Emmanuel Pahud (Foto: Sebastian Hänel)

Kammermusik

Alles Ravel!

Dieser Kammermusikabend ist einem einzigen Komponisten gewidmet: Maurice Ravel, der im Lauf seines Lebens eine Reihe kammermusikalischer Kleinodien für die unterschiedlichsten Besetzungen geschaffen hat. Die kompositorische Vielseitigkeit spiegelt auch das Programm wider, angefangen von der Sonatine für Klavier und der Cellosonate über das von Debussy inspirierte Streichquartett bis hin zur Introduction et Allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett. Ohne ein ständiges Ensemble zu bilden, haben sich sieben Musiker der Berliner Philharmoniker für diese Hommage zusammengefunden.

Simon Roturier Violine

Christophe Horák Violine

Ignacy Miecznikowski Viola

Bruno Delepelaire Violoncello

Emmanuel Pahud Flöte

Wenzel Fuchs Klarinette

Marie-Pierre Langlamet Harfe

Alles Ravel

Maurice Ravel

Sonatine für Klavier (Bearbeitung für Flöte, Viola und Harfe von Carlos Salzedo)

Maurice Ravel

Streichquartett F-Dur

Maurice Ravel

Sonate für Violine und Violoncello

Maurice Ravel

Introduction et Allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett

Termine und Karten

Do, 04. Apr 2019, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie Q

Programm

In »acht Tagen härtester Arbeit und drei durchwachten Nächten« komponierte Maurice Ravel 1905 Introduction et Allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett. Das Werk entstand im Auftrag der Firma Érard, einem traditionsreichen Hersteller von Klavieren, Flügeln und Harfen. Ravels Komposition sollte im Rahmen einer raffinierten Marketingstrategie unter Beweis stellen, dass die von Érard bereits 1810 patentierte Pedalharfe einem moderneren chromatischen Instrument aus dem konkurrierenden Hause Pleyel überlegen war. Ravel begegnete dieser Herausforderung, indem er ein einsätziges kammermusikalisches Harfenkonzert en miniature schuf, das alle spieltechnischen Möglichkeiten des Instruments ausschöpft.

15 Jahre später nahm Ravel dann eine viersätzige Sonate für Violine und Violoncello in Angriff, dessen ersten Satz er der Erinnerung an seinen 1918 verstorbenen Komponistenkollegen Claude Debussy widmete. Dessen Streichquartett aus dem Jahr 1893 hatte Ravel in den Jahren 1902/1903 dazu inspiriert, selbst einen Beitrag zur kammermusikalischen Königdisziplin par excellence zu komponieren, dessen Genialität Debussy neidlos anerkannte. Die klassizistisch angelegte Sonatine für Klavier, die in diesem Konzert in einer von dem französischen Harfenisten und Komponisten Carlos Salzedo erstellten Triofassung für Flöte, Viola und Harfe erklingt, schrieb Ravel in den Jahren zwischen 1903 und 1905. Sie steht zu Unrecht im Schatten von Ravels etwa im gleichen Zeitraum geschaffenen Klavierzyklus Miroirs, bereichert sie das Bild von der Vielseitigkeit ihres Schöpfers doch um eine Reihe faszinierender Facetten.

Gestaltet wird dieser einzig der Kammermusik von Maurice Ravel gewidmete Abend ausschließlich von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker. Ohne ein ständiges Ensemble zu bilden, haben die sechs Musiker und die Harfenistin Marie-Pierre Langlamet exklusiv für diese Hommage an den französischen Komponisten zusammengefunden.

Über die Musik

Der Magier

Kammermusikwerke von Maurice Ravel

Die Geschichte der französischen Kammermusik reicht zurück ins frühe 18. Jahrhundert – zu den Concerts Royaux, die François Couperin in den 1710er-Jahren regelmäßig sonntags in Versailles »pour la chambre du Roy« in den Privaträumen des greisen »Sonnenkönigs« Louis XIV. veranstaltete. Couperin versuchte, die beiden damals dominierenden Stilrichtungen der Musik – die italienische und die französische – als goûts réunis miteinander zu verknüpfen und schuf mit seinen drei- bis fünfstimmigen Sonaten, Suiten und Konzerten die Urbilder jener Ästhetik der raffinierten Eleganz und clarté, auf die sich rund 200 Jahre später auch die französischen Komponisten des Fin de siècle beriefen.

Im 19. Jahrhundert allerdings hatte die Kammermusik in Frankreich einen schweren Stand gehabt. Das Publikumsinteresse galt der Oper, dem Ballett und dem Salon; Gattungen wie Klavier- oder Streichquintette und -quartette, Trios oder Duosonaten galten als »algebraische musique savante« und wurden bestenfalls in kleinen, exklusiven Zirkeln aufgeführt und gehört. Das änderte sich erst nach dem Debakel des verlorenen Kriegs gegen Preußen mit der Gründung der Société Nationale de Musique durch Camille Saint-Saëns und Romain Bussine (am 25. Februar 1871), die sich gemäß ihrem Motto »Ars gallica« zur Aufgabe machte, die französische Instrumentalmusik zu befördern und ihr ein größeres Publikum zu erschließen. Auch für den jungen Maurice Ravel waren die Konzerte der Société Nationaledas erste wichtige Podium, um seine Musik vorzustellen. Von den Sites auriculaires für zwei Klaviere, mit der berühmten Habanera (5. März 1898) über Shéhérazade.Ouverture de féerie (27. Mai 1899), die Pavane pour une infante défunte und Jeux d’eau (beide am 5. April 1902) hatten bereits mehrere seiner Werke hier ihre Uraufführung erlebt, als das Quatuor Heyman am 5. März 1904 sein Streichquartett F-Dur aus der Taufe hob.

Es war das zweite von gerade einmal acht Kammermusikwerken, die sich in Ravels ohnehin nicht sehr umfangreichem Œuvre finden: Außer dem Quartett sind es eine frühe Sonate für Violine und Klavier (1897), Introduction et Allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett (1905), ein Klaviertrio (1914), eine Sonate für Violine und Violoncello (1920 –1922), eine – nur 71 Takte lange – Berceuse sur le nom de Gabriel Fauré für Violine und Klavier (1922), die Tzigane in ihrer Originalfassung für Violine und Klavier oder »piano-luthéal« (1924) sowie eine späte Sonate für Violine und Klavier (1923-1927). Im weiteren Sinne könnten man auch die Trois Poèmes de Stéphane Mallarmé für Sopran, Piccoloflöte / Flöte, Klarinette / Bassklarinette, Streichquartett und Klavier (1913) und die Trois Chansons madécasses für Sopran, Flöte, Violoncello und Klavier (1925/1926) als Kammermusik bezeichnen.

Quatuor à cordes

Ravels »à mon cher maître Gabriel Fauré« gewidmetes Streichquartett entstand zwischen Dezember 1902 und April 1903 und fiel damit in eine Zeit, als die Gattung in Frankreich eine fulminante Renaissance erlebte – auch und vor allem dank der Société Nationale, in deren Konzerten zwischen 1871 und 1909 nicht weniger als 52 Streichquartette französischer Komponisten uraufgeführt wurden. Den Auftakt hatte bereits 1867 das a-Moll-Quartett von Alexis de Castillon gegeben, dem einige Werke des allzu früh verstorbenen Belgiers Guillaume Lekeu gefolgt waren; die eigentliche Wiedergeburt der Gattung in Frankreich geht allerdings maßgeblich auf das D-Dur-Quartett (1889 – 1890) von César Franck zurück, in dessen Fußstapfen seine Schüler Vincent d’Indy und Ernest Chausson traten. Ihnen folgten die Streichquartette g-Moll op. 10 (1893) von Claude Debussy, e-Moll op. 112 (1899) und G-Dur op. 153 (1919) von Camille Saint-Saëns, e-Moll op. 16 (1902) von Albéric Magnard, und schließlich das späte e-Moll-Quartett op. 121 (1924) von Gabriel Fauré.

Die Einflüsse seiner Vorbilder treten in allen vier Sätzen von Ravels Quartett deutlich zutage: Fauré und Debussy in der Harmonik, Saint-Saëns in der Rhythmik und Form. Entsprechend zurückhaltend kommentierte der Komponist selbst das Werk 1928 in einer Esquisse autobiographique: »Mein Quartett in F-Dur entsprang einem musikalischen Gestaltungswillen, den ich wohl nur unvollkommen umgesetzt habe, der aber hier doch immerhin sehr viel deutlicher zutage tritt als in meinen früheren Kompositionen.« Ganz anders hatte Jean Marnold nach der Uraufführung im Mercure de France geurteilt: »Man muss sich den Namen Maurice Ravel merken. Er ist einer der Meister von morgen.« Das Quartett ist jedenfalls alles andere als epigonal, trotz seiner Reminiszenzen; und gerade die scheinbaren Ähnlichkeiten zu Debussys zehn Jahre älterem g-Moll-Quartett, die ihm zum Beispiel von Pierre Lalo (als erklärtem »Debussysten«) in Le Temps vorgeworfen wurden, erweisen sich bei näherem Hinsehen und -hören als eher brüchig. »Vergessen Sie nicht, dass mein Streichquartett als eine Art vierstimmiger Kontrapunkt angelegt ist, während Debussys Quartett rein harmonisch konzipiert war«, erklärte Ravel noch 1931 in einem Interview – und berief sich dabei auf jenen Neoklassizismus, den Saint-Saëns in die französische Musik eingebracht hatte.

Sonatine

Neoklassizistisch ist auch die kurz nach dem Quartett entstandene Sonatine, die ihre Pariser Premiere mit dem Pianisten Gabriel Grovlez gleichfalls in einem Konzert der Société Nationale(31. März 1906) erlebte. Aufgrund des großen Erfolgs dieser Aufführung traten die Éditions Durand – der renommierteste der Pariser Musikverlage – an den Komponisten heran und nahmen nicht nur die Sonatine in Druck, sondern schlossen wenig später mit Ravel einen Exklusivvertrag, der ihm ein monatliches Fixum von 1000 Francs zusicherte; außerdem erwarb Durand die Rechte an Ravels älteren, bei anderen Verlagen erschienenen Werken, inklusive des Streichquartetts.

Den ersten Satz der Sonatine hatte Ravel 1903 für einen (letztendlich nicht durchgeführten) Wettbewerb der Weekly Critical Review eingereicht; die beiden anderen, 1905 nachkomponierten Sätze – vor allem der zentrale Mouvement de Menuet– zeigen deutlich »eine bewusste Rückkehr zur Eleganz und strukturellen Klarheit des späten 18. Jahrhunderts« (Arbie Orenstein). Dabei verraten die zahlreichen Skizzen, die zur Sonatineexistieren, und Spielanweisungen wie »lent mais allant et surtout avec une grande rigueur de rythme«(langsam aber beschwingt und vor allem mit großer rhythmischer Strenge, 2. Satz) oder »sans prudence et sans merci« (ohne Vorsicht und ohne Gnade, 3. Satz), dass das Spiel mit spätbarocken Forme(l)n einem genauen Kalkül der Wirkung unterworfen war.

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wandte sich der französische Harfenist Carlos Salzedo an Ravel mit der Bitte, seine Meinung zu einer Bearbeitung des Werks als Sonatine en Trio für Flöte, Violoncello und Harfe abzugeben, die er für sein Trio de Lutèce arrangiert hatte. Als der Komponist dann diese Version in einem Konzert in der Pariser Salle Gaveau hörte – so berichtet Salzedos Frau Viola Gramm –, soll er ausgerufen haben: »Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen!«

Introduction et Allegro

Salzedo hat auch andere Schöpfungen Ravels für sein Instrument arrangiert, und er war es auch, der am 15. Januar 1928 in New York die amerikanische Erstaufführung von Introduction et Allegro spielte. Die Uraufführung hatte bereits am 22. Februar 1907 in Paris stattgefunden, mit der erst 17-jährigen Micheline Kahn als Solistin, die wohl mit dem komplexen Harfenpart ziemlich überfordert war »und uns leider auf ihrem zudem nicht sauber gestimmten Instrument mit einem wahren Sturm an Glissandi die Ohren zudröhnte«, wie Louis Laloy im Mercure musical bedauerte. Das eher konzertant als kammermusikalisch angelegte Septett ist ein raffiniert aus drei (und schließlich sogar vier) Themen konstruierter Sonatensatz, dessen Hauptinteresse den Klangfarben-Kombinationen der quasi solistischen Harfe mit den anderen Instrumenten gilt.

Das Werk war Anfang Juni 1905 entstanden – kurz bevor Ravel einer Einladung seiner Freunde Alfred und Misia Edwards gefolgt war, sie an Bord ihrer Yacht »Aimée« auf einer knapp zweimonatigen Kanal- und Fluss-Kreuzfahrt durch Belgien, Holland und Deutschland zu begleiten. »Die letzten Tage vor meiner Abreise war ich entsetzlich beschäftigt«, schrieb er an Jean Marnold, »wegen eines Auftrags der [Harfen- und Klavierbau-] Firma Érard für ein Harfenstück. 8 Tage härteste Arbeit und 3 durchwachte Nächte waren nötig, um es (mehr schlecht als recht) fertig zu schreiben.« Den Hintergrund bildete die Konkurrenz der neu entwickelten, érardschen Doppelpedalharfe mit der chromatischen Harfe der Firma Pleyel, bei der die Saiten in zwei gekreuzten Reihen angeordnet waren; Pleyel hatte bei Claude Debussy 1904 die beiden Danses für Harfe und Streicher bestellt – nun zog Érard mit seinem Auftrag an Ravel nach.

Die Komposition der Sonatine und des Harfen-Septetts fiel in eine Zeit, in der sich der 30-jährige Ravel ein fünftes und letztes Mal um den Prix de Rome bewarb – den höchsten Kompositions- und Abschlusspreis des Pariser Conservatoire. Er scheiterte erneut und löste damit einen gewaltigen Skandal aus. Stellvertretend für die zahllosen Artikel, in denen die Affäre in der Presse diskutiert wurde, sei hier ein Brief zitiert, den Romain Rolland am 26. Mai 1905 an Paul Léon adressierte, den Direktor der Académie des Beaux–Arts: »Ravel […] ist heute schon einer der meistbeachteten jungen Meister unserer Schule, die nicht viele davon aufzuweisen hat. […] Ravel bewirbt sich um den Rompreis nicht als Schüler, sondern als ein Komponist, der sein Können bereits unter Beweis gestellt hat: Ich bewundere die Komponisten, die es gewagt haben, über ihn zu urteilen. Wer wird nun über s i e urteilen?« Am Ende musste Théodore Dubois als Direktor des Conservatoire zurücktreten und sein Amt an Gabriel Fauré übergeben.

Sonate pour violon et violoncelle

Das Verhältnis Ravels zu dem 13 Jahre älteren Claude Debussy, mit dem er so oft in einem Atemzug genannt und als »Impressionist« apostrophiert wird, war ausgesprochen komplex und kompliziert. Seit den 1900er-Jahren hatten sich die Parteigänger dieser beiden wichtigsten französischen Komponisten ihrer Generation in zwei feindliche Lager gespalten und beförderten in Artikeln und Rezensionen einen Streit, der bis heute nachwirkt. Dabei war Debussys Urteil über Ravel tatsächlich vernichtend: »Was mich aufregt ist seine Attitüde eines ›Taschenspielers‹, oder besser gesagt eines Fakir-Zauberers, der rund um einen Stuhl herum Blumen hervorsprießen lässt … Ein Taschenspieler-Kunststück ist leider immer gezinkt und kann nur ein einziges Mal Staunen erregen.« Ravel dagegen bewahrte gegenüber »dem außerordentlichsten Genie in der Geschichte der französischen Musik« stets eine respektvolle wenn auch distanzierte Achtung, wie er noch 1928 in einem Vortrag Contemporary Music erklärte: »Für den Musiker und den Menschen Debussy habe ich eine tiefe Bewunderung, meinem Wesen nach aber unterscheide ich mich von ihm.«

Wie tief dieser Unterschied war, zeigt nicht zuletzt die Duo-Sonate für Violine und Violoncello, die er »à la mémoire de Claude Debussy«widmete. Der erste der vier Sätze war am 1. Dezember 1920 als Teil eines Sammeldrucks Tombeau de Claude Debussy in einer Sondernummer der Revue musicale erschienen; bis zum Februar 1922 ließ ihm Ravel drei weitere Sätze folgen. »Ich glaube, diese Sonate markiert einen Wendepunkt in meiner Entwicklung«, stellte er in der Esquisse autobiographique fest. »Die Askese der Mittel ist darin bis an ihre äußersten Grenzen getrieben. Verzicht auf Harmonien, die dem Ohr schmeicheln; die Zusammenklänge mehr und mehr von melodischen Gegebenheiten bestimmt.« Die Abgrenzung seiner linear-kontrapunktischen Schreibweise gegenüber der eher harmonischen Debussys, die Ravel schon für sein Streichquartett betont hatte, scheint hier auf die Spitze getrieben – bis hin zur Bitonalität und zu Klangverbindungen und Reibungen, die an Béla Bartók und an (den von Ravel durchaus geschätzten) Arnold Schönberg denken lassen. Die Komposition war nur sehr langsam vorangegangen – »anderthalb Jahre Arbeit stecken darin«; während die (wieder einmal klassizistische) Form Ravel offenbar keine Probleme bereitete, war die Disposition der beiden Instrumente eine echte Herausforderung. Am Ende klingen die beiden Streicher so volltönend wie ein Quartett – oder wie sein Freund Roland-Manuel spottete: »Ravel sollte eine reduzierte Fassung seines Duos für Orchester einrichten!« Die Uraufführung fand am 6. April 1922 mit der Geigerin Hélène Jourdan-Morhange und dem Cellisten Maurice Maréchal in Paris statt. Ravel war in Lyon und erfuhr später, das Konzert sei ein »Massaker« gewesen. »Leider werde ich auch beim nächsten ›Massaker‹ nicht dabei sein können«, entschuldigte sich Ravel voller Ironie in einem Brief an die Geigerin, die ihn zu einer zweiten Aufführung der Sonate im Mai einlud. Nun, und auch Debussy hätte wohl kein Verständnis für die radikale und kompromisslose Schärfe dieser Musik gehabt, die den »Taschenspieler« und »Fakir-Zauberer« Ravel als einen Magier der Klänge ausweist, wie es keinen zweiten gab.

Michael Stegemann

Biografie

Der ausNeuchâtel (Schweiz) stammende Christophe Horák, erhielt seinen ersten Geigenunterricht im Alter von vier Jahren. Später studierte er bei Yfrah Neaman an der Guildhall School of Music in London. Weitere musikalische Anregungen erhielt er u. a. durch Zakhar Bron und Toru Yasunaga sowie durch das Melos- und das Borodin-Quartett. Bereits als Konzertmeister des Guildhall Symphony Orchestra und des Orchestra dell’ Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom musizierte er unter Dirigenten wie Semyon Bychkov, Kurt Masur, Sir Colin Davis und Pierre Boulez. In den Jahren 2000 bis 2002 war Christophe Horák Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker, ein Jahr später nahm ihn das Orchester in die Gruppe der Zweiten Violinen auf; seit Juni 2009 ist er deren Stimmführer. Seit dieser Zeit unterrichtet er auch an der Karajan-Akademie. Kammermusikalisch engagiert sich Christophe Horák u. a. in der Philharmonischen Camerata, im Berlin Piano Quartet sowie beim Scharoun Ensemble Berlin.

Ignacy Miecznikowski, 1976 in Krakau geboren, studierte Geige und Bratsche am Conservatoire National Supérieur de Lyon, wurde dort 1998 in die Solistenklasse von Tasso Adamopoulos aufgenommen und erhielt zwei Jahre später sein Solistendiplom. Ab 1996 sammelte er erste Orchestererfahrungen in verschiedenen französischen Klangkörpern, u. a. im Orchester der Opéra National de Marseille. 1998 wurde er Solobratscher im Orchestre National de Lyon; wo er bis zu seinem Wechsel zu den Berliner Philharmonikern im Dezember 2009 spielte.

Bruno Delepelaire stammt aus Paris und begann im Alter von fünf Jahren mit dem Cellospiel. Er studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt bei Philippe Muller. 2012 kam er nach Berlin, um seine Ausbildung bei Jens-Peter Maintz an der Universität der Künste sowie bei Ludwig Quandt an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker fortzusetzen; zudem besuchte er Meisterkurse bei Wolfgang-Emanuel Schmidt, François Salque, Wen-Sinn Yang und Wolfgang Boettcher. Orchestererfahrung sammelte Bruno Delepelaire u. a. beim Verbier Festival Orchestra sowie beim Gustav Mahler Jugendorchester. Als Solist ist er mit dem Münchner Rundfunkorchester und der Württembergischen Philharmonie Reutlingen aufgetreten. Bruno Delepelaire gewann mehrere Preise als Solist sowie – gemeinsam mit seinem Streichquartett Quatuor Cavatine – als Kammermusiker; seit November 2013 gehört er als Erster Solocellist den Berliner Philharmonikern an. Der Musiker spielt auf einem Cello von Matteo Goffriller, das ihm von der Karolina-Blaberg-Stiftung zur Verfügung gestellt wurde.

Den ersten Flötenunterrichterhielt der in Genf geborene Emmanuel Pahud als 6-Jähriger. Später studierte er in Brüssel und am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique bei Michel Debost; sein Können vervollkommnete er bei Aurèle Nicolet in Basel. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen gewann Emmanuel Pahud erste Preise bei den Internationalen Musikwettbewerben in Genf (1992), Kobe (1989) und Duino (1988). Orchestererfahrung sammelte er als Soloflötist im Radio-Sinfonieorchester Basel und bei den Münchner Philharmonikern, bevor er 1993 als Soloflötist zu den Berliner Philharmonikern kam. Zwischenzeitlich Professor am Genfer Konservatorium tätig, kehrte Emmanuel Pahud im April 2002 zum Orchester zurück. Als Solist konzertiert er weltweit mit den großen Orchestern sowie als Kammermusiker in verschiedenen Ensemblebesetzungen. Für seine zahlreichen Einspielungen hat Emmanuel Pahud bedeutende Preise erhalten. Im Juni 2009 wurde er zum »Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres« ernannt und im April 2011 zum Ehrenmitglied der Royal Academy of Music.

Wenzel Fuchs stammt aus Innsbruck und begann seine Ausbildung am Konservatorium seiner Heimatstadt; später setzte er sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort. Bereits zu dieser Zeit spielte er als Substitut, u. a. an der Staatsoper und bei den Wiener Philharmonikern. Seine berufliche Laufbahn begann Wenzel Fuchs als Soloklarinettist an der Wiener Volksoper. Anschließend wechselte er zum ORF-Sinfonieorchester und 1993 kam er als Soloklarinettist zu den Berliner Philharmonikern. Neben seiner Arbeit im Orchester ist der Musiker vielfältig solistisch und kammermusikalisch tätig, u. a. als Partner von Yefim Bronfman, Mitsuko Uchida und David Geringas. Er ist Mitglied des Philharmonischen Bläserensembles, beim Philharmonischen Oktett und beim Kammerorchester Wien-Berlin. In den Jahren 2008 bis 2012 unterrichtete Wenzel Fuchs als Professor an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin; seit Oktober 2015 hat er eine Professur am »Mozarteum« Salzburg. Zudem ist er Gastprofessor an der Geidai-Universität in Tokio (Japan). Wenzel Fuchs lehrt ebenfalls an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker und gibt weltweit Meisterkurse.

Marie-Pierre Langlamet wurde in Grenoble geboren und studierte bei Elizabeth Fontan-Binoche am Konservatorium in Nizza. Außerdem nahm sie an Meisterkursen von Jacqueline Borot und Lily Laskine teil. Bereits mit als 15-Jährige erregte sie internationale Aufmerksamkeit, als sie den Internationalen Harfen-Wettbewerb Maria Korchinska gewann; ein Jahr später holte sie den ersten Preis beim Wettbewerb der Cité des Arts in Paris. Mit grade 17 Jahren wurde sie Soloharfenistin im Opernorchester von Nizza. Ein Stipendium ermöglichte ihr die Fortsetzung ihrer Studien am Curtis Institute of Music in Philadelphia, bevor sie 1988 stellvertretende Soloharfenistin im Orchester der Metropolitan Opera New York wurde. 1992 gewann Marie-Pierre Langlamet mit dem ersten Preis des Internationalen Harfenwettbewerb in Israel einen der bedeutendsten Wettbewerbe für ihr Instrument. Seit 1993 ist sie Mitglied der Berliner Philharmoniker und konzertiert darüber hinaus weltweit als Solistin mit renommierten Kammermusikensembles und Orchestern (Israel Philharmonic Orchestra, Orchestre de la Suisse Romande u. a.). Marie-Pierre Langlamet unterrichtet an der Karajan-Akademie und an der Universität der Künste Berlin. 2009 verlieh ihr das französische Kulturministerium die Auszeichnung »Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres«.

Emmanuel Pahud (Foto: Sebastian Hänel)