Teodor Currentzis (Foto: Nadja Rosenberg)

Kammermusik

Poesie hinter Gefängnismauern

Eigentlich stehen Teodor Currentzis und sein Orchester musicAeterna of Perm Opera für die kongeniale Aufführung Alter Musik. Doch an diesem Abend präsentieren sie ein zeitgenössisches Werk. Mit gutem Grund. In Tristia für Chor und Ensemble hat der Komponist Philippe Hersant auf verstörende und gleichzeitig sehr berührende Weise Gedichte von französischen und russischen Strafgefangenen vertont. »Es geht um die Gefängnismonotonie, um Poesie und starke Worte«, so der Komponist.

musicAeterna chorus of Perm Opera

musicAeterna orchestra of Perm Opera

Teodor Currentzis Dirigent

Philippe Hersant

Tristia für gemischten Chor und Ensemble

Mit freundlicher Unterstützung der Aventis Foundation

Termine und Karten

Do, 25. Okt 2018, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie V

Programm

Philippe Hersants Tristia für Chor und Ensemble, das Teodor Currentzis und sein Ensemble musicAeterna of Perm Opera in Berlin vorstellen, basiert auf Gedichten von französischen und russischen Strafgefangenen: »Es geht um die Gefängnismonotonie, um Poesie und starke Worte«, so der einstige Schüler von André Jolivet, der sich an den Exponenten der klassischen Moderne orientiert. »Musikalisch habe ich in verschiedenen Stilen komponiert; bei den Russen habe ich mich an der Volksmusik orientiert.«

Das ergreifende Werk wurde von Anne-Marie Sallé inspiriert, die 2004 das Festival Ombres et Lumières in der Abtei von Clairvaux in Nordfrankreich ins Leben rief, die als Gefängnis genutzt wurde. »Seit 40 Jahren«, so Hersant, »werden die Häftlinge nicht mehr in dieser Abtei verwahrt, sondern in einem modernen Gefängnis nebenan. Anne-Marie Sallé hatte bald das Gefühl, dass es keinen Sinn hatte, hier Konzerte zu veranstalten, während sie die Gefängniswelt in unmittelbarer Nähe ignorierte. Also beschloss sie, im Gefängnis Schreibworkshops durchzuführen, und sie bat Komponisten (Thierry Machuel und mich), Chorstücke über die Gedichte der Gefangenen zu schreiben.«

Als Teodor Currentzis Hersants erstes dieser Stücke, Instants limites, hörte, bat er ihn, »diese Arbeit auf 75 Minuten auszudehnen« (Hersant): »So wurde Tristia geboren.« Die Premiere des Werks erfolgte in Perm – einer Stadt, in der es jahrzehntelang ein Lager des Gulag gab. Über die Zusammenarbeit mit Currentzis sagte Hersant: »Teodor ist ein Genie. Er versteht sofort alles. Das habe ich noch nie erlebt.«

Über die Musik

»Hab verirrt mich am Himmel«

Zu Philippe Hersants Tristia

Gegründet als Ort der mystischen Kontemplation, weitergeführt als ehernes Staatsgefängnis – die Zellen der Zisterzienser-Abtei von Clairvaux haben in ihren 900 Jahren Geschichte freiwillige und unfreiwillige Weltabgeschiedenheit gesehen. Nach der Aufhebung infolge der französischen Revolution verwandelte sich die Abtei 1808 in einen der grausamsten Massenkerker Europas. Erst in den 1960er-Jahren wurde die Haftanstalt in ein Nachbargebäude verlegt. Zwischen diesen Polen, zwischen Meditation und Trostlosigkeit, bewegt sich Philippe Hersants Chorwerk Tristia. Der französische Komponist fängt die ambivalente Atmosphäre dieses Ortes hellhörig ein – mit gleichermaßen bedrückender wie bewegender Authentizität.

2004 startete in Clairvaux das Festival Ombres et Lumières (Schatten und Licht), dessen Leiterin die wechselvolle Historie der Abtei thematisierte. Sie gründete Schreibworkshops für die Gefangenen, ließ deren Texte in Musik und Szene setzen. 2012 vertonte Philippe Hersant für das Festival 13 Häftlingsgedichte, die unter dem Titel Instants limités auf CD eingespielt wurden. Der Komponist berichtet: »Teodor Currentzis hat sie gehört und mich gebeten, diese Arbeit auf ein Werk von 75 Minuten auszudehnen. So wurde Tristia geboren.«

Der 1948 geborene Philippe Hersant studierte in Paris bei André Jolivet, wurde gefördert von Henri Dutilleux und hatte Stipendien in Madrid sowie in seiner Geburtsstadt Rom. Eine Tätigkeit als Produzent beim Radiosender France Musique flankierte er bald mit eigenen Stücken, die seit den 1990er-Jahren mit etlichen Preisen ausgezeichnet wurden. Trotz seiner besonderen Verbundenheit mit der französischen Musikszene vertonte er Novalis, Georg Trakl, Hölderlin und Heiner Müller ebenso wie Texte in außereuropäischen Sprachen. Arbeiten für den Film und zwei Opern zeugen von der Affinität zum bildhaften Ausdruck des Cineasten und leidenschaftlichen Lesers. Seine weitgehend tonale Musik bietet den Hörern imaginative Überraschungen und direkte emotionale Ansprache. Dazu kommt ein ausgeprägter Sinn für spirituelle Wirkungen, musikalisch verstärkt durch die Verwendung alter Kirchentonarten.

Diese Kombination von Textsensibilität, Klangschönheit und Spiritualität war es vermutlich, die Teodor Currentzis an den Chorsätzen des Franzosen angezogen hat. Der griechische Dirigent, Musikdirektor des Opernhauses im russischen Perm, bestellte Tristia als erhebliche Erweiterung von Hersants französischen Häftlingsvertonungen. Am 22. Juni 2016 brachte er die ihm und seinem Ensemble musicAeterna gewidmete Partitur mit höchster Klangkultur beim Diaghilew-Festival in Perm zur Uraufführung. Und zum Teil auf Currentzis’ eigene Anregung geht wohl die Integration von russischen Texten zurück, darunter denjenigen von Gulag-Opfern wie Ossip Mandelstam und Warlam Schalamow.

Der Komponist verstand diese Auswahl dezidiert als politisches Statement, wie er in einem Interview verriet, »auch wenn ich das nicht gezielt beabsichtigt habe. Schließlich kann man nicht außer Acht lassen, was hier in Russland derzeit geschieht.« Currentzis formulierte es so: »Wir müssen auf die Freiheit in unserem Leben achtgeben. Sie ist das Kostbarste, was wir haben.« In Perm steht das einzige Gulag-Museum Russlands, das seit einigen Jahren wieder massiven staatlichen Kontrollen ausgesetzt ist.

Als eine der Inspirationen für Tristia nannte Hersant die Dostojewski-Oper Aus einem Totenhaus von Leoš Janáček eine lose Abfolge von Szenen und Schicksalen in einem russischen Strafgefangenenlager, versehen mit dem Motto: »In jeder Kreatur ein Funke Gottes.« Zweifellos ein Gedanke, den wohl auch Tristia für sich reklamieren kann. Es setzt die Workshop-Arbeiten der französischen Gefangenen aus Clairvaux und anonyme Texte gleichberechtigt neben einige der schönsten Gedichte in russischer Sprache. Mit entschiedener Ernsthaftigkeit verleiht Hersant jedem seiner Autoren Raum und Atem. Der Titel Tristia (Klagelieder) spielt auf Mandelstams gleichnamige Gedichtsammlung von 1922 an. Dessen Poeme von Abschied, Schuld, Exil und Liebe beziehen sich wiederum auf Ovids in der Verbannung am Schwarzen Meer geschriebene Briefsammlung Tristia. Die in ihrer Schlichtheit und Authentizität so berührenden Clairvaux-Texte nennen die Häftlinge nur beim Vornamen. Einer von ihnen sehnt sich auf Korsisch nach seiner Heimat. Ein anderer gibt sich das Pseudonym »Takezo«, nach einem Samurai des 17. Jahrhunderts, und übt sich in der Kunst der japanischen Kurzgedichte, den sogenannten Haikus. Aus dem Chorkollektiv treten immer wieder solistische oder duettierende Formationen hervor, die durch ein kleines, sehr variables Instrumentalensemble begleitet werden. »Ich wollte den intimen Charakter des Projekts bewahren«, sagt der Komponist. Er gibt jedem Autor eine individuelle Stimme; keiner der 33 Sätze aus Tristia gleicht in der Besetzung einem anderen.

Als zweite wichtige Anregung diente ihm Dantes Göttliche Komödie – ein Buch, das auch Mandelstam und Schalamow heilig hielten. »Ein wenig wie in Dantes Hölle würde ich sagen, dass es verschiedene ›Kreise‹ in Tristia gibt – oder mehrere Zyklen«, so Hersant. Der erste Kreis stellt mit den kurzen Miniaturen I bis XII die Grundthemen des Werks vor: »Tristesse, Eingesperrtsein, geheime Hoffnungen.« Vorangestellt ist ein Prosatext von Warlam Schalamow, der 17 Jahre lang in den Lagern des Gulag saß: Der Pfad beschreibt das Auffinden der Poesie in tiefster Einsamkeit – und ihr Verschwinden beim Auftauchen eines Störfaktors. Das Akkordeon beginnt einstimmig, wie umhertappend, zwingt sich dann zu einem Walzer, über dem der Text gesprochen wird, der in der Stille verhallt. Aus der monotonen Linie des Akkordeons destilliert Hersant ein Motiv, das im ganzen Stück präsent ist. Die Leere und Todesangst von Leonid Martynows Gedicht In der Einzelzelle sind einem Soloalt anvertraut.

Nun folgen Texte der Clairvaux-Häftlinge. Das Grau als vorherrschende Farbe im Alltag der Gefangenen schimmert durch den differenzierten Frauenchorsatz Entre noir et blanc (Zwischen Schwarz und Weiß), nur ganz sparsam von der Mundharmonika begleitet, wie das Akkordeon ein »Instrument der armen Leute«. Manche der Chorsätze zu den Häftlingsgedichten erinnern ein wenig an Francis Poulenc, dessen Chorwerk La Voix humaine so ekstatisch die Freiheitbesingt. Ballon prisonnier (Gefangener Ball) ist ein Wiegenlied, in dem ein Solotenor die Perspektive des Autors Neimo annimmt und vom sanft gesungenen eigenen Namen in den Schlaf geschaukelt wird. Der Text Voix sans issue (Ohne Ausweg) erscheint in dreierlei Gestalt: zunächst als nur rhythmisch fixiertes, tonloses Flüstern, in der zweiten Version mit einem gesungenen ostinaten Ton angereichert und gegen Ende noch einmal als chorisches Sprechen über den Höllenbericht eines Gulag-Insassen (Déportation).

Violin-Arpeggien in der Manier bachscher Partiten schwingen sich auf, stellvertretend für jene Stimmen, die hinter den »hohen Mauern« zurückbleiben, und leiten über zum zweiten Kreis von Tristia. Er ist der kargen japanischen Haiku-Poesie des Häftlings Takezo gewidmet und in Quelques mots (Ein paar Worte) mit einer pentatonischen (fünftönigen), verzierten Melodie in fernöstliches Kolorit getaucht. Das Fagott ist hier ständiger Begleiter; in Fantômes (Gespenster) schamanenhaft rufend, wie der Geist, der unter den Lidern des Schlafenden aufsteigt. Eindringliche Klagerufe (Regrets) bohren sich mit kraftvoller Verzweiflung ins Ohr.

Der dritte Kreis beginnt in größter Niedergeschlagenheit und taucht immer tiefer ein in den »Traum, ein anderer zu sein« (Hersant). Dem pausenzerrissenen Sprechgesang à la Schönberg in Murs (Mauern) folgt ein Gedicht von Ossip Mandelstam (SchwarzeKerze). Bei seiner ersten Deportation ins Straflager wurde der jüdische Lyriker von seiner Frau Nadeshda begleitet; zwei solistische Altstimmen singen im Wechsel, als trage einer des anderen Leid, und ein unablässig wiederholtes kleines Motiv flackert schwach wie das Kerzenlicht. Le Temps qui passe lässt die quälend langsam »verstreichende Zeit« des monotonen Jahresablaufs spürbar werden: Wie das Ticken einer Uhr wiederholt das Cello ein kurzes Motiv; jeder der Sängerinnen und Sänger hat ein Metronom, das in unterschiedlichen Geschwindigkeiten schlägt und am Schluss im Dunkeln verhallt. Mit dem tänzerischen Schwung eines irischen Volkslieds entschlüpft der Schmetterling in Métamorphose undfliegt ins Leben, das Cello »tanzt« in triolischen Figuren. Auch die nächsten Sätze begleitet das Solocello, als Schmerzensstimme oder mit wilden Pizzicati wie im Portrait eines Elenden. Dieser Satz beginnt mit chaotisch durcheinandergesprochenem Text und überrascht dann gewaltig: Zum ersten Mal fährt Hersant hier prächtige, »typisch russische Klänge« auf, denn zu »himmlischen Glockenklängen« feiert der Gefangene seine Auferstehung mit einem inbrünstigen orthodoxen Kirchengesang. Den poetischen Bildern in Je rêve (Ich träume)horcht ein Solotenor über Vokalisen des Chors nach: ein »Architekt der Wüste« auf einer Insel der traumverlorenen Schönheit. Federleicht fliegen die Flageolett-Arpeggien des Cellos im korsischen Lied Acellucciu (Kleiner Vogel) und umflattern den bewegten Chorsatz im Stil eines folkloristischen Madrigals. Der Häftling aber kann nicht wie der Vogel entkommen.

Im vierten Kreis erweitert sich die instrumentale Palette um Blech und Schlagwerk. Hersant nähert sich hier dem Milieu russischer »Bauernmusik«, so wie er auch den »Rhythmus der russischen Gedichte« als »Quelle der Inspiration« benennt. Schon wieder im Gefängnis übernimmt für Text und Musik ein anonymes, derbes Marschlied mit rohen Couplets und vorbeiziehenden Trommelklängen. Militärmusik durchweht zudem die groteske Fabel vom Gefangenen und dem Wächter: Der misslungene Fluchtversuch steckt in einem schostakowitschhaften Gewand. Ein doppelchöriger Männerchor stimmt a cappella ein grimmiges Trinklied auf einen Fluss im ostsibirischen Kolymagebirge an; in den dortigen Arbeitslagern schuf Warlam Schalamow unter unvorstellbaren Bedingungen sein schriftstellerisches Werk. Ein kleiner todtrauriger Walzer mit Akkordeon blendet über zum zart-melancholischen Liebeslied des Frauenchors an den hungrigen Gefangenen dessen Dichterin Swetlana Schilowa als junge Frau in den Gulag geschickt wurde.

Den fünften Kreis benennt Hersant als den »dramatischsten«, textliche Anspielungen auf Dantes Hölle inklusive. In Ich werde alt zieht eine einsame Melodie im armenischen Holzblasinstrument Duduk vorbei, während vier tiefe Männerstimmen sich in nachtschwarze Meditation begeben. Mit Grabesstimme wird das Gedicht der anonymen Gefangenen Nina zu dumpfen Schlägen und choralartigen Bläsern rezitiert. Wie mit Patterns der Minimal Music legt das Akkordeon nebelartige Schleier unter Mandelstams Im Herz des Ära.

Nun wird der sechste Kreis betreten: Die letzten drei Gedichte deuten laut Hersant »Erlösung« an. Eine musikalische Hommage an die Dante-Zeit ist Der Stieglitz; Mandelstams Verse erscheinen als Ballade des späten 14. Jahrhunderts. Deren Komponist Paolo di Firenze war ein Mönch – subtile Klammer zum Ursprungsort von Tristia. Mandelstams Hab verirrt mich am Himmel spielt erneut auf Dante an, der Tonkünstler setzt diese wunderbaren Verse eines großen Poeten, der das Lager nicht überlebte, als eine ganz in sich versunkene Klangmeditation – ein russisches »Ich bin der Welt abhandengekommen«. Schwingend bewegt fallen die Röhrenglocken zum himmlischen Echo ein. Den Ausklang überlässt Hersant einem buddhistischen Traum des Clairvaux-Häftlings Takezo. Eine Welt ohne Hass, ohne Ketten beschwört Ruhe der Seele: Eine Männer- und eine Frauenstimme singen zu den Vokalisen des Chorkollektivs eine alte japanische Melodie von größter Ruhe und Einfachheit. Der Gesang verschwindet im Nichts, nur das Fagott klingt leise in die Stille nach. »Stellen Sie Fragen, die Ihnen vorher nie in den Sinn gekommen sind«, fordert Philippe Hersant sein Publikum auf und zitiert Anne-Marie Sallé, die Festivalleiterin von Clairvaux: »Seine Schuld zu zahlen, ja, aber welchen anderen Sinn hat es, die Strafe so zu stellen, als dass sie zur Aussicht auf Erlösung führen kann – auf ein anderes mögliches Leben, sobald die Schulden bezahlt sind?«

Kerstin Schüssler-Bach

Biografie

Teodor Currentzis, 1972 in Athen geboren, begann 1987 in seiner Heimatstadt mit dem Dirigierstudium, das er von 1994 bis 1999 am St. Petersburger Konservatorium bei Ilya Musin fortsetzte. Er ist künstlerischer Leiter des Staatlichen Opern- und Balletttheaters Perm, des Orchestra musicAeterna of Perm Opera sowie des Chorus musicAeterna of Perm Opera. Beide Ensembles gründete er im Jahr 2004 während seiner Amtszeit als Musikdirektor des Staatlichen Akademischen Opern- und Ballett-Theaters Nowosibirsk (2004 – 2010). Mit Beginn der Spielzeit 2018/2019 trat Teodor Currentzis sein Amt als Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters an. Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählen eine Residency am Wiener Konzerthaus (2016/2017), im Rahmen derer er u. a. die Wiener Philharmoniker und die Camerata Salzburg dirigierte; eine Neuproduktion von Mozarts Oper La Clemenza di Tito mit Peter Sellars bei den Salzburger Festspielen, bei denen er in diesem Jahr mit musicAeterna an fünf ausverkauften Abenden einen Zyklus aller Beethoven-Symphonien präsentierte; sein Debüt mit musicAeterna bei den BBC Proms im Juli 2018; sowie die Aufführung der Oper Die Passagierin von Mieczysław Weinberg mit den Wiener Symphonikern bei den Bregenzer Festspielen. 2006 rief Teodor Currentzis das Territoria Modern Art Festival ins Leben, welches innerhalb kürzester Zeit zum angesehensten und fortschrittlichsten Musikfestival Moskaus avancierte. Darüber hinaus ist er seit 2012 Kurator des Internationalen Diaghilew-Festivals in Perm. Der Künstler wurde acht Mal mit der renommierten »Goldenen Maske« des russischen Theaterverbandes ausgezeichnet, zuletzt 2018 für die Aufführung von Sergej Prokofjews Cinderella mit dem Staatlichen Opern- und Balletttheater in Perm. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gab Teodor Currentzis Mitte Februar 2014 sein Debüt. Auf dem Programm stand neben Händels Psalmvertonung »Dixit Dominus« HWV 232 auch Purcells Oper Dido and Aeneas.

Orchestra musicAeterna of Perm Opera, seit 2011 Residenzorchester des Staatlichen Opern- und Balletttheaters Perm, verbindet die historisch informierte Aufführungspraxis mit Interpretationen neuer und zeitgenössischer Musik und zählt heute zu den weltweit erfolgreichsten russischen Originalklang-Ensembles. Die 2004 von Teodor Currentzis in Nowosibirsk gegründete Formation, der im selben Jahr der Chorus musicAeterna of Perm Opera an die Seite gestellt wurde (welcher seit 2011 ebenfalls am Permer Opernhaus ansässig ist), gastierte u. a. in Moskau, St. Petersburg, Wien, Paris, London, Berlin, Hamburg, Baden-Baden, München, Amsterdam, Lissabon, Helsinki und Brüssel und legte mehrere von der Kritik hochgelobte CD-Einspielungen vor, u. a. von Mozarts Opern Le nozze di Figaro, Cosi fan tutte und Don Giovanni sowie von Tschaikowskys Sechster Symphonie und dessen Violinkonzert (mit Patricia Kopatchinskaja als Solistin). Der Chorus musicAeterna of Perm Opera widmet sich hauptsächlich dem Barockrepertoire sowie der russischen Chormusik, ist aber letztlich einer authentischen Aufführung der Musik aller Epochen verpflichtet. Seit der Spielzeit 2011/2012 wirkte das Ensemble bei sämtlichen Premieren des Staatlichen Ballett- und Operntheaters Perm mit, das im Folgejahr 17 Mal mit der »Goldenen Maske« des russischen Theaterverbandes ausgezeichnet wurde und damit mehr Preise als jedes andere Opernhaus in Russland erhielt. musicAeterna ist gern gesehener Gast bei renommierten Musikfestivals wie der Ruhrtriennale, dem Brüsseler Klarafestival, dem Festival Aix-en-Provence und den Salzburger Festspielen, wo das Ensemble 2017 in einer Neuproduktion von Mozarts Oper La Clemenza di Tito debütierte (Regie: Peter Sellars) und anschließend u. a. in Aufführungen von Mozarts Requiem sowie sämtlicher Beethoven-Symphonien zu erleben war. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war musicAeterna Mitte Februar 2014 erstmals mit Musik von Händel und Purcell zu hören. Chor und Orchester werden vom Kultusministerium der Region Perm finanziell unterstützt.

Teodor Currentzis (Foto: Nadja Rosenberg)