(Foto: Musikfest Berlin)

Musikfest Berlin

Münchner Philharmoniker

Valery Gergiev Dirigent

Georg Nigl Bariton

Michael Rotschopf Sprecher

Josef Bierbichler Sprecher

Gastspiel: München

Bernd Alois Zimmermann

Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne, Ekklesiastische Aktion für zwei Sprecher, Solobass und Orchester

Georg Nigl Bariton, Michael Rotschopf Sprecher, Josef Bierbichler Sprecher

Anton Bruckner

Symphonie Nr. 9 d-Moll (Edition: Leopold Nowak)

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin

Termine und Karten

Fr, 07. Sep 2018, 20:00 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

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Veranstalter/Kartenverkauf

Berliner Festspiele

Schaperstraße 24
10719 Berlin

Tel: +49 (30) 254 89 100

Fax: +49 (30) 254 89 230

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Programm

Hier treffen sie noch einmal aufeinander, die beiden großen Katholiken, mit ihren letzten Werken. Anton Bruckner konnte seine Neunte, die er »dem lieben Gott« widmete, nicht vollenden. Bernd Alois Zimmermann ging nach Abschluss der Ekklesiastischen Aktion Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne aus dem Leben.

Bruckner wird ein naiver Glaube nachgesagt; Zimmermann war dagegen ein Zweifelnder, Suchender, das zutiefst skeptische Buch der Bibel, den Prediger Salomo, las er besonders gern und zog es nicht nur einmal für seine Kompositionen heran. Hört man die Musik der beiden Künstler, die fast ein Jahrhundert trennt, dann verschiebt sich zumindest die Einstellung zu Bruckner. Seine Symphonien, vor allem seine letzte, sind alles andere als naiv. Der harte Siebenklang, den der langsame Satz mit gnadenloser Konsequenz ansteuert, ohne ihn aufzulösen, kann als jener Notschrei der Menschheit gehört werden, in dem Schönberg den Ursprung aller Kunst und allen Kunstbedürfnisses erblickte. Er hallt verstärkt in Mahlers Zehnter Symphonie und in Alban Bergs Violinkonzert nach. Dort führt er zum Zitat eines Bach-Chorals, eben jenes Chorals, mit dem Zimmermann seine Ekklesiastische Aktion beschließt: »Es ist genug! Herr, wenn es dir gefällt, so spanne mich doch aus.«

In der Ekklesiastischen Aktion, die nach der Absicht des Komponisten auch stilisierte theatralische Elemente enthalten sollte, ist die Idee des Gesamtkunstwerks auf ihre knappste Ausdrucksform gebracht. Zwei Sprecher sind beteiligt, sie rezitieren nicht nur Biblisches, sondern auch einen Auszug aus Dostojewkis »Großinquisitor«, und zwar jene Stelle, an welcher der Titel-»held« mit dem auf die Erde zurückgekehrten Christus zusammentrifft. Ihr Disput bringt keine Versöhnung, keinen Ausgleich. Der Verfolger und der, der einst selbst verfolgt wurde, kommen nicht überein; das Göttliche und das Menschliche vertragen sich am Ende nicht und können doch ohne einander nicht sein. Was treibt einen zu Gott, an den man glaubt, weil es ihn nicht gibt? Mit den Münchner Philharmonikern und Valery Gergiev gehen Künstler dieser ewigen Seinsfrage nach, deren gemeinsame Stärke die bedingungslose Intensität ist.

(Foto: Musikfest Berlin)

Münchner Philharmoniker und Valery Gergiev (Foto: Kai Bienert)

Musikfest Berlin 2018

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