Jordi Savall (Foto: Claire Xavier)

Kammermusik

Jordi Savall auf den Spuren keltischer Musik

Jordi Savall ist ein Doyen der Alten Musik, der mit seinen Programmen das Publikum immer wieder in ferne Welten entführt und Fenster zu anderen Kulturen öffnet. In diesem Konzert lädt er unter dem Motto »El Hombre y la Naturaleza« zur Entdeckung der keltischen Musiktraditionen ein – zur musikalischen Reise nach Irland, in die schottischen Highlands, nach Wales, in die Bretagne sowie ins nordspanische Galicien. Unterstützt wird Jordi Savall u. a. von dem galicischen Celtic-Folk-Musiker Carlos Núñez, dem spanischen Gitarristen und Violinisten Pancho Álvarez und dem Barockharfen-Virtuosen Andrew Lawrence-King.

Jordi Savall Gamben und Leitung

Carlos Núñez Sackpfeifen, Hirtenflöten und Irische Blockflöte

Pancho Álvarez Gitarre und Drehleier

Xurxo Núñez Perkussion

Andrew Lawrence-King Irische Harfe und Salterio

Frank McGuire Irische Rahmentrommel

Diálogos Celticos

El Hombre y la Naturaleza − Keltische Musiktraditionen in Irland, Schottland, Wales, der Bretagne und im nordspanischen Galicien

Termine und Karten

Mi, 22. Mai 2019, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie R

Programm

Jordi Savall ist der Doyen der Alten Musik, der mit seinen Programmen das Publikum immer wieder in ferne Welten entführt und Fenster zu anderen Kulturen öffnet. In diesem Konzert lädt er unter dem Motto »El Hombre y la Naturaleza« zur Entdeckung der keltischen Musiktraditionen ein – zur musikalischen Reise nach Irland, in die schottischen Highlands, nach Wales, in die Bretagne sowie ins nordspanische Galicien: »Die keltische Musik ist eines der reichhaltigsten und prächtigsten Besitztümer aller lebenden Musiktraditionen unserer Zeit«, bemerkt Savall, der bei seiner Suche in Archiven und Manuskripten auf Werke von so abenteuerlichen Musikern wie Turlough O’Carolan, einem blinden Harfner, stieß sowie auf die von Niel Gow, dem berühmtesten schottischen Fiedler des 18. Jahrhunderts und James Macpherson, einer Art schottischer Robin Hood, der noch unter dem Galgen sein eigenes »Lament« fiedelte.

Unterstützt wird Jordi Savall von dem galicischen Celtic-Folk-Musiker Carlos Núñez, dem spanischen Gitarristen und Violinisten Pancho Álvarez (der die Technik der fahrenden Fiddle-Spieler beherrscht, die ihr Instrument in die Ellbogenkehle stützten) und dem Barockharfen-Virtuosen Andrew Lawrence-King, der auch als Continuo-Spieler und Dirigent von Barockopern und Oratorien in Erscheinung tritt. Ebenfalls mit von der Partie: Xurxo Núñez, der seinen großen Bruder schon seit Jahren rund um den Globus auf so ziemlich jedem erdenklichen Schlagwerk begleitet sowie der schottische Perkussionist Frank McGuire, der schon frühzeitig in diversen Pipe-Bands spielte.

Über die Musik

Spurensuche

Was ist keltische Musik?

Will man den Spuren der Kelten, jenes rätselhaften Volkes, nachgehen, muss man geografisch einen weiten Bogen in Form eines Halbmondes schlagen: von Schottland und Wales über Irland in die Bretagne, ins nordwest-spanische Galicien und ins Baskenland am Golf von Biskaya. Zum ersten Mal in der Literatur wird die Völkerfamilie von antiken Historikern, zum Beispiel von Herodot (um 490 – um 425 v. Chr.), dem »Vater der Geschichtsschreibung«, oder von Herrschern wie Gaius Julius Caesar (100 – 44 v. Chr.) in seinem Bericht über den gallischen Krieg (58 – 51/50 v. Chr.) De bello Gallico erwähnt. Damals war das freie Gallien, das sich vom Rhein bis zu den Pyrenäen erstreckte, von den Römern unter Caesar unterworfen worden. Seine Truppen gelangten sogar bis nach England. Irland und Schottland jedoch blieben frei von römischem Einfluss.

Von den britischen Inseln bis nach Kleinasien

In den antiken Quellen wird von großen Wanderungsbewegungen der Kelten berichtet: Im 6./5. Jahrhundert v. Chr. hatten sie quer durch Europa gleichsam einen Riegel gelegt, der von Ostengland bis nach Kleinasien reichte und sich über Frankreich bis nach Galicien, in die Poebene und über den Apennin bis nach Mittelitalien und in die Kerngebiete der Hallstattkultur (6. Jahrhundert v. Chr.) erstreckte. Der Name sagt es, in Hallstatt im Salzkammergut belegen wertvolle archäologische Funde, dass dort Kelten siedelten. Gefunden wurde zum Beispiel auf dem Dürrnberg im nur 80 Kilometer entfernten Hallein ein keltisches Fürstengrab mit kostbaren Beigaben. Tongefäße mit figuralen Mustern, aber auch reich verzierte Gefäße aus Bronze und Edelmetall. Doch bei all den Hinweisen auf die Kelten, die offenbar keine Schrift, wohl aber einen spezifischen, deutlich ausgeprägten Kunststil besaßen, bleibt eine Frage unbeantwortet: Woher kam dieses Volk, dem Caesar einen beweglichen, nach Neuem begierigen Geist bescheinigt hat. Dabei merkte er allerdings auch an, dass den Kelten offenbar das politische Geschick und die dazugehörige Kraft fehlten, ihre Macht zu vertiefen, zu festigen und auszubauen.

Straff organisierte Staaten sucht man bei den Kelten vergeblich. Ihre politische Eigenständigkeit, die sie in Irland in fünf Provinzialkönigreichen erreicht hatten, ging bald wieder verloren. Doch obwohl germanische Stammesverbände auf dem europäischen Festland nach Westen und Süden vordrangen und Rom seine Macht bis zum Rhein und zur Donau ausgeweitet hatte, geriet die Insel weder unter germanischen noch unter römischen Einfluss. Ganz im Gegenteil, keltisch sprechende Volksgruppen aus Irland wanderten in die heutige Bretagne aus, kamen zur Landnahme nach Wales und Schottland und waren auch in Galicien und im Baskenland zu Hause. Das beweisen die Cantigas de Santa Maria, die Alfons X. el Sabio, der Weise, König von Kastilien und León (1221 – 1284) zwischen 1270 und 1282 komponiert hat. 420 Lieder in galicischer Sprache, die er selber sprach und die zu Ehren der Heiligen Maria an den entsprechenden Festtagen gesungen wurden. Dass in ihnen das in Kastilien und Léon, im heutigen Nordwesten Spaniens, noch sehr lebendige keltische Liedgut Eingang fand, ist naheliegend. In der Cantigas Suite erhält das Celtic Universe seinen klingenden Ausdruck – lebendig und klangvoll.

Die antiken Autoren, aber auch Grabfunde und vor allem irische Epen belegen, dass die Kelten in einer streng hierarchisch gegliederten Gesellschaftsstruktur mit einer aristokratischen Führungsschicht lebten. Für das 2. Jahrhundert v. Chr. lassen sich bereits stark befestigte Großsiedlungen nachweisen. Caesar bezeichnete sie als »oppida«, erwähnte dabei aber auch die »castella«, kleine Befestigungsanlagen, dazu dorfartige Ansiedlungen und Gehöfte. Schriftquellen, aber auch archäologische Funde belegen, dass es sich hier um Produktions-, Verwaltungs- und Kulturzentren handelt. So wurden dort u. a. Münzen geprägt, wie überhaupt das Handwerk ein sehr hohes Niveau besaß. Aufs Feinste gearbeiteter Schmuck, kunstvolle Gefäßkeramik und die Bronzeverarbeitung beweisen es.

Im Gälischen, der Sprache der Kelten Irlands, Walesʼ, Schottlands und der Irland vorgelagerten Insel Man, verfügten sie über eine Individuelle Lautbildung. Sie gehört zur indogermanischen Sprachfamilie und ist durch Inschriften, Münzen, Namen und Glossen, aber auch durch die Druiden und ihre Nachfahren dokumentiert. Diese »sehr weise und stark erkennende« keltische Priesterkaste, wie Caesar sie in seinem De bello Gallico charakterisiert hat, teilten sich in den ersten Jahrhunderten n. Chr. mit dem Ritterstand die Macht. Ihr Wissen um die Religionsausübung, ihre Vorstellungen um die Vorbedeutungen und die Unsterblichkeit der Seele, aber auch um die Bewahrung der sozialen Ordnung und die Rechtsprechung ist in Versform mündlich überliefert worden. In den älteren irischen Heldensagen besitzt der Druide ein sehr hohes Ansehen. Im Zuge der Christianisierung fand in Irland um 430 das altkeltische Druidentum bei den Mönchen in den Klöstern eine neue Heimstatt.

Die Jahrhunderte überdauert

Obwohl in den folgenden Jahrhunderten zahllose Aufstände, Eroberungen, Kriege u. ä. Irland immer wieder zerrissen haben und das Gälische sogar über einen großen Zeitraum verboten wurde, geriet die Sprache nicht in Vergessenheit. Ganz im Gegenteil: Die im 9. Jahrhundert einfallenden Wikinger und die im 12. Jahrhundert die Insel annektierenden Anglo-Normannen übernahmen das Idiom. Und die Iren pflegten trotz Verboten ihre Sprache. Der Lohn blieb nicht aus: Nachdem sie am 18. April 1949 mit der Ausrufung der Republic of Irland ihre vollständige Unabhängigkeit von Großbritannien erkämpft hatten, wurde das Gälische neben dem Englischen zur zweiten Amtssprache erhoben. Und auf dem Staatswappen befindet sich eine goldene Harfe auf blauem Grund. Ihr Vorbild, die Brian-Boru-Harfe, kann im Nationalmuseum in Dublin bewundert werden. Seit der Zeit Heinrichs VIII. (1491 – 1547; seit 1509 König von England) ist die Harfe, das jahrhundertealte irische Nationalsymbol, das Wappenzeichen des Landes.

Mündlich überlieferte Traditionen

Während die keltische figürliche Kunst u. a. durch Schmuckbleche aus Bronze überliefert ist, durch ganz bemerkenswerte Steinbildhauereien, große bearbeitete Steinstelen oder seltsame Fibeln – »die Sicherheitsnadel, die alte keltisch-germanische Fibel, trat wieder in ihr Recht«, schreibt Heinrich Böll ganz begeistert in seinem IrischenTagebuch, gibt es von der irischen Musik aus der Zeit bis 1000 n. Chr. weder Handschriften noch irgendwelche Dokumente, wohl aber bei Ausgrabungen gefundene antik-keltische Instrumente wie Luren, harfenähnliche Klangwerkzeuge und den Carnyx. Das Liedgut jedoch, die Liebeslieder und Trauergesänge, aber auch die Tänze und Instrumentalstücke wurden mündlich überliefert. Im Booklet zu einer Einspielung unter dem Titel Die keltische Viola – Tradition und Innovation schreibt Jordi Savall: »Im Gegensatz zu bestimmten orientalischen Kulturen, die sich besonders auf einer mündlichen Grundlage entfaltet haben, war in der westlichen Welt allein die sogenannte traditionelle oder Volksmusik in der Lage, durch Mechanismen nichtschriftlicher Überlieferung fortzudauern. Wenn das Gesicht der Spiegel der Seele ist, so gibt die Musik eines Volkes den Geist seiner Identität wieder, die anfangs zwar individuell ist, mit der Zeit jedoch als Bild eines gesamten eigenen, einzigartigen Kulturraums Form annimmt. Jede mündlich übermittelte und erhaltene Musik ist das Ergebnis eines glücklichen Überlebens, die Folge eines langen Auswahl- und Syntheseverfahrens.«

Instrumente

Jordi Savall stellt sich schon lange diesem Überleben. Denn, so Thomas Mann, »tief ist der Brunnen der Vergangenheit« ‒ und dies nicht nur im biblischen Kanaan, sondern auch in Irland und in den vier anderen Regionen, die am heutigen Abend zum Klingen gebracht werden. Zu heben ist ein kostbarer Schatz aus Volks- und Wiegenliedern, Tänzen und Bardengesängen, vorgetragen mit Instrumenten, auf denen bereits im späten Mittelalter musiziert wurde. Zum Beispiel auf dem Dudelsack, den schottischen Bagpipes bzw. ihrer galicischen Schwester, der Gaita. Das Instrument besteht aus einem Fellsack, der in der Regel mit Stoff überzogen ist. Über ein sogenanntes Anblasrohr wird der Sack mit Luft gefüllt. Aus dem Sack ragen eine Spielpfeife und eine oder auch mehrere sogenannte Bordunpfeifen. Die Spielpfeife hat Grifflöcher zum Gestalten der Melodie. Die Bordunpfeifen dagegen übernehmen die gleichbleibende Begleitung. Obwohl der schottische Dudelsack wahrscheinlich am bekanntesten ist, findet man das Instrument, unterschiedlich abgewandelt, sowohl im Kaukasus als auch in Tunesien, vor allem im nordspanischen Galicien. Sein Ursprung liegt im Dunkeln. Zahlreiche Mythen ranken sich um das Instrument, wie zum Beispiel der von Marsyas. Der Satyr fordert Apollo, den Gott der Tonkunst, zu einem musikalischen Wettkampf auf. Die Musen als Schiedsrichter erklären letztendlich Apollo zum Sieger. Dieser, empört über Marsyas Herausforderung, hängt ihn an einen Baum und zieht ihm die Haut ab. Aus ihr entstand, so der Mythos, der Dudelsack.

Ein weiteres, mit der irischen Musik »verschmolzenes« Instrument ist die Harfe. In mittelalterlichen Schriften, zum Beispiel bei Giraldus Cambrensis (ca. 1146 – 1223) in der Topographia Hiberniae (1185) – die Römer bezeichneten Irland als Hibernia – wird die Harfe als ein außerordentlich virtuoses und kunstvolles Instrument beschrieben. Es sei mit 30 Saiten bespannt und habe viele charakteristische Eigenschaften. Etwa zur gleichen Zeit wie die Harfe tritt auch das Psalterium auf die klingende Bühne. Die Saiten der Kastenzither bzw. des Hackbretts, wie das Instrument auch genannt wurde, werden mit den Fingern oder einem Plektrum angezupft. Wir kennen das Instrument von Renaissance-Gemälden. Auf ihnen befindet sich das Psalterium häufig in den Händen von Engeln. Denn die auf ihm erzeugte Musik klingt: engelsgleich.

Der »Herzschlag« der traditionellen irischen Musik ist der Bodhrán, eine große, mit Tierhaut bespannte Trommel, die mit der Hand oder einem Stock bzw. einem Knochen geschlagen wird. Und das Tamburin darf natürlich auch nicht fehlen. Es gehört wie die irischen Hirten- und Blockflöten zum Instrumentarium für die heute Abend erklingende Musik, genauso wie das Zupfinstrument Gitarre und Drehleier. Mit ihrer auf einer Tonhöhe bleibenden Bordunsaite und der sich darüber bewegenden Melodiesaite war sie das ideale Begleitinstrument zum Gesang. Michael Praetorius beschreibt sie in seiner Syntagma musicum (1619) als eine »Bauren und umblaufende Weiber-Leyer«. Auch die Gambe, jenes zwischen den Beinen gehaltenes Streichinstrument, dem Jordi Savall seit über 30 Jahren eine immer noch zunehmende Renaissance beschert, hat »eine starke Beziehung zur alten keltischen Tradition« (Savall). Ihre sonore Klanglichkeit bescherte ihr bereits im 12./13. Jahrhundert eine außerordentliche Beliebtheit.

Lieder – Tänze – Melodien

Doch wer hat die keltische Musik bis heute bewahrt? Seit dem 17. Jahrhundert haben Musiker und Musikbegeisterte Sammlungen mit dem kostbaren Schatz angelegt. Zum Beispiel Turlough O’Carolan (1670 – 1738), der letzte irische Barde, ein Harfenspieler und Komponist. Ihm verdanken wir mehr als 200 Kompositionen. Der mit 18 Jahren an den Pocken erkrankte und danach erblindete Künstler gilt als der größte irische Nationalkomponist. Ihm zu Ehren findet jährlich in Keadre, wo er begraben ist, ein Harfen-Festival statt. Die Legende berichtet, O’Carolan habe sich mit dem italienischen Komponisten und Violinisten Francesco Geminiani getroffen. Dieser habe ihm ein Violinkonzert von Vivaldi vorgespielt, was O’Carolan sofort mühelos nachspielen konnte. Danach habe er Geminiani mit einer eigenen Komposition überrascht. Hier erklingen heute Abend O’Carolans Lamentations of Owen O’Neill. O’Neill, ein gälischer Adliger, war 1607 aus Irland geflohen und kämpfte danach in einem irischen Regiment im Heer des Königs von Spanien. 1642, zurück in Irland, wandte er sich mit seinem Clan gegen schottische und englische Siedler. Die Legende berichtet, eine Frau habe ihm bei einem Festmahl Gift in den Schuh getan. Beim lebhaften Tanzen sei dann das Gift in den Körper gelangt. Owen O’Neill sei daran gestorben. Das Klagelied erzählt von diesem Ereignis.

Ein weiteres Klagelied, die Lament of the Death for his Second Wife, stammt aus der Feder von Niel Gow (1727 – 1807), des wohl berühmtesten schottischen Fidlers des 18. Jahrhunderts. Schon früh hatte Gow die Fidel als sein Instrument entdeckt und trat auf Bällen und Tanzfesten des Adels auf. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1768 erneut. Als seine zweite Frau 1805 starb, komponierte er die Klage. Viele Stücke von Gow werden noch heute, vor allem von Folkmusikern, gespielt. Auch findet in Schottland seit 2004 jährlich ein Niel-Gow-Fiddler-Festival statt.

Auf dem Titelblatt der von Captain Simon Fraser (1773 – 1852) gesammelten und 1816 veröffentlichten Airs and Melodies Peculiar to the Highland of Scotland and the isles wird Niel Gow ein Denkmal gesetzt. Zu sehen sind ein blinder Harfenspieler und ein Fidelspieler, eben Niel Gow. Captain Fraser beherrschte selber das Instrument, zugleich war er ein passionierter Sammler von keltischen Liedern, die ihm sein Großvater, sein Vater und Bekannte vorgesungen hatten. Auch in Caledonia’s Wail (Caledonien ist die römisch-keltische Bezeichnung für Nord-Schottland) geht es um eine Totenklage. Der Beklagte: Niel Gow.

Im 18. und 19. Jahrhundert erschienen zahlreiche Sammlungen mit irischen und schottischen Liedern, mit Tanzweisen und Melodien zu unterschiedlichen Anlässen. An der Sammeltätigkeit beteiligten sich auch viele der während der großen Hungersnot 1845 bis 1848 nach Amerika ausgewanderten Iren und Schotten. Ihnen und ihren Nachfahren ist es zu verdanken, dass das klingende Erbe ihrer Vorfahren nicht verloren ging. Wie sehr diese so charakteristische Musik auch heute noch ihre Interpreten und Sammler findet, beweist Charlie Hunters The Hills of Lorne: Das Loblied, das von Hunter (geb. 1967), einem US-amerikanischen Jazz- und Rockgitarristen auf die Berge von Lorne, auf einen überaus beliebten australischen Badeort angestimmt wird – beruht auch auf keltischen Melodien.

Ingeborg Allihn

Biografie

Jordi Savall widmet sich seit mehr als 50 Jahren der Erforschung der Alten Musik. Als eine der vielseitigsten Musikerpersönlichkeiten seiner Generation hat er während seiner Laufbahn als Konzertmusiker, Pädagoge, Forscher und Initiator von Musik- und Kulturprojekten wesentlich zu einer neuen Sichtweise der Alten Musik beigetragen. Seine musikalische Ausbildung begann er als Mitglied des Knabenchors seiner Geburtsstadt Igualada (Provinz Barcelona). Savall studierte Violoncello am Konservatorium von Barcelona; daneben erlernte er autodidaktisch das Spiel der Viola da gamba. 1968 setzte er seine Ausbildung an der Schola Cantorum in Basel fort, an der er 1973 seinem Lehrer August Wenzinger als Pädagoge nachfolgte. Zusammen mit der Sängerin Montserrat Figueras gründete er die Ensembles Hespèrion XX (1974), La Capella Reial de Catalunya (1987) und Le Concert des Nations (1989). Mit seinen Konzerten und Aufnahmeprojekten beweist der Künstler immer wieder, dass Alte Musik ein größeres und auch junges Publikum anzusprechen vermag. Sein Repertoire reicht von Musik des Mittelalters über die Renaissance bis hin zu Kompositionen des Barock und der Klassik, wobei er einen besonderen Schwerpunkt auf iberische und mediterrane Traditionen legt. Jordi Savall wurde vielfach mit Preisen und Auszeichnungen geehrt, darunter mit Ehrendoktorwürden der Universitäten von Évora, Barcelona, Löwen und Basel. Frankreich ernannte ihn zum Ritter der Ehrenlegion, in Spanien erhielt er die »Goldmedaille für schöne Künste«. 2008 wurde er zum »Botschafter der Europäischen Union für den interkulturellen Dialog« und zusammen mit Montserrat Figueras vom Goodwill-Botschafter-Programm der UNESCO zu »Künstlern für den Frieden« ernannt. 2012 erhielt er den renommierten Léonie-Sonning-Musikpreis. Savalls Einspielung barocker Gambenstücke für Alain Corneaus Film Tous les matins du monde (Die siebente Saite) von 1991 erhielt einen César für die beste Filmmusik. Auch seine über 230 CD-Veröffentlichungen wurden vielfach ausgezeichnet. Auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker war der Künstler zuletzt im Januar 2017 mit dem Ensemble Hespèrion XXI zu Gast.

Carlos Núñez stammt aus Vigo im nordspanischen Galicien und ist einer der international bekanntesten Dudelsackspieler der keltischen Folkmusik. Bereits als Teenager spielte er auf dem Festival interceltique in Frankreich, wo er mit der irischen Band The Chieftains zusammentraf. In der Folge wirkte er auf mehreren Alben der Band mit, u. a. auf dem mit einem Grammy ausgezeichneten Album Santiago (1996). Neben galicischen Sackpfeifen spielt er diverse keltische und barocke Flöten sowie klassische Blockflöte, die er am Konservatorium in Madrid studierte. Als Flötist hat Carlos Núñezmit verschiedenen Orchestern weltweit zusammengearbeitet und ist u. a. in der Carnegie Hall, im Wiener Musikverein und in der Londoner Royal Albert Hall aufgetreten. Mit Jordi Savall hat er bereits mehrfach gemeinsam musiziert, z. B. in der Kathedrale von Santiago de Compostela in einem Programm mit Pilgermusik für den Jakobsweg. Darüber hinaus hat auch mit vielen Musikern anderer Stilrichtungen zusammengearbeitet, darunter mit Ry Cooder und Jackson Browne.


Der Harfenist und Continuospieler Andrew Lawrence-King wurde auf der Insel Guernsey geboren.Nach seinem Musikstudium in Cambridge und am Londoner Early Music Centre machte er sich rasch einen Namen als vielseitiger Continuospieler (Harfe, Tasteninstrumente, Psalter, Schlagzeug, Gitarre). Er ist mit vielen renommierten Alte-Musik-Ensembles aufgetreten und war Harfensolist im Ensemble Hespèrion XX von Jordi Savall. 1994 gründete Andrew Lawrence-King sein eigenes Ensemble The Harp Consort. Als Dirigent vom Continuoinstrument aus hat er Barockopern und Oratorien an vielen renommierten Häusern geleitet, darunter an der Mailänder Scala, am Sydney Opera House, in der Casals Hall in Tokio, dem Wiener Konzerthaus und der New Yorker Carnegie Hall. Neben seinen Soloauftritten und Konzertreisen mit The Harp Consort übernimmt er immer wieder Gastdirigate, z. B. beim florentiner Alte-Musik-Ensemble L’Homme Armé. Der begeisterte Segler hat einen Hochseesegelschein der Royal Yachting Association.

Pancho Álvarez stammtaus Pontevedra und ist einer der führenden galicischen Folkmusiker. Er begann im Alter von zehn Jahren mit dem Gitarrenspiel, später studierte er Geige an der Musikhochschule in Vigo. Der Musiker spielt seit mehr als 20 Jahren in Carlos Núñezʼ Band, mit der er weltweit Konzerte gibt. Gemeinsam sind sie auch auf dem Soundtrack von Alejandro Amenábars mehrfach prämiertem Film Mar adentro (dt.: Das Meer in mir, 2004) zu hören. Außerdem hat Pancho Álvarez mehrere Solo-CDs aufgenommen, in denen er sich der mittelalterlichen Fiddle- und Drehleiermusik widmet, die im ländlichen Galicien bis in die 1970er-Jahre überlebte. Álvarez interessiert sich insbesondere für das gemeinsame kulturelle Erbe der Regionen Galicien und Nordportugal.

Frank McGuire stammt aus einer musikalischen schottischen Familie, in der sowohl sein Vater als auch sein Großvater traditionelle keltische Musik machten. Frank spielte zunächst in einer Pipe Band, bevor auch er sich der traditionellen Musik zuwandte. Neben der irischen Rahmentrommel Bodhran spielt er alle Arten von Perkussionsinstrumenten. 2001 gründete er mit Sean O’Rourke und Chuck Fleming die Band Lyra Celtica, zu der später noch die Akkordeonistin Lynn Tocker und Gitarrist Mark Canning stießen. Im Laufe der Zeit hat McGuire an Projekten verschiedenster Stilrichtungen mitgewirkt und dabei nicht nur Folk, sondern auch Blues, Bluegrass, Soul und Gospel gespielt. Mehrfach trat er zusammen mit der amerikanischen Banjospielerin Alison Brown beim Festival Celtic Connections in Glasgow auf. Seit seiner ersten Zusammenarbeit mit Jordi Savall und Andrew Lawrence-King für das Album Celtic Viol (2010) tritt das Trio regelmäßig gemeinsam bei Konzerten und Festivals auf.

Xurxo Núñez begleitete schon als Kind seinen älteren Bruder Carlos auf traditionellen galicischen Perkussionsinstrumenten. Mit 13 Jahren spielte er erstmals mit der irischen Band The Chieftains zusammen. Seither sind die Brüder gemeinsam bei einer Vielzahl von Projekten in der keltischen Musikszene aktiv. Der Multiinstrumentalist, der auch Gitarre, Keyboards und Akkordeon spielt, studierte klassisches Schlagwerk an der Musikhochschule in Vigo. Darüber hinaus arbeitet er als Arrangeur, Komponist und Produzent für den Film (z. B. Mar adentro von Alejandor Amenábar) sowie für Tanz- und Theatergruppen, etwa die spanische Kompagnie La Fura del Baus.

Jordi Savall (Foto: Claire Xavier)