnenwerke komponierte, die vor allem seinen Ruhm begründeten. Im März und April 1751 allerdings wurde die Motette »In convertendo Dominus«noch einmal aufgeführt – im Concert spirituel. Doch der Zeitgeist und mit ihm der Geschmack des Publikums hatten sich verändert: Obwohl Rameau die Instrumentation verändert hatte, stieß der »gelehrte« Stil des Werks auf wenig Interesse. Während Le Mercure de France quasi entschuldigend darauf verwies, dass es sich um ein 40 Jahre altes Werk handele, erschien in den Nouvelles littéraires eine vernichtende Kritik: »Selbst die besten Freunde Monsieur Rameaus mussten zugeben, dass es hier weder brillante Rezitative noch majestätische Chöre gibt, weder interessante Orchestersätze noch bildkräftige Ensembles.« Nicht, dass die Grand Motet aus der Mode gekommen wäre – es war nur ein anderer Meister, dem das Publikum zujubelte: der 28 Jahre jüngere Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville. »Mondonville wurde nicht entthront, und im Vergleich zu Rameau ist die Wertschätzung, die man seinen Motetten entgegenbringt, noch verdoppelt worden.« (Nouvelles littéraires)

Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville: »In exitu Israel«

Wie Rameau, stammte auch der 1711 in Narbonne geborene Mondonville aus einer Kirchenmusiker-Familie und hatte bei seinem Vater, einem ebenfalls renommierten Organisten, das musikalische Handwerk gelernt. Als er 1733 nach Paris ging und ein Jahr später erstmals im Concert spirituel auftrat, machte sein virtuoses Violinspiel ebenso viel Eindruck wie seine Sonaten, die er gerade als Opus 1 veröffentlicht hatte. In diesen frühen Pariser Jahren entstanden auch Mondonvilles erste (von insgesamt 18) Grands Motets, und auch hier war sein Erfolg so groß, dass ihn die Direktion des Concert spirituel mit einem Jahresgehalt von 1200 Livres fest anstellte, »pour ses motets et pour jouer le violon«. 1755 übernahm er sogar – gemeinsam mit Gabriel Capperan – die Leitung der Konzertgesellschaft.

Die 1753 – zwei Jahre nach Rameaus Debakel – uraufgeführte Motette »In exitu Israel«(Psalm 113) ähnelt im Prinzip durchaus dem Motetten-Stil Rameaus, gibt sich aber deutlich weniger kontrapunktisch und gelehrt. Stattdessen findet sich hier eben jene »Aufgewühltheit menschlicher Leidenschaften«, die Rousseau so gegeißelt hat – wie überhaupt die Enzyklopädisten (wie Jean-Baptiste le Rond d’Alembert, Denis Diderot oder Voltaire) eindeutig auf Seiten Rameaus standen; Mondonvilles Musik sei dagegen »platt, trivial und gemein«, schreibt etwa der Baron Melchior von Grimm. Dem Publikum dagegen waren deren eingängige, nach italienischen Vorbildern gebauten Melodien allemal lieber als die komplexe Satztechnik Rameaus – im Concert spirituel ebenso wie in der Kirche. Tatsächlich wurden die meisten Grands Motets erst im Rahmen eines Gottesdienstes aufgeführt, bevor sie in den Konzertsaal kamen. »Hat je ein anderer Komponist die wahrhaftigen Botschaften der Heiligen Schrift majestätischer wiedergegeben als er?«, schrieb der Mercure de France 1756 über eine der Grands MotetsMondonvilles. Die Expressivität und Bildhaftigkeit seiner Musik wurde immer wieder gerühmt: »Der Pinsel Rubensʼ hat deine Harmonien geleitet«, heißt es etwa in einem Preisgedicht auf Mondonville von Alexandre Tanevot.

Wie Rameau und die meisten anderen französischen Komponisten des »Siècle des Lumières« wechselte Mondonville immer wieder zwischen den musikalischen Gattungen und kreiste dabei wie ein Satellit um den Königshof. Nach dem Erfolg seiner Motette »Venite exultemus Domino«wurde er 1740 zum sous-maître und vier Jahre später zum Intendanten der Chapelle Royale ernannt – in der Nachfolge von André Campra.

André Campra: Messe de Requiem

Auch der 1660 in Aix-en-Provence geborene André Campra war im Geist der französischen Motettenkunst groß geworden. Seine ersten Gattungsbeiträge komponierte er als 17-Jähriger für die Kathedrale Saint-Sauveur in seiner Heimatstadt, wechselte 1681 für zwei Jahre an die Kathedrale Saint-Trophime nach Arles und wiederum zwei Jahre später nach Toulouse, wo er bis 1694 als Maître de chapellean der Kathedrale Saint-Étienne wirkte. Dabei fühlte sich Campra von Anfang so sehr zum Theater hingezogen, dass er immer wieder mit den Domkapiteln seiner Kirchen aneinander geriet. Hinzukam eine fatale Neigung zum Alkohol und ein auch sonst offenbar ziemlich ausschweifender Lebenswandel, so dass seine Berufung an die Pariser Kathedrale Notre-Dame im Juni 1694 fast so etwas wie ein »Weg-Loben« war, mit dem sich das Domkapitel von Toulouse seines Kapellmeisters entledigte. In Paris erschien 1695 sein Premier livre de motets, während er eifrig Kontakte zur Académie Royale de Musique knüpfte, wo am 24. Oktober 1697 sein erstes Bühnenwerk uraufgeführt wurde: das vieraktike »opéra-ballet« L’Europe galante – wohlweislich unter einem Pseudonym. »Wüsst’ der Bischof, unser Herr, / Von wem die neue Oper wär’, / Müsste wohl André Campra / Seine Kirche verlassen – Halleluja!« Die Spottverse änderten nichts an dem triumphalen Erfolg von L’Europe galante, der Campra dazu bewog, 1700 seine Stelle an Notre-Dame aufzugeben und sich ganz dem Theater zu widmen. Erst Anfang der 1720er-Jahre kehrte er – als Nachfolger von Delalande an der Chapelle Royale – zur Kirchenmusik zurück, und viele Quellen geben an, dass auch seine große Messe de Requiem aus dieser Zeit stammt. Andererseits spricht einiges dafür, dass sie schon 1695 komponiert wurde, möglicherweise zum Tod des Pariser Erzbischofs François Harlay de Champvallon. Auffällig ist zum Beispiel die Ähnlichkeit des »Lux aeterna«mit dem »Air italien« aus L’Europe galante, aber auch die auf Charpentier und du Mont verweisende Vorliebe für drei solistische Männerstimmen (Haute-Contre, Taille und Basse-Taille), die in den 1720er-Jahren kaum mehr gepflegt wurde.

Tatsächlich gibt es über Aufführungen der Messe des Mortszu Campras Lebzeiten keinerlei Hinweise – Campra starb, 83 Jahre alt, am 29. Juni 1744 in Versailles. Angesichts der Prominenz des Komponisten und der Dimensionen des rund 50-minütigen Werks ist es schon erstaunlich, dass kein einziger Bericht überliefert ist. Mehr noch als in seinen Grands Motets ist es Campra gelungen, auf Grundlage des gregorianischen Chorals eine Balance zwischen italienischem und französischem Stil zu finden – zwischen kantabler Melodik und prosodischer Textgenauigkeit, so wie er es 1708 im Druck seiner ersten Kantatensammlung beschrieben hat: »Ich habe nach Kräften versucht, die Feinsinnigkeit der französischen mit der Lebhaftigkeit der italienischen Musik zu verknüpfen.« Dazu kommt eine Theatralik, über die Rousseau zweifellos empört gewesen wäre: Das dunkle f-Moll des Kyrie, das Streichervorspiel zum Offertoire mit seinen Dissonanzen und Tonrepetitionen, die sanft wiegende Melodie des Agnus Dei – hier wird die Kirche wahrlich zur Bühne!

Michael Stegemann

Biografie

Emmanuelle Haïm studierte Klavier bei Yvonne Lefébure, Orgel bei André Isoir sowie Cembalo bei Kenneth Gilbert und Christophe Rousset am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique. Sie avancierte schnell zu einer der führenden Continuo-Spielerinnen für das barocke Opern- und Konzert-Repertoire und arbeitete mit Sängern wie Natalie Dessay, Ian Bostridge, Philippe Jaroussky und anderen als Begleiterin bei deren Solo-Auftritten. Nachdem sie als Assistentin mit Dirigenten wie William Christie, Marc Minkowski und Sir Simon Rattle zusammengearbeitet hatte, gründete Emmanuelle Haïm im Jahr 2000 das Barockensemble Le Concert d’Astrée, mit dem sie bereits zweimal in der Reihe Originalklang im Kammermusiksaal gastierte (November 2008 sowie März 2016). Als Dirigentin brachte Emmanuelle Haïm mehrere Opern des 17. und 18. Jahrhunderts mit der Glyndebourne Touring Opera und beim Glyndebourne Festival zur Aufführung. Darüber hinaus gastiert sie regelmäßig u. a. beim City of Birmingham Symphony Orchestra, beim Scottish Chamber Orchestra, beim hr-Sinfonieorchester Frankfurt und beim Los Angeles Philharmonic; 2018 gab sie ihr Debüt beim Leipziger Gewandhaus und beim New York Philharmonic. In einer Neuproduktion von Rameaus Hippolyte et Aricie dirigierte sie im Mai 2019 erstmals am Opernhaus Zürich. Am Pult der Berliner Philharmoniker stand Emmanuelle Haïm erstmals im März 2008 mit Händels Cäcilien-Ode HWV 76; zuletzt dirigierte sie das Orchester im Oktober 2019 in drei Konzerten mit Werken von Henry Purcell und Georg Friedrich Händel. Kurz darauf gestaltete sie auch einen Kammermusikabend mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker. Die Künstlerin ist Ehrenmitglied der britischen Royal Academy of Music; in Frankreich wurden ihr die Orden »Officier des Arts et des Lettres« und »Chevalier de la Légion d’honneur« verliehen.

Die französische Sopranistin Marie Perbost wurde schon früh von ihrer Mutter, einer Sängerin, gefördert. Sie studierte am Conservatoire national supérieur de Paris und wurde mehrfach bei Wettbewerben und mit Stipendien ausgezeichnet. 2015 gewann sie mit ihrer Klavierpartnerin Joséphine Ambroselli den Grand Prix beim Internationalen Nadia-und-Lili Boulanger-Wettbewerb für Gesang-Klavier-Duos und im folgenden Jahr erreichte sie das Finale beim Concours de Genève. In der Saison 2017/2018 war sie Mitglied der Opernakademie der Pariser Opéra. Marie Perbost war u. a. als Blanche in Poulencs Dialogues des carmélites, Despina (Così fan tutte) und Elisetta in Cimarosas Il matrimonio segreto auf der Bühne zu erleben. 2018 sang sie die Pamina in der Zauberflöte als Teilnehmerin des Young Singers Project der Salzburger Festspiele sowie in Tours. In Konzerten hat Marie Perbost bereits mit namhaften Dirigenten zusammengearbeitet: sie sang unter Emmanuelle Haïm in einem Konzert im Pariser Invalidendom, unter Lionel Sow Brahms’ Neue Liebesliederwalzer in der Philharmonie de Paris und unter Philippe Pierlot in Bachs Johannespassion in Notre Dame. Einladungen führten sie zu diversen Festivals in Frankreich, wie La Folle Journée in Nantes, Festival de musique sacrée et baroque in Froville, Festival du Périgord Noir, Vézère und zum Festival Pablo Casals. Marie Perbost ist außerdem Gründungsmitglied des zeitgenössischen Musiktheaterkollektivs Ensemble 101.

Der Brite Samuel Boden erhielt als Kind Cellounterricht und sang im Knabenchor; später absolvierte er eine Ausbildung zum Konditor, bevor er Gesang am Trinity Laban Conservatoire in London bei John Wakefield studierte. Boden gewann mehrere Preise, darunter den Ricordi Opera Prize. 2011 debütierte er an der English National Opera als Afinomo (Monteverdis Odysseus). 2012 und 2013 gastierte er mit kleineren Rollen in Glyndebourne (in Purcells The Fairy Queen und Rameaus Hippolyte et Aricie), bevor er 2014 mit der Titelrolle in Cavallis L’Ormindo in einer Royal-Opera-House-Produktion im Globe Theatre debütierte. Seither gastierte er u. a. mit Purcells Indian Queen in Metz, als Charpentiers Actéon unter Emmanuelle Haïm in Dijon und Lille sowie als Abaris in Les Boréades unter Marc Minkowski in Aix-en-Provence. Im Bereich der Alten Musik hat Samuel Boden mit renommierten Ensembles wie dem Gabrieli Consort, Collegium Vocale Gent, The Sixteen, dem Monteverdi Choir und dem Orchestra of the Age of Enlightenment zusammengearbeitet. Bei Liederabenden reicht sein Repertoire von Elisabethanischen Lautenliedern bis zu Bernsteins West Side Story. Darüber hinaus gastierte er in Konzerten bei Orchestern wie dem BBC Symphony Orchestra, dem Hallé Orchestra, der Royal Northern Sinfonia, dem Bilbao Symphony Orchestra und dem Rundfunksinfonieorchester Frankfurt.

Zachary Wilder stammt aus Los Angeles und studierte an der Eastman School of Music in Rochester sowie an der Universität in Houston. 2008 war er Stipendiat in Tanglewood, 2010 Nachwuchssänger an der Oper in Saint Louis. Schwerpunkte seines Repertoires bildet die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Der Tenor gastierte 2011 erstmals beim Festival d’Aix-en-Provence als Coridon in Händels Acis und Galatea. 2013 wurde er als Stipendiat in William Christies Akademie Le Jardin des Voix aufgenommen; seither ist er auch mit Christies Ensemble Les Arts Florissants in ganz Europa und den USA aufgetreten. Weitere Konzerte führten ihn mit Les Talens Lyriques, dem Collegium Vocale Gent, Le Concert Spirituel, dem Bach Collegium Japan und dem Ensemble Pygmalion zusammen. Darüber hinaus gastierte er z. B. beim San Francisco Symphony Orchestra in Händels Messias, beim Orchestre de Chambre de Paris in Haydns Sieben letzten Wortesowie mehrfach beim Boston Early Music Festival. Im Rahmen von John Eliot Gardiners Monteverdi-Tour zu dessen 450. Geburtstag tourte Zachary Wilder 2017 mit den English Baroque Soloists und dem Monteverdi Choir mehrere Monate lang durch Europa und war dabei auch beim Berliner Musikfest zu Gast.

Victor Sicard wurde 1987 in La Rochelle geboren und studierte an der Guildhall School of Music in London. Der Bariton gewann mehrere Preise und Wettbewerbe und war Finalist beim Kathleen Ferrier Award 2011. Mithilfe eines Stipendiums setzte er seine Ausbildung 2012/2013 am Opernstudio des Royal Opera Houses fort. 2013 war er außerdem Stipendiat bei Le Jardin des Voix und gastierte mit Les Arts Florissants auf Tournee in Frankreich sowie in Brüssel, Madrid, Amsterdam und Helsinki. Inzwischen arbeitet Sicard regelmäßig mit Ensembles wie Le Concert d’Astrée (Emmanuelle Haïm), Le Concert Spirituel (Hervé Niquet) und anderen zusammen. Auf der Opernbühne sang er in Werken von Rameau, Charpentier, Händel und Mozart (Don Giovanni) bis hin zu Puccini, Britten und Turnage und gastierte dabei u. a. in Washington, Lille, Dijon, Linz und beim Glyndebourne Festival. Auch als Konzertsänger in Oratorien und Messen tritt der Bariton regelmäßig auf. Mit seiner Klavierpartnerin Anna Cardona gibt er zudem Liederabende in Europa und Kanada; so war er u. a. 2015 beim Oxford Lieder Festival zu Gast.

Le Concert d’Astrée wurde im Jahr 2000 von Emmanuelle Haïm gegründet und konnte sich mit seinem vorwiegend aus Werken der Barockzeit bestehenden Repertoire umgehend im internationalen Musikleben etablieren. Bereits 2003 wurde es mit dem Victoire de la Musique Classique als beste Barockformation des Jahres ausgezeichnet. Anlässlich der Produktion von Rameaus Les Boréades in Lille wurde 2005 auch der Chor von Le Concert d’Astrée gegründet. Das Gesangs- und Instrumentalensemble konzertierte u. a. im Barbican Center London, im Concertgebouw Amsterdam, im Lincoln Center New York, im Wiener Konzerthaus und bei den Salzburger Festspielen. Le Concert d’Astrée ist seit 2004 Residenzorchester an der Opéra de Lille und war dort mit Händels Tamerlano, Giulio Cesare, Orlando,Agrippina und Alcina sowie mit zahlreichen weiteren Werken von Monteverdi bis Mozart zu erleben (Orfeo, L’incoronazione di Poppea,Thésée, Dardanus, Castor et Pollux, Hippolyte et Aricie, The Fairy Queen,Le nozze di Figaro, La finta giardiniera, Idomeneo u. a.). Zudem trat Le Concert d’Astrée auch an der Opéra Garnier und am Théâtre des Champs-Élysées in Paris, beim Festival d’Aix-en-Provence sowie an der Oper in Dijon auf. Hierbei arbeitete die Formation mit Regisseuren wie David McVicar, Robert Wilson, Jean-François Sivadier, Barrie Kosky und Ivan Alexandre zusammen. In Kammerkonzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gastierte Le Concert d’Astrée erstmals im November 2008; zuletzt war das Ensemble hier gemeinsam mit Anne Sofie von Otter und Laurent Naouri im März 2016 mit dem Programm »Monster und Zauberer« zu Gast.

Emmanuelle Haïm (Foto: Marianne Rosenstiehl)

Le Concert d'Astree (Foto: Promo)