(Foto: Dorothea Huber)

Education

Vokalhelden-Chorprojekt

»LIFE«: Education-Chorprojekt mit den Vokalhelden

Ein modernes Oratorium über einen tragischen Todesfall: Jonathan Doves There was a Child ist eine Hommage an den Sohn einer befreundeten Familie, der bei einem Tauchunfall in Thailand im Alter von 19 Jahren ums Leben kam. Der Komponist zeichnet darin das Panorama eines jungen Menschenlebens nach – charmante Ungezogenheit, sorglose Verspieltheit, kindlicher Kummer, jugendliche Abenteuerlust… Bei diesem Chorprojekt des Education-Programms stehen der Vokalhelden Jugendchor, Laiensängerinnen und -sänger sowie Mitglieder der Berliner Philharmoniker und Gäste zusammen auf der Bühne.

Internationaler Riesenchor Vokalhelden & Friends

Mitglieder der Berliner Philharmoniker und Gäste

Stipendiaten der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker

Kate Royal Sopran

Toby Spence Tenor

Anna Henckel-Donnersmarck Videoinstallation

Simon Halsey Künstlerische Leitung

Jonathan Dove

There Was a Child für Solisten, Erwachsenenchor, Kinderchor und Orchester

Nico Muhly

Auszüge aus Friday Afternoons (Arrangement für Kinderchor und Ensemble)

Termine und Karten

Verkaufshinweise

So, 12. Mai 2019, 20:00 Uhr

Philharmonie

Live in der Digital Concert Hall zur Übertragung

Programm

Jonathan Doves There was a Child ist eine Hommage an den Sohn einer befreundeten Familie, der bei einem tragischen Tauchunfall in Thailand im Alter von 19 Jahren ums Leben kam. Der Komponist hat dazu eine Vielzahl von Texten ausgewählt u.a. von John Keats, Emily Dickinson, William Shakespeare und Walt Whitman, die das Panorama eines jungen Menschenlebens nachzeichnen. Die verschiedenen Facetten des Heranwachsens werden dabei heraufbeschworen – charmante Ungezogenheit, sorglose Verspieltheit, kindlicher Kummer, jugendliche Abenteuerlust, kindsköpfiger Unfug und kräftetestende Eskapaden im Freien - bis zu dem einen schrecklichen Moment, in dem ein junges Leben mitten in einem Abenteuer endet.

Und dennoch war es für die Mutter, die dieses Stück in Auftrag gegeben hat, wichtig, sich trotz allem mehr an all die Freude zu erinnern, die das kurze Leben ihres Sohnes für sie brachte. Am Ende dieses 50-minütigen warmherzigen und modernen Oratoriums im Geist von Britten und Vaughan Williams bleibt das strahlende, farbenfrohe Bild eines Kindes, das alles um sich herum aufnimmt und sich mit der ganzen Welt verbindet. Bei diesem Konzertprojekt haben auch in dieser Saison Laiensängerinnen und -sänger Gelegenheit, mit Profis zusammen auf der Bühne zu stehen.

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

»LIFE« – ein Education-Chorprojekt mit den Vokalhelden und Gastchören aus Deutschland, Italien, Spanien und England

Songs ausFriday Afternoons von Nico Muhly und das moderne Oratorium There Was a Child von Jonathan Dove

Friday Afternoons – Freitagnachmittags

Freitags, am Nachmittag ist traditionell die Zeit, in der an britischen Schulen gemeinsam gesungen wird. Dieser Brauch veranlasste 1933 den damals 19-jährigen Komponisten Benjamin Britten, in den folgenden zwei Jahren zwölf Lieder für Kinder und Jugendliche zu schreiben. Diese Sammlung mit dem Titel Friday Afternoons wiederum inspirierte 2013 – im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Brittens – die gleichnamige Sing-Initiative »Friday Afternoons«. Den Initiatoren von Aldeburgh Music, einer von Britten und dessen Lebensgefährten Peter Pears gegründeten gemeinnützigen Vereinigung, ging es darum, das gemeinsame Singen zu fördern. Am 22. November 2013 sangen 70.000 junge Menschen aus der ganzen Welt zusammen Brittens Lieder. Inzwischen organisiert »Friday Afternoons« solche Großgesangsprojekte jährlich. Daneben unterstützt das Projekt über seine Website Gesangslehrerinnen und -lehrer und stellt dort Notenmaterial, Audio-Dateien und sogar Texte in Blindenschrift sowie Youtube-Videos in Gebärdensprache zur Verfügung, um möglichst vielen Gesangsbegeisterten zu ermöglichen »Friday Afternoons«-Stücke zu singen. Dass diese Sammlung stetig wächst, ist auch den Kompositionsaufträgen zu verdanken, die durch die Initiative regelmäßig vergeben werden, so auch an den Amerikaner Nico Muhly. 2015 komponierte und arrangierte er acht ein- und zweistimmige Lieder für Chor und Klavier auf Gedichte von Robert Louis Stevenson, Charles Kingsley und Mark Twain. Die von Muhly ausgewählten Verse nehmen Bezug auf Britten, dessen Textzusammenstellung eine große Bandbreite an Stimmungen abdeckt. Neben heiteren, humorvollen und die Natur thematisierenden Texten werden auch sehr ernste Themen wie der Tod nicht ausgespart. Hieran knüpft der Amerikaner unmittelbar an: »In diesen Liedern findet sich eine gewisse Melancholie und Einsamkeit unter einer Oberfläche, die im ersten Moment wie ein schlichter Text über die Natur anmuten mag«, erklärt der Komponist, »die Eule in The BirdSong zum Beispiel sagt: ›Here I sit on a frozen stake / which causes my poor heart to ache‹ (Hier sitze ich auf einem eisigen Pfahl,/ und das tut meinem armen Herzen weh.) und From a Railway Carriage berichtet von ›a child who clambers and scrambles / all by himself and gathering brambles‹. (Da hinten ein Kind, das klettert und schüttelt, / im Apfelbaum sitzt und an Zweigen rüttelt) Ich habe bewusst einige ganz offensichtlich düstere Inhalte mit aufgenommen, so wie in Young and Old von Charles Kingsley, wo es um das Altern, um Leben, Tod und Erinnerung geht.« Während in den Texten der einzelne Mensch angesprochen wird, steht beim Singen das Verbindende im Vordergrund. Muhlys Vertonungen leben von ihren eingängigen und leicht lernbaren Melodien, die durch stimmungsvolle, originelle, aber niemals unnötig komplizierte Instrumentalbegleitungen umspielt werden. »Ich glaube, weil ich selbst als Kind gesungen habe«, so Muhly, »fällt es mir nicht schwer, heute für junge Menschen zu komponieren. Mir ist bewusst, dass jede Stimme ihre Stärken und Schwächen hat, deshalb war es mir wichtig, dass dieser Liederzyklus für alle geeignet ist: für junge, unerfahrene Sängerinnen und Sänger, aber ebenso für diejenigen, die schon weiter sind und nach neuen Herausforderungen suchen. Dabei denke ich oft daran zurück, welche Art von Musik mich selbst beeindruckt hat, als ich elf oder zwölf Jahre alt war: Tatsächlich gehört besonderes die geistliche Musik von Benjamin Britten dazu, aber auch die einfacheren Motetten von William Byrd. Das hat sicher meinen Stil beeinflusst.« Eigens für das Konzert in der Berliner Philharmonie hat Muhly die Klavierbegleitungen von Friday Afternoons für Orchester arrangiert.

Nico Muhly

Nico Muhly wurde 1981 als Sohn einer Malerin und eines Filmemachers in den USA geboren und studierte Komposition an der renommierten Juilliard School in New York. Zu einem seiner Vorbilder wurde Philipp Glass, ein Komponist der Minimal Music, für den Muhly längere Zeit arbeitete, wobei er dessen Werke für den Druck vorbereitete und auch in Konzerten dirigierte. Doch die Musik war nie Muhlys einzige Leidenschaft: Nebenbei studierte er auch Englisch und Arabisch an der Columbia University. Die vielseitigen Interessen des Komponisten spiegeln sich auch in der Verschiedenheit seiner Werke wider: Er schrieb Opern, für die er von so berühmten Häusern wie der Metropolitan Opera Aufträge erhielt, er komponierte Orchesterstücke, Theater-, Musical- und Filmmusik, darunter den Soundtrack zum Oscar-prämierten Film Der Vorleser. Stilistisch will sich der schon als junger Mann erfolgreiche Komponist in keine Schublade stecken lassen. Seine Wurzeln sieht er selbst in der Musik der Renaissance, später beeinflussten ihn besonders Igor Strawinksy und Olivier Messiaen sowie Minimalisten wie Glass, Steve Reich und John Adams. Nico Muhly experimentiert gern mit verschiedenen Klängen, verbindet elektronische Musik mit Chorgesang und klassischen Kompositionstechniken. Dabei steht er dann auch mal mit Künstlern auf der Bühne, die man sonst außerhalb der Klassikwelt antrifft, nämlich Björk, Adele und die Indie Rock-Band Grizzly Bear.

There Was a Child – Es war einmal ein Kind

Es war einmal ein Kind, das jeden Tag seiner Wege ging, neugierig seine Umgebung und alle Dinge um es herum betrachtete, ertastete, roch, schmeckte und hörte. Mit jedem neuen Eindruck machte es sich die Welt mehr zu eigen. Es wuchs heran, wurde immer mutiger und abenteuerlustiger, kein aufgeschlagenes Knie, keine Beule, keine Verbrennung vermochte es auf seinen Erkundungen zu bremsen, es fühlte sich unendlich frei, furchtlos und unverwundbar. Es war ein ganz normales Kind, ein Kind wie Robert. Robert lebte 19 Jahre lang intensiv und voller Abenteuerlust – bis er am 21. Juni 1999 beim Schnorcheln in Thailand starb.

Um ihrer unendlichen Trauer Ausdruck zu verleihen, lag es für Roberts musikliebende Eltern nah, eine Komposition in Auftrag zu geben. »Schon seit meiner Jugend hatte Musik, besonders Chormusik, in meinem Leben große Bedeutung für mich«, erzählt Roberts Mutter Rosemary Pickering, »daher schien es mir das Naheliegendste, ein Werk in Auftrag zu geben, das das Leben meines Sohnes feiern sollte.« Ihr schwebte kein Requiem vor, keine Totenfeier, sondern ein Stück, das sich auf das Leben, mit all seinen Freuden und Schönheiten konzentriert. Obwohl er Robert nicht persönlich gekannt hat, bat sie den Komponisten Jonathan Dove, diese sehr individuelle und zugleich universelle »Feier des Lebens« in Töne zu fassen. »Als Rosemary Pickering mich bat, ein Werk zu komponieren, das das Leben ihres Sohnes feiern sollte«, so Dove, »war uns beiden sofort klar, dass es ein Stück mit Gesang sein musste. Mit anderen zusammen zu singen, ist eine der freudvollsten Aktivitäten, die ich kenne, also musste dies ein Chorwerk werden.« Als Textgrundlage für das Oratorium There Was a Child stellte Dove Gedichte verschiedener Autoren zusammen, darunter William Shakespeare, Emily Dickinson und Walt Whitman. Sie sollten in archetypischer Weise das junge Leben eines Menschen nachzeichnen und zugleich all das verkörpern, was Roberts Eltern ihm über den Charakter ihres Sohnes erzählt hatten. Dank der Beteiligung des Norfolk and Norwich Festivals und des City of Birmingham Symphony Orchestras, die sich an dem Auftrag beteiligten, konnte Dove mit There Was a Child ein rund 50-minütiges Werk zu Papier bringen, das am 2. Mai 2009 erstmals in der St. Andrew’s Hall in Norwich erklang.

Ich bin das Lied, vom Vogel gesungen

Die Tonsprache in There was a Child ist eindringlich, unmittelbar und häufig symbolisch. Mit großer Lebhaftigkeit beginnt das Stück, es ist die Natur mit all ihren Farben und Formen, in deren Mitte, als ein Teil ihrer selbst, sich die Geburt vollzieht. »I am the song that sings the bird«, singt der Chor, eingebettet in die Orchesterbegleitung, sinnbildlich Teil des Ganzen. Wenn vom Mond die Rede ist, funkeln dank des Glockenspiels hörbar die Sterne und das Strahlen der Blechbläser begleitet effektvoll den Aufgang der Sonne. Die Sopransolistin verkörpert für Dove die Stimme der Mutter, sie schildert die Entstehung neuen Lebens aus dem Schoß der Natur. Die Musik nimmt hier geradezu magischen Charakter an – die Geburt wird als wahres Wunder vertont. Im folgenden Abschnitt Childhood wird zunächst der feierliche Charakter, das Staunen über das junge Leben, fortgesetzt. Nun tritt auch der zweite Solist hinzu, ein Tenor, der aus der Perspektive des Sohnes singt und von den Freuden eines Fünfjährigen erzählt, der an Sommertagen in einem kleinen Bach badete, über Felder sprang oder einfach nackt unter dem Sternenhimmel stand. So frei wie sich das Kind in der Natur fühlte, so frei und weit ausschwingend gestaltet Dove den Gesang des Erzählenden. Die Chöre stellen mehrmals in langen Akkorden das »tiefe« Schlafen (Sleep) in der Nacht und den hellen, »hohen« Tag (Day) einander gegenüber.

Im dritten Teil berichten die Kinderstimmen in kecker Manier von den Abenteuern des »unartigen Jungen« (»There was a naughty Boy«), begleitet von ebenso frechen Bläsereinwürfen aus dem Orchester. Daran anschließend handelt From all the Jails the Boys and Girls von der sinnbildlichen Befreiung der Mädchen und Jungen, die losstürmen, um die Welt zu erobern. Musikalisch unterlegt Dove den Text mit einer vorandrängenden pulsierenden Begleitung, es brodelt und rumort!

Neugierig blicken die Kinder im fünften Abschnitt über den Zaun auf die köstlich reifen Erdbeeren – auf- und absteigende Melodien versinnbildlichen wie sie über den Zaun klettern, um die süßen Früchte zu erreichen. Tänzerisch beginnt die Musik, die in folgenden ein Verfolgungsspiel auf Schlittschuhen unter dem Abendhimmel beschreibt. Die Klarinettenfiguren erinnern an Pirouetten, das heitere Jagen wird von pochenden Trommelschlägen angetrieben, doch als die Spielenden den leuchtenden Sternenhimmel entdecken, halten sie inne, um ihn zu bestaunen.

Voller Staunen und zugleich ein wenig furchterfüllt erzählt die Tenorstimme in Romance – zwischen den abenteuerlich klingenden Namen von Vulkanen – von der ersten Verliebtheit eines 13-Jährigern und dem Verwirrenden dieser ersten, unerwartet aufflammenden Liebe

Unüberhörbare Aufbruchstimmung herrscht zu Beginn von New Worlds; heroisch setzt die Tenorstimme ein und schwingt sich rauschhaft immer weiter hinauf. Voller Übermut beschreibt der Protagonist seinen Höhenflug, der ihn »das Gesicht Gottes berühren« ließ. Doch dann stürzt mit einem Mal die Dunkelheit über die Musik herein, abrupt bricht der Höhenrausch ab – es ist das plötzliche Ende eines Abenteuers. Die Trauer der Mutter drückt sich in einem berührenden Klagegesang der Sopranstimme aus.

Zuletzt schließt sich der Kreis: Die Melodie von There Was a Child greift die ersten Töne von I am the song auf, denn inhaltlich hängen beide Gedichte eng miteinander zusammen: Wurde zu Beginn das Kind aus der Natur heraus geboren, so wird hier beschrieben, wie die Natur in all ihren Formen und Farben im Laufe seines Lebens ein Teil von ihm wurde. Auch die Musik gewinnt die Lebhaftigkeit zurück, die sie im ersten Abschnitt hatte, tänzerisch leicht und beschwingt klingt sie hier, geschäftig und pulsierend dort, wo Alltagsszenen der Eltern beschrieben werden, die ebenfalls ein Teil des Kindes geworden sind. Zum Schluss vermischen sich alle Stimmen zu einem strahlenden Hymnus, doch die letzten Worte singt allein die Tenorstimme: »These became part of that child who went forth every day and who now goes, and will always go forth every day.« (All dies wurde ein Teil des Kindes, das jeden Tag seiner Wege ging, und jetzt geht, und für immer jeden Tag seiner Wege gehen wird.)

Jonathan Dove

Jonathan Dove, Jahrgang 1959, stammt aus London. Der Sohn eines Architektenpaares begann schon früh Klavier, Orgel und Bratsche zu spielen; sein Kompositionsstudium führte ihn später an die weltberühmte Cambridge University. Nach dem Abschluss seine Ausbildung arbeitete Dove als Liedbegleiter, Animateur und Arrangeur. Als er beim jährlich stattfindenden Opernfestival in Glyndebourne bei einem Projekt assistierte, wurde er »entdeckt« und erhielt seinen ersten Kompositionsauftrag. Dove sollte eine Oper mit Musik nicht nur für erfahrene Spezialisten, sondern für alle schreiben. Das Resultat, Hastings Spring, gelangte 1990 im Rahmen des Glyndebourne Education-Programms zur Aufführung. Auch Doves Durchbruch als Komponist im Jahr 1998 gelang ihm mit einer Oper: Die Flughafenkomödie Flight kommt ganz ohne den typischen Stoff aus Helden, Intrigen, Liebesqualen und –freuden aus und erzählt die Geschichte eines iranischen Flüchtlings, der acht Jahre lang im Ankunftsbereich des Pariser Flughafen »Charles de Gaulle« lebte. Seine Oper über die Abenteuer Pinocchios (Adventures of Pinocchio) begeisterte 2007 Menschen rund um den Globus und wurde dafür mit dem British Composer Award für Bühnenstücke ausgezeichnet. Die speziell für das Fernsehen komponierten Opern When She Died… (2002) über die Reaktionen auf den Tod Prinzessin Dianas, und Man on the Moon (2006) über Buzz Aldrin, den zweiten Menschen auf dem Mond, erreichten ein Millionenpublikum.

Dove ist viel daran gelegen, dass seine Werke für jedermann hörbar, unmittelbar verständlich und berührend sind. Mit sogenannten Community-Opern wie beispielsweise The Palace in the Sky (2000) bringt er Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung zusammen, um gemeinsam ein musikalisches Projekt zu gestalten. Mittlerweile umfasst das Gesamtschaffen des erfolgreichen und mehrfach mit Preisen geehrten Komponisten über 20 Opern, zahlreiche Chorwerke, Instrumental- und Orchesterstücke.

Nach der Aufführung von The Monster in the Maze (Was lauert da im Labyrinth) im Jahr 2015 ist There Was a Child das zweite große Chorprojekt von Jonathan Dove, das in der Berliner Philharmonie zu erleben ist.

Biografie

Simon Halsey, 1958 in London geboren, wurde mit 22 Jahren Musikdirektor der University of Warwick. 1982 lud ihn Sir Simon Rattle ein, die Leitung des City of Birmingham Symphony Chorus zu übernehmen, die er bis heute innehat. Unter dem Dach des City of Birmingham Symphony Orchestra rief er ein beispielhaftes Jugendchor-Programm mit drei weiteren Chören ins Leben. Daneben war er von 1997 bis 2008 zunächst Gast-, dann Chefdirigent des Niederländischen Rundfunkchores sowie von 2001 bis 2015 Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Rundfunkchors Berlin. Von 2004 bis 2012 oblag ihm die Leitung des Northern Sinfonia Chorus und der Chorprogramme an dessen Heimstätte, dem Konzerthaus The Sage Gateshead. Seit 2012 wirkt er als Chordirektor beim London Symphony Orchestra und London Symphony Chorus sowie als Leiter des BBC Proms Youth Chorus. Außerdem ist er Künstlerischer Leiter des Kinderchor-Programms »Vokalhelden« der Berliner Philharmoniker. Mit Beginn der Saison 2016/2017 übernahm Simon Halsey als Chefdirigent die Leitung des Chores Orfeó Català und damit verbunden die Position des Artistic Adviser am Palau de la Música Catalana in Barcelona, dem Sitz des Chors. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent und Chorerzieher ist Simon Halsey ein gefragter Pädagoge. Der dreifache Ehrendoktor hat eine Professur an der University of Birmingham, Einladungen als Gastdozent u. a. in Princeton und Yale ergänzen seine Lehrtätigkeit. Für seine herausragenden Verdienste um die Chormusik in Deutschland erhielt Simon Halsey 2011 das Bundesverdienstkreuz. 2015 nahm er aus den Händen der Queen »Her Majesty’s Medal for Music« entgegen und wurde von der Queen zudem zum »Commander of the British Empire« (CBE) ernannt. 2016 erhielt er die Geschwister-Mendelssohn-Medaille des Chorverband Berlin. Das letzte große Chorprojekt, das Simon Halsey in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker dirigierte, war the public domain von David Lang, das Mitte Mai 2018 in der Philharmonie zu erleben war.

Kate Royal, in London geboren und an der Guildhall School of Music and Drama sowie am National Opera Studio ausgebildet, gewann 2004 den Kathleen-Ferrier-Preis und 2007 den Young Artist Award der Royal Philharmonic Society. Mit Partien in Werken von Monteverdi, Händel, Mozart, Bizet, Strauss, Britten und Adès war die Sopranistin u. a. auf den Opernbühnen in London, Glyndebourne, Madrid, Paris, Aix-en-Provence und New York zu erleben. Als Konzertsolistin gastierte sie u. a. beim Royal Liverpool Philharmonic, beim Orchestra of the Age of Enlightenment, bei Le Concert d’Astrée, beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, beim Philharmonischen Orchester Rotterdam, beim National Symphony Orchestra in Washington und beim Boston Symphony Orchestra. Festival-Auftritte führten sie nach London zu den BBC Proms, nach Baden-Baden und nach Edinburgh. Kate Royal arbeitete hierbei mit Dirigenten wie Gustavo Dudamel, Emmanuelle Haïm, Yannick Nézet-Séguin, Sir Simon Rattle, Esa-Pekka Salonen und Franz Welser-Möst zusammen. Darüber hinaus gab die Künstlerin Liederabende in zahlreichen europäischen Ländern sowie in Nordamerika. Bei den Berliner Philharmonikern debütierte Kate Royal Mitte Dezember 2007 in Konzerten mit Händels Messiah unter der Leitung von William Christie. Gemeinsam mit dem von Sir Simon Rattle dirigierten Orchester war sie zuletzt Ende Januar 2015 in Gustav Mahlers Zweiter Symphonie zu hören.

Toby Spence war Choral Scholar am New College in Oxford und setzte sein Studium anschließend an der Guildhall School of Music and Drama fort. 1995 feierte er seinen Bühneneinstand als Idamante in Mozarts Idomeneo an der Welsh National Opera. Kurz darauf stellte er sich mit derselben Partie an der Bayerischen Staatsoper vor und wurde an das Théâtre Royal de la Monnaie nach Brüssel (La Calisto von Francesco Cavalli) und zur Mozartwoche Salzburg eingeladen. Dort wirkte er in einer Produktion von Mozarts Mitridate unter der Leitung Roger Norrington mit, die im folgenden Sommer bei den Salzburger Festspielen gezeigt wurde. Seither ist Toby Spence auch regelmäßig am Londoner Royal Opera House, an der Opéra National de Paris, am Theater an der Wien und am Teatro Real Madrid zu Gast. Sein Repertoire erstreckt sich von der Barockoper über Gluck und die großen Mozart-Partien bis zu Berlioz, Strawinsky und Britten. Bei der Uraufführung von Thomas Adès’ The Tempest war er als Ferdinand zu erleben. Zudem gestaltete der britische Tenor die Titelpartie in Mozarts La clemenza di Tito an der Wiener Staatsoper, sang Brittens War Requiem beim Edinburgh Festival und bei den BBC Proms, trat an der Bayerischen Staatsoper als Henry Morosus in Die schweigsame Frau von Richard Strauss auf und übernahm die Partie des Tamino (Die Zauberflöte) an der Metropolitan Opera New York sowie am Londoner Royal Opera House, Covent Garden. Toby Spence hat mit Dirigenten wie Sir John Eliot Gardiner, Nikolaus Harnoncourt, Marc Minkowski, Andris Nelsons, Sir Antonio Pappano, Kirill Petrenko und Sir Simon Rattle zusammengearbeitet. 2012 wurde ihm der Royal Philharmonic Society Award als »Sänger des Jahres« überreicht. Bei den Berliner Philharmonikern gab Toby Spence sein Debüt im März 2006 in den von Sir Simon dirigierten Konzerten mit Bachs Johannes-Passion. Im Oktober desselben Jahres gastierte er ein weiteres Mal in den philharmonischen Konzerten; Sir Simon Rattle dirigierte Werke von Jonathan Harvey und Igor Strawinsky.

Anna Henckel-Donnersmarck wurde 1973 geboren und wuchs in Indonesien, Japan, England und Rottach-Egern auf. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Kunst- und Designstudium am Camberwell College of Art in London. Anschließend folgte ein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg mit den Schwerpunkten Animations- und Dokumentarfilm. Die Filmmacherin und Videokünstlerin realisiert Projektionen und Videoinstallationen für Tanzproduktionen mit Constanza Macras, Mathilde Monnier, der Lissanga Dance Company und der New Yorker Wooster Group. Zudem arbeitete sie mit Laurent Chetouane und Patrick Koch am Schauspiel Köln, mit Cordula Däuper an der Komischen Oper Berlin, mit Peter Mussbach und Erich Wonder an der Berliner Staatsoper Unter den Linden sowie mit David Herrmann und Christof Hetzer am Opernhaus Zürich. Musikalische Kooperationen fanden im Rahmen von Wien Modern und dem Stuttgarter Éclat-Festival statt sowie mit dem Ensemble Modern beim Playsonic Festival in Frankfurt. Darüber hinaus konzipiert und realisiert Anna Henckel-Donnersmarck Videoinstallationen und interaktive Medienstationen für Ausstellungen (Ethnologische Museum Berlin, Jüdisches Museum Berlin, Deutsche Hygiene-Museum Dresden, Deichtorhallen Hamburg). Auf internationalen Filmfestivals arbeitet sie seit 20 Jahren als Programmgestalterin, Moderatorin oder Jurorin, u. a. für die Berlinale Shorts. In Zusammenarbeit mit der Elbphilharmonie Hamburg leitet sie Workshops für Kinder und Jugendliche und unterrichtet an verschiedenen Kunsthochschulen. Zudem war sie bereits mehrfach an Veranstaltungen des philharmonischen Education-Programms beteiligt, zuletzt im Juni 2016 beim kreativen Projekt MusikPlus TANZ mit Inhaftierten der Jugendstrafanstalt Berlin.

(Foto: Dorothea Huber)

Das Chorprojekt 2018/2019

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