Adam Fischer (Foto: Attila Nagy)

Werke von Mozart und Haydn mit Adam Fischer und Julia Lezhneva

Er hat einen gefeierten Ring in Bayreuth dirigiert, ist Gast bei den großen Symphonieorchestern und Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper – und dennoch: Adam Fischer gilt bis heute als Geheimtipp. Das Publikum der Berliner Philharmoniker kann ihn jetzt in Symphonien von Komponisten erleben, die ihm besonders am Herzen liegen: Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Als Solistin in einer Mozart-Arie und einer Haydn-Kantate ist zudem die hochvirtuose Sopranistin Julia Lezhneva zu Gast.

Berliner Philharmoniker

Adam Fischer Dirigent und Klavier

Julia Lezhneva Sopran

Wolfgang Amadeus Mozart

Symphonie Nr. 36 C-Dur KV 425 »Linzer«

Joseph Haydn

»Berenice, che fai«, Kantate für Sopran und Orchester Hob. XXIVa Nr. 10

Julia Lezhneva Sopran

Wolfgang Amadeus Mozart

»Chʼio mi scordi di te«, Rezitativ und Arie für Sopran, obligates Klavier und Orchester KV 505

Julia Lezhneva Sopran

Joseph Haydn

Symphonie Nr. 104 D-Dur

Termine und Karten

Do, 03. Okt 2019, 20:00 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:15 Uhr

Aboserie H

Fr, 04. Okt 2019, 20:00 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:15 Uhr

Aboserie I

Programm

Im Februar 2018 gab Adam Fischer sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern – und wurde vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus gefeiert, von der Presse in den höchsten Tönen gelobt: Fischers Interpretation von Antonín Dvořáks Symphonie Aus der Neuen Welt konnte sich »kaum jemand entziehen«, befand seinerzeit etwa Der Tagesspiegel, dirigierte er dieses legendäre Werk doch »mit vollem Körpereinsatz [und] exakter musikalischer Vorstellungskraft«.Nun kehrt Fischer, dessen jüngerer Bruder Iván zwischen 2012 und 2018 als Chefdirigent des Konzerthausorchesters eine führende Rolle im Berliner Musikleben spielte, an das Dirigentenpult der Berliner Philharmoniker zurück – mit einem Programm, das ganz der Musik zweier Komponisten gewidmet ist, die ihm schon immer besonders am Herzen lagen: Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart.

1987 gründete Fischer die Haydn-Philharmonie, deren Besetzung mit österreichischen und ungarischen Musikern zwei Jahre vor der Zeitenwende des Jahres 1989 ein politisches Signal setzte und die mit der vielfach prämierten Einspielung sämtlicher Symphonien ihres Namensgebers einen ersten künstlerischen Höhepunkt fand. Mit der Musik Mozarts kam Fischer erstmals in Berührung, als er in jungen Jahren an der Ungarischen Staatsoper in Budapest die Rolle eines der drei Knaben in der Zauberflöte sang. Viele Jahre später war die 2013 erschienene Einspielung sämtlicher Symphonien von Mozart mit dem Dänischen Kammerorchester ein Langzeitprojekt des weltweit agierenden Dirigenten.

Die Eckpunkte des Programms, das Fischer für diese Konzerte der Berliner Philharmoniker zusammengestellt hat, bilden Mozarts 1783 entstandene, nach dem Ort ihrer Uraufführung Linzer genannte Symphonie C-Dur KV 425 und Haydns zwölf Jahre später in London erstmals aufgeführte Symphonie Nr. 104 in D-Dur, mit der der Komponist einen gewitzten Schlussstrich unter sein symphonisches Schaffen zog.

Im Zentrum des Abends stehen zwei Vokalkompositionen: die Konzertarie für Sopran, obligates Klavier (gespielt von Adam Fischer) und Orchester KV 505, die Mozart 1786 in Wien für die englische Sopranistin Nancy Storace komponierte, sowie die dramatische Szene nebst Arie »Berenice, che fai«, mit der Haydn 1795 der Kunst einer in London gefeierten italienischen Primadonna ein musikalisches Denkmal setzte. Als Solistin in diesen beiden ebenso ausdrucksstarken wie halsbrecherischen Vokalkompositionen ist die junge russische Sopranistin Julia Lezhneva zu erleben, die in diesen Konzerten ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern gibt.

Über die Musik

Der eine und der andere Klassiker

Szenen und Symphonien von Mozart und Haydn

Alfred Cortot, ein tiefgründiger französischer Pianist, schrieb einmal über Claude Debussy und Maurice Ravel: »Da, wo Debussy andeutet, klärt Ravel auf und präzisiert. Was bei dem einen den Eindruck ständig neuer Entdeckungen erweckt, mit all den Überraschungen und dem Staunen, die dazugehören, das stellt sich bei dem anderen als bereits erobertes und geordnetes Gebiet dar. Einerseits ein Genie der Sensibilität, andererseits eines der Intelligenz.« Wir müssten bloß die Namen austauschen, Mozart statt Debussy, Haydn statt Ravel – und würden gewiss viel Beifall einheimsen. Mozart, das Genie der Sensibilität; Haydn, das Genie der Intelligenz: klug gedacht, gut gesagt, da möchte man prompt zustimmen. Typus und Antitypus: das Wunderkind aus Salzburg, der Handwerkersohn aus Rohrau, der vielgereiste Virtuose, der im Fürstendienst isolierte Selfmademan, der Götterliebling, der Kapellmeister, der freie Künstler, der Untertan – wann berühren sich die Parallelen?

Wolfgang Amadeus Mozart: »der größte Componist«

Als Joseph Haydn Anfang 1785 in Wien sechs neue Streichquartette kennenlernte, die ihm Mozart widmen wollte, brachte er sein höchstes Lob exakt auf den Begriff: »ich sage ihnen vor gott, als ein ehrlicher Mann«, versicherte er dem Vater Leopold Mozart, der diesen Ausspruch in einem Brief festhielt, »ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und den Nahmen nach kenne: er hat geschmack, und über das die größte Compositionswissenschaft.« Aus Mozarts Kompositionen spricht, prinzipiell nicht anders als bei Joseph Haydn, der Geist eines wissenschaftlich illuminierten Zeitalters: Studium, Experiment und Selbstkontrolle, Versuch und Ergebnis. Diese nüchterne und zugleich erhellende Einsicht in den Schaffensprozess eines verklärten Klassikers scheint sich nicht von selbst zu verstehen. Der unbestimmte Gedanke an ein »Wunder« verführt offenbar zu der trügerischen Ansicht, diesem Komponisten sei die Musik gewissermaßen umweglos vom Himmel in den Schoß gefallen. Mozart selbst hingegen vertrat offenbar ganz andere Ideen, seine Äußerungen verraten ein rationales und betont fachliches Kunstverständnis. Nach einem Besuch beim kurpfälzischen Gesandten in Paris meldete er dem Vater: »da waren wir vormittag und nachmittag bis 10 uhr abends immer beym clavier; allerley Musique durchgemacht – belobet, bewundert, Recensirt, raisonirt und criticirt.« Wenige Wochen später, am 31. Juli 1778, schreibt Mozart, abermals in einem Brief an den Vater: »sie wissen daß ich so zu sagen in der Musique stecke – daß ich den ganzen Tag damit umgehe – daß ich gern speculire – studiere – überlege.«

Der idealtypische Gegensatz jedenfalls – Haydn, das Genie der Intelligenz, Mozart, das Genie der Sensibilität – will sich nicht recht einstellen. Beide Komponisten liebten den Diskurs, in der Musik und über die Musik. Als historisches Kontrastpaar taugen Mozart und Haydn offenbar nicht. Doch ebenso wenig als Dioskuren und Zwillingssterne. Wie gut sie sich kannten oder gar verstanden, wie oft sie sich trafen, miteinander sprachen und musizierten, wissen wir in Wahrheit gar nicht. Die raren Zeugnisse der wechselseitigen Hochachtung und Sympathie, die sie allem Anschein nach füreinander empfanden, kranken fast ausnahmslos an einem bedenklichen Authentizitätsmangel. Zu der frühesten nachweisbaren Begegnung zwischen Mozart und Haydn kam es am 15. Januar 1785 in Wien, als Mozart den illustren Kollegen zu einer privaten Aufführung der besagten sechs Streichquartette einlud, die er ihm später zueignete. Aber bald danach schon verliert sich die Spur wieder im Sand der Legenden und Anekdoten, der biografischen Nachrichten aus bestenfalls zweiter Hand. Die künstlerischen Einflüsse in der einen wie der anderen Richtung lassen sich zugleich leichter und schwerer benennen. Nur von Fall zu Fall, von Werk zu Werk kann geprüft, vielleicht sogar entschieden werden, wer hier von wem profitierte.

Mit Pauken und Trompeten

Die Linzer Symphonie, die C-Dur-Symphonie KV 425, entstand binnen weniger Tage, in unvorstellbar kürzester Zeit, nachdem Mozart am 30. Oktober 1783 auf der Reise von Salzburg nach Wien in Linz eingetroffen war. Da spätere Generationen die große Kunst mit jahrelangen Mühen, dem endlosen Ringen um die Form und mehrfach verschobenen Uraufführungen identifizierten, sorgte die Linzer für Kopfschütteln – für ungläubige Verwunderung, zuweilen auch für Stirnrunzeln über diese scheinbar aus dem Hut gezauberte Komposition. Doch sagt die Entstehungsfrist, so oder so, rein gar nichts aus über den Wert einer Schöpfung. Auch die Welt, in der wir leben, wurde bekanntlich in nur sechs Tagen geschaffen. Schon am siebten herrschte Ruhe.

Die Linzer ist die allererste der Symphonien aus Mozarts Feder, deren Kopfsatz eine langsame Einleitung vorangeht. Er konnte sich – nicht nur in diesem Fall – an dem Beispiel Joseph Haydns orientieren, etwa an dessen vor 1783 entstandenen Symphonien Nr. 57, Nr. 73 und Nr. 75. Die Adagio-Introduktion zum ersten Satz der C-Dur-Symphonie kann mit ihren zeremoniellen Eröffnungstakten, mit der enormen Erwartungsspannung, die sie aufbaut und die auf den Beginn des Hauptsatzes zielt, mit dem überraschenden Forteschlag des Orchestertutti, der den Vorspann wie mit einem Ausrufezeichen beendet, geradezu als ein Muster ihrer Art beurteilt werden: Drama und Vorspiel in einem. Mozart war mit der Einleitung zum Kopfsatz dem Vorbild Haydns gefolgt. Umgekehrt war es nun Mozart, der zuerst die Einführung von Trompeten und Pauken in einen langsamen Satz, das Andante der C-Dur-Symphonie KV 425, wagte – eine besetzungstechnische Neuerung, die Haydn erst 1787 übernahm, als er diese Instrumente, die den zeitgenössischen Hörer nur in festlichen Ecksätzen und höfischen Menuetten am Platze schienen, im Largo seiner G-Dur-Symphonie Hob. I:88 vorschrieb. Für ein Konzertpublikum des 21. Jahrhunderts besitzt die Verwendung von Trompeten und Pauken in einem Andante oder einem »Largo« wahrlich nichts Aufsehenerregendes. Die Maßstäbe haben sich seit den Tagen Mozarts und Haydns radikal verschoben, ja die zurückliegenden Jahrhunderte scheinen das Reizpotenzial der Orchestereffekte bis zum Gehtnichtmehr ausgeschöpft zu haben: eine Bereicherung, die paradoxerweise einer Verarmung gleichkommt.

»für Mad:selle storace und mich«

Als eine Art Doppelkonzert für Sopran, Klavier und Orchester schuf Mozart Ende 1786 in Wien das Rezitativ und Rondo »Ch’io mi scordi di te?« – »Non temer, amato bene« KV 505, die Neuvertonung einer Szene aus der Wiener Fassung seines Idomeneo. Er schrieb diese Konzertarie für seine erste Susanna im Figaro, die 21-jährige Engländerin Nancy Storace, für sie und sich. In seinem »Verzeichnüß aller meiner Werke« notierte er ausdrücklich den Bestimmungszweck der Komposition oder, weniger prosaisch gesprochen, die persönliche Zueignung (und Zuneigung?), die er mit diesem Abschiedsgeschenk verband: »für Mad:selle storace und mich«. Bevor die Sopranistin im Februar 1787 Wien verließ und nach England zurückkehrte, trat sie ein letztes Mal in einer umjubelten Akademie auf, sang die ihr zugedachte Arie, ein wahres »Herzstück«, ernst, empfindsam, leidenschaftlich – und Mozart selbst begleitete sie am Klavier in tief vertrauter musikalischer Zwiesprache: »Dass ich dich vergessen könnte? – Fürchte dich nicht, geliebtes Wesen.«

Joseph Haydn: »Der Shakespeare der Musik«

Einige Monate zuvor sollte Joseph Haydn entführt werden. Eine englische Tageszeitung rief die Öffentlichkeit zu diesem waghalsigen, aber notwendigen Vorhaben auf. »Haydns Geschick muss jedes freisinnige Gemüt zutiefst erschüttern. Dieser unvergleichliche Mann, der Shakespeare der Musik, der Triumph des Zeitalters, in dem wir leben, ist dazu verdammt, seine Tage am Hofe eines elenden deutschen Fürsten zu fristen, der ihm alles schuldig bleibt, Lohn und Ehre«, beklagte das Blatt. Haydn müsse sich mit einer Unterkunft begnügen, die kaum besser sei als ein Kerker, er werde von den Launen eines provinziellen Herrschers gedemütigt und obendrein von seinem zänkischen Eheweib tyrannisiert. »Wäre es da nicht eine hochherzige Unternehmung, gleich einer Pilgerfahrt«, fragte die Zeitung ihre Leser, »wenn ein aufstrebender Jüngling sich anschickte, Haydn von seinem Joch zu befreien und ihn nach Großbritannien zu verbringen, in das Land, für das seine Musik einzig geschaffen scheint?« Mit der Wahrheit nahm es die sensationslüsterne britische Presse freilich schon damals nicht allzu genau, denn Haydn erhielt in Diensten des ungarischen Magnatengeschlechts der Esterházy ein Spitzengehalt, und der regierende Fürst Nikolaus Joseph, genannt »der Prachtliebende«, wusste den Ausnahmerang seines Kapellmeisters unbedingt zu schätzen. Da der kunstsinnige Aristokrat jedoch eine recht einseitige Vorliebe für seine abgeschiedene Residenz am Neusiedler See hegte, das ungarische Schloss Eszterháza, spielte sich zwangsläufig auch Haydns Leben fern der Metropolen ab, ohne direkte Verbindung zur internationalen Musikszene. Andererseits kam ihm das ruhige und gleichmäßige Dasein eines privilegierten Kapellmeisters durchaus entgegen. Die alltägliche, gründliche Probenarbeit mit der Hofkapelle erlaubte es Haydn, seine symphonischen Experimente unbehelligt voranzutreiben, frei von den Zwängen des Marktes und der Mode, zu spekulieren, zu studieren und zu überlegen.

Schließlich aber wurde Haydn doch nach England entführt, im schönsten Einvernehmen, ohne Gewalt und Intrige. Der geschäftstüchtige deutsche Geiger Johann Peter Salomon, der in London eine eigene Konzertreihe veranstaltete, wollte im Wettstreit um die Gunst des Publikums mit einem veritablen Star vom Kontinent auftrumpfen. Und dank einer entschlossenen Überrumpelungstaktik gelang es ihm tatsächlich, den lange erwarteten Joseph Haydn für ein exklusives Gastspiel in der britischen Hauptstadt zu gewinnen. Zwar stand Haydn nach wie vor bei den Esterházys unter Vertrag, aber sein prachtliebender Fürst war im Herbst 1790 gestorben, und der amusische Amtsnachfolger hatte einstweilen keine Verwendung für seinen prominenten Kapellmeister. Und so fuhr Haydn im – nach damaligen Begriffen – hohen Alter von 58 Jahren weit über Land und Meer bis ins ferne London, um hier endlich, nach einem Vierteljahrhundert in der »traurigen Einsamkeit« von Eszterháza, den Ruhm eines gefeierten Künstlers genießen zu können. Die Crème der Gesellschaft huldigte dem Shakespeare der Musik, »the world of taste and fashion« tummelte sich in seinen Konzerten, selbst der englische Thronfolger, der brillantengeschmückte und hochverschuldete Prince of Wales, buhlte um die Freundschaft des großen, um nicht zu sagen größten Komponisten.

Dr. Haydn’s Night

Am 4. Mai 1795, als Haydn zum zweiten Mal nach London gekommen war, veranstaltete er im King’s Theatre das wohl spektakulärste Konzert seines Lebens: »Dr. Haydn’s Night«. Und er brachte mit einem klanggewaltig besetzten Orchester seine neueste – und letzte – Symphonie zur Uraufführung, die Symphonie in D-Dur Hob. I:104, »The 12:th which I have composed in England«, wie Haydn nicht ohne Sinn für die Zahlensymbolik und den historischen Augenblick auf der Titelseite des Autografs vermerkte. Diese monumentale Komposition entsprach vollkommen, vom ersten Takt an, mit der antikisierend strengen Adagio-Introduktion, dem Vorstellungskreis von Erhabenheit und Majestät, den die englischen Zeitgenossen mit Haydns Musik verbanden (in auffallendem Gegensatz zur verharmlosenden Papa-Haydn-Legende des 19. Jahrhunderts). Das Staunen über ein Werk wie Haydns D-Dur-Symphonie werden wir wohl nie verlernen. Ihre furiose Virtuosität, der lichte Geist und hohe Kunstverstand, der aus dieser Musik spricht, »Geschmack und Compositionswissenschaft«, die ansteckende Freude am charakteristischen Klang der Instrumente, das elementare musikantische Temperament, das dem gepriesenen Meister nie abhandenkam – wenn er im Finale ein volksliedhaftes Thema über den statischen Borduntönen im Bass anstimmt und unweigerlich Assoziationen an ländliche Musizierpraxis, an Dudelsack und Drehleier wachruft: alles fesselt und verblüfft selbst nach weit über 200 Jahren des musikalischen Fortschritts.

Den Schluss- und Höhepunkt in »Dr. Haydn’s Night« markierte die hochdramatische und effektvolle Scena di Berenice Hob. XXIVa:10, deren Text einem Libretto von Pietro Metastasio »entliehen« ist: der Dichtung zu der 1743 von Johann Adolf Hasse vertonten Opera seria Antigono. Haydn komponierte die Scena als Bravourstück für die italienische Primadonna Brigida Banti, die seinerzeit am King’s Theatre sensationelle Erfolge feiern konnte. Joseph Haydns Scena di Berenice zählt zu den größten Meisterwerken dieses Komponisten, und man weiß kaum, was man mehr bewundern soll: die theatralische Wucht dieser aufregenden Musik, die harmonische Spannung, den Aufruhr der Gefühle, die melodische Stärke oder die subtile Instrumentationskunst. Aber Haydns Schöpferkraft war damit noch längst an ihr Ziel gelangt. Die letzten Streichquartette, die letzten Klaviertrios, die großen Oratorien und Messen lagen noch vor ihm: die späten, musikalisch reichen Jahre eines unvergleichlichen Genies der Sensibilität wie der Intelligenz.

Wolfgang Stähr

Biografie

Adam Fischer studierte in seiner Geburtsstadt Budapest und setzte seine Ausbildung an der Wiener Musikhochschule in der Meisterklasse von Hans Swarowsky fort. 1978 gelang ihm mit dem Dirigat des Fidelio an der Bayerischen Staatsoper der internationale Durchbruch. Gastdirigate führten ihn weltweit zu bedeutenden Orchestern sowie an renommierte Opernhäuser. Am engsten verbunden ist er der Wiener Staatsoper, die ihn 2017 zum Ehrendirigenten ernannte: Hier feierte er 1980 mit Otello sein Debüt und dirigierte seither 26 verschiedene Werke. 1987 – noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs – gründete Adam Fischer mit Musikern beider Länder die Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie, mit der er in seiner langen Zeit als Chefdirigent neue Maßstäbe der Haydn-Interpretation setzte und alle 104 Symphonien einspielte. Auch die Haydn-Tage in Eisenstadt und die Wagner-Tage in Budapest gehen auf seine Initiativen zurück. Adam Fischer war Generalmusikdirektor in Freiburg (1981 – 1983), Kassel (1987 – 1992) und Mannheim (2000 – 2005), bis er von 2007 bis 2010 als künstlerischer Leiter der Budapester Oper in seine Heimatstadt zurückkehrte. Dem Danish Chamber Orchestra in Kopenhagen ist Adam Fischer seit 1998 als Chefdirigent verbunden, seit 2015 leitet er in gleicher Position auch die Düsseldorfer Symphoniker. Am Pult der Berliner Philharmoniker war der Träger des von der Dänischen Königin verliehenen Order of Dannebrog erstmals im Februar 2018 zu erleben, als er mit Werken von Anton Webern, Alban Berg und Antonín Dvořák kurzfristig für den erkrankten Bernard Haitink einsprang.

Die junge russische Sopranistin Julia Lezhneva wurde 1989 als Tochter zweier Geophysiker auf der Insel Sachalin geboren und erhielt im Alter von fünf Jahren ersten Klavier- und Gesangsunterricht. Sie besuchte die Gretchaninov-Musikschule und setzte anschließend ihre Gesangs- und Klavierstudien am Moskauer Konservatorium fort. Mit 17 Jahren gewann sie den Elena-Obraztsova-Wettbewerb in St. Petersburg; im Jahr darauf sang sie bei der Eröffnung des Rossini-Opernfestivals in Pesaro. 2009 erhielt sie den ersten Preis des Pariser Opernwettbewerbs. Für ihr Debüt an der Monnaie in Brüssel wurde sie von der Opernwelt als »Nachwuchskünstlerin des Jahres 2011« ausgezeichnet. Bei den Salzburger Festspielen war sie in drei Spielzeiten als Asteria in Händels Tamerlano zu erleben. Neben weiteren Rollen von Händel umfasst ihr Repertoire auch Partien von Rossini, Porpora und Vivaldi. Im Bereich der Alten Musik konzertierte Julia Lezhneva darüber hinaus mit Ensembles wie La Voce Strumentale, Concerto Köln, Il Giardino Armonico, MusicaAeterna, Venice Baroque Orchestra und dem Kammerorchester Basel. Weitere Gastengagements führten Julia Lezhneva bisher zu Orchestern wie dem Gewandhausorchester Leipzig, den Münchner Philharmonikern, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Mariinsky Orchester St. Petersburg, zum Orquesta Nacional de España und zur Seattle Symphony. Bei den Berliner Philharmonikern gibt die Sopranistin in diesen Konzerten ihr Debüt.

Adam Fischer (Foto: Attila Nagy)

Julia Lezhneva (Foto: Emil Matveev)

Für alle bis 28 Jahre

Für 18 Euro zum Konzert am 4. Oktober. Bitte beachten Sie, dass Sie sich beim Einlass ausweisen müssen.

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